PresseRad macht weiter!

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VeloC
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PresseRad macht weiter!

Beitragvon VeloC » 29.03.2015, 21:49

Wie oft habe ich mich in all meinen Jahren als Alltagsradfahrer geärgert über Unfallberichte, bei denen standardmäßig der betroffene Radfahrer mehr oder weniger verkappt als Schuldiger dargestellt wurde, auch wenn die geschilderten Tatsachen eine völlig andere Sprache sprachen. Vorfahrtberechtigte Radfahrer, die von Autofahrern "übersehen", und als Folge daraus "touchiert" werden, wobei unbedingt erwähnt werden muss, dass "ein Helm seine schweren Verletzungen deutlich gemindert" hätte. Von rechts abbiegenden LKW zermalmte Radfahrer, die der LKW-Fahrer "nicht sehen konnte, da der Radfahrer sich im Toten Winkel befand". Sogar zu diesen Unfällen gab es bereits Meldungen, in denen als Gipfel der Perversion tadelnd erwähnt wurde, dass der Radfahrer keinen Helm trug. Und immer wieder Radfahrer, die beim Umgefahrenwerden "sich verletzen". Dabei handelt es sich offenbar, siehe ritzende Emo-Kids, um eine schwere Form der Autoaggression (schöne Doppeldeutigkeit hier), die dringend psychiatrisch behandelt gehört.

Diese in Polizeipressestellen und Tageszeitungen weit verbreitete Art der Berichterstattung ist nicht bloß ärgerlich, sondern höchst gefährlich. Dass Sprache das Bewusstsein formt, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Unfallberichte werden von Zeitungslesern häufig nebenbei konsumiert und setzen sich umso fester im Unterbewusstsein fest. Die Dauerberieselung festigt Überzeugungen: Radfahrer neigen dazu, aus dem Nichts aufzutauchen, so dass man als Autofahrer gar nicht erst auf sie achten muss, denn man kann sie ja sowieso nicht sehen. Der Tote Winkel ist eine heilige Zone, für die Kraftfahrer keinerlei Verantwortung tragen – wer dort hinein gerät, ist an allen eventuellen Folgen selber schuld. Radfahrer handeln grob fahrlässig, wenn sie sich einfach überfahren lassen, ohne dabei einen Helm (neuerdings zusätzlich noch eine Warnweste) zu tragen. Vorfahrtregeln, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Mindestabstand beim Überholen und Sichtfahrgebot sind dagegen irrelevant.

Der Blog PresseRad hat sich auf die Fahne geschrieben, gegen diese Gefahr anzugehen. Die Macher werten systematisch Polizei- und Zeitungsmeldungen im deutschsprachigen Raum aus und veröffentlichen die krassesten Beispiele mit entsprechenden Kommentaren. Vielfach werden auch die Verfasser direkt kontaktiert und ihre Reaktionen ebenfalls veröffentlicht. In einigen Fällen zeigt sich dabei tatsächlich so etwas wie Einsicht und der Wille zu zukünftiger Veränderung. Meist bleibt es jedoch ein Kampf gegen Windmühlenflügel, dessen vorrangiges Ziel es nur sein kann, bei möglichst vielen Leuten ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Auf dass auf lange Sicht solche Berichte in den Online-Medien von kritischen Kommentaren überschwemmt werden und die Schreiber dann womöglich doch zum Nachdenken und Bessermachen angeregt werden. Ein sehr dickes Brett, das da angebohrt wird!

Vor 10 Tagen schien dann plötzlich alles zu Ende, die Autoren kündigten tief enttäuscht aufgrund des mangelnden Feedbacks das Ende von PresseRad an. Als ich voller Entsetzen die Meldung las, war sie schon wieder überholt. Doch, es geht weiter, mit einem neuen Team, das sich derzeit zunächst einen Überblick über die neuen Aufgaben verschafft. Von mir einen herzlichen Dank an die bisherigen Macher und viel Erfolg für die neuen! Die sich mit Sicherheit über mehr Feedback in der Zukunft freuen würden...
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Heimfelder Dirk
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 30.03.2015, 12:01

Klasse Beitrag! :GrosseZustimmung: :applaus:
:gruss:
dirk

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