4. Arlberg Giro, St. Anton am Arlberg (Berichte + Bilder)

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UweK
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4. Arlberg Giro, St. Anton am Arlberg (Berichte + Bilder)

Beitragvon UweK » 03.08.2014, 21:12

4. Arlberg Giro am 02.08.2014, St. Anton am Arlberg (AT)

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Es ist noch früh im Jahr, als der Giro von Helmut angekündigt wurde. Als Vielschreiber war ich auch berechtigt an der Verlosung teilzunehmen. Vorgenommen hatte ich mir dieses Jahr eh möglichst viele Höhenmeter. Bei der Anmeldung sah ich, dass auch Deichfahrer sich in den Lostopf eingetragen hatte - und auch nach Mitfahrern fragte. Das Los wurde durch den Radsportler des Jahres SH, in Person Mr. Colnago, entschieden - das HFS X Team, bekannt vom Hamburg-Berlin Brevet 2013 hatte gewonnen.

Zur Vorbereitung auf lange Anstiege nutzten wir beide, Deichfahrer und ich, das Pfingstwochenende in Bimbach, wir beide fuhren am Samstag die 150er RTF mit 2.400 HM und den Radmarathon über 200 km und 3.400 HM am Sonntag. Extra hierfür baute ich mein Rennrad komplett um, die neue Shimano Ultegra 11fach kompakt mit aggressiver Bergübersetzung von 34x32 kam drauf. Mit guter Form bestritt ich jenes Wochenende. Doch dann, beruflich bedingt, bin ich seit dem kaum noch auf dem Rad gewesen. Kurz vorm Giro war ich einen Monat de facto gar kein Rad gefahren und dementsprechend schlecht fühlte ich mich vorbereitet.

Die Anreise wird im Beitrag von Deichfahrer unten noch beschrieben. Besonders witzig ist jedoch nochmals die Geschichte mit der Unterkunft zu erwähnen. Denn die Email mit der Zieladresse ist irgendwie im Datennirvana verschwunden. Haukes Familie versuchte per Email und Telefon diese noch herauszubekommen - bei einem Stopp 200 km vor der Ankunft in St. Anton am Arlberg rief ich dann persönlich nochmals an. Karin vom Tourismusverband St. Anton a. A. war sehr freundlich, konnte aber nicht gleich weiterhelfen. Einige Zeit später rief sie nochmals an, um uns zu informieren, dass sie die Unterkunft noch nicht wiedergefunden hatte (es gab wohl einen Zuständigkeitswechsel kurz vorm Giro). Immer noch rechtzeitig konnte sie uns dann aber doch noch die Adresse geben.

Nach der Ankunft dann, ging es erstmal fix zur Anmeldung, wo Hauke etwas Probleme hatte den Beginn seines Nachnamens zu buchstabieren - er stand erst in der falschen Schlange, aber ich half ihm und der erste große Lacher des Tages war da.

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Leider sind die Bilder von den Helferinnen im Anmeldebereich von mir nichts geworden, vielleicht kann Hauke da noch aushelfen. Hungrig ging es dann um die Ecke zur Pasta-Party. Ein Teller leckere Bolognese oder wahlweise auch sehr lecker aussehende vegetarische Nudelpfanne gab es zur Auswahl. Ein Nachschlag für Hauke war auch drin...

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Im Anschluss, auf dem Parkplatz vom Arlberg.well Anmeldebereich standen dann auch die 4 Safety-Cars, 2 davon waren Audi R8 aus der GT Masters Rennserie. Auch wenn es hier ums Radfahren geht, die Idee und Kooperation finde ich genial. Über den R8 im Renneinsatz komme ich kurz vor dem Zieleinlauf nochmals zu sprechen. Zudem wurden 16 weitere Motorräder zur Streckensicherung eingesetzt.

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Beim schlendern durch St. Anton fiel mir folgendes Motiv in einer Boutique auf - hat irgendwie alles, was uns am kommenden Samstag zu erwarten hat...

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Der Abend lief mit ein bisschen Fernsehen aus. Ein mulmiges Gefühl wegen der unbekannten und bevorstehenden Abfahrten machte sich in mir breit und verließ mich auch nicht. Es folgte eine durchwachte Nacht, ich konnte einfach nicht schlafen. Beim Frühstück gab es dann ein Käsebrötchen, denn wie sagt es Mr. Colnago immer so schön, "Hast Du Käse auf der Stulle, kannst du fahren wie ein Bulle!" (irgendwas muss meine mangelnde Form ja kompensieren)

Das Jedermannrennen
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Anspannung macht sich in mir breit. Hauke fährt in den vorletzten Startblock 3, ich bleibe im letzten Startblock 4 (die Einteilung haben wir selbst bei der Anmeldung entschieden).

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Wir entschieden uns beide mit dem neuen rotem HFS Trikot zu fahren. Zudem noch Armlinge, Buff und eine Regenjacke (umfunktioniert als Windjacke). Die Schuhe aerodynamisch verpackt. Um 7:00 beginnt das 2. Fahrerbriefing, eingehend wird auf 2 sehr gefährliche Stellen in der Abfahrt vom Arlbergpass gewarnt und von ca. 1.500 Anmeldungen gesprochen. Zügig ging es dann los, im 5 Minutentakt starteten die Blöcke.

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Diszipliniert fuhr mein Block dann auch los, ich war im vorderem Bereich, aber nicht sehr lange. Es bildete sich schnell eine große Gruppe vorne, welche schnell wegzog. Wenige Meter nach dem Start, noch völlig kalt, ging es dann gleich in das steilste Stück am Arlbergpass mit bis zu 15 % Steigung. In einem halb offenem Tunnel lief meine Brille voll Wasser - ich konnte fast nichts mehr sehen.

Derweil kommen die ersten Grüße - das HFS Trikot fällt auf! Auf ca. der Hälfte der 10 km Steigung schiebt der erste - wie sich rausstelle auch ein HFS Fori (hab leider den Namen vergessen - Anmerkung Admin: Es war unser lieber Radsportfreund und Nicht-Fori Lars Grube, mein Ex-Radzwilling). Mein Puls ist im geplanten VO2MAX Bereich in den steilsten Stücken. Als es etwas flacher wird, greife ich an, und zack konnte ich doch etliche wieder überholen bis zur Passhöhe auf 1.800 HM. Vor der Abfahrt noch schnell ein paar Fotos und die Jacke anziehen.

<img src="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... rgPass.jpg" height=200px> <img src="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... rgPass.jpg" height=200px> <img src="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... rgPass.jpg" height=200px>

Es folgt eine rasante Abfahrt - Im Promovideo wurde sie angekündigt, dass dort 100 km/h machbar sind. Ich musste mich wieder zwingen, nicht zu bremsen. Mit ganz leichten Bremsstößen bin ich auch durchgekommen. Die Serpentinen gelingen mir auch immer besser. Ich könnte sogar einige überholen und meine persönliche Höchstgeschwindigkeit auf 68.3 km/h verbessern. An der Stelle wäre ich auch gerne noch schneller gefahren, aber mit der kompakt Übersetzung von 50x11 machte treten keinen Sinn, also die Knie ans Oberrohr drücken und mit dem Oberkörper fast auf den Lenker gelegt, aber mit knapp 70 kg Gesamtgewicht rollte es dann trotzdem nicht schneller... Von hinten rückten andere nach, auch der "HFS Fori", kurz schnackten wir, allerdings verlor ich ihn in der weiteren flacheren Abfahrt.

An der 1. Verpflegungsstelle trafen wir uns wieder, ein weiterer Teilnehmer machte ein Foto von uns drei Norddeutschen.

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Ich fragte nach der Arlbergschnitte - wurde aber vertröstet auf die nächste Verpflegung. Hier gab Obst und Brötchen sowie Wasser für die Flaschen.

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Es ging nun weiter auf der Hochalpenstraße, ca. 1.000 HM auf 20 km standen bevor. Armlinge runtergekrämpelt, Brille in die Rückentasche. 3 km fieser Anstieg waren geschafft, dann kommt der Beginn der Bergwertung über 13 km. Hier muss man sich zusammenreißen, ich fuhr knapp unterm VO2MAX mit meist einstelligen Geschwindigkeiten bei niederen Trittfrequenzen um meinen Körper nicht zu überlasten. Hier zeigt sich wieder der Vorteil von geringem Gewicht, viele konnte ich spielend überholen.

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Zur Abwechslung trat ich auch mal in einem dickerem Gang. Nach ca. 8 km der Bergwertung, auf einem Flachstück machte ich kurz Pause um ein paar Fotos zu machen und ein Gel (aus dem Bestand von Besenwagenflüchtlings Geschenk von Anfang des Jahres) zu mir zu nehmen.

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Im folgenden Flachstück der Bergwertung konnte ich nun gestärkt wieder richtig angreifen, dicker Gang rein und mal richtig Dampf auf die Pedale gegen leichten Wind. Alle, die bei meinem Stopp an mir vorbeigefahren waren, hatte ich dann in den letzten Serpentinen auf den letzten 3 km Bergwertung schnell wieder überholt. Es geht nochmals ein paar Meter runter um den letzten Anstieg gegen den Wind (aber kein starker) hoch zur Bergwertung zu gehen. Wieder einen dicken Gang rein und an meine Pulsgrenze von knapp unter 200 BPM rangefahren. Im Unterlenker und mit letztem Willen dann das Rad über die Messung gedrückt - Yeah!

Noch ein guter Kilometer und dann war auch schon die 2. Verpflegung in Silvretta (Bieler Höhe) erreicht. Ein Tourist machte gerne Fotos von den Rennteilnehmern. Ich unterhielt mich kurz mit ihm - einer aus Kiel muss kurz vorher da gewesen sein. Hier gab es auch die Arlbergschnitte. Ein leckeres Ding für alle, welche Nüsse vertragen.

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Die Bergwertung im HFS X Team habe ich ganz knapp verloren gegen Deichfahrer...
1) Deichfahrer, 10.85 km/h, 1:11:54,2 h (Pl. 953)
2) UweK, 10.73 km/h, 1:12:40,3 h (Pl. 969)
Bei tatsächlichen 1.170 Startern (lt. Ergebnissliste) waren wir dann auch nicht so schlecht, gemessen daran, dass wir Fischköppe sind...

Bevor es zur nächsten Abfahrt ging, unterhielt ich mich noch ein wenig mit den Helfern, die wie an allen Verpflegungen super nett und richtig gut drauf waren. Zudem hatten wir mit dem Wetter auch Glück, bedeckt und Nieselregen um St. Anton und Sonnenschein bei angenehmen 20°C auf der Hochalpenstraße. Bammel hatte ich schon vor der bevorstehenden Abfahrt - aber dieser war völlig unnötig, denn es ging auf einer herrlichen Strecke runter ins Tal. Trotz Windjacke klapperten dann doch meine Zähne vor Kälte, also Zähne zusammenbeißen, dann klapperts auch nicht!

Im immer flacher werdenden Stück zeigte sich dann meine mangelnde Form, keiner hinter mir, keiner vor mir, Motivationsloch... Durch zunehmenden Gegenwind kam ich dann doch an ein paar Leute ran, aber eine Gruppe bildete sich leider nicht. Irgendwie hatte ich mich verzettelt und hatte die 3. Verpflegung gar nicht mehr auf dem Schirm. Glücklich war ich dann aber doch drüber, denn Hunger kam auf und ich hatte auch nur noch ein Notfallgel in der Tasche.

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Auf den letzten Kilometern, gestärkt durch die letzte Kontrolle, kam dann doch die Lust wieder... Dann sehe ich einen der beiden Audi R8 in entgegengesetzter Richtung. Wenig später ruft es von hinten meinen Namen. "Uwe, das Safety-Car fährt nur für dich!" Geniale Motivation. Daraufhin schaffte ich es auch an 2 vor mir fahrende Teilnehmer so ranzufahren, sodass wir kurzzeitig noch eine Kleingruppe bildeten. Als es wieder etwas steiler zum Ziel ging, zerfiel die Gruppe leider wieder - da war ich wohl zu stark vorne im Wind (welcher zunehmend spürbar wurde). Dann noch eine Schrecksekunde, ein linksabbiegendes Mädel auf einem Motorroller wollte mich wohl noch umnieten, aber ist gerade noch gut ausgegangen...

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Mein Tacho zeigt ca. 142 km, 6 noch bis in Ziel, dachte ich, da überholt mich ein Mädel... das kann es doch nicht sein oder?! Im Wind vorne übernahm sie sich ein bissl und ich kam kurz vorm Ziel, mein Tacho zeigte schon 147 km, wieder ran. Ich motivierte sie zum Windgruppenfahren. Das hatte mehr oder minder gut dann auch bis zum Ziel funktioniert. Auf den letzten Metern, unter Klatschen gab ich dann nochmals alles bis über die Ziellinie.

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Ein herrliches "Rennen" war vorbei. Hauke stand schon umgezogen im Ziel und wartete auf mich. Der Transponder wurde mir sofort abgenommen von einer Helferin im Ziel! Das nenne ich mal Service.

In der Gesamtwertung hat Hauke dann doch deutlichen Vorsprung
Gesamt (148 km, 2.400 HM)
1) Deichfahrer, 6:16:02,5 h (23.61 km/h) (fit und hat gerockt)
2) UweK, 7:10:42,5 h (20.62 km/h) (unfit & Pressefahrer)

Meine Rennaufzeichnung findet ihr auch hier auf STRAVA.

Vielen Dank an den Tourismusverband St. Anton a. A. für den Startplatz und die Übernachtung sowie das herrliche Rennen. Die Strecke war gut gesichert. Eine Bitte hätte ich noch für kommende Veranstaltungen, da die Strecke nicht gesperrt sondern nur gesichert wurde, und die Straßenverkehrsordnung unser Regelwerk war, wäre ein Hinweis an dem einem oder anderem Tunnel gut gewesen, wo die offizielle Strecke lang geht (Radweg oder doch der Tunnel).

Fazit: Sofern es meine Zeit ermöglicht, komme ich nächstes Jahr wieder. Auch etwas länger, denn 150 km Radfahren und 1.800 km Autofahren in drei Tagen ist keine gute Balance. Dieses Rennen/RTF ist etwas für Jedermann, die Zeitfenster sind sehr großzügig und im Zweifel gibt es auch noch einen Besenwagen. Die Abfahrten sind Klasse, gerade auch weil die Straßenqualität spitze ist.
Zuletzt geändert von UweK am 06.08.2014, 23:25, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitragvon Helmut » 04.08.2014, 01:42

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Danke vorab schon mal für die Bilder. Die kannst Du nun in Deinem Bericht einbinden. Hier stehen von Lars und Marion Grube sowie von Dir

>>> 73 Bilder vom Arlberg Giro <<<
http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... index.html
Zuletzt geändert von Helmut am 10.08.2014, 00:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Das geniale Wochenende

Beitragvon Deichfahrer » 04.08.2014, 11:24

Keine Ahnung, was ich dazu schreiben, ähm sagen soll, dafür bin ich noch zu voll gepumpt mit Adrenalin und sonstigen Glückshormonen. Weiterhin war es mein aller 1. Alpenrennen in meinem bekloppten Radlerleben, zumal ich schon andere verrückte Dinge gemacht habe, aber das was ich nun in St. Anton Arlberg erlebt habe, war die absolute Krönung.

Prolog

Eigentlich hatte ich per Mail das Angebot gehabt in Arlberg an den Start zu gehen, da ich aber schon für die Königsetappe in Dänemark zugesagt hatte, habe ich abgesagt wegen der ganzen Fahrerei. Im Forum wurde die Verlosung aufgerufen für 2 Startplätze in St. Anton Arlberg. Nach reiflicher Überlegung meldete ich mich doch an. Bingo, gewonnen und durch Zufall war UweK der 2. Gewinner. Somit konnten wir zusammen von Hamburg unser Abenteuer starten.

Per Mail bekam ich vom Tourismus Verband St Anton Arlberg die Anmeldungsnummer und Übernachtung, die Kommunikation klappte bestens. Unser Wunsch nach einer zusätzlichen Übernachtung wurde ohne wenn und aber erfüllt, diese mussten wir selber bezahlen, störte uns auch nicht weiter.

Anreise 01.08.

Erst wollten wir die Anreise per Bahn machen, laut Preistabelle und Fahrplan stellte es uns vor großen Herausforderungen. Damit es entspannter und ohne Hektik unsere Anreise verläuft, entschieden wir uns für das Auto. So ging es mit dem Auto in aller Frühe quer durch die Bundes- in die Alpenrepublik. Leider hatte ich das nächste Problem, da die PC-Tastaturen zu viele Tasten haben, wurde die Mail mit der Übernachtungsmöglichkeit gelöscht, in aller Hektik schnell Mail geschrieben, mit der Hoffnung, noch am Freitag die Antwort zu erhalten. Somit starteten wir einfach los. Während der Fahrt mit der Familie Kontakt gehalten, um die Nachricht zu erhalten. Vor der Grenze in die Alpen wurde telefonisch Kontakt aufgenommen und so erhielten wir die Adresse. Über den Arlbergpass erreichten wir St Anton Arlberg und fanden unsere Unterkunft. Vielen Dank an die Pension Sepp Gruber für den herzlichen Empfang, eine Wohlfühloase für hartgesottene Rennradfahrer. :-)

Anschließend gingen wir zum Arlberg well come, um die Startunterlagen abzuholen, auch hier wurden wir als Gewinner herzlichst empfangen. Mit dem Gutschein lösten wir unser Pastaessen. Die lange Anreise war für mich anstrengend und aufregend genug gewesen, um früh ins Bett zu gehen. Wir diskutieren noch ein wenig über der Klamottenwahl.

Renntag 02.08.

Nach dem Frühstück wurden die üblichen Vorbereitungen erledigt, anschließend ging es ins zum Zentrum von Arlberg, dort war der Start. Ich verabschiedete mich von UweK, um einen Block weiter an den Start zu gehen. Um ca. 7.25 Uhr wurde ich mit meinem Block auf die ungewisse Reise geschickt. Mit meinem Motto "schauen wir mal" habe ich jedesmal mein Ziel erreicht, aber diesmal wage ich das Experiment Alpen bezwingen im Ungewissen.

Gleich nach dem Start ging es mit einem 15 ℅ Anstieg von 1.300 Hm auf 1.800 den Arlbergpass hoch, mein Puls und Herz hämmerte wie eine Bohrmaschine oder Presslufthammer, irgendwie konnte ich meinen Rhythmus nicht finden, mein Kopf fängt an zu arbeiten und dabei bin ich noch nicht mal 10 km auf der Strecke. Hey, so glücklich war ich noch nie gewesen, als ich oben angekommen bin und doch ging es in rasanter Abfahrt runter auf 580 Hm nach Bludenz.

Das nächste Problem bekam ich im ersten langen Tunnel nach Bludenz, in völliger Dunkelheit bekam ich das Gefühl auf der Straße zu schwimmen. Boah dachte ich, hier geht mein Abflug über die Piste, ging nochmal gut. Je länger ich durch die Alpen pflügte, wurde ich sicherer.

Von Bludenz ging es mit 12 % Anstieg über Schrunz nach Partenen zur 1. Labestation, hier musste ich erstmal richtig auftanken, schließlich ging es von 580 Hm auf ca. 2.000 Hm hoch. Von Partenen ging es in die Serpentinen nach Silvretta (Bieler Höhe) hoch. Wieder mache ich eine ganz neue Erfahrung, unendliche Kurven und Anstiege, mein innerer Schweinehund meldet sich, wenn du schon hier bist, dann soll es auch hoch gehen, gleichzeitig kreisen aber auch die Geier, mich auf zu fressen und das Rad in den Abgrund zu schmeissen. Doch mein Wille siegte und die motivierten Streckenposten trieben mich zusätzlich an. Zu den Streckenposten schreibe ich später. Endlich erreichte ich in meinem ganzen Leben den 2000er Berg. Herrliche Landschaft und Aussicht an der 2. Labestation, auch musste voll aufgetankt mit Arlberg Schnitte.

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Nun ging es mit einer Gruppe in rasanter Abfahrt über Galtür - Ischgl - Kappl - See nach Pians, wowwww 30 km Abfahrt von 2. 000 auf 850 Hm ohne große Anstrengung. :-) In Pians war die 3. Labestation, hier war nur kurze Rast. Weiter ging es die letzten km über Pettneu nach St Anton Arlberg auf 1.300 Hm dem Ziel entgegen. Die letzten Km voll gepumpt mit Glückshormonen konnte ich die Fahrt zum Ziel in den Alpen genießen.

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Über die Zeit schreibe ich nicht, mein Ziel war die Alpen bezwingen als Flachlandfahrer und das habe ich geschafft, alles andere hat mich auch nicht interessiert. Als Belohnung bekam ich das Final-Trikot, darüber freute ich mich auch. UweK nahm ich später am Ziel in Empfang auch er war wohl der glücklichste Mensch von St Anton und ich freute mich für ihn das Ziel erreicht zu haben.

Über die Streckenposten möchte ich mein persönliches Sonderlob aussprechen, an jeder Gefahrenstelle oder Unfallstelle wurden Hinweise gegeben und das war rechtzeitig. Die Helfer waren mit Leidenschaft und Freundlichkeit im Einsatz, nette Gastfreundschaft.

Vielen Dank an den Veranstalter für die Startplätze und Gastfreundschaft. Gerne wäre ich noch geblieben, leider gehts auch mal wieder nach Hause.

Abreise 03.08.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es den Arlbergpass hoch über die Grenze zurück nach Deutschland, wieder quer durch die Bundesrepublik nach Hamburg zurück.

Epilog

Für mich war es unvorstellbar, mal in den Alpen zu fahren und solch Serpentinen in Angriff zu nehmen. Die Alpen mit ihren imposanten Panorama sind schon faszinieren. Ich würde ohne zu zögern den Arlberg Giro weiter empfehlen und auch selbst wieder an den Start gehen. Dann wäre die Planung für mehrere Tage, also abwarten. ;-)
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Beitragvon Helmut » 10.08.2014, 00:25

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Willkommen zurück im "richtigen Leben", Ihr Glückspilze! Freut mich, dass Ihr Dank dem Alrberg Giro, dem Tourismusverband St. Anton, der Verlosung auf HFS und Eurem Einsatz so viel Freude hattet.

Der vermeintliche Fori war unser lieber Radsportfreund und Nicht-Fori Lars Grube - mein Ex-Radzwilling. Er war u. a. mit seiner Marion angereist, fuhr den Giro mit Flaschengeist 59 und Reiner aus Hemmoor. Hier kommen von Lars und Marion

>>> weitere 28 Bilder vom Arlberg Giro <<<
http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... 00001.html
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 10.08.2014, 16:04

Schön berichtet und toll illustriert!

Rainer vom SC Hemmoor ist auf den Bildern 00003 und 00004 zu sehen. Ein sauschneller und sympathischer Sportler, den ich auf vielen RTF und CTF getroffen habe. Von der Statur her hat er beste Voraussetzungen für so ein Bergrennen ;-) .
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Beitragvon UweK » 10.08.2014, 16:57

Helmut hat geschrieben:Der vermeintliche Fori war unser lieber Radsportfreund und Nicht-Fori Lars Grube - mein Ex-Radzwilling. Er war u. a. mit seiner Marion angereist, fuhr den Giro mit Flaschengeist 59 und Reiner aus Hemmoor.
Achso! Danke für eure Bilder. Sind echt Klasse.
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2014-08-02, 4. Arlberg-Giro oder der Vorhof zur Hölle…

Beitragvon Flaschengeist59 » 12.08.2014, 00:33

Der Arlberg-Giro ist zwar schon ein paar Tage her, aber nun habe auch ich endlich Zeit noch ein paar Zeilen zu schreiben. :Surfen:
Verrückte suchen sich jedes Jahr erneut mindestens eine ultimative Herausforderung. :ifreumi: Nachdem ich letztes Jahr das Stilfser Joch am autofreien Samstag unter die Pedale genommen hatte, sollte dieses Jahr endlich mal ein Rennen in den Alpen fällig sein, mein Erstes in den Alpen übrigens, aber welches? Dreiländergiro, zu spät, alle Startplätze längst vergeben. Also im Dezember schon mal für den Arlberg-Giro angemeldet. Zwei Mitstreiter waren auch schnell gefunden, Vereinskollege Lars (Helmuts Ex-Fahrradzwilling) und Reiner vom SC Hemmoor, mit denen ich 2013 auch schon den Bodenseeradmarathon zusammen gefahren war. Das sollte für uns doch machbar sein, 148 km mit 2.400 hm… :D:Unentschlossen:

Als Vorbereitung dienten uns unter anderem Mallorca 312 / 167, die Mecklenburger Seenrunde sowie unendliche Grundlagenkurbeleinheiten und viele km bei diversen CTFs und RTFs. Bereits am Montag vor dem Giro schon angereist, nahmen Reiner und ich die Strecke am Dienstag schon mal unter die Räder… bei extrem wechselhaftem Wetter, morgens noch einstellige Temperaturen, Nebel und Regen. Dazu gibt‘ s auch ein paar Impressionen.

Zunächst Kaltstart mit teilweise bis 15 % Steigung über ca. 8 km und 500 hm zum Arlbergpass hinauf, ist nix für einen Diesel wie mich, der eigentlich mindestens 20 km zum Einrollen braucht… die Rampen waren schon mal der Vorhof zur Hölle. Auf der Passhöhe kurz verschnauft und anschließend die rasante Abfahrt bis Bludenz genossen, nur kurz unterbrochen von einer Baustelle mit Schotterpassage und einer Umleitung des Autobahnverkehrs auf die spätere Rennstrecke.

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Locker im Montafon hochgekurbelt bis zur Mautstation der Silvretta Hochalpenstraße, Regen und Nebel waren fortan wieder unsere Begleiter. 30 Kehren führen nach oben zur Bieler Höhe. Unrhythmisch zu fahren, verlangten sie meinen Beinen und Bronchien alles ab. Am Vermuntstausee angekommen, folgte erst mal ein kurzes Flachstück zum Erholen, um dann unmittelbar nach kurzer Strecke in ein paar steile Rampen überzugehen, gefolgt vom letzen Anstieg zur Bieler Höhe. Bitter kalt, windig, neblig und Regen. Die Hölle eben für Flachlandtiroler wie mich :Heul:

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Nach einer ausgiebigen Rast ging‘ s die nächsten 40 km flott bergab durch‘ s Paznauntal bis Pians. Von dort aus sind es nur noch 20 km bis St. Anton zurück, allerdings dann noch weitere 500 hm zu überwinden. Auf den letzten 10 km fing es auch noch in Strömen an zu regnen. Klatschnass durchgeweicht bis auf die Haut, aber glücklich mit dem Wissen:
Es ist machbar!!! Also, ab jetzt erst mal den Urlaub genießen! :cool:

Am Donnerstag folgte noch eine letzte Rollrunde und Vereinskollege Lars und seine Frau Marion trudelten in St. Anton ein, wie auch jede Menge weitere Teilnehmer aus vielen Nationen. Die Startnummernausgabe am Freitag verlief völlig unkompliziert, am Spätnachmittag folgten erst mal Ortsbesichtigung mit den Neuankömmlingen, Pastaverköstigung und ein ausführliches Teilnehmerbriefing.

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Großes Lob an den Veranstalter. Er hat hervorragend für die Sicherheit auf der Strecke, die Ausschilderung und den reibungslosen Rennablauf gesorgt. An allen Gefahrenstellen waren im Vorfeld Warntafeln aufgestellt worden und zahllose ehrenamtliche Helfer und die Polizei sicherten die Strecke ab. Sogar der Autobahnverkehr auf der Strecke Bregenz- Innsbruck wurde in Dalaas für die Dauer des Rennens gesperrt. Auf der Strecke verteilt waren drei Verpflegungsstellen, wo es alles gab, was ein Radfahrer unterwegs braucht und noch kleine Leckereien zusätzlich, z. B. die legendäre Arlbergschnitte, siehe Uwes Fotos. Die Motorradstaffel begleitete das Fahrerfeld während des gesamten Rennens, Verstöße gegen die Österreichische StVo wurden rigoros mit Disqualifikation geahndet. Nur so wird es dem Veranstalter möglich sein, 2015 wieder eine Genehmigung für eine Neuauflage des Arlberg-Giros zu bekommen. Ich selbst habe unterwegs allerdings nur ausgesprochen disziplinierte Radfahrer getroffen.

Wir drei hatten uns ganz bewusst in verschiedenen Startblöcken angemeldet, damit wir jeder nach unseren eigenen Vorgaben und Zielen fahren konnten.

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Meine eigenen Vorgaben waren ganz klar: heil ankommen, vor allen Dingen Spaß haben :) und wenn alles gut läuft: unter 7 Stunden bleiben. Mit 6:40 h und einem 28. Platz in meiner AK habe ich das geschafft und bin darüber superglücklich und megastolz. :hurra: Reiner war erwartungsgemäß deutlich schneller unterwegs und erreichte St. Anton bereits nach einer Fahrzeit von 5:15 h wieder und kam in seiner AK auf den 147. Rang. :shock: Lars Ziel war nach großem Trainingsrückstand die Herausforderung den Arlberg-Giro überhaupt zu meistern und er schaffte es. :Kopfüberklatschen: Er gehörte zu den glücklichen Finishern die heil im Ziel in St. Anton ankamen mit einer Zeit von 7:41 h.

Unterwegs trafen wir auf bekannte Gesichter: Deichfahrer, Uwe K., und Arne von der HRG. Die Fotos stammen übrigens von Lars, Marion und Reiner. Im Anschluss an unser Rennen fand noch ein Profi-Kriterium in den engen Gassen von St. Anton statt, ein spannendes Highlight zum Abschluss.

Alles in Allem eine empfehlenswerte Veranstaltung mit Wiederholungscharakter.
Flaschengeist59 :gruss:

Hier kommen meine

>>> 15 Bilder vom Arlberg Giro <<<
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Speedy Gonzales
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Arlberg-Giro

Beitragvon Speedy Gonzales » 15.08.2014, 00:08

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH AN DIE NORDDEUTSCHEN FINISHER DES GIRO ARLBERG !!!

Respekt !!! Super Leistung !!!

Pokalhoch :Kopfüberklatschen: :chearleader:

Uwe, Dein "Grübel-Bild" vom Start sagt alles... ! ;)
Ich hätte schon allein wegen der Abfahrten feuchte Hände... :kapitulieren:

Dann bis zur nächsten Verlosung !?! :cool:
Arriba ! Arriba ! ''' Andale ! Andale ! '''
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hanseat
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Beitragvon hanseat » 15.08.2014, 09:04

Mensch Hauke! Ich sehe, gerad nach hinten raus wurdest Du immer besser und hast Dich viele Plätze nach vorn gearbeitet! Die längeren Alpenmarathons können also kommen! :)

Gratulation für die tolle Leistung!

:wink:
"Mr. Nachkommastelle"
...wir sitzen alle in einem Boot, die einen rudern und die anderen genießen die Aussicht...

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