Kaffeeklatsch Hamburg 20. Januar 2019 (Bericht)

Knud
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Kaffeeklatsch Hamburg 20. Januar 2019 (Bericht)

Beitragvon Knud » 26.01.2019, 23:08

Der "RTF-Kaffeeklatsch“ hat sicher schon Tradition. Nicht weniger traditionell ist schon die "Versorgung" mit Kaffee und Kuchen durch Radsanne und Radmanne (Susanne und Manfred). Satt geworden ist da sicher jeder. Auch der eine oder andre NDR-Mitarbeiter dürft profitiert haben. :Zwinkern:

Doch vor den Kuchen hatte Organisator Michael Scheibe seinen Bericht gesetzt. Es gab von Regen und Sonne oder von Schatten und Licht zu berichten. Der gefühlte Rückgang der RTF-Fahrer wurde durch Zahlen gestützt: Es wurde 2018 rund 15% weniger Wertungskarten ausgegeben als 2017. Davon wurden mit 350 auch nur etwa die Hälfte zurück gegeben.

Das passt zu meinem in letzten Jahr gewonnenen Eindruck, dass viele keine Karte mehr haben, weil sie "nicht mehr lohnt". Dazu kenne ich einige, die trotz Wertungskarte nur wenige oder gar keine RTF gefahren sind. Meine Meinung ist ja auch, dass die "Jahresauszeichnung" für die Wurst ist, weil sie nicht als "Auszeichnung" zu erkennen ist. Nur Insider werden das erkennen, andere werden annehmen, dass entsprechende Artikel im BDR Merchandising erhältlich sind. :Weissnicht:

Aber zurück zum Kaffeeklatsch:
Die Alterspyramide ist jedes Jahr ein Thema, ohne dass ich Ideen hätte, ob und wie "die Jugend" für RTF zu gewinnen ist.

Insgesamt ist das Angebot an RTF in Hamburg und im Umland noch immer vielfältig und qualitativ gut. :!: Aber RTF kommen weiter von drei Seiten unter Druck. Einerseits sind es stagnierende oder sinkende Teilnehmerzahlen, die Fragen nach der Rechtfertigung des Aufwandes immer wieder stellen. Andererseits fehlen oft die Helfer. Eine RTF benötigt viele helfende Hände an verschiedensten Stellen. Dabei hat es im vergangenem Jahr gut geklappt, dass bei Bedarf andere Vereine dann aushalfen. Hier wird die RG-Uni in diesem Jahr ihre RTF als Orientierungs-RTF durchführen. Es wird also keine Ausschilderung geben. Am Start sollen sich Fahrer ohne Navi Gruppen anschließen, die entsprechend geführt werden. Mancher hält das für die Zukunft der RTF. Man wird sehen, wie sich das auswirkt. Nicht jeder hat ein Navi, aber so könnte das gemeinsam Fahren wieder an Wert gewinnen.

Zum Dritten werden Genehmigungen immer schwieriger, kommen immer später und bleiben zu Weilen schlicht aus. Die BSV-RTF fiel der nicht genehmigten Strecke zum Opfer. (Vor zwei Jahren musste die Extraschleife schon gestrichen werden.)
Es ist bedenklich, wenn Provinzfürsten nach dem NIMBY-Prinzip dem Breitensport einfach den Hahn abdrehen. :mad:

RTF satt gibt es immer beim Bundesradsporttreffen, das 2019 in Neustadt an der Weinstraße stattfinden wird. Da diese Gegend ohnehin stark vom Tourismus lebt und viele Teilnehmer erwartet werden, sollten Unterkünfte möglichst frühzeitig gebucht werden.
Der BDR wird eine „Radtreffdatenbank“ anbieten, in die regelmäßige Trainingstreffs eingetragen werden können. Um Karteileichen zu vermeiden, soll diese jedes Jahr wieder "auf Null" gesetzt werden.

Der Country-Touren-Cup wird 2019 nicht statt finden. In 2020 soll es vielleicht einen neuen Anlauf geben. Es gibt nicht genügend Vereine als Veranstalter, die zudem nicht gleichmäßig über Deutschland verteilt sind. Scan&Bike geht ohne offensive Vermarktung weiter. Es wird vom Hersteller ein neues Projekt geben.

In diesem Jahr sollen die RTF Termine SH/HH besser mit denen in Niedersachsen abgestimmt werden - mindestens im Großraum Hamburg. :GrosseZustimmung:

Nach der Kaffeepause wurden die Finisher des Radmarathon-Cups Deutschlands (mit Trikotübergabe) sowie der Absolvent des Radsportabzeichens (in Gold!) gewürdigt. Die Quote der Foris unter den Geehrten war beeindruckend.

In diesem Jahr gab es eine kurzweiligen und sehr interessanten Vortrag. Ich habe nicht mitgeschrieben, aber ein paar Dinge sind doch im Gedächtnis geblieben. Michael Weber ist Unfallsachverständiger mit Schwerpunkt Radverkehrsunfälle. Korreferent Götz Petzold ist als Richter mit der zivilrechtlichen Beurteilung von Unfällen befasst.
Am Anfang gab es einige Videoausschnitte, die beweisen, dass es auch blonde Radfahrer gibt. Klar ist, dass man nicht auf seinem Recht beharren soll. Zum Einen nützt ein Schadensersatz wenig, wenn man vielleicht sogar bleibende Schäden hat. Zum Anderen sind die Beträge der strafrechtlichen Würdigung klein im Vergleich zu den zivilrechtlichen Schadenssummen.

Klar ist etwa die "Schuldlage" bei Abbiegeunfällen. Nur hat ein toter Radfahrer nichts davon, wenn der LKW-Fahrer bestraft wird. Die Rekonstruktion eines Unfalls zwischen Rennradfahrer und Alltagsfahrerin war nichts für schwache Nerven. Neu war für die meisten, dass bei unklarer Schuldlage Autofahrer ggf. auch haften, da für sie die Gefährdungshaftung gilt. (Für Eisenbahnen übrigens auch.) Radfahren gilt hingegen nicht als so gefährlich, dass eine von der Schuld unabhängige Gefährdungshaftung gilt. Allerdings sollte jeder eine entsprechende Haftpflichtversicherung haben. Es passiert ja doch schnell mal etwas.

Wer weiß denn schon, dass "Fußgänger-Ampeln" keine Bedeutung mehr für Radfahrer haben? Eigentlich hätte die Stadt dort überall Radampeln ergänzen müssen. Wo das nicht geschehen ist, gilt die große Ampel für Autos auch für Radfahrer. :Empfehlung: Auch wenn die vom Radweg manchmal nicht mehr gut einzusehen ist...

Das große Interesse zeigte sich an den vielen Fragen, die nicht alle beantwortet werden konnten. Arne Naujokat kündigte an, das Thema im Rahmen der Diskussionsreihe „reden wir drüber“ noch einmal aufzugreifen.

Ich möchte mich bei allen Organisatoren, Helfern, Referenten und beim NDR bedanken, dass die Veranstaltung wieder so schön stattfinden konnte.

Knud
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Re: Kaffeeklatsch Hamburg 20. Januar 2019 (Bericht)

Beitragvon Stockumer Junge » 28.01.2019, 22:28

Die Radtreffbank ist ne gute Sache. Fürs gemeinsame Radfahren gibt es ja schließlich Radvereine. Von den nicht ausgeschilderten RTF halte ich nichts. Immer mehr die Standards runterzuschrauben, ist kein Weg. Als Air Berlin keine Schokoherzchen mehr verteilten, waren sie schnell weg vom Fenster. Dann soll man die Veranstaltung lieber absagen. Dann findet eine Konzentration auf die übrig gebliebenen Veranstalter statt. In Nordhorn hat man das auch schon versucht. Da kamen dann keine 100 Fahrer und die Interessenten sind dann auf die gut gemachten holländischen RTFs ausgewichen.
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Re: Kaffeeklatsch Hamburg 20. Januar 2019 (Bericht)

Beitragvon sonja1 » 30.01.2019, 09:49

Knud hat geschrieben:
26.01.2019, 23:08
Allerdings sollte jeder eine entsprechende Haftpflichtversicherung haben. Es passiert ja doch schnell mal etwas.
:GrosseZustimmung: Gut, daß Du nochmal darauf hinweist. Kleine Ergänzung von mir: Achtet bitte darauf, daß eure Haftpflichtversicherung auch den Rennradsport mit einschließt. Viele Versicherungsbedingungen sehen hier Ausschlüsse für Training und/oder Rennen vor. Im Zweifel führt das dazu, daß ihr trotz Versicherung alleine mit dem Schaden da steht.
Stockumer Junge hat geschrieben:
28.01.2019, 22:28
Von den nicht ausgeschilderten RTF halte ich nichts.
Das wird bestimmt spannend, die Entwicklung zu beobachten. Nicht ausgeschilderte CTF´s funktionieren ja eigentlich ganz gut. Warum sollte das bei RTF´s nicht gehen? Andererseits erfordert eine nicht ausgeschilderte RTF mehr Vorbereitung von dem jeweiligen Teilnehmer. Er muß sich den Track herunterladen oder auf Mitfahrer hoffen. Wird dann die Spontanität leiden...? Ich weiß es nicht :Weissnicht: Oder anders gefragt: Warum sind die Teilnehmer bei den nicht ausgeschilderten RTF´s ausgeblieben? Was macht die Attraktivität einer RTF aus?
Sonja - die radelnde Anwältin

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