Am Freitagabend wurde das Auto bepackt und am Samstag ging es zu nachtschlafender Zeit los, weil wir rechtzeitig zur Ausgabe der Startunterlagen da sein wollten. Klappte prima, die Autobahn war leer und der Harz lag noch im Tiefschlaf, wenn man mal von dem emsigen Treiben auf dem Großparkplatz vor der Wurmbergseilbahn absah.
<img src="http://wp.seniorensport-extrem.de/pic/harz-mtb-cup1.jpg" alt="">
Um 8:00 stand schon eine lange Schlange bei der Nummern-Ausgabe, sodass wir uns in Ruhe unsere Mitstreiter ansehen konnten. Einige sahen sehr verwegen aus, Dreitage-Bart, wilde Mähne und Ohrringe, bestimmt alles Freerider. Von denen halten wir uns fern. Vereinzelt waren auch Trikots der "üblichen Verdächtigen", wie St. Pauli, Hamfelder Hof und RG Uni Hamburg zu sehen, was leichte Heimatgefühle erzeugte, und welch Glück, es gab auch ein mit Rucksäcken ausgestattetes Trüppchen von eher gemütlicher Konstitution. Damit standen die Chancen gut, nicht als Letzte ins Ziel zu kommen.
Um 10:10 der Massenstart von 135 Teilnehmern vom Parkplatz aus sofort bergauf. Der Weg war viel zu schmal. Ein heilloses Gedrängel. Fahrer vor mir kippten mit ihren Rädern um. Das war zu viel für meine schwachen Nerven (BriMore versteht das!), der Puls jagte hoch, in der Aufregung schaffte ich es nicht mehr im Anstieg anzufahren und musste schiebend durch das Spalier der Zuschauer. Toller Anfang!Jetzt musste erstmal der Blutdruck normalisiert werden, um nicht schon wieder auf einer Sanitäterliege zu landen. Tief einatmen, gaaanz laaange ausatmen, im eigenen Tempo fahren und den Wettkampf ausblenden. Letzteres war einfach, da das Ende des Feldes eh' nicht mehr zu sehen war.
Nach und nach ging es wieder, obwohl der Weg beständig anstieg, und ich holte auf. Weit vor mir sah ich einen Haufen Radfahrer, die sich irgendwie merkwürdig bewegten. Kann doch nicht angehen, das Ende des Feldes schob und schob und schob. Da machte ich mit und da ich sehr gut Fahrräder die Berge hochschieben kann, hatte ich schon bald die ersten überholt. Dann kam noch ein fahrbarer, aber langer Anstieg auf den Wurmberg (höchster Berg von Niedersachsen) hinauf, etwas Auf- und Ab, etwas Trail und Singletrail, der - weil ohne Abgrund rechts oder links - so harmlos war, dass die Schnellen angesichts des leichten Gefälles mit Affenzahn darüberbretterten, was einigen Rädern allerdings nicht so gut bekam. Serienweise standen Mitfahrer am Rand des Trails und werkelten an ihren MTBs herum. Etwas abgelenkt von diesem Treiben blieb ich an einer Wurzel hängen, kam nicht aus der Pedale und lag nun auch am Wegesrand. Siedend heiß fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, die Cleats auszutauschen. Die waren irgendein Sondermodell, das sich nur mit leichter Gewalt ausklicken ließ, während meine "normalen" sich in solchen Situationen von allein lösen und einen schnellen stützenden Fußeinsatz ermöglichen.
Das Ende des Trails bestand aus einem netten dichten Wurzelteppich und dann gings wieder auf die Forstautobahn, bis man nach einer scharfen Linkskurve im wahrsten Sinne des Wortes gegen eine Mauer fuhr, der 23%ige Anstieg zum Achtermann, dem dritthöchsten Berg Niedersachsen. Von diesem Anblick schockiert kippte ich gleich wieder mit dem Rad um und schob gemeinsam mit der schwächelnden Fraktion nach oben. Dort standen die Zeitmesser, die den Ident-Chip an der Startnummer scannten. Dann ging es im wesentlichen bergab, das letzte Teilstück vor dem Ziel bzw. Rundendurchlauf war sogar asphaltiert, endlich Tempo, endlich Fahrtwind, endlich etwas Erholung und Kraftschöpfen für die nächste Runde.
Die zweite Runde war die schlimmste. Der Harz war inzwischen aufgewacht. Die Auffahrt zum Wurmberg belebte sich, links von uns fuhren die Monsterroller und rechts die Downhiller, die von Zeit zu Zeit stehen blieben und ungläubig zusahen, wie eine Karawane von Gestörten sich mühsam schiebend oder im Schneckentempo fahrend den Berg hinaufquälte. Am Singletrail kamen von hinten die Schnellen, die überrunden wollten und nach Platzmachen schrien. Auch die Forstautobahnen hatten sich leicht verändert und füllten sich mit Wanderern, die zum Teil auch Hunde dabei hatten. Der wahre Horror kam allerdings am Achtermann, Busladungen von Walkern, die unbeeindruckt mit ihren Stöcken herumfuchtelten, versperrten gnadenlos den sowieso schon engen Anstieg und die Ärmsten von der eiligen Truppe, die es immerhin schafften, noch etwas schneller als ein Fußgänger hochzufahren, mussten als Sonderdisziplin einen Slalom einlegen.
In der dritten Runde machte das Ganze langsam Spaß. Die Strecke war bekannt. Ich hatte einen Weg gefunden, uneingeklickt zu fahren. Auf dem Singletrail kamen nur noch vereinzelt Überrunder, die Nordic-Walking-Armee war verschwunden, ich konnte noch einige konditionsschwache Mitfahrer abhängen und mich auf die Belohnung in Form der finalen Abfahrt freuen. Mit einer "Aus dem Weg! Haltet eure Kinder und Hunde fest. Denkt bloß nicht, dass ich bremse!"-Mentalität wurde getreten, was das Zeug hielt, bis zur Vollbremsung am Ziel, wo es eine Art Kassenbon mit den Ergebnissen der Zeitmessung gab. Schade, schon vorbei. Ich hätte doch glatt noch eine Runde anhängen können.
Irgendwann kam Konkursus, der einen ganz schlechten Tag erwischt hatte. Nach dem Verzehr der im Startgeld inbegriffenen Pasta sahen wir uns noch Braunlage und den Übungsparcour des Bikeparks an, der nicht viel anders aussah, als eine BMX-Strecke bei uns am Ort. Und dann ab nach Hause und die Sachen für den Sonntags-Triathlon packen, von dem Konkursus berichtet.
Und nun noch die Zahlen: 12 Frauen hatten teilgenommen, 2 waren nicht plaziert, mit einem Schnitt von 14,47 km/h wurde ich drittletzte der Platzierten, die allerdings alle mindestens 10 - 20 Jahre jünger waren. Eine separate Seniorinnenwertung gab es nicht. Nun überlege ich, nächstes Jahr alle 5 Rennen des Cups mitzumachen. Immerhin bekommen die ersten 10 jeder Wertungsklasse Geld- bzw. Sachpreise.
Dafür würde sich ein bisschen Anstrengung schon lohnen.
Ich hab' auch noch das <a href="http://fotos.rennrad-news.de/p/149860/" target="_blank" >Höhenprofil </a>gefunden.
Ulrike

