Aarhus - Kopenhagen '12 (Bericht + Bilder)

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Helmut
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Aarhus - Kopenhagen '12 (Bericht + Bilder)

Beitragvon Helmut » 06.09.2012, 00:22

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anmaja schrieb

<b>Aarhus - Kopenhagen 2012
Danmarks længste Motionscykelløb</b>


Nach meinen Erlebnissen vom Giro d’Italia in Herning im Mai zog es mich am Wochenende wieder nach Dänemark. Helmut ließ seine Kontakte „spielen“ und organisierte zwei Startplätze für das Rennen Århus - København am 01.09.2012. Vielen Dank!

Die Wetterprognose verhieß bestes Radfahrwetter: trocken, gemäßigte Winde, max. 20°C. Die Nacht vor dem Start verbrachten wir darum auch im Zelt auf dem Parkplatz der NRGI Park & Arena, dem Startort in Århus.

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Was uns auf der Strecke erwartete war atemberaubend. Schon in Herning konnte man die Begeisterung der Dänen für den Radsport erahnen. In den letzten Jahren hat Radfahren enorm an Bedeutung gewonnen und ist der neue Volkssport bei unseren Nachbarn geworden. Es gibt eine Menge Rennen in Dänemark, aber sonst kein Rennen mit einer Distanz von 375 km. Die Strecke verbindet große Teile des Landes, von Århus auf Jylland führt sie über Vejle nach Fyn, um anschließend über die Storebæltbrücke, die zum ersten Mal für Radfahrer freigegeben wurde, Sjælland zu erreichen, wo das Ziel Kopenhagen wartete.

Unsere Startzeit war 5:16, da wir ein paar Minuten zu früh eintrafen, rutschten wir in einen Startblock früher. Das war aber kein Problem. Auf der Starterliste standen 4.245 Teilnehmer, darunter 16 Deutsche. Es ist kaum zu glauben. Es scheint wohl bei der Anmeldung nicht richtig gelaufen zu sein. Auch wir starten unter „Dänischer Flagge“.

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Es ist noch dunkel, es wird gemächlich gestartet. Ich schlafe noch fast. Nach 48 km das erste Depot: Es gibt Kaffee!

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Die Sonne ist auch erwacht, meinen Beinen geht es gut. Allerdings nicht so gut, um der dänischen Fahrweise stand zu halten. Es ist wellig, die Hügel werden in dicken Gängen hoch gesprintet. Dann nehmen sie die Beine „hoch“. Um mich so nicht kaputt zu fahren, suche ich mein eigenes Tempo, fahre die Beine wieder locker. In Vejle erwarten uns die Dänischen Mountains: Der Munkebjergbakken ist mit 90 hm und einer Länge von 1,5 km der „Alp d’Huez“ Dänemarks. Die Straße ist gesäumt von begeisterten Zuschauern, Applaus und Bravorufe wecken das Rennfeeling. Die 6,1% Steigung zwingen so manchen Wikinger zum Absteigen. Das ist wohl die Quittung ihrer unkonventionellen Fahrtechnik. Es gibt sogar eine Bergwertung!

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Auf dem Gipfel nach 93 km lag das 2.Depot. Vor dem Munkebjerghotel stauten sich die Massen, unzählige Fahrer sollten versorgt werden. Die Straße war eng, Begleitfahrzeuge erschwerten die Durch- und anschließende Abfahrt.

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Wir verlassen Jylland über die alte Lillebeltbrücke und kommen nach Fyn.

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Das wellige Terrain wird durch plattes Land abgelöst.

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Das Tempo ist immer noch gut, wir freuen uns das nächste Depot erreicht zu haben – 165 km. Ein Drängeln und Schubsen an der Versorgung, am liebsten fahren wir gleich weiter, aber wir müssen unsere Speicher wieder füllen. Ich ergattere ein wenig Obst, Wasser ist alle. Motta kann zwei Portionen Nudelsalat erstehen, Super! Gestärkt stürzt er sich mutig in die Traube ausgetrockneter Radfahrer, die um einen Gartenschlauch herum um Wasser betteln.

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Wir beschließen nur noch im Notfall die Depots aufzusuchen. Ich komme nicht wieder richtig in Tritt. Durch eine flotte Gruppe stieg die Motivation sowie die Aussicht auf das einmalige Erlebnis mit dem Rad über die 18 km lange und 65 m hohe Storebaeltbrücke zu fahren (Bild oben). Die Straße ist einspurig gesperrt, wir überholen die Autos rechts, die nur im Stop-and-go-Tempo vorankommen. Bei uns läuft es jetzt richtig gut. Die Abfahrt mit zwar nur knapp 2 % Gefälle aber mit immerhin 8 km Länge lässt sich richtig genießen. Leider endet sie in einer extra für Motta angelegten Schotterpiste, der Schwung ist weg.

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Auf Sjælland ist die Landschaft ähnlich wie zu Hause, hügelig, teils waldig und wir fahren sogar durch eine Allee, wohl eine Rarität in Dänemark. Die letzten Kilometer geht es an der Ostküste Richtung Norden.

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Die Toleranz der Autofahrer uns gegenüber, die wir bis dahin erlebten, hielt sich hier in Grenzen. Zwar sind wir während des Rennens auch gut ausgebaute Radwege gefahren, Køge setzte dem allerdings die Krone auf. Nach über 300 km so ein Knüppeldamm, alle 300 m eine rote Ampel, die Erschöpfung spürte jetzt der ganze Körper. Auf Kopenhagen zu entlang der Strandpromenade wurde der Weg besser, wir machten ein paar Plätze gut.

Es gab kein Ortseingangsschild!? Oder habe ich es übersehen? Also keinen Schluss-Sprint, den Zieleinlauf genießen wir. Eine große Leinwand nennt die FahrerInnen mit Namen und ihrer Zeit. Jeder wird bejubelt. Es gibt Glückwünsche, Medaillen, Diplome, Wasser, Riegel, Obst….

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Auf unser Gepäck müssen wir allerdings noch warten – 20 Min. Hier kommen mottas

<a target="_blank" href="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... x.html">70 Bilder von Aarhus - Kopenhagen</a>.

Anmaja

<img src="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... en%206.jpg">
Zuletzt geändert von Helmut am 07.09.2012, 00:28, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Deichfahrer » 06.09.2012, 07:34

Moin,

schöner Bericht, hier kommen die Erinnerungen wieder.
Ja so sind die Dänen im Radsport unterwegst und Respekt an anmaja
diese Tour bewältigt zu haben. :Respekt: :Respekt:
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motta
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Rigtig god tur

Beitragvon motta » 06.09.2012, 07:37

Anmaja hat ja unsere Erlebnisse schon ausführlich beschrieben. Auch ich möchte mich erst einmal herzlich bei Helmut bedanken dafür, dass er für uns die Teilnahme ermöglichte. Also fuhren wir als HFS-Reporter.

Dieses Rennen, gar nicht so weit entfernt vom HFS-Einzugsgebiet, ist, wenn man die Starterliste durchsieht, bei uns scheinbar kaum bekannt. Deshalb habe ich in meinem Bericht ein paar Streckeninfos zusammengefasst:

Aarhus - Kopenhagen 2012
Rigtig god tur


Das mit 375 km längste Radrennen Dänemarks verbindet die beiden größten Städte Dänemarks, Aarhus und Kopenhagen. Auch in Europa findet man kaum längere Radrennen dieser Art. Aarhus liegt an der Ostküste Jütlands, also auf dem Festland. Die Landschaft ist, ähnlich wie in Schleswig-Holstein, eiszeitlich geprägt und entsprechend hügelig. Die Städte Horsens und Vejle werden durchfahren; beide Städte liegen an einem Fjord - die Strecke führt hinunter und wieder rauf. Vom Vejlefjord führt die Strecke hinauf zum Munkebjerg - berühmt, berüchtigt durch seine „langen“ (1,5 km) und steilen Anstieg (6,1 % durchschnittliche Steigung, max. > 10 %). Viele Teilnehmer schieben ihr Rad den Berg hoch, an dem die Zuschauer dicht gesäumt stehen, klatschen und „herlig, herlig“ und “bravo“ rufen. Es gibt eine extra Zeitnahme für die Bergwertung!

Kopenhagen liegt am östlichen Rand Dänemarks - deshalb müssen die Inseln Fünen und Seeland durchquert werden. Verbunden werden Jütland und die Inseln durch zwei Brücken, die (alte) Lillebeltbrücke und die Storebeltbrücke. Letztere 1998 erbaut, 18 km lang und 65 m hoch, bildet den zweiten Höhepunkt der Tour. Auf den Inseln ist das Profil nicht mehr so hügelig - eher wellig bis flach, Rollerstrecke - die vorherrschende Windrichtung ist West, so dass man hier ordentlich Tempo machen kann.

Es gibt 8 Verpflegungsdepots. Die Auswahl dort ist reichlich, jedoch der Andrang ist es auch und es ist oft schwierig etwas zu Essen und Wasser für die Flaschen zu ergattern. Begleitfahrzeuge sind hier sicher sehr hilfreich - verstopfen allerdings manchmal die Straßen.

Bei 4.700 Startern fährt man eher selten alleine - es sind immer große Gruppen mit unterschiedlichen Tempi unterwegs. Die Radwegebenutzungspflicht wird ja in Dänemark sehr streng gesehen, doch ist diese heute am Renntag teilweise außer Kraft gesetzt. So wird in Odense gar eine Ampelkreuzung von ca. 300 Fahrern kurzfristig besetzt und lahm gelegt. Die Autofahrer akzeptieren dies - wohl weil es auch nicht anders geht.

Die Storebeltbrücke ist ein echter Höhepunkt; die Steigung ist moderat und gleichmäßig und bergab kann man es richtig krachen lassen.

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Und dann am Ende - eine Schotterpiste!!

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Extra für uns angelegt, um die Strecke von der Autobahn wieder zurück zu führen. Ein Depot wartet am Ende. Auch hier schieben einige Teilnehmer ihre Carbonflitzer.

<img src="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... tbroen.jpg">

Später, ab Köge bleibt allerdings nur der Radweg - zu viel Autoverkehr. Der Radweg ist in schlechtem Zustand und es wird am Ende der Tour anstrengend dort zu fahren. Auch bleibt eine Speiche auf der Strecke. Die letzten 1.000 m in Kopenhagen sind komplett gesperrt - ein Sprint wäre möglich.

Was begeistert und in Dänemark möglich ist: ein Langstreckenrennen über 375 km auf nicht gesperrten Straßen mit Helfern an jeder Kreuzung, die teilweise die Straße freihielten, begeisterte Zuschauer in den Städten, die applaudierten und Bravo riefen.

<img src="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... rchfahrten 4.jpg">

Nicht so toll fand ich das Gedränge und Geschubse mancher Teilnehmer an den Depots, das Schneiden einiger Fahrer beim Überholen und einige Radwege.

Das Rennen ist bestens organisiert: Zeitnahme per Transponder, Taschentransport und zahlreiche Helfer an der Strecke. Das für uns recht hohe Startgeld relativiert sich durch die allgemein hohen Lebenshaltungskosten (Kaffee 3 € etc.) Bedenken muss man allerdings, dass es sich um eine Einwegstrecke handelt und der Transport zum Start und vom Ziel wieder zurück organisiert werden muss. Der Veranstalter bietet einen Busshuttle, der preislich nicht günstiger ist, wie eine Fahrkarte mit dem IC.

Das Rennen lief, auch dank guter Wetterbedingungen, für uns richtig gut. Mit der Zeit von 14 h 22 min waren wir zufrieden und im Ziel nicht so kaputt, dass wir uns darüber noch freuen konnten. Wir hatten die Strecke gut eingeteilt, was man an der detaillierten Zeiterfassung gut ablesen kann, und sind unser Tempo gefahren, auch wenn es verlockend war, sich manches Mal in einer Gruppe zu verstecken. Es gelang uns nicht dem Gruppenfahrstil hier anzupassen: zu schnell wird bergan gefahren und bergab scheinen sie stehen zu bleiben.

Der erste Fahrer war nach 10 h 08 im Ziel, der letzte 10 h später,
die erste Fahrerin brauchte 11 h 26.

gruss MOTTA
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 07.09.2012, 20:24

Schöne Berichte und tolle Veranstaltung!
Ist das links auf der Stoerebaeltbroen ein Radweg oder eine Standspur? Kann da mit dem Rad auch zu normalen Verkehrszeiten fahren?

:gruss: Dirk
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Beitragvon motta » 10.09.2012, 07:07

Moin, Dirk,

nee, das ist eine Autobahn- also keine Überfahrt mit dem Rad möglich.

gruss MOTTA
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 10.09.2012, 09:16

Danke für die Info, Gerald!

:gruss: Dirk
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Beitragvon motta » 16.09.2012, 08:58


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