Hamburg – Bielefeld: Fahrt ins Ungewisse? (Bericht+Bilder)

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RSG-Arne
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Hamburg – Bielefeld: Fahrt ins Ungewisse? (Bericht+Bilder)

Beitragvon RSG-Arne » 19.07.2015, 23:00

Tabula-raser hat sich ja in diesem Forum mit der Frage beschäftigt, ob es Bielefeld wirklich gibt: http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/ ... php?t=9300. Diese Frage stellte ich mir zwar nicht, aber meine Tourenidee, von Hamburg(-Blankenese) nach Bielefeld(-Kirchdornberg) zu fahren, warf auch einige Fragen auf. Dazu gleich mehr, zunächst ein paar Worte zu den Gründen für diese Tour, die ich am Freitag, den 17.07. in die Tat umgesetzt habe:

Aus „familiären“ Gründen bin ich mehrfach im Jahr zu Besuch in Bielefeld und irgendwann reifte der Gedanke, dass man diese Strecke „als kleine Herausforderung“ auch einmal mit dem Rennrad zurücklegen könnte. Ein Blick auf gpsies.com offenbarte mir, dass sich bei relativ direktem Streckenverlauf immerhin rund 230 km Streckenlänge ergeben. Das ist weit, aber grundsätzlich nicht unschaffbar. Vor zehn Jahren bin ich ja auch einige Nordcups mitgefahren, die auch jeweils über 200 km lang sind… Schlecht einzuschätzen ist allerdings, wie lange es dauern würde, nach so einer Tour wieder halbwegs regeneriert zu sein. Also kommt nur ein Freitag in Frage, damit am Montag wieder die Arbeit beginnen kann. Einen ersten „Versuch“ nach Himmelfahrt konnte ich leider nicht in die Tat umsetzen, da ich erkältungs- und trainingsbedingt noch nicht in der Lage für eine solche Langstrecke war (die Brevet-Fahrer mögen mir verzeihen, aber für mich ist und bleibt alles über 150 km Langstrecke). Kurzfristig ergab sich nun, zu einer Taufe nach Bielefeld zu reisen. Auch mein Chef spielte mit und gewährte mir für Freitag Urlaub. Mein Trainingszustand war jetzt erheblich besser und die 230 Kilometer habe ich am vergangenen Wochenende an zwei Tagen „geübt“ (Rund Hamburg Halbe und RTF in Wedel).

Die Wettervorhersage wechselte noch reichlich, klar wurde aber, dass die Temperaturen doch spürbar über 30 Grad liegen würden. Die Regenvorhersage war unklar und der Wind hatte sich auch noch nicht festgelegt. Folgende „Ungewissheiten“ kamen daher auf:
  • - Spielt das Wetter mit? Genauer: Gibt es (zu viel) Regen? Wird es zu warm? Kommt der Wind aus der falschen Richtung (Süd/Südwest)?

    - Bin ich fit genug für 230 Kilometer?

    - Spielt mein Popo/Rücken/Nacken/Knie mit?

    - Hält das Material?

    - Finde ich „meine Strecke“ ohne (größere) Umwege?
Die Strecke habe ich mir vorab am Rechner zusammen gestellt und auf mein Navi gezogen (http://www.gpsies.com/map.do?fileId=blxoisogxqbdcoiv). Es war allerdings klar, dass mein Navi keine 9 bis 10 Stunden durchhalten wird und ein Akkuwechsel ist bei dem Gerät nicht vorgesehen. Einzige Idee wäre eine USB-Powerbank, die ich aber nicht mehr rechtzeitig besorgen konnte/wollte. Das Navi musste also möglichst lange aus bleiben. Das führte zu der klassischen Methode „Strecke auf Landkarte einzeichnen“. Die benötigten Karten waren aber nur als Back-Up gedacht, da ich nicht viel Zeit mit Kartenstudium verbringen wollte. Ich habe mir daher auf dem Oberrohr alle Abzweigungen, ein paar Ortschaften und Supermärkte eingetragen (dreifach übereinander geklebt).

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Dieses „Zielfindungsgesamtpaket“ sollte es also richten. Die Strecke verlief über möglichst kleine Straßen an Bremen vorbei.

Freitag ging es dann frühmorgens los, leider nicht so richtig ausgeschlafen – dafür motiviert.

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Der Morgen empfing mich mit strahlendem Sonnenschein, so dass die Fährfahrt von Blankenese nach Cranz bzw. Neuenfelde, da Cranz nicht angelaufen wurde, einen guten Tag erwarten ließ. Unser „Vereins-Leuchtturm“ verabschiedete sich also bei bestem Wetter.

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In Buxtehude stieß ich dann auf ein potentielles Motto meiner Tour: „Schlau, wer schon da ist“. Da waren allerdings noch über 200 km zu absolvieren…

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Hinter Buxtehude zogen dann Wolken auf, so hatte ich mir das Wetter nicht vorgestellt. Und mir fiel ein, dass es durchaus schlau gewesen wäre, sich nicht auf den Wetterbericht vom Vortag zu verlassen, sondern auch am Morgen nochmal nachzuschauen. Zu spät. Bald darauf machte ich Bekanntschaft mit „Sprühnebel“ und leichtem Regen. Nicht so schlimm wie ein Schauer, aber auch nicht schön. Vor allem wurden die Straßen feucht und ich dreckig… Wo waren denn die angesagten 30 Grad und mehr geblieben? Ich hatte doch extra auf Armlinge verzichtet! Mit etwa 19 Grad war die Feuchtigkeit aber zu ertragen. Der Gedanke, dass es länger dauern könnte, bis es trocken wird, schon weniger.

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"Wohnste noch oder lebst Du schon?" - Bei einsetzendem Nieselregen konnte mich diese Schilderkombi wenigstens ein wenig erheitern...

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Eine interessante Gefahr, vor der hier gewarnt wird. Allerdings zeigte sich beim Blick auf die Gleise, dass hier schon länger keine Gefahr droht: Büsche und Gräser eroberten die Bahnstrecke, so dass an Draisinenfahrten derzeit nicht zu denken ist... (leider ohne Bild)

Nach rund 60 Kilometern, die ich ohne nennenswerte Leistungseinbußen absolviert habe, ein tröstender Gedanke „schon mehr als ein Viertel absolviert“.

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Zwischendurch Skepsis: "Hört das mit dem Regen jetzt wirklich auf?"
Bei Kilometer 75: „fast ein Drittel geschafft“. Nun wurde es auch trocken und warm - sehr warm, je länger ich fuhr. Das fand ich zunächst ganz gut. Später wäre weniger aber mehr gewesen.

In Achim bei Bremen hatte ich dann meinen topografisch ersten richtig spürbaren Abschnitt absolviert.

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Rund 92 km vorbei und der Radweg lockte mehr als die Straße (das hielt allerdings nicht lange an).

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Schöne Ausblicke gab es an der Weser (allerdings gegen die Fahrtrichtung gesehen).

Kurz hinter Bremen erreichte ich Werder (spricht man das nicht sonst anders herum)? Dieser geografische Fakt brachte mich zu der Erkenntnis, dass der Bundesligaverein vielleicht seine Wurzeln in diesem kleinen Örtchen hat. Weiß das jemand genauer?

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In Werder selbst gibt es eine Straußenfarm, die Vögel waren aber wohl alle vor der Hitze geflüchtet, der einzige Hinweis blieb dieses Schild.

Häufig stieß ich unterwegs auf Erntefahrzeuge - die Sommerernte in Norddeutschland ist im vollen Gange...

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Nicht immer sah dies so schön aus wie hier, manchmal kam es gar zu gefährlichen Situationen, weil der Weg durch "Erntestaub" nicht mehr erkennbar war...

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Ich habe mich bemüht, schöne Nebenstrecken zu finden, also wenn möglich asphaltierte Wirtschaftswege. Das hat, wie man hier sieht, überwiegend gut geklappt.

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Ergebnis: Gute Laune auch bei mir...

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Eine weitere interessante "Gefahr" auf meinem Weg: Boßeln ist in Niedersachsen Volkssport... War aber wohl etwas zu heiß, auf der geraden Boßelstrecke war jedenfalls keiner zu sehen...

Interessanter Weise sind mir auch nur sehr wenig Rennradfahrer begegnet. Den Tag über insgesamt weniger als 10. Und weder bin ich überholt worden, noch habe ich jemanden überholt... Langweilig war es trotzdem nicht.

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Wenig zu sehen gab es vom Großen Renzeler Moor. Das sah auf der Karte imposanter aus...

Zwei Kilometer weiter dachte ich, ich wäre in eine Bauernhochzeit geraten. Kutschen, Musik und viele Leute auf einem Bauernhof...

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Diese Einschätzung erwies sich als falsch. Das Schützenfest bereitete sich auf das Schützenfest vor (oder so ähnlich). Das Schützenkönigspaar auf Kutsche vorweg und das Schützenvolk mit musizierendem Spielmannszug und Begleittross hinterher... Doch anstelle auf die Straße einzubiegen, marschierte der Zug geradewegs in den bereit gestellten Gelenkbus.

Fand ich etwas schräg, vor allem weil die Kapelle "Mus i denn zum Städele hinaus" spielte und von einer Stadt oder überhaupt einer Ortschaft meilenweit nichts zu sehen war. Und der Stadel=Stall war wohl auch nicht gemeint...

Um eine skurile Erfahrung reicher, erreichte ich dann bald auch Nordrhein-Westfalen. Zwischendurch habe ich meinen Hunger und Durst noch zweimal gestillt. Je länger ich unterwegs war, merkte ich allerdings, dass die Nahrungsaufnahme aufgrund der Hitze immer schwerer fiel und es primär auf Flüssigkeits- und Salzersatz ankam...

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In Wehe musste ich dann auch an "Wehe..." denken.

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Hier musste ich dann eher an "Hallo Spencer" denken, wo "Lulu" auch in einem Waggon lebt, bzw. an die "Mitropa-Duschhaube" von Hape Kerkeling... Hier handelt es sich allerdings um das Gelände der Museumsbahn in Rahden.

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Es dauerte dann nicht mehr lange, bis sich ein welligeres Profil am Horizont abzeichnete. Diesen Umstand hatte ich bisher gekonnt ignoriert und war auch schon mit der streckenbedingten Erschöpfung beschäftigt...

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Das sieht dann so aus...

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Hier dachte ich dann nur noch "Mist, muss ich da wirklich rüber?!"

Am Mittellandkanal gab es noch eine interessante Begegnung. Zwei Anfang Zwanzigjährige standen in Badeklamotten auf der Brücke und sahen so aus, hier ins Wasser springen zu wollen. Meine Äußerung "Ihr seid ja mutig" taten sie mit der Begründung, dass das ja jeder könne - auch ich, ab. Um nicht eine unnötige Mutprobe absolvieren zu müssen, verwies ich auf meine bisher gefahrene Strecke und dass ich froh wäre, wenn ich jetzt bald ankäme. Wir versicherten uns dann unser gegenseitigen Hochachtung angesichts unserer jeweiligen sportlichen Leistung und die Wege trennten sich wieder.

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Sogar hier war mir gar nicht nach einem Bier zumute...

<IMG src="http://www.rsg-blankenese.de/cms/wp-con ... H-BI68.jpg" width="400"> <IMG src="http://www.rsg-blankenese.de/cms/wp-con ... H-BI70.jpg" width="400">

14 Kilometer vor dem Ziel gab es dann endlich erste Hinweise auf die Nähe Bielefelds und pünktlich zur Tagesschau war es dann endlich geschafft!

Mein Fahrrad hat perfekt mitgespielt, es gab keinen Defekt, obwohl der Belag auf dem einen oder anderen Kilometer durchaus zu wünschen übrig ließ oder von Steinen übersät war...

Die Vorplanung kam mir im Nachhinein doch sehr "deutsch" vor (an alles denken, nicht einfach spontan losfahren), allerdings hat es aber wohl genau aus diesem Grund sehr gut geklappt. Die Strecke hat mir gut gefallen, die Einteilung der Leistungsreserven hat geklappt und ohne (Gegen-)Wind wäre sicher noch der eine oder andere Stundenkilometer mehr drin gewesen. So ist es ein Durchschnitt von 23,32 km/h geworden auf 230,33 Kilometern. Ich habe 9 Stunden, 42 Minuten und 37 Sekunden im Sattel verbracht und war von 7.15 bis 20.00 Uhr unterwegs. Aber es hat sich gelohnt! Ich habe meine Beine zwar hinterher gespürt, aber vom befürchteten Muskelkater und völligem Zusammenbruch war zum Glück nichts zu spüren. Zum Brevetfahrer werde ich wohl allerdings trotzdem nicht werden. Dafür habe ich zu deutlich gefühlt, dass meine Leistungsgrenze bei 200 bis 250 km liegen dürfte...

Arne

Die verwendeten und weitere Fotos in größerer Auflösung gibt es hier:

http://www.rsg-blankenese.de/fotos-und- ... feld-tour/
Zuletzt geändert von RSG-Arne am 26.07.2015, 08:45, insgesamt 8-mal geändert.
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Beitragvon Tourini » 20.07.2015, 09:17

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung - Bielefeld ist immer eine (Rad-)Reise wert! :D :D :D
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Beitragvon RSG-Arne » 21.07.2015, 20:20

Ich habe den Beitrag jetzt vollendet. Der Übersicht halber habe ich den alten Beitrag ergänzt...
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Hamburg – Bielefeld: Fahrt ins Ungewisse? (Bericht+Bilder)

Beitragvon Heimfelder Dirk » 22.07.2015, 15:49

RSG-Arne hat geschrieben:Tabula-raser hat sich ja in diesem Forum mit der Frage beschäftigt, ob es Bielefeld wirklich gibt: http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/ ... php?t=9300. Diese Frage stellte ich mir zwar nicht, aber meine Tourenidee, von Hamburg(-Blankenese) nach Bielefeld(-Kirchdornberg) zu fahren, warf auch einige Fragen auf.
Schöner Bericht von Arne ;-)

Allerdings bleibt es nach wie vor im Nebel der Unwissenheit, ob es Bielefeld nun gibt oder doch nicht. :? Es ist Arne trotz perfekter Ausrüstung und mitgeführter Kamera nicht gelungen, ein Ortsschild von dieser Phantomstadt zu fotografieren...irgendwie gruselig :shock:

Eines der letzten Geheimnisse der Menschheit bleibt weiterhin ungelöst. :roll:
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WalterH
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Beitragvon WalterH » 23.07.2015, 23:45

Bielefeld gibt es. Steht jedenfalls in meiner Geburtsurkunde. Bin dort auch zur Schule.
Und am Samstag spielt deren Fussball Mannschaft am Millerntor.
Und da ich seit vielen Jahren im Raum HH lebe freue ich mich sogar drauf.
2:0 für St.Pauli.

OT Ende
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Beitragvon Knud » 24.07.2015, 21:37

WalterH hat geschrieben:Bielefeld gibt es. Steht jedenfalls in meiner Geburtsurkunde. Bin dort auch zur Schule.
Da bist du IHNEN aber geplegt auf den Leim gegangen. SIE machen das schon gut, ich habe sogar mal eine Ortsschild gesehen. Nur bei der U-Bahn-Simulation haben SIE gepfuscht. Mehr als eine Straßenbahn mit Überdachung war das nicht...

:D
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Uetersen - Werther

Beitragvon Tourini » 26.07.2015, 18:13

Ein wunderbarer Bericht von RSG-Arne mit "sprechenden" Fotos. Da wird mir ganz warm ums Herz - Deja vus in fast jeder Zeile und fast jedem Foto. Warum? Am 8. Mai bin ich eine fast identische Strecke gefahren und habe mir damit ebenfalls einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Aber von vorne (Ähnlichkeiten mit Arnes Bericht sind unübersehbar).

Was macht ein Hobbyrennradfahrer, der nun seit gut 10 Jahren fern der alten Heimat Ostwestfalen lebt, im letzten Jahr seinen ersten Radmarathon fuhr und zu allem Überfluss auch noch droht 50 zu werden. Die Gesetze der Midlife Crisis verlangten nach etwas Besonderem. Porsche kaufen? Zu teuer. Na ja, geschenkt gerne ...

Also gerne auch Flucht vor der gefühlten Verpflichtung hier 'ne Party aus gegebenen Anlass zu veranstalten. Das war sie die Gelegenheit! Das Projekt Uetersen - Werther nahm im Kopf nun erste Gestalt an. Uetersen dürfte den meisten Hamburgern bekannt sein. Werther ist in aller Munde (dort wurden die Werthers Echte/Original erfunden) und liegt vor den Toren der ostwestfälischen Metropole Bielefeld, das es ja bekanntlich nicht gibt. Die Routenführung gleicht daher recht gut Arnes Tour.

Da die Fähre Schulau-Lühe nur an Wochentagen früh genug übersetzt, war der Freitag nach meinem Geburtstag der beste Termin zu "Flucht". Der Termin stand damit also fest. Wie würde das Wetter werden? Bei 20 km/h Gegenwind würde der Spaß und wer weiß was sonst noch auf der Strecke bleiben ... Das Wetter hat dann aber (um es vorweg zu nehmen) hervorragend mitgespielt.

Nachdem die Route, auf GPSIES eingegeben, möglichst der Luftlinie folgend auf's Garmin übertragen war, musste ein USB- Akku ins Gepäck weil der Garmin nach der Marathon-Erfahrung im letzten Jahr nach 7 h schlapp machte. Die Strecke sollte von Uetersen bis Wedel und dann ab Lühe über Harsefeld, Zeven, Ottersberg, Achim, Emtinghausen, Schwaförden, Wagenfeld, Stemmwede, Preussisch-Oldendorf, Bruchmühlen nach Werther führen.

Eine auf Erfahrungswerten beruhende Anzahl von Energieriegeln und -gels sowie ein beruhigender Wasservorrat sollten Nachkaufpausen auf's Nötigste beschränken. Da der Start in Uetersen um 5:30 Uhr mit entsprechend frischen Temperaturen zusätzlichen Stauraum für unterwegs abgelegte Beinlinge/Windjacke/Armlinge erforderlich machen würde, war der minimalistische Deuter-Rucksack Road One die ideale Lösung.

Zwei Freunde und Rennrad-Routiniers aus meiner alten Heimat hatten sich - angetan von dem Projekt - freudig bereit erklärt, mir ein Stück entgegen zu kommen, um mich bei der Wiehengebirgsüberquerung zu unterstützen. Das Projekt entwickelte eine wunderbare Eigendynamik! Und insgeheim kam dann noch ein Midlife Crisis getriebener Ehrgeiz ins Spiel ... Ich sach mal 25er Schnitt ... weil äh na ja, langsamer als ein Mofa oder Pedelec das wäre äh, wie soll ich sagen - sei's drum - hängt halt vor allem von der (Gegen?)Windrichtung ab.

Ja ja, die Planung aller Eventualitäten hatte mich schon sehr beschäftigt. Das Wetter MUSSTE mitspielen ... wenigsten ein bisschen! Der Termin stand fest, ein Ausweichtermin - aus gegebenem Anlass - war nicht in Sicht. Die Wetterprognose wechselte ständig von Schauern und Gegenwind - bis dann einen Tag vorher sich dann doch ausgesprochen günstiges weil regenfreies und windarmes Wetter ankündigte - YES!

Der Wecker klingelte um 5 Uhr - war eh schon wach. Schnell Müsli und Tee und dann aufs Rad - endlich! Genau bei Sonnenaufgang und frischen 5 Grad los durch fast autofreie Straßen nach Wedel zur Fähre. Zeit genug um einen etwaigen Platten zu beheben (nicht nötig), 15 min zu früh am Anleger und dann die Morgenstimmung am Fähranleger ausgiebig genossen.

Auf der Fähre war ich fast alleine mit dem Kaffeeautomaten, dessen Produkt so langsam mein Hirn auf Betriebstemperatur brachte. Na ja und dann nach der bequemen Elbquerung immer schön auf's Garmin glotzen und sinnig vor mich hin treten.

Die Strecke führte überwiegend über Land- und Kreisstraßen ziemlich genau entlang Arnes Route. Oft habe ich mich gefragt ob es auch geeignetere Nebenstrecken gibt, wie Arne sie wohl gefahren ist. Mal waren die Radwege entlang der Landstraßen OK, meist bin ich lieber auf der richtigen Straße gefahren.

Bei der ganzen Durchquerung Niedersachsens ist mir an diesem Freitag kein (!) Rennradfahrer begegnet. Stattdessen hatte ich (zu) häufig den Mief frisch gegüllter Äcker und den Gestank von großen bis riesigen Viehställen in der Nase. Frische Luft? Häufig Fehlanzeige ...
Irgendwann fiel mir das auf und ich fing an die Veganer in ihrem missionarischen Eifer zu verstehen.

In augenfälligem Kontrast standen die Rapsfelder die in voller Blüte standen und zumindest für's Auge etwas boten. Ja und dann doch mal zwei Rennradfahrer, die mir entgegenkamen, die ich dann auch gewohnheitsmäßig freundlich grüßte. Jaaa, sie waren es wirklich - und nicht zufällig - die Radkumpels aus der alten Heimat. Dank zeitgemäßem Equipment (Routenplan, Ortung auf dem Smartphone, SMS) kreuzten sich endlich unsere Wege im Vorland des Wiehengebirges. Eine herzliche Begrüßung und dann habe ich mich den beiden Lotsen für die letzten 50 km anvertraut.

Mit gut 200 km Anlauf durch das norddeutsche Flachland und dank reichlich Energieriegeln sehnte ich mich danach endlich mal ein paar Höhenmeter zu machen, noch dazu in Begleitung der alten Freunde die ich viel zu selten sehe. So waren diese letzten km eher Lust als Last und beim gemeinsamen Einrollen in die alte Heimatstadt war ich einfach nur stolz und glücklich dass alles so gut geklappt hat.

Start um halb sechs morgens bei 5 Grad dann elf Stunden später die Ankunft in kurz/kurz bei 18 Grad und Sonne.
Nach der ersten Streckenhälfte drehte der leichte Seitenwind dann auch noch in den Rücken, so dass der Schnitt immer oberhalb der "magischen" 25 blieb.
Allerdings hatte ich unterwegs nicht die Ruhe Fotos zu machen um den "Schnitt" nicht zu verderben... Um so mehr habe ich mich über RSG-Arnes Fotos gefreut!!! Wie gesagt, Deja vus...

Eine wohlverdiente Einkehr am Ziel auf der Terrasse eines örtlichen Cafes mit Tee und Kuchen rundeten den sportlichen Teil des Tages ab.

Ach so, da die Tour ein paar km vor Bielefeld endete, kann ich leider (wenn auch als gebürtiger Bielefelder) zur Beweislage der Existenz Bielefelds nichts Handfestes beitragen...
Zuletzt geändert von Tourini am 28.07.2015, 13:28, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitragvon RSG-Arne » 26.07.2015, 22:08

Ich hätte nie gedacht, dass noch jemand auf die Idee kommen könnte, ausgerechnet so eine Tour zu machen... Freut mich um so mehr, wenn ich die "richtigen" Fotos geschossen habe!
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Beitragvon Knud » 26.07.2015, 23:25

Die Strecke hätte etwas. Habe ich doch das erste mal ein Radrennen live genau im Zielgebiet erlebt. Wir waren in Halle. Einmal bekammen wir den Hinweis, dass fast vor der Haustür ein Radrennen stattfinden würde. Auf der Straße von Halle nach Werther mußten die Jungs genau bei uns über den Berg. Für Zuschauer sind Rundenrennen ja klasse....Und wir stöhnten schon, wenn wir dort zu Fuß rauf gingen...
Gerne würde ich da mal wieder hin, aber bei Anreise mit dem Rad würde ich wohl zwei Tagesetappen daraus machen.

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Re: Hamburg – Bielefeld: Fahrt ins Ungewisse? (Bericht+Bilde

Beitragvon Helmut » 28.07.2015, 02:08

RSG-Arne hat geschrieben:<IMG src="http://www.rsg-blankenese.de/cms/wp-con ... H-BI70.jpg" width="400">
Sorry, das Schild zeigt nur den Beginn eines Vorortes, aber was kommt dahinter? Das echte Bielefeld? Zweifel an dessen Existenz bleiben, auch wenn der Hinweg sich zu lohnen scheint. :)
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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beim nächsten Mal bin ich dabei

Beitragvon Cuppo » 04.08.2015, 17:23

Moin Jungs aus der Ost-Westfälischen Hochburg,
auch ich bin ein Gewächs aus Bielefeld und komme aus Großdornberg und habe in Werther mein Abitur gemacht.

Ich wäre bereit beim nächsten Mal mitzufahren!!

Wie sieht es aus? Die Frauen und Kinder schicken wir mit dem Auto zu den Eltern vor.

Viele Grüße,
Henning
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Beitragvon crumble » 04.08.2015, 19:05

Eine schoene Tour mit guter Planung.

Werder ist eine alte Landschaftsbezeichnungl. Orte mit solchen Namen wirst Du sicherlich oefters finden koennen.

Eines fernen Tages muss ich mal meine Bremen Tour machen, die mich durch alle Bremen Deutschlands fuehren soll.
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 05.08.2015, 09:53

Knud hat geschrieben:
WalterH hat geschrieben:Bielefeld gibt es. Steht jedenfalls in meiner Geburtsurkunde. Bin dort auch zur Schule.
Da bist du IHNEN aber geplegt auf den Leim gegangen. SIE machen das schon gut, ich habe sogar mal eine Ortsschild gesehen. Nur bei der U-Bahn-Simulation haben SIE gepfuscht. Mehr als eine Straßenbahn mit Überdachung war das nicht... :D
Genau! DEINE Erinnerung an DEINEN Aufenthalt haben SIE über eine Art USB-Anschluß in dein Gehirn programmiert.

In Wirklichkeit warst DU in einem strahlend weißen Labor, wo SIE (schlimme) Experimente mit dir gemacht haben :shock:
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Beitragvon Tourini » 15.08.2015, 21:46

Das Ortsschild von WERDER mutete mir beim ersten Anblick aus der Ferne wie eine Fata Morgana an. :shock:
Da ich nach WERTHER wollte war ich kurz verwirrt da erst 110 km auf dem Tacho standen, also nicht mal die Hälfte des Tagespensums.
Auf den zweiten Blick erkannte ich den "Schreibfehler", der mich auf die richtige Spur brachte - ich war wohl doch noch nicht am Ziel. NehNeh
Na ja und eine Straußenfarm gibt es im "richtigen" Werther auch nicht. :roll:

Die Tour noch mal mit mehreren zu fahren hat durchaus seinen Reiz! Dann werden wir sicher (!?) endlich die Existenz Bielefelds wasserdicht beweisen können ... :D
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Wer möchte 2016 mit?

Beitragvon RSG-Arne » 01.11.2015, 17:58

Die Beiträge hier haben mich motiviert, für 2016 über eine Neuauflage nachzudenken. Wer hat auch Lust? Ich denke konkret an "Pfingstsamstag", den 14. Mai 2016.

Genaueres steht hier: http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/ ... php?t=9863

Viele Grüße
Arne
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Beitragvon kocmonaut » 03.11.2015, 20:39

Hallo Arne,

stoße jetzt erst auf Deine schöne Tour, die Dank wunderbarer Berichterstattung einen Vormerker für 2016 bekommt. So früh kann ich aber noch nicht planen - und wohlmöglich fällt es in den Urlaub

Arne schrieb:
Am Mittellandkanal gab es noch eine interessante Begegnung. Zwei Anfang Zwanzigjährige standen in Badeklamotten auf der Brücke und sahen so aus, hier ins Wasser springen zu wollen.
Da ich mit dem Crosser häufiger Gewässer auch abseits der Wege quere, habe ich dazu auch ein paar Anektörtchen. Diese passt hierher: Nach kleiner Flussquerung stiefelte ich eine ansteigende Wiese hinauf und erblickte plötzlich ein verschmustes junges Pärchen, kurz bevor es mich erblickte. Mein freundliches 'Hallo' wurde mit einem lautstarken "KREISCH! - wo kommst DU denn her!?" erwidert. Als ich "Aus dem Fluss" antwortete, war die Fassungslosigkeit komplett.

Ich schätze, die schmusen jetzt woanders, so rot wie die waren.
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Beitragvon RSG-Arne » 10.11.2015, 18:22

Moin kocmonaut,

schau doch einfach wieder vorbei, wenn sich Deine Planung konkretisiert. Vielleicht lässt sich das ja dann einigermaßen spontan einrichten...

Viele Grüße
Arne
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RSG-Arne
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Beitragvon RSG-Arne » 19.05.2016, 17:14

Den Bericht zur Neuauflage in 2016 findet Ihr hier...

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