GRASH 2022

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Wurzelwegtreter
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GRASH 2022

Beitragvon Wurzelwegtreter » 30.05.2022, 12:54

es ist vollbracht!
https://www.cyclingteamholstein.de/grash-2022/ (mit einigen Bilderchen)

GRASH 2022

Das Gravel- und Ultradistanzabenteuer 2022 vom 26.05. bis zum 29.05.2022.

Ausgerichtet vom Radsport Team Lübeck e.V.

Die Einladung kam im letzten Quartal 2021:

Zitat:

Wir dürfen vorstellen: GRASH

GRASH, oder auch GRavel-Across-Schleswig-Holstein, startet in Lübeck und führt rund durch Schleswig-Holstein!

Durch die Holsteinische Schweiz, zur dänischen Grenze und entlang an der Nordseeküste wieder zurück nach Lübeck. Dabei werden der höchste, nördlichste und tiefste Punkt des schönsten Bundeslandes als Wegemarken angefahren.

Zumindest wenn du 600 km fahren willst. Es gibt natürlich auch kürzere Strecken, mit 300 und 100 km.

Legendär ist die Veranstaltung noch nicht, dass kommt hoffentlich noch. Dennoch hoffen wir das die erste Austragung des GRASH 2022 dir und allen anderen Teilnehmern gefallen wird!


GRASH ist keine Rennveranstaltung, auch wenn wir die Zeiten der Fahrer:innen stoppen und eine Liste mit den Ankunftszeiten führen werden.

Du selbst bestimmst, wie schnell du unterwegs sein wirst, wann und wo du Pausen einlegst und ob du bis zum Schluss durchhältst.


All´ das passte perfekt! Endlich mal wieder was „BESONDERES“!

Etwas, für das es sich lohnt den Winter durchzufahren und sein Training darauf aufzubauen.

Eines war von Anfang klar, 300km durch´s Gelände, sind keine Asphalt-300km, wie zum Beispiel bei der Vätternrundan oder dem „deutschen Ableger“ der MSR300.

So konnte ich den Winter und das Frühjahr dazu nutzen, mit meinem Cyclecrosser ordentlich Kilometer „zu fressen“! Vor dem GRASH bin ich tatsächlich erst ein einziges mal mit dem Rennrad unterwegs gewesen. Mit meinem Trainingspartner Dittmar zusammen konnte ich auch in der nassen und kalten Jahreszeit auf unbefestigten Wegen jeden Monat mindestens 500km bis 1.000km „erfahren“!

Sehr positiv war ich überrascht, über die vielen freiwilligen Helfer:innen vom RST Lübeck. Alle haben nach der dunklen Jahreszeit und der Pandemie mit sehr viel positiver Energie und Engagement den Treffpunkt, kurz vor Travemünde zu einer Erlebnis-Meile gemacht.

Alles war da:

Registratur
Personifizierte Starterkarte
Selbstgenähte und reichlich gefülltes GRASH-Satteltäschchen
Kalte und warme Verpflegung
Unaufdringliches „Sponsoring“
„Event“-Toilettenhäuschen
Absperrungen des „Start-Bereiches“
Counter (Zeitnahme)
Startsignal-Tröte

Am Vatertag, Donnerstag den 26. Mai 2022 sollte es nun endlich losgehen. Leider war erst zum Nachmittag, um 14:45 Uhr Start zur 300km Runde, welche ich mit Holger zusammen, durch die Nacht hindurchfahren wollte.

Pünktlich ging es auf die erste ~50km lange Teilstrecke zum Bungsberg, der höchsten Erhebung unserer Tour. Dieses erste Teilstück sollte dann auch die fahrtechnisch anspruchsvollste Strecke sein. Über „Stock und Stein“ ging es durch jedes kleines Waldstück hindurch. Wir haben als Gruppe mit 3 Zweierteams versucht alle zusammenzuhalten. Holger und ich wussten aber auch, dass die beiden anderen Paare nicht durchfahren werden und irgendwo bei Neumünster eine Übernachtung einlegen werden. Im ruhigen Tempo ging es zu sechst sukzessive von fast Null Höhenmeter auf ~180Hm, zum Bungsberg hinauf. Das war auch die Zeit, bei der ich noch viele Fotos machen konnte. Im nächsten Teilabschnitt nach Neumünster wurde es zunehmend windiger, mit zum Teil heftigen, stürmischen Westböen und regnerisch bei knapp über 10°C. Der Wind war so stark, dass ich mit meinen 60mm Felgen so durchgeschüttelt wurde, dass ich gefühlt eine Schräglage von 30° eingenommen habe! Leider war dieser stürmische Westwind so stark böig, dass an ein Windschattenfahren nicht zu denken war. Zu den stürmischen Böen setze immer mehr Nieselregen ein. Durch das nasskalte grau-in-grau war bereits um 21 Uhr, beim Eintreffen in Neumünster die Nacht für uns angebrochen.

Holger und ich strebten in Neumünster eine Tankstelle an, um unsere Getränkevorräte aufzufüllen und sich dann weiter auf die anstehende Nachtfahrt vorzubereiten.

Leider stellte Holger fest, dass er bei dem nicht aufhörenden Regen und durchnässten Kleidungsstücken die weiteren 200km nicht schaffen wird. Da es sich nur um eine Spaßveranstaltung handelt und nicht zu einer quälenden Tortur ausufern sollte, entschieden wir uns zum Aufhören.

Holger konnte sich so seine müde gewordenen Knochen mit Cappuccino in der Tanke wieder durchwärmen. Ich selber habe glücklicherweise zwei weitere „Gravel-Biker“ an der Tanke getroffen und gefragt, ob die mich durch die Nacht mitnehmen. So trennten sich an dieser Stelle unsere 2er-Team-Wege, …leider. Eigentlich ziehen wir „alten Hasen“ so ein Event immer gemeinsam durch. Ich wusste aber, dass Holger gut versorgt ist und konnte meinen Wunsch die Runde zu beenden weiter nachgehen. Mit einem gemächlichen Radwandertempo ging es bei Dunkelheit und Dauerregen in Richtung Brunsbüttel. Gefühlt bin ich in den dunklen Waldstücken immer einige Meter vorausgefahren, war aber froh, dass die Beiden immer hinter mir waren, um mich zur Not „retten“ zu können.

Dann war es auf einmal anders, das Licht der hinter mir fahrenden erleuchtete mein Sichtfeld. Toll dachte ich. Jetzt sind meine beiden „Beschützer“ wieder dran und ich konnte ein wenig mehr kurbeln. Am Ende des Waldstückes stellte ich fest, dass sind gar nicht mehr meine beide Jungs. Hinter mir war das Quartett, welches über 1,5 Stunden gemeinsam in einer kleiner Bushaltestelle den Dauerregen abgewartet hatte und mir nun in meinem Windbrecherschatten folgten. Ich wusste sofort, das ist mein Tempo, da bleib´ ich dran! So ging es gegen den Westwind zur tiefsten Stelle der 300km, in Richtung Brunsbüttel. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl im westlichen Nachthimmel die stählernen, hell erleuchteten Gebäude der Raffinerien und vor allem auch wieder Zivilisation zu sehen.

Ach wie schön war das, dass der Regen aufgehört hat und der Westwind nun auf einmal zu meinem „Freund“ wurde. Der Rückenwind drückte mich mit über 30km/h in Richtung Itzehoe zurück. Gegen 2 Uhr morgens konnte ich mir an einer Itzehoer Tankstelle meinen Cola-Zuckervorrat auffüllen und mich mit einen Schoki-Riegel beschenken.

So ging es gestärkt bis in den Sonnenaufgang zu fünft und teilweise auch zu sechst durch alles was irgendwie landwirtschaftlich genutzt wird oder durch alles was umgeben von Bäumen ist.

Kurz vor Bad Oldesloe gab es an einem der Mitfahrer einen Platten. Die Wartezeit habe ich damit verbracht, mein letztes Brötchen und meine Getränkevorräte zu verkosten.

Inzwischen war der Morgen hell, freundlich, mit einem bisschen blauen Himmel unser Begleiter. Die letzten 250km konnte ich meine Kräfte recht gut einteilen und für mein Finale aufsparen. Weiter ging es ab da an alleine, durch zum Teil bekannte Territorien in und um Bad Oldesloe. Diese letzten „auf-und-ab-Wellen“ in der Travelandschaft haben nun doch recht viel Kraft gekostet. Ich stellte aber fest, jetzt wo ich auf „Betriebstemperatur“ war, ging mein Puls runter und ich konnte die bis dato durchschnittlich gefahrenen Kilometer, um fast 1 km/h verbessern. Noch in Lübeck hatte ich vor dem Holstentor zwei Mitfahrer eingeholt. Mit der Mobilisierung meiner letzten Kräfte konnte ich die sogar von meinem Hinterrad fernhalten.

So kam ich um kurz vor 8 Uhr bei frischen Temperaturen, überaus glücklich im Ziel, nach 327km gefahrenen Kilometer wieder in Lübeck-Ivendorf an.

Was für ein MEGA Event!!!

GRASH ist überhaupt nicht mit irgendwelchen kommerziellen Veranstaltungen wie die Cyclassics oder die Mecklenburger Seenrundfahrt „MSR300“ zu vergleichen. GRASH ist von begeisterten Radsportler, für Radsportler gemacht. Dieses ist in unserer im mehr werdenden Ellenbogen-Gesellschaft leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Vielen Dank an die Organisatoren und Macher der RST Lübeck, wie Arne, Britta und das ganze Team!

tschüs

Frank
was ist Rückenwind?
www.CyclingTeamHolstein.de
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Re: GRASH 2022

Beitragvon Knud » 30.05.2022, 22:53

Cool, dass es ja dann alle gut ausgegangen ist. Meinen Respekt hast Du schon für das Starten. Aber auch mitfah'* lesen macht auch Spaß.
Knud

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