Radfahren am Klosterstern in Hamburg | 2 ZEIT Artikel

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Uli Kampffmeyer
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Radfahren am Klosterstern in Hamburg | 2 ZEIT Artikel

Beitragvon Uli Kampffmeyer » 23.12.2015, 11:34

Der Klosterstern in Hamburg soll umgebaut werden. Es gab ausführliche Anhörungen und Bürgerbeteiligung. Interessant sind auch die Grafiken und die Statistiken zu den Fahrradunfällen. Die anliegenden Geschäfte wollen mehr Parkplätze und weniger Radfahrer - Radfahrer sind angeblich schlecht für das Geschäft ;)

http://www.zeit.de/2015/50/radweg-parkp ... osterstern

http://www.zeit.de/2015/25/verkehrsunfa ... eteiligung
Uli Kampffmeyer
Knud
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Beitragvon Knud » 23.12.2015, 23:37

Das gibt vielleicht einen guten Einblick, was uns in Sachen Verkehrsplanung noch bevorsteht.

Der Klosterstern liegt eigentlich auf meinem möglichen Radweg zur Arbeit. Ich bin da genau einmal gefahren, seit dem umgehe ich ihn weiträumig. Mein Gefühl für Gefährlichkeit war wohl nicht so schlecht. Zumal die Polizei ja nur gemeldete Unfälle zählen kann, dazu kommen noch viele nicht gemeldete und noch mehr Beinahe-Unfälle.

Spannend wie traurig, dass wir Radfahrer nicht als Kunden gesehen werden.
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Ötzy
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Beitragvon Ötzy » 23.12.2015, 23:55

Ich würde einen Radstreifen in den Colonnaden und der Waitzstraße sehr begrüßen. Auch die Umgestaltung am Klosterstern ist überfällig.

Alles Bereiche die ich gut kenne und beruflich ansteuern muß.
In der Waitzstraße und den Colonnaden kein Problem, weil ich Parkhäuser und Nebenstraßen zum Parken nutze. Dort ist eigentlich von 9-17 Uhr Stau und viele Schüler und Anwohner bewegen ihre Räder auf den verbarrikadierten Fußwegen: (Werbetafeln,Blumenkübel,Laternenmasten,...,...)

Der Klosterstern ist ein zentraler Knotenpunkt, der allerdings erstaunlich gut und flüssig funktioniert. Er ist aber tatsächlich extrem unübersichtlich und erfordert viel Aufmerksamkeit. Die umliegenden Geschäfte brauchen Parkzonen für ihre Lieferanten (Modell: Neuer Wall !) aber sicher keine weiteren Parkplätze.
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VeloC
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Beitragvon VeloC » 24.12.2015, 15:24

Das lautstarke Heulen und Zähneklappern weist zumindest darauf hin, dass die Hamburger Regierung offenbar ihren Ankündigungen für mehr Fahrradfreundlichkeit tatsächlich Taten folgen lassen will. Allein das weckt schon meinen Neid. In Essen wird sich aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren verkehrstechnisch nicht allzu viel bewegen, trotz des Titels Grüne Hauptstadt Europas 2017. Da bekommen die Radfahrer und Fußgänger ein paar zusätzlich ausgebaute Bahntrassen spendiert. Sehr nett, aber der innerstädtische motorisierte Verkehrskollaps soll um Himmels willen nicht angepackt werden. Das würde ja die Schaffung eines "lebensfremden Ökotopias" bedeuten. :cry:

Ganz allgemein verstehe ich die Logik der Kaufleute nicht, Autochaos mit florierendem Umsatz gleichzusetzen. Ich selber kaufe lieber an Orten ein, die ich entspannt zu Fuß oder mit dem Rad ansteuern kann, ohne dabei meine Lunge mit Abgasen vollziehen zu müssen. Von Lärm und Lebensgefahr ganz zu schweigen. Und ich habe nicht das Gefühl, damit allein zu stehen. Den Klosterstern werden wir in den nächsten Tagen aus reiner Neugier mal wieder besuchen. Aber mit Sicherheit kein Geld dort ausgeben!
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MarkusH
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Beitragvon MarkusH » 25.12.2015, 09:50

VeloC hat geschrieben:Ganz allgemein verstehe ich die Logik der Kaufleute nicht, Autochaos mit florierendem Umsatz gleichzusetzen. Ich selber kaufe lieber an Orten ein, die ich entspannt zu Fuß oder mit dem Rad ansteuern kann...
Ich schätze da gehörst du einer Minderzahl aller Einkäufer an. Die Logik der Kaufleute kommt schon hin, schätze ich. Ein Großteil der Einkäufer will nunmal mit eigenem PKW möglichst nah an seinen Einkaufsort gelangen.
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VeloC
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Beitragvon VeloC » 25.12.2015, 12:58

Weiß nicht, es gibt inzwischen von beiden Sorten eine Menge Leute. Auffällig finde ich, dass auch die Autofraktion mit dem üblichen Ist-Zustand (nicht nur am Klosterstern) nicht glücklich ist. Was sie sich wünschen, ist quasi mit dem Auto bis direkt in die Einkaufszone zu fahren, dort auf Anhieb einen geräumigen Parkplatz, am liebsten kostenfrei, zu finden, und sobald sie ausgestiegen sind, auf keinen Fall mehr von anderen parkplatzsuchenden Autofahrern belästigt zu werden. Im Prinzip die Jagd nach dem goldenen Einhorn. In der realen Welt stöhnen sie über den Stress, den sie dabei bekommen, ohne zu merken, dass sie selbst das Problem mitverursachen.

In Städten, deren Verantwortliche mutig genug waren, den Autoverkehr großräumig einzuschränken, merken nach einiger Zeit selbst die überzeugtesten Autofahrer, wie herrlich das sein kann, mit Rad, Bus oder Bahn hinzufahren, sich vor Ort frei zu bewegen, im Café zu sitzen und andere Fußgänger zu beobachten, ohne von Dieselwolken eingenebelt zu werden oder Angst vor Politessen haben zu müssen. Von daher wünsche ich mir, dass viel mehr Politker und Verwaltungsleute den Mut hätten, die Leute mit einem kräftigen Tritt in den Allerwertesten zu ihrem Glück zu zwingen. ;)
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Beitragvon Knud » 25.12.2015, 21:15

Nach der einfachen Logik müßten ja alle Fußgängerzonen öde und leer von Käufern sein. Da gibt es genug Gegenbeispiele.
Widerstand gibt es heute gegen praktisch jedes Bauprojekt, allerdings fällt auf, daß hier in Hamburg die Lobby in den "besseren Stadtteilen" wirksamer ist. Diese Politik wird von dem Teil der Bevölkerung gemacht, der überwiegend ein Auto zur Verfügung hat. (Männer jenseits der 40..) Und mit dem Leit(d)bild der "autogerechten Stadt" groß geworden ist.

Dazu kommt dann gelegentlich noch eine egoistische Kurzsicht. Nicht wenige Eltern fahren ihre Kinder bis zur Schultür, "weil der viele Verkehr für die Kinder viel zu gefährlich ist." :mad: Bei manchen stimmt das dann auch, wenn der eigene Nachwuchs erst mal im SUV-Panzer sitzt. :roll:

Zurück zum Einkaufen: Auch hier wird es sich nur langsam ändern. Noch sind es die meisten gewohnt, mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren. Der Erfolg der "grünen Wiese" kommt ja auch nicht von ungefähr. Wenn die Erreichbarkeit mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln stimmt, geht es auch anders. Womit wir wieder beim Klosterstern sind...
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axiom 1
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Beitragvon axiom 1 » 26.12.2015, 21:32

MarkusH hat geschrieben: Ein Großteil der Einkäufer will inunmal mit eigenem PKW möglichst nah an seinen Einkaufsort gelangen.
Kennt Ihr die Gegend? Da parkt man nicht gern in der Nähe des Ladens, sondern in der Tür! Man ist soo wichtig, dass dies völlig in Ordnung ist. Die Kinderfrau kümmert sich um die Kurzen und schon gehts im unbunten Auto, vorzugsweise SUV, zum Shoppen. Oder Dinkies nach der Arbeit oder freischaffend während der Arbeit oder wie auch immer ...

Knöllchen sind da keine finanzielle Drohung, sondern allenfalls lästiger Beifang.
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Bürderbeteiligung und direkte Demokratie

Beitragvon radfreunde » 26.12.2015, 22:51

Da man keine Kosten scheut, alle Bürger zu beteiligen - bislang hat das schon gekostet, kann man jetzt in eine neue Phase einläuten:

1. Abstimmung unter den Kaufleuten dann

2. Abstimmung unter den Hauseigentümern.

Fragestellung immer die gleiche: "Welche Straßenseite soll abgerissen und zu kostenlosen Parkplätzen gemacht werden?" Entscheidung nach Mehrheit und verpflichtend.

Natürlich ist die Entschädigung/Kaufpreis dem Wert entsprechend - minderwertig.

Man sollte auch die Geschäftsinhaber und ihre Mitarbeiter vom Parken ausschließen, zumindest in unserem Stadtteil würde es eine Reihe von Dauerparkplätzen frei.

Wollen wir doch mal sehen, was die dann sagen ;-)

Übrigens ist mein Friseur auch auf dem Eppendorfer Baum und man findet immer einen Parkplatz, man muss nur ein paar Meter laufen...

Es ist schon blöde, wenn Politiker nicht mehr ihre Aufgabe wahrnehmen, sondern den Ärger auf die Verwaltung lenken. Oder es gibt Bürgerbeteiligungen mit fragwürdigem Ausgang. Sollen sie doch entscheiden und zu ihrer Entscheidung stehen, in welchem Stadtteil auch immer.

Es gibt keine Lösung, die allen gefällt...

Die Leute sollten mehr auf dem Fahrrad fahren, dann sieht die Welt rosiger aus - und bei den Temperaturen

Wir sehen uns

wilf
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Beitragvon Helmut » 29.12.2015, 03:02

Der ADFC Hamburg schrieb:

Am Klosterstern zeigt sich aktuell wieder wie sehr viele Bürger am Status quo festhalten. Veränderungen werden nicht akzeptiert. Ein Verständnis dafür, dass Veränderungen aufgrund neuer Gegebenheiten wie dem Fahrstuhlschacht zur U-Bahn zwingend sind werden ignoriert. Oder noch schlimmer als Lüge der Behörde unterstellt. So ein Zwischenruf der Bürger auf der letzten Infoveranstaltung zur Darstellung der extrem hohen Unfallzahl bei Fußgängern und Radfahrern am Klosterstern. Insbesondere Herr Herbolzheimer, Inhaber des Schuhgeschäfts Pepita und Sprecher der Initiative "Rettet den Klosterstern" tut sich mit derartigem Äußern hervor. So zitierte ihn die Zeit jüngst "Das stellen wir komplett in Abrede" und bezog sich damit auf seinen Wortbeitrag zur Unfallstatistik auf der letzen Infoveranstaltung. Wer es nicht selbst glaubt kann es hier lesen:

http://www.zeit.de/2015/50/radweg-parkp ... osterstern

http://tinyurl.com/ozr6gtd

Alle wichtigen Infos zum Umbau des Klosterstern veröffentlicht die Stadt unter:

http://lsbg.hamburg.de/stadtstrassen/44 ... estaltung/

Es gibt dort sogar ein Live-Protokolls der 2. Informationsbveranstaltung am 1. Dezember 2015

http://lsbg.hamburg.de/contentblob/4657 ... r-2015.pdf
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 29.12.2015, 17:15

Knud hat geschrieben:Dazu kommt dann gelegentlich noch eine egoistische Kurzsicht. Nicht wenige Eltern fahren ihre Kinder bis zur Schultür, "weil der viele Verkehr für die Kinder viel zu gefährlich ist." :mad: Bei manchen stimmt das dann auch, wenn der eigene Nachwuchs erst mal im SUV-Panzer sitzt. :roll:

:GrosseZustimmung:

Nur mal so nebenbei: In Heimfeld wohne ich 300 Meter von einer Schule entfernt. Wenn die Eltern ihren Nachwuchs vor der ersten Stunde abliefern, könnte man eine halbe Hundertschaft Polizisten mit dem ahnden der Verkehrsverstöße beschäftigen. Es wird überall gehalten, auch auf dem Zebrastreifen. Anhalten, Türen aufreißen und wieder losfahren funktioniert wunderbar ohne Blinken, Kucken oder auch nur ansatzweise Rücksichtnahme auf den Rest der Welt. Sie begreifen in der Regel nicht, dass sie und Ihr Verhalten im Straßenverkehr die größte Gefahr für ALLE sind. :mad: :mad: :mad:

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