La 21. Charly Gaul, Echternach / Luxemburg (Berichte)

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Helmut
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La 21. Charly Gaul, Echternach / Luxemburg (Berichte)

Beitragvon Helmut » 10.09.2010, 23:30

Carsten aus Hamburg/Kerpen schrieb:

<b>La 21. Charly Gaul, 5. September 2010 in Echternach / Luxemburg
Jedermannrennen über 95 und 160 km</b>

Als Wochenendpendler zwischen Hamburg und Kerpen bleibt mir am Wochenende nie viel Zeit zum Trainieren, das Wetter in den letzten Wochen trug ebenfalls dazu bei. Ich fahre deshalb meist in Hamburg abends nach der Arbeit meine Runde. Nach der Teilnahme an den Cyclassics stellten mein Sohn Simon und ich uns die Frage, ob es für dieses Jahr nun alles gewesen sei oder ob wir noch an einem weiteren Jedermannrennen teilnehmen wollten? Naheliegend war natürlich der Münsterlandgiro am 3. Oktober, doch ohne Diskussion entschieden wir uns beide dagegen, im Wesentlichen wegen der Unvorhersehbarkeit des Wetters. Unsere Wahl fiel schließlich auf La Charly Gaul in Echternach, was nur ca. 2 Std. Fahrzeit mit dem Auto von Kerpen entfernt liegt.

Die Onlineanmeldung war unproblematisch und die Einschreibegebühr (15 €) musste erst bei Abholung der Startunterlagen entrichtet werden. Trotz längerer Trainingspause waren wir entschlossen teilzunehmen, auch um eine Standortbestimmung der eigenen Leistungsfähigkeit in anspruchvollerem Gelände zu erhalten. Ein Freund aus Luxemburg hat am Vortag unsere Unterlagen abgeholt und uns kurz vor dem Start übergeben, hier waren keine Vollmachten nötig, warum auch?

<img src="http://www.helmuts-fahrrad-seiten.de/Je ... l/gaul.jpg">

<b>Wer war Charly Gaul?</b>

Im Jahre 1949 begann Gaul mit dem Radsport. Die Profi-Karriere des „Engel der Berge“ genannten Bergspezialisten dauerte von 1953 bis 1965. Neben seinem Sieg bei der Tour de France 1958 erreichte Gaul 1955 und 1961 zwei dritte Plätze beim wichtigsten Radrennen der Welt. Er war der erste reine Kletterspezialist, der den Gesamtsieg errang. 1955 und 1956 gewann er außerdem den Preis des besten Bergfahrers. 1956 und 1959 siegte Gaul beim Giro d’Italia. Insgesamt erzielte er zehn Etappensiege bei der Tour de France und elf Etappensiege beim Giro. Fünfmal wurde er zum "Sportler des Jahres" in Luxemburg gewählt. Im Jahre 1999 wählte ihn die luxemburgische Sportpresse zum Sportler des Jahrhunderts. Zwei Tage vor seinem 73. Geburtstag am 6. Dezember 2005 verstarb Charly Gaul. (Quelle: Wikipedia)

<img src="http://www.helmuts-fahrrad-seiten.de/Je ... Simoni.jpg">

<b>Das Rennen und seine Geschichte</b>

Um den besten Luxemburger Sportler des vorherigen Jahrhunderts zu ehren, hat der ACC Contern ein Rennen mit seinem Namen gegründet. Dabei war es selbstverständlich, dass das Rennen des vielleicht besten Bergfahrers aller Zeiten durch Steigungen geprägt sein sollte. Ein erster Versuch fand statt als Ausscheidungsrennen für Profis in dem steilen "Breedewee" in der Altstadt Luxemburgs, doch dann hat der Veranstalter sich entschlossen, diesen Wettkampf für alle zugänglich zu machen. Seit 1990 wird das Rennen also als sogenannte "cyclo-sportive", als Jedermannrennen ausgetragen und führt jedes Jahr 500 bis 1.000 Radfahrer, Hobbysportler oder Rennfahrer, durch die Luxemburger Koppen (ACC Contern).

Angeboten wird ein Rennen über 160 km (A Rennen) und 95 Km (B Rennen). La Charly Gaul ist offen für alle Radsportler und Freizeitradler über 14 Jahren. Dieses Jahr durfte wirklich wieder jedermann mitmachen. Beim B-Rennen waren unter anderem Gilberto Simoni (Bild, aktiver Profi bei Lampre), der 2001 und 2003 den Giro gewonnen hat und Kim Andersen (Ex Profi) heute sportlicher Leiter Team Saxo Bank, der zukünftig das neue Luxemburger Profiteam leiten wird, dabei. In den Siegerlisten tauchen aber auch so prominente Namen wie Kim Kirchen (1994) und Bjaerne Riis (1995) auf, der im Folgejahr auch die Tour gewann.

Die Luxemburger pflegen einen tollen Umgang mit dem Jedermann-Radsport, der in Deutschland wohl so nicht möglich ist. (Diskussionen in diversen Radsportforen ob Profis, Ex-Profis bei Jedermannrennen teilnehmen dürfen und wenn ja, ob sie auch gewinnen dürfen, Zitat Erik Zabel aus Tour 09,2010 „Ich find es blöd wenn Ex-Profis und Spitzenamateure bei Jedermannrennen um Platzierungen fahren.“) La Charly Gaul ist eben offen für alle Radsportler und Freizeitradler über 14 Jahren.

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<b>Das Profil</b>

Nach dem Start geht’s direkt bergauf, also keine Zeit zum Einrollen, insgesamt sehr anspruchsvoll, aber es ist ja auch schließlich nach Charly Gaul benannt.

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<b>Vor dem Rennen</b>

Der Wecker klingelt am Sonntagmorgen um sechs Uhr. Bevor ich die Augen ganz aufmache, erstmal Toast mit Marmelade und Kaffee reichlich. Kurz vor sieben Uhr die Räder mit Simon ins Auto gelegt und ca. 1,5 Std. von Kerpen bis nach Echternach gefahren. Die Außentemperatur sank zwischenzeitlich unterwegs auf 4 Grad, was uns den Rest der Fahrt hoffen ließ, dass wir trotzdem bei zweistelligen Plus-Temperaturen starten. In Echternach haben wir sofort den zentralen Parkplatz ca. 200 m vom Start entfernt angefahren und konnten kurz vor 9 Uhr einen der vielen freien Stellplätze nutzen.

Zur Zeitmessung gab es einen Transponder, der wohl Probleme mit der Messung hatte, wenn er nicht in Fahrbahnnähe angebracht wurde. Ich hatte den Transponder ganz unten an der Gabel angebracht.

<img src="http://www.helmuts-fahrrad-seiten.de/Je ... tart_2.jpg">

<b>Mein Rennen - 95 km (B)</b>

Um 10:20 Uhr ging es bei ca. 15 Grad los. Zunächst wurden rd. 3 km neutralisiert bis zum Beginn der ersten Steigung gefahren. Die ersten beiden Steigungen hab ich gut überwunden, die dritte, Cote de Eppeldorf mit 2,8 km Länge und 6,9% Steigung (Durchschnitt, in der Spitze 12,5%) war echt böse, anschließend kam dann eine Verpflegungsstation (ca. km 40), an der ich erst mal die Beine ausgeschüttelt habe. Die nachfolgenden Steigungen waren entweder kürzer und knackig oder aber länger und nicht mehr so steil. Bis hierhin war ich in jedem Anstieg stets der langsamste, habe dann aber meist auf den Abfahrten immer wieder Anschluss gefunden.

<img src="http://www.helmuts-fahrrad-seiten.de/Je ... detail.jpg">

An der zweiten Verpflegungsstation habe ich noch mal angehalten und ein Rivella genossen. Ab hier hatte das ganze für mich dann schon eher den Charakter einer RTF, da ich nun aus allen größeren Gruppen nach hinten herausgefallen war. Im Übrigen war ich froh, dass ich mir die Streckenbeschreibung an den Lenker geklemmt hatte und so immer mal wieder nachschauen konnte, dass „dieser Weg kein leichter wird“. Die Strecke selbst bot keine Möglichkeit mal durchzuatmen, entweder ging es rauf oder runter, flach wurde es nur die letzten 11 km, die hatte ich einen jungen Luxemburger am Hinterrad, der sich nach der Zielankunft auch brav fürs „nach Hause bringen“ bedankte.

Die Strecke war nur teilweise und vorübergehend gesperrt, was aber wegen der geringen Teilnehmerzahl kein besonderes Problem war. Kreuzungen wurden für die Radfahrer freigehalten, Sicherungsfahrzeuge haben Gruppen und teilweise einzelne Fahrer nach hinten abgesichert. Die beiden ersten Gruppen wurden von Führungsmotorrädern begleitet. Es gab dennoch fast überall die Gefahr von Gegenverkehr.

Insgesamt 95 km mit 1.450 Höhenmetern, die ich mit einem Durchschnitt von rd. 22 km/h (brutto) gefahren bin. Von 506 gewerteten Teilnehmern (wobei ein Teil der Teilnehmer die Transponder falsch angebracht hat oder aufgab und deshalb in den Wertungslisten nicht auftaucht) bin ich auf Platz 478. Simon hat einen guten Platz 269 erreicht. Für den Einen oder Anderen auch interessant: mein Durchschnittspuls lag bei 76%, der Höchstpuls bei 85% der HFmax bzw. bei 94% und 105% der Hfana.

<img src="http://www.helmuts-fahrrad-seiten.de/Je ... 7carte.jpg">

Neben der Gelassenheit der übrigen Verkehrsteilnehmer, die Strecke war ja nicht abgesperrt, finde ich noch die tolle Beschreibung der Strecke besonders erwähnenswert, sie ist wirklich das Beste was ich bisher gesehen habe.

<b>Die Sieger</b>

Trotz vieler ambitionierter Teilnehmer hat Peter Schroen das B Rennen zum dritten Mal gewonnen.

Pos Nr Nom Age IOC Temps Moy.
1. 1357 SCHROEN Peter 50 NLD 2:49:30 33.63
2. 1464 GONDA Christian 41 BEL 2:49:32 33.62
3. 1426 MELON Sylvain 24 BEL 2:49:47 33.57

<b>Fazit</b>

Ein tolles Event, zu einem attraktiven Preis von 15 €, unkomplizierte Anmeldung (bis ca. 1,5 Std. vor dem Start möglich), Start ohne Blockeinteilung, laut Veranstalter mit rd. 1.000 Teilnehmern. Nächstes Jahr sind wir wieder dabei.

Carsten

P.S. Weiß jemand wie das lustige Lied, das vor dem Start läuft, heißt und wo es zu bekommen ist?
Zuletzt geändert von Helmut am 10.09.2010, 23:33, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Helmut » 10.09.2010, 23:33

Einen weiterer interessanter Bericht von der La Charly Gaul findet sich hier:

http://www.team-cycle-basar.de/news/la- ... l-lux-2010
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Re: La 21. Charly Gaul, Echternach / Luxemburg (Berichte)

Beitragvon Helmut » 07.10.2010, 22:27

Carsten hat geschrieben:Weiß jemand wie das lustige Lied, das vor dem Start läuft, heißt und wo es zu bekommen ist?
Serge Prado schrieb:

Das Lied finden Sie unter folgenden Link: http://lb.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4melmaous-L%C3%A9id
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.

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