Bikertour zum Mittelpunkt der Erde '12 (Bericht&Bilder)

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dirksen1
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Bikertour zum Mittelpunkt der Erde '12 (Bericht&Bilder)

Beitragvon dirksen1 » 05.11.2012, 09:08

Bikertour zum Mittelpunkt der Erde
2 Eulen in der Tiefe


Zur 10. Bikertour lud der SC Impuls Erfurt in das Erlebnisbergwerk Sondershausen ein. Nachdem ich die Veranstaltung bereits 2 mal verpasst hatte, ging meine Anmeldung für 2012 bereits in 2011 durch den Äther. Eule Jörg ließ sich nicht lange bitten, MTB und dann noch in außergewöhnlicher Mission? Ganz klar sein Revier, wie er eindrucksvoll unterstrich, als er mich auf einer der letzten Runden stumpf stehenließ.

Nicht ganz so früh, wie bei vielen Veranstaltungen dieses Jahr, rollten wir gegen 6:00 Uhr ab Handorf gen Osten, wo wir bereits kurz vor dem eigentlichen einen derart wunderbaren, langgezogenen Serpentinenanstieg (mit dem Auto) befuhren, dass wir dies spontan als einen der nächsten, wenn nicht sogar den nächsten Eulenflug bestimmten. Bei Wetter noch in 2012, sonst halt später…

Im Erlebnisbergwerk angekommen, ging alles wunderbar locker und unverkrampft über die Bühne, anmelden, den Empfang eines „Sicherheitshinweis‘“ auf nem kleinen Zettel bestätigen, ab in die Kaue und umziehen. Die „Kaue“? Hat nix mit „kauern unter einer warmen Decke zu tun, auch wenn es ein schön warm beheizter Raum war. Im „bergmännischen Sprachgebrauch“ wird mit Kaue ein übertägiger Raum, der als Aufenthalts- bzw. Umkleideraum genutzt wird, bezeichnet.

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Die Klamotten werden an groben Haken unter die Decke gezogen, wo sie platzsparend und diebstahlsicher verwahrt werden.

Und dann ging’s ab(wärts). In einem Fahrstuhl, der mich mehr an den Hamburg Dungeon, als an einen modernen Lift mit Teppich und nerviger Kaufhaus-Tralala erinnerte, wurden 5 Biker nebst Bikes geschachtelt, 2 m nach unten, Stopp, über uns eine zweite Fahrgastzelle, nochmal 5 Ölsardinen rein und dann mit 4 m/s ca. 400 m „nach unten“!!! Ein Geruckel, ein Geschaukel, sofort dachte man an Filme wie „The Descent“ oder auf „The Abyss“. Geil!

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Unten, in einer anderen Welt, ein breiter Stollen begrüßte uns mit einem gar nicht bergmännischen Startbogen aus aufblasbarem Plastik. Die Bergleute (nein, ich verkneife mir den bissigen Pflicht-Schnauzbart Kommentar) begrüßten die Teilnehmer wortlos, aber bestimmt, wiesen auf die Helmpflicht hin und wurden erst redselig, als es um die Geschichte des Bergwerks ging. Gast-Eule und Büttelbube Hermann lauschte intensiv, ich fand es interessant und lehrreich, aber ich wollte mich eher in diese wunderbare „fright-night“-Stimmung bringen und schaute tief in sämtliche Quergänge und -stollen in eine Dunkelheit, aus der man jeden Moment mit einem Lurker rechnen musste (kennt noch jemand diese braunen echsenartigen Dinger aus Ultima Underworld? Ok, lassen wir das…).

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Nach einer kurzen Ansprache und einer umso längeren kaffeelosen Zeit ging es dann endlich auf die heuer verkürzte Strecke, 3,34 km mit 95 Hm sind die Fakten eines hammerharten Rundkurses, der mit einer langen Abfahrt (Vmax 56 km/h) begann, den abschließenden Sprung sollte man mit einer Vollbremsung beenden, damit man nicht an der salzigen Felswand endet.

Überhaupt, das Salz…auf der ersten Runde hinterm Einführungs-Jeep schon schmeckte alles salzig und das Rad sowie sein Pilot waren mit einer weißen Hülle überzogen.

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Ok, nach der Abfahrt, die man glücklich auf dem blanken, rutschigen Boden überlebte, ging es nach besagter Vollbremsung in einen langen und sich stetig auf über 15 % hinaufschraubenden Anstieg. Nicht genug damit, der weiße, nach jeder Runde tiefer werdende sandähnliche Belag erschwerte das Pedalieren erheblich, so dass ich schon nach der ersten halben Runde ein barbarisches „och nööö“ ausstieß und eigentlich schon keinen Bock mehr hatte. :mad:

Der Sattel viel zu tief, die Reifen viel zu breit, die für diese Sitzposition benötigten Muskelgrüppchen viel zu schwach… Egal, irgendwie war dieses Gaga-Bergwerk-Kreiseln trotzdem ziemlich witzig und auf eine kurze Abfahrt folgte ein flacher Abschnitt, der in den zweiten Anstieg mündete, der mit seiner „Unrhythmik“ (gibt es das Wort überhaupt) nun wirklich alles aus den Beinen saugte. 10, 15, 5, 20 %, alles in fröhlichem Wechsel, aber immer auf dem rollfeindlichen Pulvergemisch. Im Ziel der Runde dann entweder links auf die nächste oder rechts zum Wasserdepot. Ich fuhr 4 Runden am Stück, passte mit einer Flasche. Dann auffüllen, Obst essen, weiterfahren.

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Vor meinem 3. Stint plötzlich eine forsche und durchdringende Stimme: „Andre, kommst du bitte mal!!!“ tönte es aus dem Off. Endlich, ein Höhlentroll, schloss meine Fantasie, als ich im Augenwinkel eine große, mächtige, quadratisch anmutende Gestalt erkannte: Tribelix, ohne Hinkelstein, aber vielleicht mit einem Salzblock unter dem Trikot auf jeder Schulter, begrüßte mich und schon saß ich am Kaffee- und Kuchentisch mit Stine und einem mir unbekannten HH2O-Fahrer, dem ich nun 1,60 € schulde, weil man unter Tage mit nem 50 €-Schein zwar reich an Talern, aber arm an Abnehmern derselben ist.

Das Ganze (das Radeln, nicht das Kaffeesieren) wiederholte ich 3-mal (Adam Riese schließt spontan auf 12 Runden), nur ohne TribalastineHH2O, eine letzte 13. Runde gönnte ich mir danach noch, weil die 13 die Glückszahl des Karpatenbabys und mir ist, schon war es vorbei, als es gerade anfing, richtig Spaß zu machen.

Den Links-Knick in der Abfahrt nutzte ich zunehmend als Anlieger, so dass ich das Bremsen in der Abfahrt auf 2 Punkte reduzieren konnte, die Anstiege hatte ich mittlerweile in Neonröhren- und ausgediente Grubenfahrzeuge zerlegt, so dass ich diese zwar keinesfalls locker, aber mit der richtigen Kopfeinstellung wegkurbelte. Schade, am Ende wäre ich gern noch ein paar Runden gefahren.

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Die Auffahrt, ähnlich der Abfahrt, nur andersrum, oben in der Kaue warteten warme Duschen, den Rädern spendierten wir eine gründliche Wäsche (2 Stunden Dauerregen auf dem Heckträger) und waren bereits am frühen Nachmittag pünktlich zum Kaffee wieder daheim.

Auch wenn die ganze Geschichte einen ähnlichen Charakter hat, wie das 12-Std-MTB in Rotenburg, kam diese gähnende Langeweile und Stupidität nicht auf, an die ich nach der zweiten Runde beim Vergleich mit dem oberöden Parkhaus-Kreiseln denken musste.

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Zwei Deppen im Berg

Dies war eine vollkommen irrwitzige, verrückte, gagaeske, blödsinnige und spaßgeile Tour, die ich bestimmt noch mal wieder machten werde…denke ich….

Weitere, meiner Meinung nach faszinierende Bilder einer anderen Welt hier:

https://picasaweb.google.com/1100109047 ... directlink
Zuletzt geändert von dirksen1 am 20.11.2012, 09:17, insgesamt 1-mal geändert.
ES LIEGT NIE AM RAD!
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Beitragvon volvoman » 05.11.2012, 10:45

Hallo zusammen,

na, das war ja wohl eine klasse Tour! dirksen1 Berichterstattung sowie die vielen Fotos... super! Da kann ich nur neidisch werden, nicht dabei gewesen zu sein, aber die Untertage-Geschichte kam für mich nicht in Frage. Irgendwie zu viel Respekt!

Über den langen Serpentinenanstieg für eine kommende Eulenflucht sollten wir in jedem Fall im Detail sprechen. Im Novermber gibt es sicherlich dazu die Gelegenheit.

Bis zur nächsten Tour...

Gruss

volvoman ;-)
Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren!
Ich hab' übrigens keinen Volvo, sondern ne BahnCard.
www.eulenexpress.de
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TorFmann
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Beitragvon TorFmann » 05.11.2012, 11:16

Ja, das war mal ganz was anderes. Ich hätte nie gedacht, so tief unter Tage so ein extremes Streckenprofil vorzufinden. Wenn es da unten nicht so warm gewesen wäre, hätte ich gesagt, ich bin im tiefsten Winter. Die Strecke war mit mehligem Schnee bedeckt und an einigen Stellen kam blankes Eis zum Vorschein. Entsprechen war auch das Fahrgefühl. Die erste Runde erst mal langsam angegangen. Aber mit jeder Runde ging es dann besser und man konnte es die Abfahrt auch mal laufen lassen. Auf ungefähr der Hälfte kam ein leichter Rechtsknick, der aber auch immer schneller ging. Man durfte dann ganz unten nur nicht den Bremspunkt verpassen. Dort ging es im rechte Winkel wieder in die Auffahrt. Meine Top-Speed 59 km/h. Wenn man dem aber den Gesamtdurchschnitt von 13,6 km/h entgegenstellt, kann man sich denken wie die Stecke profiliert war(oder wie viel Pudding ich in den Beinen hab :) ).

Am ende bin ich 10 Runden, 33,1 km mit 880 hm gefahren. Ich denke ich fahr da nächstes Jahr wieder hin. Hat echt Spaß gemacht.
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Beitragvon tribaer » 05.11.2012, 19:47

Moinsen aus Hamburg,

erstmal an dirksen1, ich werde schon nicht an Hunger und Durst sterben. Das erste mal haben wir uns beim Rad am Ring getroffen, zusammen mit Tribelix, Tribala-stine und Schnuffi. Falls ich mich nicht sehr täusche.

So zum Thema zurück: Völlig abgefahren, und das im wahrsten Sinne, gerade unten angekommen, sind wir auf die erste Runde gefahren. Ein kleines Stück eben, dann links rum und !!!! von nun an gehts bergab. Pulverschnee und Glatteis bei 25°. So muss es sich beim Eisspeedway anfühlen. Ein wechselndes Gefälle zwischen 10 und 15 % macht ganz schön Speed, da bekommt der Ausdruck "TUNNELBLICK" schon eine besondere Bedeutung. Bremsen, bremsen, bremsen, bei der ersten Runde gabs nichts wichtigeres. Wo brems ich am besten, bloß nicht auf den blanken Stellen zu doll auf die Bremse drücken. Wie zu befürchten waren die Auslaufzonen sehr knapp gehalten, deswegen lieber einmal zu früh gebremst.

An den Steigungen, eigentlich ging es fast nur rauf oder runter, konnte man, wie auf den Bildern zu sehen, die unterschiedlichsten Schichten der Salze bewundern. 2te, 3te, 4te Runde, ich wurde langsam sicherer und habe nicht mehr durchgehend gebremst. Was mich dann geritten hat, weiß ich bis heute nicht, das kinetische Energie beim Bremsen in Wärme umgewandelt wird, wusste ich, warum ich nach dem Gefälle die Temperatur der hinteren Bremscheibe überprüfen wollte, weiß ich noch, aber man fast sie doch nicht an. Man nicht, ich schon, und seit dem ziert mein Zeigefinger das Muster der Bremsscheibe. NehNeh Irgendein Weiser sagte mal: Der Mensch lernt nur wenns weh tut. Wie gesagt, ein weiser Mann.

Fazit: Top Veranstaltung, nur für Fahrer mit Kondition und Dachschaden.:ifreumi: Das Schöne ist, es wird wohl fast jedesmal die Strecke geändert, was bei mir schon die Freude aufs nächste mal hoch treibt.

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Beitragvon Roadstar » 06.11.2012, 18:20

<IMG src="https://lh5.googleusercontent.com/-MYtk ... G_0671.JPG" width="750">

Moin,

ich kann den Berichten der anderen Teilnehmer nur zustimmen! Tolle Veranstaltung, mit einem einzigartigen Veranstaltungsort. Ich freu mich schon auf das nächste Mal. :D

Glück auf!

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Mehr Bilder gibts hier:

<a target="_blank" href="https://picasaweb.google.com/T.Hamburg/ ... ctlink">10. Biketour zum Mittelpunkt der Erde</a>

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Hier fährt der Süden drauf ab, <a href=http://www.harburger-rg.de>Harburger RG</a>,
hier ganz Hamburg, <a href=http://www.hamburg-kostenlos-erleben.de>HAMBURG-kostenlos-erleben</a>
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Beitragvon Cyclus » 07.11.2012, 18:33

Auch wir waren total begeistert von dieser "Gaga-Tour". Machen in jedem Fall im kommenden Jahr wieder mit. Unseren Tourbericht kann man unter http://avmscheuermann.wordpress.com/cat ... taltungen/ nachlesen.
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Beitragvon dirksen1 » 22.11.2012, 11:03

Wider besseren Wissens habe ich nun den Zeitungsbericht, den unsere lokale Tagespresse der Tour gewidmet hat, auf meiner Dropbox abgelegt.

https://www.dropbox.com/s/o3sojm18hmrt8 ... 1.2012.pdf

Warum die Darstellung so merkwürdig ist, weiß ich nicht, läd man sich die Datei runter, ist die Auflösung ok.
ES LIEGT NIE AM RAD!
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