Weltradeltour 2007 - 2011 (Berichte + Bilder)

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Weltradeltour 2007 - 2011 (Berichte + Bilder)

Beitragvon grenzenlos » 02.10.2013, 15:27

Liebe Forumsgemeinde,

lese hier schon lange mit, deshalb kam fast zwangsweise meine Anmeldung. Da hier vom Techniker, echten Sportlern und Freizeitradlern alles vertreten ist, stelle ich hier mal meinen Bericht über unsere längere Tour ein. Hoffe, macht etwas Spaß. 8)

Weltradeltour 2007 – 2011 / 5 Kontinente / 48.000 km / Von Herzlichkeit bis Überfall

Start von Deutschland bis in den Iran


Beim Start unserer Weltradeltour waren wir zusammen schon 101 Jahre alt. Zum Glück war dies aber unseren Drahteseln egal. Wir hatten aber schon einige Radelerfahrungen aus vorher pedalten Touren. 2003 waren wir für 4 Wochen im Jemen unterwegs. Damals war radeln dort noch irgendwie möglich. 2004 besuchten wir unseren Sohn in Sri Lanka. Er war selbst 2003 von Deutschland aus in die weite Welt per Radel gestartet. Gemeinsam pedalten wir für 4 Wochen durch die herrliche Tropeninsel. Erst Jahre später reifte dann unser Entschluss, die große Radelwelttour selbst zu wagen.

Wir wollten unseren Sohn, sozusagen am Ende der Welt besuchen. 2007 war es endlich so weit. Wir hatten Martin versprochen zu kommen, allerdings würde es etwas länger dauern, denn mit den Rädern zu Besuch bis nach Neuseeland, dauert halt etwas länger. Aus diesem Versprechen wurde dann letztendlich unsere 4 jährige Tour um die Welt. Ein Fazit unserer Reise: ,,Bei all den Erlebnissen über die vier Jahre wurde uns immer bewusster, wie kurz unsere Zeit auf diesem Planeten ist und wie klein und unwichtig wir doch eigentlich sind. Zwei radelnde Sandkörner in Raum und Zeit…‘‘

Vorbereitung und Eingebung

2006 wurde uns klar: wir können noch sooft – wenn auch in der Regel so untypisch anders – Urlauben, ein schnelles Ende ist dabei leider immer in Sicht. Das wertvolle Gut Zeit war bei uns immer zu knapp bemessen. Wie viele Menschen auch, so vertrösteten wir uns gedanklich auf das noch ferne Rentenalter. Durch den frühen Tod unserer Väter wurde uns aber schnell bewusst, was mit erhofften Träumen urplötzlich geschehen kann. Eigentum verpflichtet! Wir verkauften viel von unseren geliebten Eigenheiten. Dies aber waren noch die kleinsten Hürden, denn nebenbei mussten wir noch mit unseren Arbeitgebern einiges abklären und, und und … Nach 6 Monaten war die unendlich erscheinende Liste abgearbeitet und die Reise konnte beginnen.

Einige Daten für die Technikfreunde:
- Rahmen: Fort M2 26“ CrMo4
- Gabel: CroMo4 starr mit Ösen
- Steuerlager: FSA Orbit II XL industriegelagert
- Vorbau: ITM Road
- Lenkerbügel: ITM Super Lux
- Sattelstütze: ITM Patent
- Bremsen/Bremshebel: Avid SD 7
- Felgen: Mavic A 319 36 Loch
- Reifen: Schwalbe Marathon 50-559
- Schläuche: Conti AV + DV Adapter
- Pedale: industriegelagert
- Sattel: Brooks Flyer schwarz
- Griffe: Ergon MR1
- Träger: Tubus Logo
- Lowrider: Tubus Tara

Auch wenn manches rustikal erscheint, wir waren zufrieden. Die Langzeitreiseräder sollten ja robust sein.

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Unsere geliebten Radelesel

Europa

Vom thüringischen Sonneberg aus ging es im April 2007 immer Richtung Süden. Die Donau war unser erstes Ziel. Diese begleiteten wir durch Bayern, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien bis Bulgarien. Der Donauabschied in Bulgarien viel uns recht schwer, denn meist waren die Donauwege Radel-schön, von Land zu Land lies auch der Muskelkater spürbar nach und die Ledersättel waren endlich eingeritten. Auch hatten wir endlich gelernt unseren Radelhaushalt in den Griff zu bekommen. Jedes Teil hatte nun seinen bestimmten Platz und das Auf- und Abbauen unserer Lagerplätze dauerte dann meist nur noch eine gute Stunde.

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Donauradweg

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Chaosradelhaushalt

Türkei

Fast drei Monate ließen wir uns für die Türkei Zeit. Wir lernten recht schnell, dass die Zeit für uns ein wichtiger Faktor sein wird, denn erst ab der Türkei fühlten wir uns irgendwie frei und die Zeit an sich spielte keine treibende Rolle mehr. Auch hatten wir nun das Gefühl, jetzt kann uns niemand mehr zurückholen, wir sind in Asien angekommen. Nach Istanbul ging es mitten durch die herrliche Türkei. Landschaften wie aus dem Bilderbuch, Karawansereien, Salzwüsten, Kappadokien, der Vansee und die meist netten Menschen, versüßten uns die türkischen Radelmonate.

Besonders gut war es für uns in Kappadokien. Die Landschaft dort ist einmalig schön. Wochen könnte man da verbringen. Die Visa für den Iran wurden in Erzurum besorgt. 10 Tage dauerte die Visageschichte. Diese Zeit nutzten wir aber sinnvoll zu einem Ausflug ans Schwarze Meer. Am biblischen Berg Ararat öffneten die Iranis für uns dann aber sehr unkompliziert das verschlossene Grenztor.

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Prima Rastplatz

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Iran

Auch wenn es oft schwer begreiflich erscheint, der Schurkenstaat Iran wurde für zwei Monate eines unserer angenehmsten Radelländer. Unvergessen ist dabei die eigentlich unbeschreibliche Gastfreundschaft der Perser. Da Gi (Gisela) im Iran für 4 Wochen Zahnschmerzprobleme hatte, lernten wir auch viele Zahnärzte kennen. Gi hätte sicherlich darauf verzichten können, doch letztendlich brachten uns diese Zahnprobleme auch viele weitere ungeahnte Einsichten in ein absolut interessantes Land.

Leider, vielleicht auch zum Glück, wurden uns die Visa für Pakistan verweigert. So lernten wir auf der Strecke von Tabriz, Esfahan über Bandare Bushehr nach Bandare Abbas auch noch die iranische Küste am Persischen Golf kennen. Über 1.000 km radelten wir immer am Golf entlang. In Bandare Abbas setzten wir mit einer Fähre in die Emirates über. Vorher besuchten wir noch die vorgelagerten Schmugglerinseln. Alles was es eigentlich im Iran nicht geben dürfte (Heineken-Bier, unsaubere Videos, leckeren Krimsekt, süffigen Whisky) bzw. Mangelware ist (Kühlschränke, Autoreifen, TV–Geräte, ausgefallene Klamotten und und …), findet in Nacht– und Nebelbootsschmuggeltouren von Arabien herüber seinen Weg in den Iran.

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Im schönen Esfahan

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Gis großes Wochenzahnproblem

Sollte es für manches Forumsmitglied etwas Freude bereiten, so werde ich, je nach Zeit, die weiteren Teilberichte einpflegen.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi
Grüße Wi grenzenlos
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Beitragvon Helmut » 03.10.2013, 01:53

Liest sich gut, sieht gut aus, ist interessant...

Ein fulminanter Einstieg ins HFS-Forum!

Gerne mehr davon!
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon grenzenlos » 05.10.2013, 10:38

Helmut hat geschrieben:Liest sich gut, sieht gut aus, ist interessant...

Ein fulminanter Einstieg ins HFS-Forum!

Gerne mehr davon!
Danke für die netten Sätze. Geht bald weiter! :)
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Beitragvon grenzenlos » 05.10.2013, 11:22

Weltradeltour weiter bis Indien

Vereinigte Arabische Emirate


Die Vereinigten Arabischen Emirate überraschten mit wenigen klobigen aber durchaus interessanten Betonburgen in viel Sand. Das höchste Gebäude der Welt war gerade im entstehen. Ein Reporter vom VAE–Fernseher wollte unbedingt viele Fragen von uns beantwortet haben. Die wichtigste für ihn war: Was esst und trinkt ihr denn, um diese Strapazen durchzuhalten? Unsere Antwort war: Wir essen und trinken was es in den jeweiligen Ländern gibt. Dies konnte er absolut nicht verstehen. Wir denken, noch heute würde er liebend gerne in unsere Packtaschen rumwühlen, in der Annahme, dort sind, dort müssen garantiert tausender von Wunderpillen versteckt sein.

Uns zog es aber alsbald über die Wüstenstrecke Richtung Oman. Wir lieben die Wüsten. Kamele, kleine Oasen, putzige Moscheen, leben wie die Beduinen, Sand, Sand, Sand…. waren angesagt. Es waren sehr angenehme Tage und Nächte im ewigen Sand. Somit waren die nur 200 km bis zur Grenze für uns Wüstenschön.

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Sandnachtlager

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Unser Lieblingskamel

Oman

Wir mussten zuerst nach Maskat radeln, um die Visa für den Jemen zu besorgen. Dies war nicht so einfach, denn der Botschafter wollte uns keine Visa ausstellen. Erst als Gi ihn sprachlich auf Arabisch lange umgarnte, wurde er weich.

Der Radelweg nach Maskat war einfach nur herrlich, denn die vorgelagerten Gebirgszüge garantieren absolute Abwechslung. Heiße Quellen, verträumte Oasen, überaus nette Menschen, Gebirgszüge von über 3.000 m Höhe und Wüsten soweit das Auge reicht, ließen die Tage wie im Radelflug vergehen.

Von Maskat aus starteten wir Richtung Salalah. Über 1.000 km ging es durch die Wüste Rub al Khali (Leeres Viertel). Absolut wichtig war dabei immer Trinkwasser zu bunkern. Teilweise wogen unsere Last-Radel dann bis über 80 kg. 80 km vor Salalah ist mir die Hinterradfelge eingerissen. Die geschweißte Felge bin ich dann noch 3 Jahre über 30.000 km geradelt (die wurde erst auf der Rückreise in Ägypten ausgewechselt). Noch heute könnte ich den pakistanischen Felgenschweißer (es war seine erste Felge) küssen.

Die Radelzeit in der Rub al Khali selbst werden wir nie vergessen. Die Höchsttemperatur war 47 Grad. Wir haben uns trotzdem immer wohl gefühlt. Wahrscheinlich muss man hierfür Wüsten absolut lieben und natürlich auch kopfmäßig gut vorbereitet sein.

Von Salalah aus ging es über die Mondberge zur jemenitischen Grenze. Im letzten omanischen Dorf wurde uns immer wieder erklärt, radelt ja nicht in den Jemen, dort sind alles Verbrecher, wenn ihr Glück habt, rauben die euch nur aus.

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Die Felge hat noch 3 Jahre gehalten

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Herrlicher Ausruhstrand bei Salalah

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Geht ja nicht in den Jemen!

Jemen

Nur mit viel Überzeugungskunst (Frauen schaffen halt fast alles) unsererseits hatte uns der jemenitische Botschafter in Maskat letztendlich die Visa für den Jemen ausgestellt. Wir mussten uns aber an bestimmte Abreden halten (Radeln war 2007 im Jemen nicht mehr möglich). Wir mussten an einem bestimmten Tag am Grenzübergang in den Mondbergen sein.

Ein Freund holte uns fast an der Grenze mit dem Auto ab (die Abholung war auch Absprache mit dem Botschafter). Zum Glück kam der Freund wie erwartet aber später. So konnten wir zumindest die ersten 70 km entlang der Piratenküste im Jemen radeln. Unvergessen sind dabei die unzähligen Meeresschildkröten und unsere erste Übernachtung in einem Fischerdorf. Unser Nachtlager war auf dem Flachdach der Dorfschule.
Für 3 Monate lebten wir dann in Sanaa. Dort gibt es wohl die schönste Altstadt der Welt. Wir tauchten ein in dieses faszinierende Land, erlebten dabei Hochzeiten, Landschaften, Gastfreundschaft, Beerdigungen und unzähliges mehr.

Trotz vielfältiger Bemühungen bekamen wir keine Schiffsüberfahrt nach Indien. Der Abschied vom Jemen viel uns schwer, zählt er doch schon viele Jahre zu unseren Lieblingsländern.

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Im Wadi Dohan

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Aussichtspunkt bei Sanaa

Indien

Indien wurde unser erstes Kulturschockland. Über Monate und tausende von Kilometern sogen wir all die Schockerlebnisse und Schockleckerbissen ein. Letztendlich entwickelte sich Indien für uns zur Hassliebe. Jederzeit würden wir Indien wieder bereisen, allerdings müsste dies nicht mehr unbedingt mit den Fahrrädern sein, denn der Straßenverkehr kann mörderisch sein. Nur in Südindien kehrte etwas Ruhe ein. Richtung Nepal begann die ewige Huperei und der quälende Kriegsstraßenverkehr erneut. Indien kann echt verrückt sein! Indien kann aber auch schön sein! Unvergesslich ist die Vielfältigkeit in diesem Land, leider auch die unvorstellbare Armut. Manches zermürbt die Sinne. Manches gibt Rätsel auf. Martin hatte uns gewarnt. Seinen Rat, betrachtet die Inder als große Kinder, konnten wir irgendwann beherzigen. Von da an lief vieles kopfmäßig einfacher.

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Indischer Lastentransporter

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Thai Mahal

Bis zum nächsten Teil herrliche Radeltage wünschen Wi + Gi Bild
Grüße Wi grenzenlos
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Beitragvon grenzenlos » 06.10.2013, 15:14

Weltradeltour weiter mit Nepal

Nepal war für uns eine Überraschung, denn nach Indien tat uns die Ruhe gut. Was uns neben der grandiosen Bergwelt im Anapurnagebiet auch absolut faszinierte, war das Tiefland mit seinem Dschungel. Elefanten, Rinos und Krokos hatten wir im Nepal eigentlich nicht erwartet.

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In den Bergen im Anapurnagebiet unternahmen wir eine Wanderung in Eigenregie. Erst auf über 3.000 m wurde uns aber bewusst, weiter können wir nicht rauf. Unsere Ausrüstung war leider halt radelmäßig ausgelegt. Mit Badelatschen in den Nepalbergen war ja auch irgendwie skurril.

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Im Nepal gibt es auch ein großes Völkergemisch. Stunden schaute ich mir die so unterschiedlichsten Gesichter an. Viele Geschichten verbergen sich da. Ganze Bücher würden sich ohne Langweiligkeit füllen lassen.

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Sadus

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Alte Frau

Während unserer zweimonatigen Radelkilometer im Nepal waren gerade Wahlen. Die Maoisten hatten die Wahl gewonnen. Auch wenn Ausschreitungen befürchtet wurden, alles verlief sehr ruhig. Interessant für uns, die langen Schlangen vor den oftmals provisorischen Wahllokalen. Wohl weit über 90 Prozent nehmen da noch ihr Wahlrecht an. In Deutschland wird es so um die 60 Prozent sein.

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Die Maoisten gewinnen.

Von der Hauptstadt aus wollten wir weiter in den Tibet. Leider war die Grenze in den Tibet für uns nicht machbar. Vor der Olympiade 2008 in China gab es wegen dem Aufstand im Tibet, im Vorfeld der Olympiade, keine Einreise über Land. Trotzdem sind wir bis an die tibetische Grenze geradelt. Dort stand der Wind günstig. So konnten wir wenigstens etwas Tibetluft schnuppern. Auf dem Rückweg sahen wir in weiter Ferne den Schneegipfel vom Mount Everest. Ein irgendwie erhabenes Gefühl.

Kambodscha / Thailand

Von Bangkok radelten wir recht zügig zur Grenze von Kambodscha, denn die Regenzeit lag vor uns. In Kambodscha, ca. 100 km vor Siam Rep, erwischte uns der fast Dauerregen. Wir mussten lernen, dass dann wirklich nichts mehr radelmäßig geht. Um nach Siam Rep mit seinen so berühmten Tempel zu kommen, mussten wir ein Auto für unsere Schlammradel bemühen.

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Schlammradel

In Siam Rep überlegten wir, wie wir wieder nach Thailand zurückkommen, denn Monate im Regen wollten wir uns nicht antun. Mit einem Boot ging es über einen See. Das Seegebiet war absolut interessant, denn dort gibt es noch Seenomaden. Der Junge mit der Schlange faszinierte mich. Ich hatte als Kind einen Hamster. Hatte mir die Oma geschenkt.

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Schlangenjunge

In Batambang besichtigen wir die Mörderhöhle. Über 10.000 Kambodschaner wurde dort von den Roten Khmer umgebracht. Langsam beginnt man in Kambodscha die unglaubliche Pol Pot-Zeit aufzuarbeiten.

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Mörderhöhle

Bedingt durch den vielem Regen, fiel leider unser Aufenthalt im durchaus sehenswerten Kambodscha sehr Radel-knapp aus. Neben den berühmten Tempeln, war das so andere Essen am Wegesrand eine auch manchmal leckere Erfahrung (mehr für Gi). Von Fröschen über Spinnen bis zu unzähligen kleinen Krabblern reicht da das Angebot.

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Viele Krabbler im Angebot

In Thailand erwarteten uns wieder Teerstraßen. Die Ostküste wollten wir runter pedalen. Doch davon wird es im nächsten Bericht etwas erzählt.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi
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Beitragvon grenzenlos » 07.10.2013, 10:23

Weltradeltour weiter bis Malaysia

Thailand


Vier Wochen radelten wir entlang der thailändischen Ostküste. Der Regen war weiterhin meist unser ständiger Begleiter, doch störte uns dies wenig, da Asphalt unter unseren Reifen fast die Regel war. Dabei schlafen wir die ersten 800 km immer im Zelt. Wunderschöne Plätze zwischen viel Dschungelgrün finden wir immer am Chinesischen Meer. Die Menschen sind nett und das Badewasser ist um die 30 Grad warm.

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Herrliche Plätze

Speziell in Südthailand hat es uns besonders gut gefallen. Tourismus im Neckermannstil gibt es da zum Glück noch nicht, einfach Radel-genial. Einsame Buchten, Palmen soweit das Auge reicht und köstliches Straßenessen verschönerten die 1.000 km bis zum Grenzfluss. Nur weit im Süden störten die Spannungen zwischen den Religionen etwas die kopfmäßige Radellust.

Der Übergang vom buddhistischen zum islamischen Thailand vollzieht sich langsam. Statt schöner goldener Tempel sind hübsche Minarette unverkennbar.

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Im Norden ist Thailand hauptsächlich buddhistisch

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und im Süden islamisch, aber egal, mit welcher Religionsgruppe wir ins Gespräch kamen, verstanden haben wir uns mit allen prächtig. In Amphoe Tak Bai setzten wir mit einem Boot über den Grenzfluss nach Malaysia.

Malaysia

Malaysia war ein weiteres Überraschungsland. Wir hatten nicht erwartet, dass Alt und Neu fast harmonisch im Einklang nebeneinander funktioniert. Obwohl Malaysia muslimisch geprägt ist, erlebten wir die Fahrradlandesmeisterschaften in ungeahnter Vielfalt, denn die recht vielen Frauenteams gaben den Meisterschaften so richtigen Pepp.

Neben Tagen am Meer, verbrachten wir auch Tage im Dschungel. Beim See Chini leben die malaysischen Ureinwohner. Noch heute benutzen die Orang Asli zur Jagd das Blasrohr mit vergifteten Pfeilen. Der See wird von den Ureinwohnern nur Schlangensee genannt. Es soll dort viele und auch gefährliche Schlangen geben. Auch ein Seeungeheuer mit Schlangenkopf soll in einer Höhle wohnen.

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Wir suchen einen Radelweg

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Herrlicher Dschungel

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Lagerplatz

Die Schlangen und das Seeungeheuer waren für uns kein Problem. Ein wirkliches Problem waren die vielen Feuerameisen. Nur einmal hatte ich vergessen das Zelt exakt zu verschließen. Dies wird mir im Dschungel nie mehr passieren, denn wir hatten eine echt feurige Nacht.

In Kuala Lumpur lecken wir die Dschungelwunden. Dies war recht einfach, denn Kuala ist eine sehr angenehme Hauptstadt. Der Kontrast zwischen den alten Vierteln und der Moderne ist unglaublich reizend. Die alten Viertel sind ein Feuerwerk aus Farben, Gerüchen, auch multikultureller Vielfalt und kleiner Betrügereien. Wo sonst bekommt man an jeder Ecke "echte" Rolex-Uhren schon für 100 Dollar angeboten.

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Chinesenmarkt in der Altstadt

Die Petronas Towers überblicken all die Schönheiten von Kuala Lumpur. Über 400 Meter schauen die Türme gen Himmel.

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Bis zu den nächsten Eindrücken bedanken sich

Gi + WiBild
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Beitragvon grenzenlos » 07.10.2013, 16:52

Weltradeltour weiter bis Singapur

Indonesien / Sumatra


In Dumai schieben wir die Räder vom Schiff aufs Land. Viele Tage brauchen wir bis zum Tobasee. Meist radeln wir durch bezaubernde Dschungelgebiete.

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Reisfelder am Dschungelrand

Ständig rufen uns die Bewohner zu. Mister, Mister, klingt es aus viel Grün, aus Höfen, aus Fenstern und von den Reisfeldern.

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Mister, Mister wir haben eine Fahrradeule

Die Radel-Mühen lohnen sich, denn noch immer ist der Tobasee ein Geheimtipp. Die Samosirinsel gleicht einem Tropentraum im 100 km langen See. Wir beziehen in der kleinen Ortschaft Tuk Tuk ein Holzhaus im Batak-Stil. Es sieht aus wie ein auf den Kopf gestelltes Fischerboot. Viele Tage verbringen wir hier, sozusagen ist Radelpause angesagt.

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Wir lieben unser Batakhaus

Auf der Insel gab es vor nicht allzu langer Zeit noch Kannibalen. Geisterbeschwörungen gibt es heute noch.

Wir bestaunen Schmetterlinge so groß wie unsere Handflächen, erleben eine Inselhochzeit und besteigen Vulkanberge. Viele Abende genießen wir aber einfach nur unser kleines Tropenparadies auf Zeit. Drei Palmen stehen im knietiefen Wasser vor unserem Batak-Haus. Oft spiegelt sich der Mond zwischen ihren Stämmen.

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Schöne Aussicht

Tage später, und nach vielen weiteren Radkilometern, warten wir wieder auf eine Fähre. Sie soll uns nach Singapur schippern.

Singapur

Der Stadtstaat ist ja nur 20 mal 40 km groß.

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Kulturschock-Hochhäuser

So erradeln wir zwangsweise nur sehr kurze Strecken. Zwangsweise steht auch für die vielen Verbote und unfreundlichen Radelschilder.

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Bei Nichtbeachtung so um die 500 Euronen!

Sofort wird uns auch klar, Singapur ist ein Mikrokosmos der Kulturen, ein moderner asiatischer Kulturschock, ein reiches Land. Es ist bereits Ende November und wir bestaunen, belächeln und bewundern einige dieser Konsumtempel im vollen Weihnachtsrausch. Das internationale Flugdrehkreuz bietet alles, was man so braucht, was man glaubt zu brauchen, und was man nicht braucht.

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Was man braucht? Was man nicht braucht? Was man glaubt zu brauchen?

Alle internationalen Modefirmen, Uhrenhersteller von Ruf und Elektrogerätehersteller sind vor Ort – und diese wollen nur eines: nämlich unter allen Umständen verkaufen, verkaufen und nochmals verkaufen. Sogar die Liebe im islamisch geprägten Singapur muss dafür ein Tänzchen vorführen.

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Tänzchen der besonderen Art

Der Konsumrausch nervt uns recht ordentlich. Singapur ist die reichste Region in ganz Südostasien. Singapur ist deshalb auch nicht billig. 49 Euro berappen wir für ein Zimmer. Nach nur 3 Tagen wollen wir raus. Wir sehnen uns nach nur kurzer Zeit wieder nach Einfachheit, Ruhe, Freiheit und unbebaute Landschaften. Der Kulturschock Singapur sitzt nach Indien, Kambodscha und Sumatra einfach zu tief.

Singapur mag uns verzeihen. Vielleicht schauen wir irgendwann genauer hin?

Wir freuen uns umso mehr auf Australien. Ob Australien unsere Wünsche erfüllt, beschreibe ich im nächsten Teil.

Bis dahin Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de
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Beitragvon grenzenlos » 08.10.2013, 08:23

Weltradeltour weiter mit Australien

Martin (unser Sohn) hatte uns gewarnt, Australien zur Sommerzeit, von Nord nach Süd zu beradeln. Die Alten können ja aber nicht hören, also haben wir es zumindest versucht. Von Darwin aus wollten wir bis Sydney pedalen (so um die 6.000 km). Kurz vor Alice Spring kam die Rache. Den Stuart Highway darf man einfach nicht unterschätzen. Gi hatte ein absolutes Tief (ist irgendwie noch untertrieben). Es ging für einige Tage nichts mehr.

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Stuart Highway

Besonders hat uns der dschungelartige Norden fasziniert. Ob Wasserfälle, Krokoflüsse, Heiße Quellen, alles war eigenartig schön.

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Bei Krokoflüssen immer 1 Auge aufmachen!

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Lustige Termitenbauten

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Wasserfallerfrischung

Das einzige, was uns negativ aufgefallen war, war der versteckte und unversteckte Rassismus gegenüber den Ureinwohnern. Rassismus gibt es leider weltweit. Australien ist da keine Ausnahme.

Am Ayers Rock wurde uns innig bewusst, wie schön Australien ist und wie leider auch oft auf Kosten der Aborigine diese Schönheit vermarktet wird.

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Ayers Rock

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An der Südküste

Der Stuart Highway und die Küstenverbindung von Melbourne bis Sidney war trotz vieler Radelmühen eine weitere positive Erfahrung unserer langen Tour. Neben Krokodilen, Fledermäusen, Giftfröschen, Wellensittiche, Papageien, Kängurus, Wallabys, Spinnen, Landschaften wie aus dem Bilderbuch und Millionen von Fliegen, bekamen wir auch was ganz putziges zu sehen. Viele Stunden verbrachten wir mit den überaus drolligen Koalas in unberührter Natur.

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Einfach putzig!

Erst in Sidney holt uns das normale Leben wieder ein. Wir besteigen einen Luxuskahn nach Neuseeland. 11 Tage schippern wir damit bis Auckland. In dieser Zeit versuchen wir all die schönen Australiengedanken zu verarbeiten. Nur manchmal werden diese unterbrochen, denn wir sind unheimlich aufgeregt. Nach vielen Jahren der Trennung, nach fast 24 tausend Radelkilometern in knapp zwei Jahren, erwartet uns unser Sohn in Auckland. Unser Versprechen, Martin mit den Radeln zu besuchen, rückt täglich näher. Wir können es kaum erwarten.

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Bei der Oper von Sidney ist unser Schiff nach Auckland.

Bis Neuseeland viele Grüße von Wi + Gi Bild
Grüße Wi grenzenlos
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Beitragvon grenzenlos » 10.10.2013, 15:39

Welttour weiter - sozusagen auch Halbzeit - in Neuseeland

Es nieselt leicht im ,,Land der langen weißen Wolke‘‘. Doch das stört uns nicht. Vier lange Jahre haben wir uns nicht gesehen. Jetzt soll es endlich so weit sein. Lange liegen wir uns in den Armen. Küsse fliegen hin und her. Die Sehnsüchte sind Wirklichkeit geworden. Es ist geschafft. Was vor zwei Jahren irgendwie halb im Ernst durch die Telefonmuschel kroch, ist eingehalten. Um die 2 Jahre und 24.000 Radelkilometer liegen hinter uns. Wir sind echt da!

Piha ist die neue Heimat von Martin und seiner Frau. Es liegt eine Autostunde von Auckland entfernt. Ein Tausendseelendorf vor der Westküste – wie hingezaubert in den Bergen und am langen Strand. Knapp ein Jahr wohnen Dana und Martin nun schon auf einem Grundstück am Berg. Die Hütte ist klein, aber umgeben von viel Pihagrün.

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Die Hütte ist klein

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Aber umgeben von viel Neuseelandgrün.

Erst 2 Jahre später ziehen sie in ein richtiges Holzhaus um. Dies mit berauschender Aussicht auf den Pihastrand. Die Mühen haben sich gelohnt.

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Nach 2 Jahren endlich eine Dusche und Toilette im Haus mit Aussicht.

2 Monate bleiben wir in Neuseeland. Natürlich schauen wir uns einiges gemeinsam an. Neuseeland überrascht uns mit viel Natur, einer bezaubernden Tierwelt und überaus netten Inselbewohnern.

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Unser Freund auf Zeit.

Mit Martin habe ich die Räder flott gewienert für Südamerika!

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Loch geflickt und

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gewienert

Nach zwei Monaten nehmen wir Abschied mit überholten Fahrrädern. Dabei hoffen wir, dass Martins und Danas Zukunftsträume in Erfüllung gehen. Beim Abschied will uns Martin noch unbedingt etwas sagen. Ihr werdet Oma und Opa. In etwa sieben Monaten ist es soweit. Sieben Monate später erblickt Leilani das Licht der Welt. Wir sind da schon lange in Südamerika unterwegs. Radelnd sind wir da überaus großelternstolz.

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Der Möwe gleich zieht es uns weiter Richtung Südamerika.

Noch eine kleine Bitte! Was mich nämlich selbst mal interessieren würde, kennt vielleicht jemand vom Forum (sind ja viele Weltenbummler dabei) unseren Sohn von irgendeiner Begegnung unterwegs? Es macht uns immer Freude, mit Bekannten/Freunden von Martin in Kontakt zu treten. Er ist 2003 mit dem Fahrrad bis Malaysia geradelt. Er war auch lange in Indien. Hat Indien beradelt. War auch mit einem Motorrad in Indien unterwegs und auch mit einem Segelschiff von Indien nach Thailand. Er war auch für gut 6 Monate auf der Dschunke von den Thüringer Weltumradlern/Abenteurern Brümmer und Glöckner.

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Martin auf der Dschunke.

Die Dschunkentour führte Martin von Thailand, Sri Lanka, Indien, Oman, Jemen, Ostküste Afrika (da lernte er seine Frau kennen) bis nach Ägypten. Da er nicht zurück mit nach Deutschland mit der Dschunke segeln wollte, ging es zurück nach Indien. Anschließend war er längere Zeit in Südostasien unterwegs. Danach lebte er für gut ein Jahr in Australien. Seit 2008 lebt er nun in Neuseeland. Mittlerweile hat er 2 Kinder und in Piha ein kleines Baugeschäft. Da arbeiten auch manchmal Langzeitreisende/Neuseelandentdecker für kurze Zeit bei Martin.

Sollte sich jemand erinnern, dann einfach melden. Danke! Kann natürlich auch über PN sein.

Von Südamerika berichte ich im nächsten Teil.

Gruß Wi + Gi Bild
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Beitragvon Helmut » 13.10.2013, 00:32

Weil Wilfried bisher bescheiden darauf verzichtete, tue ich es, darauf hinweisen, dass man die Erlebnisberichte der beiden auf 426 Seiten mit 70 Bildern als Buch erwerben kann - für 14,95, in Deutschland versandkostenfrei. Zudem kann man eine CD mit 102 dieser faszinieren Bilder für 7 Euro erstehen oder beides zusammen für 19,95.

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http://www.grenzenlosabenteuer.de/buch-shop/

Das Buch gibt's auch neu und gebraucht bei Amazon. Dort belegt es Verkaufsrang 2 (!) bei Weltreisen. Insgesamt belegt es momentan Rang 12.500. Nur sehr wenige Bücher aus dem Themenbereich Fahrrad werden mehr gekauft.

So - und nun kann es hier gern weitergehen mit der Rückreise. Wem das Warten zu lange dauert oder einfach nur noch mehr in aller Ruhe von diesen Reiseerlebnissen lesen möchte, gönne sich das Buch.
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Beitragvon grenzenlos » 13.10.2013, 10:39

Weltradeltour weiter mit Chile

Wir sind noch keine Stunde in Santiago de Chile, da stellt Gi fest, die Stadt ist schön. Habe ich mir anders vorgestellt. Freunde der Stadt Paris werden es mir verzeihen, denn ich muss gestehen, in Paris war ich noch nie – und somit ist mir erlaubt, Santiago in die ,,Stadt der Liebe‘‘ umzutaufen. Denn noch nie habe ich so viele Menschen beim Küssen gesehen.

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Kussengel

Ob Jung oder Alt, man scheint unheimlich gerne zu küssen, richtig verliebt zu küssen, und kein Platz scheint dafür ungeeignet. Dieser Umstand macht uns die Stadt nicht unangenehmer, denn Santiago versprüht Lebensfreude, Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Auch haben wir nicht erwartet, so viele Radelfreunde anzutreffen.

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Radelfreunde in Santiago

Nach einer Woche zieht es uns aber weiter. Wir wollen noch vor dem ersten Schnee über die Anden. Es wird höchste Zeit. Als wir schließlich Richtung Berge pedalen, rufe ich Gi zu "Wenn du eine alte Frau mit lila Haaren siehst, recke die Faust nach oben und halte unbedingt an!". Warum? Vielleicht ist es Margot Honecker (Bildungsministerin der ehemaligen DDR + Frau von E.H.)? Die ist doch mit ihren lila Haaren und dem Erich nach Santiago abgehauen.

Margot sehen wir nicht. Dafür sehen wir nur noch Berge, Berge, Berge. Mein auserwählter Pass über die Anden war schon vor langer Zeit ein Inkapfad. Tagelang sehen wir die schneebedeckten Gipfel immer im Osten.

An der Steilstraßenstrecke treffen wir Armando. Wir sind Gast auf seinem Grundstück. Beim letzten Glas Wein erzählt uns Armando von seinem Traum. Ein, zwei Jahre auf den Rücken meiner Pferde stelle ich mir gut vor. Bis Brasilien reicht sein Traum!

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Armando hat einen Traum. Mit seinen Pferden will er bis Brasilien reiten!

Drei Tage noch quälen wir uns rauf. Nur ganz selten pedalen wir wirklich. Schieben ist Tagesgeschäft. 30 Haarnadelkurven zähle ich am Stück. Es kommt der Moment, wo man sich alle hundert Meter fragt, warum tue ich mir das nur an? Gi klagt über Kopfschmerzen und nervt ständig mit der Frage, wann geht es denn endlich wieder runter?

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30 Haarnadelkurven zähle ich am Stück

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Wir werden die Hammerstraße nie vergessen.

Erst nach dem Tunnel Cristo Redentor auf 3.185 m wird der Pass im Kopf greifbar, spürbar. Die Grenze zu Argentinien kann nicht mehr weit sein. Die letzte kalte chilenische Zeltnacht verbringen wir an einem wildromantischen Gletschersee. Wir freuen uns in dieser sehr, sehr kalten Nacht auf die Abfahrt, auf wärmere Nächte und die argentinische Pampa.

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Wildromantischer Kaltsee

Bis zu den nächsten Berichtzeilen und Bildchen
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Beitragvon kocmonaut » 13.10.2013, 22:19

Hallo Wi,

Wi wunderbar.

Hab mir Buch und CD bestellt, um Eure komplette Reise nachlesen zu können.

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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 06:37

kocmonaut hat geschrieben:Hallo Wi,

Wi wunderbar.

Hab mir Buch und CD bestellt, um Eure komplette Reise nachlesen zu können.

kocmonaut
Danke! :) und wünsche schon jetzt viel Lesevergnügen + herrliche Restherbsttouren! ;)
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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 08:01

Weltradeltour weiter mit Argentinien

Die Abfahrt vom Bergpass hat es zu Beginn gewaltig in sich. Viele km fällt die Straße Angst einflößend ab. 71 km/h zeigt mein Tacho an. Neuer Rekord!

Nur wenige km weiter radeln wir in Sichtweite des Cerro Aconcagua. Er bringt es auf stolze 6.962 Höhenmeter. Über eine Stunde schauen wir Berge. Die Luft ist klar. Gi atmet wieder besser. Alles passt. Unvergessliche Bilder speichern wir.

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Viele km bergab

Vor Mendoza bleiben wir für 2 Nächte an einem See. Wir tanken Sonne, baden im herrlich klaren Wasser und schauen kindergleich immer wieder zu den Andenbergen hoch.

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2 Nächte am herrlichen See.

Über Mendoza und Tafi del Valle wollen wir bis Salta in Nordargentinien radeln. Über 1.600 km liegen vor uns. Die Route hat 3 Vorteile: Wir werden gut 1.000 km durch die Pampa pedalen, sehen linkerhand immer die Anden, dann kommen ein paar Berge und Salta ist greifbar. Und: Das Zusammenspiel zwischen Pampa und Anden macht mich happy. Die Pampastraße hat einen weiteren Vorteil. Wir sehen schon am Morgen wer uns am Abend entgegenkommt.

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Wir sehen schon am Morgen wer uns am Abend entgegenkommt.

Auf den letzten 600 km geht es wieder die Berge hoch. Auf 3.040 m überqueren wir einen der vielen Pässe. Dabei sehen wir die ersten Alpakas und können in der Ferne Tafi del Valle erblicken. Nebelfelder ziehen auf. Als wir vom Nebel flüchten, staunen wir mächtig: Kakteen, wie wir sie bisher nur von Bildern kannten, säumen hundertfach unseren Weg.

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Erstes Alpaka

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Wir staunen mächtig: Kakteen...

Die letzten km bis Salta sind ein Schluchtentraum. Alles wirkt verzaubert, still und manchmal auch ausgegraben wie aus uralter Zeit. Kein Wunder, denn in den Schluchten wurden die ältesten Dinosaurierknochen ausgebuddelt.

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Schluchtentraum!

Nach gut einem Monat treffen wir in Salta ein. Ich will unbedingt nochmal die Anden hoch. Für Gi der lange erhoffte Grund endlich mal im fernen Deutschland nach über 2 Jahren nach ihrer Mutter zu schauen. Für 10 Tage fliegt sie übers große Wasser.

Ich schraube mich dafür die Berge hoch. Es wird die Tour in die Wolken, die Tour der Leiden und die Tour der Freuden. Ich ringe nach Luft, bin kaputt und doch glücklich. 4.080 Meter Höhe zeigt mir der Schriftzug auf einem verrosteten Schild. Der Abra Blankapass ist geschafft.

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Die Luft wird knapp auf 4.080 m.

In San Antonio miete ich mich in einer kleinen Pension ein. Bei meinen Radelausflügen quäle ich mich auf 4.800 m. Viel Sonne, Salzseen, Alpakas, der schneebedeckte Nevado de Acay und die Gewissheit, dass ich meine kleine Heizquelle im kleinen Zimmer auf Dauerbetrieb geschalte habe, versüßen mir die kalten Höhentage.

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Alpakas sind wie ich. Sie vertragen die Höhe.

Sehr schnell wird mir in der Höhe bewusst, dass dies nichts für Gi wäre. Einfach zu wenig Luft für ihre Lungen, ihr Gehirn. Schon öfters hatte sie ab 3.000 m echte Kopfwehprobleme. Wir hatten uns vor der großen Tour vorgenommen, gegenseitig Rücksicht nehmen soll uns in guten und in schlechten Zeiten begleiten.

Da Bolivien und Peru nicht unbedingt Flachländer sind, mache ich Gi nach meiner Bergrückkehr in Salta den Vorschlag, die Räder in Salta zu lassen und mit Bus und per Anhalter die zwei Bergländer zu erkunden. Gi stimmt wegen der zu erwartenden Kopfschmerzen natürlich zu. Ob Bolivien nun auch für Radelfreunde per Auto OK ist, davon berichte ich etwas näher aber erst im nächsten Teil.

Bis dahin schöne Grüße,
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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 12:44

Welttour weiter mit Bolivien

Unser Schrottbus – er bringt uns in acht Stunden auf grausamster Schotterpiste bis Uyuni – ist nicht beheizt. Wie denn auch, beim Anblick vom Fahrerhaus wird mir einiges klar, fällt mir auch sofort mein TÜV–Mensch in Deutschland ein. Der hätte echt seinen Spaß, Freude und einige graue Haare mehr.

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Beim Anblick vom Fahrerhaus wird mir einiges klar!

Es ist wirklich kalt – denken wir. Doch in Uyuni bekommen wir mit: es geht noch kälter! Der Nachtfrost ist für uns fast tödlich. Und auch im Billighotel macht nicht die kleinste Heizquelle die Kälte erträglicher. Es ist Ende Juni, somit Winterzeit in diesen Breiten. Die Durchschnittstemperatur für das Nest am Rande des Altiplano auf 3.700 Metern Höhe wird mit 5 Grad angegeben. 21 Grad minus sind es am Abend. Wir halten die Eskimonächte irgendwie aus. Warum wolltest du in diesen Kühlschrank Wi? Wirst du morgen sehen Gi.

Was wir sehen, ist überwältigend. Von der ,,Fischerinsel‘‘ aus blicken wir über den größten Salzsee der Erde, den Salar de Uyuni.

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Von der Fischerinsel aus ...

Zwischen riesigen Kakteen hindurch schauen wir auf einen Vulkanberg, der weit, sehr weit entfernt am Rande dieses schneeweißen Fleckens Erde liegt. Und eines wird uns klar: Der Salzsee ist neben dem Kältehoch unser Naturhoch in Uyuni.

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Blick über viel Salz

Mit dem nächsten Schrottbus quälen wir uns nach La Paz. Auch in La Paz ist es Hundekalt.

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Hundekalt in La Paz.

Die Stadt liegt in einem gigantischen Kessel. Bei der Abfahrt wird mir schnell klar, die Stadt verdient mehrere Tage. Fast 1.000 Höhenmeter schieben sich die Kesselränder nach oben. Kreisrund kleben die backsteinroten und oft unendlich verschachtelten Häuser an den Hängen. Der Kesselrand wird von den vier mächtigen Gipfeln des Illimani (6.439 m) beherrscht, er ist nicht nur der zweithöchste Berg Boliviens, sondern auch das unübersehbare Wahrzeichen von La Paz.

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La Paz mit Hausberg

An einem Tag lassen wir uns bis zur Hütte vom Club Andino auf 5.300 Meter fahren. Stunden bin ich unterwegs, um auf ca. 6.000 Meter hochzusteigen. Das Wetter ist prima, meine Kondition auch. Ich verspüre kaum Mühen. Die Aussicht macht mich glücklich.

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Ich fühlte mich vogelfrei

In La Paz selbst gibt es täglich was Neues zu entdecken. Ganze Straßenzüge gleichen einem arabischen Basar. Wir durchstreifen auch die Gassen der Wahrsager und Wunderheiler, eine Aufreihung unzähliger Hütten. Diese sind vollgestopft mit Cocablättern, Salben, Tabletten, Cocapulver, Vogelfedern, ausgestopften Schlangen, Tierpfoten, Tigerfellen, Holzspänen, billigen Gipsfiguren, geraspelten Wurzeln, Käfern, Wässerchen in allen Farben, Lamaföten und Sachen, die wir einfach nicht enträtseln können.

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Lamaföten in Wunderheilerhütte

Aber egal, wo wir uns am Kesselrand befinden, es gibt immer einen Blick nach unten. La Paz hat viel zu bieten. Wenn die Sonne untergeht, schieben sich ihre letzten wärmenden Sonnenstrahlen nach oben und der Rand erstrahlt für kurze Zeit in herrlich gelben und rötlichen Tönen. Spätestens dann wird es Zeit, den Kesselrand zu verlassen, denn La Paz soll zur Nachtzeit nicht ungefährlich sein.

In Copacabana am Titicaca-See lassen wir die Zeit in Bolivien sehr langsam ausklingen. Die Ortschaft bereitet uns viel Freude. Viele Wanderungen, Ausflüge auf dem See und Erkundung so mancher Kirchlein in Copacabana sind angesagt.

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Aussicht auf Copacabana

Da, wo die Sonne untergeht, ist der Titicaca noch lange nicht zu Ende. Peru wartet schon auf uns. Doch davon berichte ich erst im nächsten Teil.

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Der Sonnenuntergang zeigt uns den weiteren Weg

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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 13:08

Welttour weiter mit Peru

In Pune am Titicacasee finden wir ein hervorragendes Sonnenscheinzimmer für einige Tage. Die relativ große Stadt liegt an einer weiten Bucht. Zwei hohe Berge versperren die Sicht nach Westen. Steigt man aber die Gassen hinauf, so eröffnet sich ein schöner Blick über den See. Was dabei sofort auffällt, ist der breite Schilfgürtel in der Bucht.

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Blick von Pune mit Betonkondor auf den See

Dort leben die Seenomaden. Natürlich ist schnell klar, dass wir uns die schwimmenden Inseln und die Schilfboote ansehen werden. Unser Fazit: Alles durchaus interessant, doch was die Inka nie geschafft haben, nämlich die Seenomaden zu unterwerfen, der Massentourismus hat es hinbekommen. Die Seenomaden haben sich dem globalen Geschäft unterworfen.

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Seenomadeninsel

All der Touristenrummel regt uns etwas auf. Kann natürlich auch sein, dass uns einfach nur die Radel fehlen, die angenehme Ruhe fehlt uns.
Viele Tage später kommen wir in Cabanaconde auf 3.300 Metern Höhe zu unserem Frieden mit Peru. Die Ortschaft liegt an einer wunderschönen Schlucht (Colca Canyon). Hier kann man seinem Wandertrieb nachgeben und mit etwas Glück auch Kondore sehen.

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Colca Schlucht

An einem Tag wandern wir die Schlucht hinunter.

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Schluchtengrund

So um die tausend Meter runter und so um die tausend wieder rauf. Wir sind fix und fertig an diesem speziellen Wandertag.

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Wir treffen Schluchtenaufsteiger...

...doch Kondore sehen wir nicht.

Am nächsten Tag – wir sind noch immer irgendwie fertig – hängen wir einfach nur ab. Keine hundert Meter laufen wir am Stück. Bei einem dieser kurzen Fertig-Spaziergänge sehen wir zwei von den gewaltigen Vögeln in weiter Ferne. Der Andenkondor bringt es auf unglaubliche 3,20 Meter Flügelspannweite.

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Ruhetag mit Hoffnung auf einen Kondor

Gerade als wir wieder zum Dorf zurücklaufen wollen, ruft mir Gi zu: Dreh dich schnell um! Da kommt ein ganz großer direkt auf uns zugeflogen. Ich blicke durch den Sucher meiner Kamera, drücke auf den Auslöser und höre dabei den Wind durch sein Federkleid rauschen.

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gewaltiges Gefühl

Es ist ein überaus gewaltiges Gefühl von leider nur wenigen Sekunden. Nur Momente später ist er am Rand der Schlucht gegenüber zwischen Felsvorsprüngen verschwunden.

Wir überlegen noch die Touristenhochburg Cusco zu besuchen. Wir müssen aber nicht lange nachdenken, wie unsere Reise weitergehen soll, denn die Busfahrer nehmen uns die Entscheidung ab. ,,Streik‘‘ heißt das Zauberwort. Kein Bus fährt mehr.

Bis nach La Paz schlagen wir uns per Anhalter durch. Die Sehnsucht nach unseren Stahlrössern ist dabei groß. In Bolivien besteigen wir wieder die rollenden Schrottbusse. Die Heizungswärme ersetzt oft ein wärmespendendes Tier.

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Schäfchenheizung

Nach knapp 2 Monaten Bolivien und Peru treffen wir wieder in Salta ein. Die Auto-Bustouren durch beide Länder waren eine weitere lohnenswerte Erfahrung. Besonders haben uns die Wanderungen in den Bergen gefallen. Ein Bild von diesen bitterarmen Ländern wird mir dabei nie aus dem Kopf gehen. Es ist eine wunderschöne Zeichnung. Der Junge darauf erinnert mich ständig an ein Lied aus längst vergangener Zeit. ,,Der Indiojunge von Peru, der will Leben so wie du‘‘, war, denke ich, der Titelname.

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Eine wunderschöne Zeichnung erinnert mich

In Salta bekommen wir die uns traurig erscheinenden Radel zurück. Die Entscheidung, die beiden Bergländer nicht mit den Radeln zu erkunden, war für uns richtig. Doch nun brennen wir wieder auf weitere lange, interessante Radelstrecken.

Im nächsten Teil erzähle ich davon.
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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 13:22

Weltradeltour weiter mit

zurück in Argentinien


Nach nur 2 Tagen in Salta springen wir wieder auf unsere Räder und radeln in den nächsten Tagen knapp 1.000 km durch die argentinische Pampa. Nach Wochen extremer Nachtkälte hatten wir eigentlich Pampawärme erwartet. Darauf müssen wir jedoch noch lange warten, denn am Morgen herrscht oft sogar leichter Frost.

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Am Morgen herrscht oft leichter Frost.

Meist erst gegen Mittag steigt die Temperatur auf angenehme 20 Grad. Die Pampastraße Nummer 16 werden wir nie vergessen, denn sie führt uns über viele hunderte von Kilometern immer schnurgerade durchs Land, doch Langeweile gibt es an der Strecke nicht. Da zur Pampakorn- und -Fleischkammer natürlich ja auch der Gaucho gehört, sehen wir diese berittenen Viehhirten täglich.

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Gaucho

Wir fühlen uns irgendwie seelenverwandt, denn wo es ihnen gefällt, bleiben sie eine Weile. Meist schlafen sie unter freiem Himmel und verkörpern so den alten Mythos weiter. Ungebundenheit und Freiheit sind ihnen sehr wichtig. Sie kümmern sich um das Vieh, markieren die Jungtiere, reparieren die unzähligen Weidezäune, treiben die Herden über lange Wege ins nächste Weidegebiet und fangen mit ihren Lassos ausgerissene Kühe ein. Ein tellergroße Hut, oft ein buschiger Schnauzer, ein weiter Poncho, Kalbslederstiefel, Pumphosen, lange Sporen und ein großes Messer im Gürtel gehören zu jedem ordentlichen Gaucho dazu.

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Nicht jeder ist Besitzer von Kalbslederstiefeln.

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Aber jeder hat irgendwie Spaß.

In so manchem Pampanest erleben wir eine weitere angenehme Seite der Gauchos kennen. Es wird unheimlich viel Kuh gebraten.

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Fleisch, Fleisch, Fleisch ....

Und dies macht natürlich unheimlich durstig. Auf Durst, Essen und viel Musik folgt zwangsweise Tanz. Argentinien ist gleich Tango. Und Tango bestimmt die Seele. Gibt es schöneres?

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Tango

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Tangoliebesgeflüster

Natürlich gibt es noch was. Täglich trinken wir auch Mate-Tee. Die Argentinier sind gastfreundliche Menschen.

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Mate-Teegastfreundschaft

Die Straße mit viel Essen, Mate-Tee und Tango endet vor dem Rio Parana. Die Landschaft ändert sich. Sie wird bestimmt vom großen Fluss.

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Auf der anderen Seite ist Paraguay

Immer in der Nähe des Flusses pedalen wir 200 km bis Posadas. Auf der anderen Seite befindet sich Paraguay – unser nächstes Radelziel.

Doch davon erzähle ich erst im nächsten Teil.

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Beitragvon grenzenlos » 15.10.2013, 08:57

Weltradeltour weiter mit

Paraguay


Die Grenzstadt Encarnacion ist eine vergammelte Schmugglerhochburg. Sie macht den Eindruck wie viele andere Schmuggler- und Grenzstädte dieser Welt. Sie ist schmutzig, in der Nacht mit Vorsicht zu genießen und versprüht den intensiven Geruch von Prostitution, Gaunereien, Betrug und viel Armut.

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Schmuggelkinder

Nur eine Nacht bleiben wir auf dem einsamen Camping.

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Einsamer Camping

Beim Abschied wird uns gesagt, passt auf euch auf. Das dabei vermittelte ungute Gefühl verstärkt sich auf den nächsten Kilometern, denn die vielen Dörfer entlang unserer Radelstraße wirken alle recht armseelig. Die Landschaft ist aber lieblich. Die Menschen sind freundlich. Bei Sonnenschein wirkt so manches erträglicher, sage ich zu Gi. Ja, komisch … Armut wirkt dann oft weniger arm… Es ist gut, so mit der Sonne, denn bis zum Grenzübertritt nach Brasilien, werden wir noch oft an solchen armen Dörfern vorbeiradeln.

Begeistert sind wir von der verspielten Langweiligkeit. Auch die Katzen halten dabei ihre Sonnensiesta.

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Siestalieblingskatze

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Und so mancher Schmetterling ist überraschend fleißig.

Erst viel später wird die angenehme Langweiligkeit durchbrochen. Hohenhau klingt irgendwie deutsch. Wir finden für einige Kilometer eine völlig andere Welt vor. Kleine, schmucke Häuser kämpfen dabei um den Schönheitspreis. Alle haben einen Vorgarten. Blumen neigen sich darin im Wind und grüner Rasen lacht uns dabei entgegen. Alle Straßen sind geteert. Die Hohenauer Tankstelle und Autowaschanlage könnte so auch in unserer Heimatstadt stehen. Die Schule, der Kindergarten und die Kirche wirken zeitnah frisch gestrichen. Der Bankautomat spuckt ohne Probleme den gewünschten Betrag aus. Straßen und Gassen haben einen Namen. Diese Namen sind deutsche Schriftzüge.

In der Kirche schaut uns eine Madonna irgendwie fragend an.

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Fragende Madonna

Ihr wollt doch nicht etwa ins Hotel Kuschel, scheint die Frage zu sein.

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24 Stundenhotel Kuschel

Der Name Kuschel versprüht eigentlich viel Wärme. Doch kuscheln geht auch in einer kleinen Pension für uns. Der unerwartete Vorteil, alle in der Familie sprechen deutsch. Lange reden wir noch am Abend, über Armut und Reichtum, über das oft harte Leben in ihrem Auswandererland, über Gott und die Welt.

Am Morgen bekommen wir ein Frühstück der deutschen Art. Der Radlermagen begreift es erst gar nicht so recht. Beim herzlichen Abschied zeigt uns die Oma der Familie einige Städte und Dörfer auf meiner Straßenkarte. Zu jedem Namen erschallt ein deutscher Kommentar. Dort müsst ihr unbedingt halten. Es ist die schönste deutsche Gemeinde in Paraguay. Eisbein und Sauerkraut gibt es da. In der Stadt müsst ihr auch halten. Der beste Kuchen. Das beste Bier. In dieser Gemeinde müsst ihr auch halten. Da leben nur Italiener. Guter Wein und Spaghetti-Eis.
Da radelt ihr am besten durch, denn dort leben viele Japaner und die essen ja nur diesen eingerollten Fisch.

Einige der guten Tipps beherzigen wir auf unserem Weg bis Ciudad del Este. Dabei sind wir immer wieder sprachlos, wie unterschiedlich doch die Lebensformen in Paraguay sein können. Der Kontrast ist überaus groß.
Fast an der Grenze zu Brasilien, werden wir im "Salzburger Hotel" schnell handelseinig. Man spricht deutsch. Auf der Speisekarte steht Eisbein mit Sauerkraut und "Paulaner" gibt es zum Runterspülen. Nach nur gut 300 Kilometern in Paraguay ist Brasilien greifbar nah.

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Salzburger Hotel

Am Abend beim Paulaner, rieche ich schon irgendwie die so nahen, so berühmten Iguazu-Wasserfälle. Wir können es kaum erwarten.

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Ich kann die Wasserfälle schon riechen

Von Brasilien berichte ich erst im nächsten Teil.
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Beitragvon grenzenlos » 15.10.2013, 09:15

Weltradeltour weiter mit

Brasilien 1 (bis Rio)


Die Frau des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt soll beim Anblick der Iguazu-Wasserfälle gesagt haben: Poor Niagara! (Arme Niagarafälle) Ich kann ihr nur Recht geben, denn die größten Wasserfälle der Erde sind wohl auch tatsächlich die schönsten. Auf einer Breite von 2,7 Kilometer rauschen die Wassermassen in 255 Einzelfällen bis zu 82 Meter in die Tiefe.

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Regenbogenfälle

Die stürzenden Wassermassen, deren weithin hörbares Brüllen, das Dschungelgrün, die weißen Wolken, der blaue Himmel, die Millionen von Wassertröpfchen und gigantische Regenbögen gleichen in ihrem Zusammenspiel einer einzigartigen Naturinszenierung.

Nach viel Wasserfallwasser, pedalen wir über unendlich erscheinende grüne Hügelketten immer Richtung Osten. So mancher Flusslauf muss dabei überquert werden.

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Flussdurchquerungen waren angesagt

Wir fühlen uns wohl, denn die Sonne begleitet uns mit ihrer endlich wieder heißen Strahlenwucht. Nur die vielen Moskitos nerven zeitweise arg.
Abgekämpft erreichen wir nach gut 2 Wochen den Atlantik. Um die 8.000 Kilometer Küste kann Brasilien sein eigen nennen. Bei dieser Länge ist natürlich Vielfältigkeit angesagt. Unser Radelweg führt uns der Küste entlang immer nördlich. Da an der brasilianischen Küste alles möglich ist, erleben wir sehr oft den Traum aller Radelfreunde. Es gibt nämlich viele Strände, die sehr gut zu beradeln sind. Uns überraschen auch die oftmals schönen Küstenortschaften.

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Herrliche Küstenortschaften begleiten uns

Von Ortschaft zu Ortschaft, von Strandabschnitt zu Strandabschnitt, von Flüsschen zu Flüsschen, fressen unsere Räder Kilometer für Kilometer.

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Prima Strandradeln

Immer von rechts spielen dabei die Wellen im Wind. Von links verneigen sich die Dünen und vereinzelte Palmen scheinen uns zu grüßen. Oft suchen wir uns am Abend einen Lagerplatz zwischen spielenden Wellen und grüßenden Palmen. Wochen später treffen wir in Rio ein.

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Copacabana

Da wir einige Zeit in Rio verweilen, erfüllen wir weit mehr als das übliche "Pflichtprogramm". Bild Christos der Erlöser, wirkt wie ein Leuchtturm über der Stadt.

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Christo schaut auf Rio

Was bleibt von Rio in meinem Kopf hängen? Für mich ist Rio eine Stadt unter Strom, unter Starkstrom. Sie riecht gut, sie stinkt, sie ist supermodern und doch auch vergammelt, sie ist liebenswert und betrügerisch, frisch gestrichen und angefault, sie ist verriegelt und doch 24 Stunden offen, sie ist verfressen und schreit gleichzeitig vor Hunger, sie ist versoffen und gewaltbereit, sie ist überschwänglich und gastfreundlich, sie ist naiv und raffiniert, sie ist durchaus eine Stadt zum Verlieben, doch zu verdanken hat sie dies hauptsächlich der unglaublich schönen Landschaft.

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Spaßbrasilianer

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Rio vom Zuckerhut

Da Brasilien groß ist, pedalen wir im nächsten Teil bis zum Amazonas weiter.

Bis dahin alles Gute von Wi + Gi
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Tolle Serie

Beitragvon Senior » 17.10.2013, 07:43

Tolle Bilder und passende Texte
Ich freue mich immer wieder auf den nächsten Teil ...
Vielen Dank für die Berichte
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Re: Tolle Serie

Beitragvon grenzenlos » 17.10.2013, 09:37

Senior hat geschrieben:Tolle Bilder und passende Texte
Ich freue mich immer wieder auf den nächsten Teil ...
Vielen Dank für die Berichte
Danke für die netten Worte! :)
Fortsetzung folgt in Kürze.
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Beitragvon grenzenlos » 17.10.2013, 09:57

Weltradeltour weiter mit

Brasilien (2)


Im Norden von Brasilien ist es für uns wirklich angenehmer, stellen wir gemeinsam fest. Tausend Kilometer Küste, hunderte Kilometer Strandradeln, tausend Kilometer Zuckerrohr, tausend Kilometer Dschungel, tausend Kilometer Pampa und tausend Kilometer Freundlichkeit, scherze ich. Dabei blicken wir in Belem auf den Amazonas (der hier aufs Meer trifft). Die letzten Wochen von Rio bis zum Amazonas bleiben unvergessen. Besonders prägend war wieder die Strandradelei.

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Prima Strandradeln

Unvergessen bleiben auch all die netten Küstenorte. Bilderbuchansichten machen sich da sehr breit.

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Bilderbuchansichten

Speziell in Rio hat uns der Unterschied von Arm und Reich mächtig irritiert. Im Norden ist vieles sozial verträglicher für unsere Köpfe.

Wir wollen weiter nach Manaus. Natürlich ist hier nichts mit Radeln. Wir brauchen ein Schiff. Das Amazonasgebiet sprengt alle Vorstellungen. Halb Europa passt hier spielend rein. 3.600 Flusskilometer bringt uns der Seelenverkäuferkahn stromaufwärts. Die Bewegungsfreiheit während der 6 Bootstage ist ziemlich eingeschränkt.

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Hängemattenengabteil

Die Freizeitkulisse bildet halt in diesem Fall der Fluss, der so berühmte Amazonas. Man stellt schnell fest, der Fluss an sich ist allemal so manches Übelchen wert. So verbringen wir viele, viele Stunden an Deck und schauen in die Landschaft. Neben dieser täglichen Abwechslung gibt es bis Manaus sechs Zwischenstopps. Allerdings ist es uns nur einmal möglich, für 3 Stunden von Bord zu huschen. In dieser Spring-von-Bord-Ortschaft steigen ein Großteil der Goldsucher und weitere Männer mit Adlerblick aus. Es sind meist recht zwielichtige Gestalten. Ein Teil der Särge könnte hier eigentlich mit von Bord genommen werden, denn die Sterbe- und Mordrate ist in diesem Gebiet ausgesprochen hoch, flüstere ich Gi zu.

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Särgeverladung

Zwei Drittel der Tour liegen da bereits hinter uns. Und genau in dieser Ortschaft steigen dann auch keine Damen vom horizontalen Gewerbe mehr zu. Es lohnt sich einfach nicht mehr. Die Goldjungs und Adlerblickjungs sind ja von Bord.

Von Manaus aus erforschen wir für einige Tage den Dschungel an einem Nebenarm des Amazonas. Ein Indianer ist uns dabei behilflich. Er zeigt uns die Schönheiten und Gefahren der "Grünen Hölle". Wir leben für Tage am Fluss.

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Flussgeflüster

Wir sind begeistert, denn unser Dschungelführer ist ein absoluter Glücksgriff. Wir lernen unheimlich viel. Ist die Spinne giftig?

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Ja sie ist giftig. Wo gibt es sauberes Trinkwasser? In ganz bestimmten Lianen ist reichlich sauberes und kühles Trinkwasser, ist die Antwort. Wie funktioniert das? Einfach mit der Machete einen halben Meter absäbeln und trinken.

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Trinkwasser

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Lianentrinkwasserfilter

Georg ist sein Name. Ein komischer Name für einen Indianer. Ist uns aber egal, denn Georg ist genial. So nebenbei spricht er auch 5 Sprachen. Er zeigt uns den Wasserfilter in den Lianen. Wir sind begeistert und trinken unheimlich viel Lianenwasser.

Am letzten Abend sitzen wir im Kanu. Georg will uns zeigen, wie man in der Dunkelheit Krokodile mit den Händen fangen kann. Georg schafft alles. Nach nur einer Stunde hält er das erste Kroko in den Händen.

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Handkroko

Am nächsten Morgen verzichte ich auf mein schon gewohntes Morgenbad im Fluss, denn unsere Tour soll ja weiter gehen. Doch davon berichte ich dann erst im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi grenzenlos
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Russland ??

Beitragvon Indorain » 17.10.2013, 14:44

Das größte Land habt Ihr aber ausgelassen = Russland :!:
Von Hamburg nach Vladivostok sind es ca. 11.205 Km

http://www.luftlinie.org/Wladiwostok/Hamburg

Von dort könnt Ihr nach Japan übersetzten und per Flugzeug zurück. Falls die Strecke zu lang wird, zur transsibirischen Bahnstrecke dürfte es nicht weit sein. ;)
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Beitragvon grenzenlos » 17.10.2013, 14:58

Ja stimmt, doch man kann im Leben nicht alles haben. Uns war es wichtig, immer nach Möglichkeit lange in den einzelnen Ländern zu bleiben, um sie richtig zu verstehen. Länder sammeln ist nicht unser Ding. Allerdings wollen wir im nächsten Frühjahr wieder weg. Mal sehen, was da so kommt. :)
Grüße Wi grenzenlos
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Beitragvon kocmonaut » 17.10.2013, 18:18

Grenzenlos schrieb: "Nach nur einer Stunde hält er das erste Kroko in den Händen. "

Das ist ein Fake. An Hand des Fotos (ich kriegs nicht in die Antwort kopiert) erkennt man die neue megahelle Helmlampe von Busch & Müller. Das Krokodil ist nach einstündiger Beleuchtung völlig erblindet und somit völlig harmlos. Ob das auch mit Haien funktioniert ist bislang unerforscht. Aber das lesen wir vielleicht im nächsten Teil...

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Beitragvon grenzenlos » 18.10.2013, 09:07

kocmonaut hat geschrieben:
Grenzenlos hat geschrieben:"Nach nur einer Stunde hält er das erste Kroko in den Händen. "
Das ist ein Fake. An Hand des Fotos (ich kriegs nicht in die Antwort kopiert) erkennt man die neue megahelle Helmlampe von Busch & Müller. Das Krokodil ist nach einstündiger Beleuchtung völlig erblindet und somit völlig harmlos. Ob das auch mit Haien funktioniert ist bislang unerforscht. Aber das lesen wir vielleicht im nächsten Teil...
Nee, ist kein Schwindel. Wir waren selbst dabei. Die Lampe braucht man aus Sicherheitsgründen, um in der Nacht überhaupt Krokos bzw. andere Tiere zu sehen sowie in den Mangroven halt dementsprechend den großen Krokos auszuweichen. Dazu muss die Lampe schwach leuchten. Man erkennt ein Tier dann am Augenleuchten. Man greift das Kroko von hinten und schließt sofort das Maul.

Solch eine Aktion dauert keine 5 Minuten, denn das Kroko wurde nach dem Bild sofort wieder ausgesetzt. Dem Führer und auch uns war wichtig, dass das Tier natürlich am Leben bleibt. Der Führer und auch wir sind absolute Tierfreunde. Dass es Menschen gibt, welche Krokos erblinden, war mir bisher nicht bewusst. Habe auch keine Ahnung, ob sowas überhaupt funktioniert. Lese ich zum ersten mal.

Zu Haien könnte ich durchaus einiges schreiben, doch ist es sicherlich sinniger, dies in einem Forum zu tun, welches sich ernsthaft mit Haien beschäftigt. Die Haie haben dies einfach verdient.
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Beitragvon grenzenlos » 18.10.2013, 09:39

Weltradeltour weiter mit

Panama


Panama-Stadt hatten wir uns nicht so modern vorgestellt.

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Wir nächtigen während unserer Tage in Panama-Stadt natürlich nicht im modernen Zentrum. Wie üblich in Großstädten suchen wir ein billiges Quartier in der Altstadt. Volltreffer! Unser Hotel ist da älteste der Stadt. Es hat gut 95 Jahre in den Mauern und entstand zu Zeiten des Kanalbaus. Es gibt einen schönen Innenhof mit Brunnen. Doch aus den goldigen Wasserhähnen fließt schon lange kein Tropfen mehr. Dafür ist unsere Aussicht auf unsere Gasse umso interessanter. Holzhaus drängt sich da an Holzhaus. Es ist noch immer ein Viertel der Armen.

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Holzhaus drängt sich an Holzhaus

Als wir das Viertel nach Tagen radelnd verlassen wollen, schaffen wir nur einen Straßenzug. Ein Polizeiauto versperrt uns den Weg. Wo wollt ihr hin, werden wir gefragt. Zur Panamericana. Nach nur 2 Kilometer sind wir auf deren Asphalt. Das Polizeiauto begleitet uns im ersten Gang. Durchs offene Fenster schaut dabei die Mündung einer Maschinenpistole. Wir sollen aufpassen, wird uns gesagt. Gi macht sich leichte Sorgen.

Am Stadtausgang überqueren wir die Brücke an der Kanalausfahrt. Dort erwartet uns eine Straßensperre. Die vermummten Kerle sind filmreif bewaffnet. Sie kontrollieren gerade einen schäbigen Bus. Dabei sind sie nicht zimperlich. Die Lautstärke ihrer Befehle wirkt verwirrend auf uns. Wenig später sind wir allein auf der Panamericana.

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Gi hat ihre Sprache wiedererlangt. Ich habe kein gutes Gefühl, sagt sie. Ich will sie beruhigen. Die Panamericana ist die Hauptschmuggelroute für allerlei Drogen. Die Kerle tun nur ihren Job. Sie sehen zwar nicht unbedingt so aus, doch sicherlich sind es nette Burschen, zumindest meistens… Ich denke, Panama ist in Wirklichkeit ganz anders. Meine Gefühle sind gut.

Die nächsten Tage geben mir Recht. Und so, wie ich zum Glück Recht behalte, so ändern sich auch Gis Gefühle zu diesem Land. Viele Tage flitzen wir auf der berühmt-berüchtigten Straße entlang. Keine Bewaffneten und auch kein Berg versperren uns den Weg. Es lässt sich prima radeln. So schaffen wir an manchen Tagen um die 100 km. Dabei machen wir noch Abstecher zum Pazifik für längere Pausen. Jeden, aber auch wirklich jeden Nachmittag fängt es zu regnen an. Wir schlafen an der Strecke im Zelt, in netten kleinen Hotels, auf dem Grundstück einer Kirche und finden sogar einen Campingplatz. Manchmal suchen wir uns auch einen Platz im Dschungel.

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Lagerplatzsuche

Ideal ist es immer, wenn ein Fluss in der Nähe ist. Flüsse benutzen wir immer für Pausen, zur Abkühlung und Körperpflege.

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Pause am Fluss

Die Strecke bis zur Grenze überrascht uns immer wieder mit viel Dschungelgrün.

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Immer wieder viel Dschungelgrün

So manche Blume gleicht einem Wunder.

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Wunderblume

Fasziniert sind wir von der Farbenpracht der Tukane.

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Tukan

Nach knapp zwei Wochen warten wir geschlagene 2 Stunden auf unsere Ausreisestempel. Was wir da noch nicht wissen, unser nächstes Radelland wird ein ganz besonderes für uns werden.

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Die Warterei wird sich lohnen

Vom herrlichen Costa Rica berichte ich aber erst im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi
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Beitragvon grenzenlos » 18.10.2013, 10:35

Weltradeltour weiter mit

Costa Rica


Costa wird für uns ein Naturleckerbissen. Schon die kleine Denise zeigt uns am ersten Tag ihren weitläufigen Dschungelgarten. Zum Abschied zeigt sie uns noch was ganz besonderes. Sie hat zwei Hundeföten für die Ewigkeit aufbewahrt. Denis strahlt dabei unendlich viel Kinderstolz aus.

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Denis strahlt

Uns sind natürlich lebende Tiere trotzdem lieber. Wir radeln entlang der Westküste immer Richtung Norden. Wir merken sehr schnell, das wird ein gutes Radelland. Tage verbringen wir am Meer. Noch nie haben wir so viele Papageien gesehen. Sie begleiten uns in Schwärmen. Genau wie wir scheinen sie das Meer zu lieben. Zwischen sehr viel Wasser halten wir es sehr lange aus.

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Zwischen viel Wasser

An einzelnen Flussläufen treffen wir immer wieder auf Krokos. Aus sicherer Entfernung bestaunen wir Urgetüme. Über 5 Meter sind sie lang. Stunden kann ich sie beobachten ohne Langweile. Gi lässt mich leider, oder vielleicht auch zum Glück, nicht näher ran, denn das Flussufer ist oft sehr schlammig und somit eine echte Gefahr.

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Große Krokos

Die Krokos zeigen uns den Weg zum nächsten Ziel. Flussaufwärts geht es in die Berge. Tage später erblicken wir den Arenal. Den aktivsten Vulkan im Land, den Arenal wollen wir unbedingt anradeln. Er ist 1.670 Meter hoch. Seit 1968 fließt regelmäßig Lava von seinen Hängen ins Tal. Der Weg dorthin ist mühsam, denn über 1.100 Höhenmeter müssen wir bis zu seinem Fuß pedalen. Wenn Pisten geradelt werden, ist eine Großreinigung am Abend Pflicht.

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Schlammradel

Überqueren wir jedoch kleine Bäche, dann ist die Reinigung der Radel ein Kinderspiel.

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Radelwäsche

Wir selbst baden oft bei heißen Quellen. Diese gibt es entlang der Strecke sehr oft. Den Eintritt in die Thermalbäder sparen wir uns, denn so mancher Bach und Flüsschen wird von den Quellen gespeist. Dort baden die Einheimischen und natürlich auch wir sehr freudig kostenlos. In der Nähe vom Vulkan gönnen wir uns Luxus. Wir mieten ein Traumzimmer mit Aussicht.

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Traumaussicht

Die Gegend um den Vulkan ist einzigartig schön. Wir verlieben uns regelrecht ins viele Grün mir all seinen wunderbaren Rätzeln.

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Viel Grün!

Wanderung folgt auf Wanderung. Und jede Wanderung lässt uns staunen.
Über all diese Schönheiten ragt der erhabene Vulkanberg. Wir können uns nicht satt sehen.

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Vulkan Arenal

Unser Radelmonat in Costa ist leider bald um. Drei Tagesetappen brauchen wir bis in die Hauptstadt San Jose. Doch bevor uns die Hauptstadt schluckt, besuchen wir noch den Hausvulkan der Hauptstadt. Hier qualmt es uns mächtig um die Ohren.

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Hausvulkan von San Jose

Der Vulkan selbst schluckt uns nicht. Wir freuen uns darüber, denn Kuba soll unser nächstes Radelziel werden. Costa selbst wird eines unserer Lieblingsländer. Ein Monat und um die 1.000 Radelkilometer waren uns fast zu wenig. Ein Wiedersehen treibt uns schon lange um.

PS: Costa ist wirklich echt schön. Naturleckerbissen erster Güte! Speziell auch für Wanderer sehr zu empfehlen! Nächste Woche können wir dann zusammen in Kuba eine Radelrunde drehen. Es gibt für euch dabei garantiert keinen Muskelkater.

Bis dahin noch schöne Woche,

Grüße von Wi + Gi
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Beitragvon grenzenlos » 19.10.2013, 08:22

kocmonaut hat geschrieben:
Grenzenlos hat geschrieben:"Nach nur einer Stunde hält er das erste Kroko in den Händen. "
Das ist ein Fake. An Hand des Fotos (ich kriegs nicht in die Antwort kopiert) erkennt man die neue megahelle Helmlampe von Busch & Müller. Das Krokodil ist nach einstündiger Beleuchtung völlig erblindet und somit völlig harmlos. Ob das auch mit Haien funktioniert ist bislang unerforscht. Aber das lesen wir vielleicht im nächsten Teil...
Moin kocmonaut,

habe mal nachgeschaut (ge-Googelt). Gibt es wirklich solchen Mist mit dem intensiven Licht Tiere lahmlegen? Manche Leute sind einfach irre. Georg (der Indianer) würde dies nie machen. Heile Natur ist dort sehr wichtig.

Man lernt halt nie aus. Danke für den Hinweis.
Wünsche herrlich Wochenende. Die Sonne soll ja scheinen. :)
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Beitragvon grenzenlos » 19.10.2013, 18:57

Weltradeltour weiter mit

Kuba


Fidel Castro, Schweinebucht, Zigarren, Trauminsel, Kalter Krieg, Palmen und Che Guevara, spukt es mir bei den Gedanken zu Kuba ständig in meinen Kopf herum. Wir beziehen für 3 Tage das Hotel Lincoln. Es wurde 1926 als zweites Hotel in Havanna erbaut. Zwischen Frühstück und Abendbrot erkunden wir die berühmte Stadt. Woran mag es liegen, dass die Menschen hier so wenig lächeln, fragt mich Gi. Erst viel später finden wir darauf eine Antwort. Im Altstadtviertel treffen wir täglich den Rotsternzigarrenmann. Auch er lächelt nie.

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Zigarrenrotsternmann

Er wünscht uns aber viel Freude für unsere Radelrundtour auf Kuba. Die Freude vergeht uns die ersten Radeltage, denn es macht uns absolut Mühe, die so notwendigen Kalorien in Form von Nahrung aufzutreiben. Die Tropeninsel scheint kein Nahrungsmittelparadies zu sein. Wir halten ständig Ausschau nach irgendwelchen Läden.

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Ausschau nach Läden

Doch schnell begreifen wir, da wo eine Schlange Menschen steht, da ist auch ein Laden. Zum Glück gibt es dann wirklich immer irgendwas. Irgendwas ist in der Regel Brot, Zucker, Mehl, Reis, Bohnen, Zigaretten und sonderbarerweise immer reichlich Schnaps. Für uns ein zusätzliches Problem, was verkauft man uns denn außer Brot von den Leckereien? Sofern man uns dann - von Laden zu Laden recht unterschiedlich - etwas ohne Bezugsschein (viele Sachen gibt es nur auf Bezugsschein) verkauft, ist es zumindest unheimlich billig. Wir gewöhnen uns Häppchenweise an den real existierenden Sozialismus.

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Reiter vor Dorfladen

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Gähnende Regalleere

Auf unsere knapp 1.000 Radelkilometer lernen wir aber auch die Schönheiten der Insel kennen. Diese sind hauptsächlich in der Nähe von den Touristenhochburgen gruppiert. Noch nie haben wir so unterschiedliches Meeresblau erlebt. Die Strände sind genial. Auch schimpft dort kein Tourist über Nahrungsmittelknappheit. Fidels Urlauberwirtschaftspolitik sei‘s gedankt.

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Herrliches Meeresblau

Von der Nordküste zur Südküste überqueren wir wildromantische Berglandschaften. In dieser Gegend sind Tiere oftmals das einzige Transportmittel.

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Kubanischer Traktor

Was uns noch auffällt? Auch wenn die Menschen in den Bergdörfern oft noch ärmer dran sind, sie lächeln weit öfter als die Städter. Dies tut uns gut. So manche Freundschaft schließen wir dabei. Auf so manchem Grundstück dürfen wir unser Zelt aufschlagen. An einem Morgen bringen uns sogar Pioniere den Morgenkaffee ans Zelt. Wir sind nur noch gerührt.

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Wir sind nur noch gerührt

Wir vergleichen Kuba immer wieder mit der ehemaligen DDR. Wir stellen schnell fest, die Ehemalige war ein Mercedes, Kuba im Vergleich dazu ein uralter Trabant.

Gedankenversunken treffen wir wieder in Havanna ein. So mancher Oldtimer kreuzt dabei unseren Radelweg.

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Oldtimer gibt es reichlich

Vom Lincoln schauen wir wieder über die Stadt. Kuba war irgendwie gestrig spannend.

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Irgendwie gestrig spannend.

Ich frage Gi, war Kuba nun ein Karibiktraum? "Eine tropische Insel, auf der es für die eigenen Bewohner kein Obst gibt, ist ein Alptraum. Für einen Pauschaltouristen, der die wenigen Früchte im Hotel vorgesetzt bekommt, das herrlich blaue Meer sorglos genießen kann und von Brotmarken und Milchrationen nichts erfährt, für den kann Kuba ein Karibiktraum sein." Dabei blättert Gi in einer der Hochglanzbroschüren. Fröhliche Kubaner lächeln uns daraus an.

Wir fliegen rüber nach Afrika. Es wird unser nächster Radelkontinent. Wir freuen uns auf Afrika. Was wird uns der unter Radlern als härtester Radel-Kontinent bekannte bringen? Davon berichte ich im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße,
von Wi + Gi Bild
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blinde Krokodile

Beitragvon kocmonaut » 19.10.2013, 22:44

Hallo Wi,

alles Schmarrn & Seemansgarn - ich hab mal wieder phantaphilosophiert. Wer mich nicht kennt, ist hiervon zurecht irritiert. Sorry.

Hallo allerseits / wer hier voller Freude mitliest:

Ein Buch ist wie Persil: Da weiß man, was man hat! Buch und CD sind ein Genuss. Bestellung + Lieferung klappte reibungslos.

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Re: blinde Krokodile

Beitragvon grenzenlos » 19.10.2013, 23:15

kocmonaut hat geschrieben:alles Schmarrn & Seemansgarn - ich hab mal wieder phantaphilosophiert. Wer mich nicht kennt ist hiervon zurecht irritiert. Sorry.
Da wird bei Google wohl auch phantaphilosophiert. Kein Problem! Könnte mir ne längere Tour mit Dir recht unterhaltsam-spannend vorstellen. Habe übrigens manchmal auch solche Anwandlungen. Gi hat es bisher aber immer zum Glück verkraftet, halt so wie ich jetzt auch. :D
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Beitragvon grenzenlos » 20.10.2013, 14:02

Weltradeltour weiter mit

Ägypten


In Kairo besorgen wir uns neue Pässe. Unsere sind randvoll. Randvoll in randleer umzuwandeln, kostet Zeit, Nerven und viel, viel Geld. So lernen wir aber ausgiebig Kairo kennen. Wir riechen in viele Armutsecken und beradeln auch zwangsweise immer wieder die Viertel der Reichen, denn da befindet sich natürlich auch die Botschaft zur Neupasserlangung. Eine gute Woche dauert der Hürdenlauf zwischen Arm und Reich.

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Reiches Kairo

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Armes Kairo

Nach gut 2 Wochen pedalen wir endlich auf dem löchrigen Teerband in die Wüste. Das wüste Teerband soll uns bis Luxor den Weg weisen. Wir lieben die Wüste. Zu unserer Liebe gehört aber auch die Demut. Nur damit, mit Liebe und auch Hingabe zu diesen ungewöhnlichen und starken Landschaftsformen, ist solch ein Vorhaben überhaupt machbar. 21 Tage Wüstenradeln und Wüstenschieben liegen vor uns.

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Liebe und Demut gehören zum Wüstenschieben

1.500 Kilometer liegen vor uns. Logistisch ist die Strecke nicht unbedingt leicht, doch durchaus erlebenswert, denn einige Oasen, teilweise sogar mit heißen Quellen gesegnet, liegen recht gut verteilt am langen Weg. Nur zwei Mal sind um die 250 Kilometer ohne jegliche Ansiedlung zu überbrücken.

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Liebe und Demut gehören zum Wüstenradeln

Es ist Januar, somit in den Nächten Wüstenkalt. Doch Gi hat eine wärmende Idee. Sie erfindet die Gi-Zeltbodenheizung. Den Beduinen gleich, nutzen wir die Wärme unserer Feuerstellen. Die Feuerstelle wird mit viel Sand abgedeckt und darauf kommt immer unser Zelt. Nach anfänglichen Problemchen funktioniert die Zeltbodenheizung genial.

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Vorbereitung für die Zeltbodenheizung

Wir durchradeln die "Schwarze Wüste". Doch der absolute Hammer ist für uns die "Weiße Wüste". Wir schweben da regelrecht die Schneewittchensenke, beradeln mit viel Anmut das helle Tuch der Schönen und erreichen nach unzähligen Kilometern den Höhepunkt in dieser "Weißen Wüste". Es sind bizarre Gebilde aus weißem Kalkstein. Die von Wind, Sturm und seltenem Regen geformten Schönheiten wirken wie überdimensionierte Regenschirme, Steinpilze oder Fabelwesen. Wir sind einfach nur noch happy.

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Weiße Wüste

Nach Wochen von Anstrengungen und Glücksgefühlen ist Luxor greifbar. Es wird auch Zeit, denn Gi braucht unbedingt neue Schühchen und die Räder verlangen nach neuem Flickzeug gegen die vielen Dornen am Wegesrand.

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Gi braucht neue Schühchen

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Ich brauche neues Flickzeug

In Luxor erhandeln wir zwei Tickets für ein Boot bis Aswan. Tage später bekommen wir – wir sind fast geschockt – nach wirklich nur 15 Minuten unsere Visa im Sudanesischen Konsulat von Aswan in unsere jungfräulichen Pässe gestempelt. Doch noch fünf weitere Tage müssen wir auf die Fähre über den Nassersee warten. Aswan macht uns die Warterei aber sehr leicht. Fünf Tage wandern oder pedalen wir durch die herrliche Gegend.

Nach fast 2 Monaten in Ägypten bekommen wir unser Abschiedsgeschenk. Von der Fähre aus bestaunen wir in den Morgenstunden Abu Simbel.

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Abu Simbel vom Kahn aus

Vier Stunden später legt unser Boot in Wadi Halfa an. Wir sind unheimlich aufgeregt, denn im Sudan waren wir noch nie. Von einigen Sudaneindrücken berichte ich aber erst im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi
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Beitragvon grenzenlos » 21.10.2013, 07:43

Weltradtour weiter mit

Sudan


Was uns immer wieder überrascht, ist die meist plötzliche Andersartigkeit um uns herum beim Passieren einer Landesgrenze. Die Menschen sind anders, die Ortschaften sind anders, das Essen ist anders – und dies alles geschieht binnen weniger Augenblicke. Etwas liegt hinter uns, etwas völlig anderes liegt vor uns.

Der Grenzort Wadi Halfa wirkt verschlafen. Unsere Absteige für die erste Nacht im Sudan ist sehr einfach. Sandboden im Zimmer und Waschwasser wird aus einem ehemaligen Ölfass geschöpft. Das Trinkwasser befindet sich in schön geformten Tonkrügen. Die Decke ist ein Strohdach mit kleinen Blicköffnungen zum Himmel. Die Menschen in Wadi Halfa sind ruhige Gesellen, freundlich, noch nicht massentourismusversaut und sie lächeln uns aus sehr dunklen Gesichtern an. Wir genießen wie so oft den Zeitsprung in die Andersartigkeit.

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Zeitsprung

Über 1.200 Kilometer liegen vor uns. Füllt immer Wasser nach! Die Wüste ist kein Brunnen. Vergesst das nicht, wird uns zum Abschied gesagt.

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Wasserradel

Die ersten 400 Kilometer pedalen wir bis Dunqula meist am Nil entlang durch die Nubische Wüste.

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400 km am Nil entlang

Es gibt nur wenige Oasen. In jeder besorgen wir uns aber Wasser und was zum Essen. Begeistert sind wir von den oftmals bunt bemalten Nubienhäusern.

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Buntes Nubienhaus

Viele Tage später pedalen wir durch Bayada Wüste. Hier haben wir ein echtes Wasserproblem. Erst hunderte Kilometer weiter stoßen wir wieder auf den Nil. Manchmal stehen Tonkrüge an der Wüstenstrecke. Oft zeigen uns Kinder den Weg zu den Wasserstellen.

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Kinder zeigen uns den Weg

Sie sind im Notfall für die wenigen LKWs an der Strecke gedacht. An jeder dieser Wüstenraststätten füllen wir unsere Flaschen auf.

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Wüstenwasserraststätte

Wir haben weder einen Wasserfilter noch Entkeimungstabletten. Und somit die Sorge, dass uns die Bilharziose beglücken könnte. Über 50 Prozent der Nilanwohner leiden unter dieser unangenehmen Wurmerkrankung. Um uns Sicherheit zu vermitteln, kochen wir das Wasser an langen Wüstenabenden ab und immer spiele ich filmreif dabei den Vorkoster.

Auch wenn mancher Wüstentag hart ist, das Radeln durch die Wüste bereitet uns sehr viel Freude. Ca. 400 Kilometer vor Khartum treffen wir wieder auf den Nil. In den Dörfern sind oft ausgestopfte Krokodile zu sehen.

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Warnkroko

Sie dienen zur Warnung für die Kinder, denn oft greifen die Krokos Kinder an. In Karthum erleben wir solch ein Drama. In der Nacht wird ein Mörderkroko auf den Camping gebracht. Das Kroko hat ein Kind getötet. Damit die Seele der Getöteten seinen Weg findet, werden die Mörderkrokos nach Möglichkeit erlegt. Es ist fast vier Meter lang und hat am Kopf ein Einschussloch. Gi hilft den Krokometzgern beim Zerlegen. Vier Stunden dauert es, bis die wertvolle Haut vom Fleisch getrennt ist.

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Gi hilft beim Zerlegen

Die traurige Angelegenheit beschäftigt uns noch lange auf unserm weiteren Weg zur Grenze von Äthiopien. Wir durchqueren eine weitere Wüste. Erst im Grenzgebiet ändert sich die Landschaft. Auch unterscheiden sich die wenigen Ortschaften und Streusiedlungen gewaltig von den nubischen Ansiedlungen auf dem Weg nach Khartum. Die Dörfer hier bestehen aus Rundhütten. Bei Sichtung der ersten Rundhütten keimen Afrika-Kindheitsgedanken in mir auf, denn damals war bei mir für Afrika im Kopf immer die Rundhütte greifbar. Sozusagen als Abschiedsgeschenk vom Sudan werden wir von Mustafa eingeladen, in einer seiner Rundhütten die Nacht zu verbringen. Wir sind begeistert.

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Unsere Rundhütte

Der Sudan war ein echt gutes Radelland für uns. Was wird uns Äthiopien bringen, fragt Gi in der letzten Sudannacht. Keine Ahnung. Das Land ist sehr arm. Wir werden sehen…, ist meine Antwort.

Kurze Einblicke zu Äthiopien folgen im nächsten Teil.

Bis dahin Grüße von Wi und Gi
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Beitragvon grenzenlos » 22.10.2013, 08:56

Weltradeltour weiter mit

Äthiopien (1)


Jung und Alt rufen uns zu: You, you! Give me money! Das hören wir ab den ersten äthiopischen Kilometern fast täglich. An manchen Tagen erklingt es hundertfach. Leider fliegen auch manchmal Steine. In Äthiopien erleben wir unseren zweiten Kulturschock auf unserer Radeltour.

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Give me money!

Bis in die Hauptstadt liegen 700 km vor uns.

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Weiter Weg

Über viele Berge pedalen wir, begleitet von den nervenden Rufen und so manch schöner Landschaft. Nur von den Nilfällen hatten wir etwas mehr Dampf erwartet. "Dampfende Wasser" dampfen zur Zeit nicht. Die "Schrumpffälle" wirken zur Trockenzeit trotzdem irgendwie schön auf uns.

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Trotzdem irgendwie schön!

An einem frühen Morgen rollen wir 20 Kilometer bergab. Von über 2.000 Meter Höhe bremsen wir uns auf 1.000 Meter hinab. Als wir den Nildurchbruch erblicken, machen wir eine längere Pause und genießen von dort aus den Blick in die gigantische Schlucht. Im Canyon ist es feucht und heiß. Es müssen weit über 30 Grad sein. Der Abenteurer Rüdiger Nehberg hat mehrmals hier den Nil befahren. Bei einer seiner Niltouren wurde seine Gruppe von einheimischen Räubern überfallen. Einer seiner Freunde wurde dabei tödlich getroffen.

Passt auf euch auf, sagen uns die netten Kaffeefrauen vom Kaffeehüttenstand an der Straße. Viele der Männer da unten sind mit Waffen unterwegs, geben sie uns mit auf den Weg.

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Kaffeekraftstand

Für uns ist der Anstieg auf der anderen Schluchtenseite aber ein weit größeres Problem. Bewaffnete Männer treffen wir nicht. Stunden schieben wir die Radel bergauf. Wir nehmen wie so oft Anlauf und nach vielen weiteren Bergen und Tälern, nach Nächten im Zelt oder in Billigunterkünften treffen wir Tage später ziemlich erschöpft in der Hauptstadt Addis Abeba ein.

Noch nie haben wir in einer Hauptstadt so viele Obdachlose, Bettler und Kranke gesehen. Vieles tut uns in der Seele weh. Es gibt aber zwischen viel Elend auch Besinnliches zu bestaunen. Trotz Armut lächeln uns viele Kinder an. So manche Freundschaft schließen wir da.

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So manche Freundschaft schließen wir

Nach einem schlechten Start – Gi wird noch in Addis Abeba von einem Minibus angefahren – radeln wir in 9 Tagesetappen 700 km bis Arba Minch. Die Strecke ist recht durchwachsen, doch da wir meinen, Äthiopien nach über einen Radelmonat etwas zu kennen, was uns kopfmäßig unheimlich hilft, nehmen wir vieles gelassener. Die Steine werfenden Kinder versuche ich auf Distanz zu halten. Das Pistenradeln geht aber unheimlich an die Substanz. Hunderte Kilometer Piste liegen noch vor uns.

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Piste über viele km

Die körperliche Belastung ist enorm. Abwechslung der guten Art finden wir in der unglaublich schönen Tierwelt. Wir sehen unsere ersten Nilpferde in freier Natur. Doch auch die Kleintierwelt bezaubert uns im Grabenbruchgebiet (Rift Valley). Fast täglich beobachten wir den Bienenfresser. Am Zwaysee sichten wir unsere ersten Pelikane.

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Farbenspiel zwischen Blüte und Schmetterling

Auch wenn wir täglich aufs Neue hoffen, ab Arba Minch gibt es keinen Teerbelag auf den Straßen mehr. Schließlich verschwinden auch die Strommasten. In dieser stromlosen Gegend treffen wir auf die ersten Volksstämme. Es gibt keine "You, you"-Rufer mehr und es fliegen auch keine Steine mehr. Wir genießen die vielfältige Andersartigkeit der Stämme.

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Wir treffen die ersten Volksstämme

Erst in Turmi, 80 km vor dem Grenzort Omorate, ändert sich wieder einiges für uns. In Turmi fragt uns der Postenchef, ob wir nach Omorate mit den Fahrrädern wollen. Das geht nicht, erklärt er uns sofort. In der Richtung, aus der ihr kommt, sind die Stämme friedlich, die Menschen gut und es gibt keine Probleme. In Richtung Omorate, nur wenige Kilometer weiter, gibt es schon seit Jahren Probleme. Vor zwei Tagen wurden wieder zwei Männer erschossen. Bleibt hier! Nehmt ein Auto, sagt er uns sehr bestimmend. Wir bleiben, denn was er uns erzählt, klingt sehr ernst. Wir hoffen auf ein Auto.

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Sandflohplatz in Turmi

Es kommt jedoch kein Auto. Unsere Stimmung sinkt gen null. In der Siedlung gibt es nur Wasser und die gehassten Kekse. Was es aber im Überfluss gibt, raubt uns fast den Verstand. Es sind Sandflöhe. Mit Einbruch der Dunkelheit gesellen sich zu den Sandflöhen dann auch noch zahllose Moskitos. Sie suchen sich zwischen den Sandflohbissen eine freie Einstichstelle. Gi hat es dabei besonders schlimm getroffen.

Ob wir nach Omorate kommen und dort die Grenze nach Kenia überradeln, erzähle ich erst im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi
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Beitragvon grenzenlos » 22.10.2013, 14:42

Weltradeltour weiter mit

Äthiopien (2)


Am zweiten Abend im Sandflohdorf schieben wir uns wieder Kekse rein. Dazwischen werden wir uns einig. Egal wie gefährlich die Mörderpiste bis Omorate nun wirklich ist – das halbe Dorf hat uns in der Zwischenzeit seine persönliche Gruselgeschichte dazu erzählt -, bekommen wir bis zum nächsten Morgen keine Mitfahrgelegenheit, radeln wir die Strecke. Ich schaue mir auf meiner rustikalen Karte die Strecke an. Es sind nur ca. 45 Meilen.

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Rustikale Karte

Am nächsten Morgen will es der Postenchef nicht glauben. Wir radeln zügig gen Süden. Omorate ist für uns die Enttäuschung schlechthin. Es gleicht eher einem Räubernest. Nur die versprochene Dusche kann ich Gi ermöglichen. Ich kaufe dafür 4 Eimer Wasser. Zumindest fühlen wir uns danach sauber. Bei Viehhütern erfragen wir den Weg zur Grenze. Weitere 80 km sollen es sein.

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Wo ist der Weg nach Kenia?

Leider ist der gezeigte Sandweg für uns mit den Fahrrädern nicht machbar. Wir müssen zurück nach Omorate und einen zweiten Weg suchen. Dafür überqueren wir aber erst den Omoriver. Nach langen Verhandlungen werden wir mit Einbäumen übergesetzt. Am anderen Ufer lernen wir zwei Jungs kennen.

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Einbaum für uns und unsere Radel

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Die Jungs hat uns der Himmel geschickt

Die hat uns der Himmel geschickt. Sie zeigen uns den Weg. Sie zeigen uns auch eine sichere Übernachtungsstelle. Am Fluss wimmelt es von Krokodilen. Der Platz liegt versteckt zwischen Büschen und kleinen Bäumen. Das Ufer hat eine 2 Meter hohe und somit Kroko-sichere Böschung.

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Der Omoriver hat viele Krokos zu bieten

Auf der restlichen Strecke bis zur Grenze flicke ich zwei Löcher. Die Piste ist mit vielen Dornen regelrecht übersäht.

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Dornenlöcher

Abgekämpft, aber mit neuer Energie im Leib schieben wir recht schwungvoll unsere Räder in den großen Innenhof der Grenzstation. Nur Minuten später bricht eine Welt für uns zusammen. Man lässt uns nicht über die Grenze. 2 Stunden versuchen wir eine Lösung zu finden. Erst als man uns mit Gefängnis droht, treten wir den Rückzug an.

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Rückzug

Wie zwei geprügelte Hunde verlassen wir den Grenzposten. 600 Kilometer Umweg zum nächsten Grenzposten liegen vor uns. Am nächsten Tag sind wir wieder in Omorate.

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Weg nach Omorate zurück

Die letzten Tage waren nicht unbedingt unsere besten, doch in Omorate beginnt eine ungeahnte Glücksphase. Die ersten 300 km auf der uns schon bekannten Pistenstrecke nimmt uns ein LKW Richtung Norden mit. Im Schutzraum unseres Moskitonetzes verbringen wir auf der Ladefläche die Nacht.

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Wir schlafen auf der Ladefläche

An einer Querpiste radeln wir über 150 km immer östlich, um die Straße nach Moyale zu finden. Tage später kommen wir am Grenzposten Moyale total erschöpft an.

2 Monate Äthiopien liegen hinter uns. Äthiopien war kein einfaches Radelland. Den Grenzübergang bei Omorate werden wir nie vergessen, brachte er uns doch so manches ungeahnte Problem. Was wir da noch nicht ahnen, nur gut zwei Jahre später fliegen wir nach Äthiopien zurück. Wir besuchen bestimmte Orte, welche sich bei der Raddurchquerung im Kopf eingebrannt hatten. Es war richtig dies zu tun, denn wir finden auf dieser zweiten Tour unseren Frieden mit Äthiopien. Schönländer sind halt nur schön, Problemländer wollen verstanden werden.

Kenia wird uns neue Abenteuer bringen. Doch davon erzähle ich erst im nächsten Teil etwas.

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Beitragvon grenzenlos » 28.10.2013, 07:44

Weltradeltour weiter mit

Kenia


Am Grenzübergang Moyale bekommen wir zum Glück problemlos die Visa für Kenia. Allerdings sind die nächsten 500 Pistenkilometer ein dickes Problem, wird uns erzählt. Mit den Rädern wird es nichts, denn die Piste ist neben schlecht auch Banditenland. Viehdiebe, Stammesfehden, Banden, Verbrecher und vieles mehr, fliegt uns um die Ohren.

Wir nehmen ein Auto, welches im sicheren Konvoi fährt. Sicher ist halt sicher! Omorate war spannend genug, schlage ich Gi vor. Gi nickt sogleich. Wir werden mit dem LKW-Fahrer zügig handelseinig. Auf die erste Klasse im Fahrerhaus verzichten wir. Wir wählen die Ladefläche. Genau 24 Stunden dauert die Schlaglochpistenfahrt bis Isiola. Unser Problem dabei ist die LKW-Ladung. Es sind schätzungsweise 180 Säcke voll mit Knoblauch. Knoblauchgeschwängert treffen wir in Isiola auf die Teerpiste Richtung Nairobi.

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Knoblauchauto

Endlich ist wieder radeln angesagt. Beim Mount Kenia überradeln wir den Äquator auf knapp 2.000 Höhenmetern.

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Am Äquator

Trotz vieler sozialer Widersprüche gefällt uns Nairobi irgendwie. Tage später erblicken wir die Schilder von 2 Nationalparks. Wir erleben Afrika pur. Herrliche Landschaften und die Tierwelt versüßen uns die Radeltage. Elefanten, Zebras, Giraffen und so manche einfache Unterkunft sind unsere täglichen Begleiter.

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Rustikale Unterkunft

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Zebraradeln

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Ist das nicht ein eigenartiger Haufen? Ja…

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…Elefanten sind in Reichweite

In Mombasa treffen wir nach Monaten endlich wieder auf Ozeanwasser. Bei Tiwi, einer kleinen Ortschaft am Meer, bleiben wir einige Tage. Es sind Tage der Erholung und Entdeckungen. Das Meer ist bezaubernd.

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Erholung pur

Der Abschied von Tiwi fällt uns nicht leicht, doch nach einem kräftigen Frühstück tun wir, was wir müssen. Wir wollen ja in einigen Tagen an der Grenze zu Tansania sein. Es drängt uns weiter und so kehren wir dem Paradies den Rücken. Letzte schnelle und auch gierige Blicke sollen den Abschied erleichtern. Doch nur wenige Minuten später schlägt ungeahnte Härte auf uns ein: Auf dem Weg zur Hauptstraße werden wir von vier jungen Kerlen, bewaffnet mit Macheten, überfallen. Das Strandparadies wird zum Alptraum.

Zum Glück haben wir Glück im Unglück. Letztendlich fehlen uns nur 3 Packtaschen. Wir sind körperlich unverletzt. Später erklärt uns die Polizei: Ihr habt Glück gehabt, ihr lebt, habt keine Verletzungen.

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Die Überfallpiste werden wir nie vergessen

Kurz nach dem Überfall waren meine ausgesprochenen Gedanken: "Gi, wir werden Kenia und somit auch Afrika so schnell wie möglich verlassen!" Wenig später waren wir uns aber schnell einig. Ein Überfall kann in allen Ländern passieren. Wir geben uns und Ostafrika eine zweite Change. Stückchenweise kehrt der fast normale Radelalltag zurück. Doch, auch wenn man sich schwört, dass man in Zukunft noch besser aufpasst, ein blödes Gefühl bleibt. Was ich vorher auch nicht gedacht hätte, ich kaufe mir nun selbst eine Waffe. Die Machete platziere ich griffbereit an meiner rechten Vorderradtasche.

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Die Machete ist griffbereit

Vier Tagesetappen bis zur Grenze nach Tansania liegen vor uns. Was uns am ersten Abend nach dem Überfall bewusst wird und uns auch noch lange begleiten wird, wir radeln nicht mehr so unbekümmert durch die Landschaft. Die Ereignisse sitzen zu tief.

Von Tansania erzähle ich ein wenig aber erst im nächsten Teil.

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Beitragvon grenzenlos » 28.10.2013, 13:13

Weltradeltour weiter mit

Tansania


In Tansania treffen wir täglich viele einheimische Radler. Sie pedalen ins nächste Dorf, zum nächsten Markt, zum nächsten Krankenhaus, in die Schule oder transportieren irgendwelche Sachen. Sie haben keine Vergnügungsradel. Alle sind Arbeitsräder.

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Wasserarbeitsrad

An einem Morgen besteigen wir eine Abbruchkante. Auch wenn wir dabei viel schwitzen, wir bereuen die Mühen nicht, denn wir blicken einige hundert Meter in die Tiefe. Jenseits von Afrika liegt da unter uns, liebe Gi.
Ja herrlich!

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"Jenseits von Afrika"

Der Ausblick ist gigantisch! Der Fernblick in diese unberührte Weite muss um die hundert Kilometer betragen. Sie hat noch ungestört Platz für den Inbegriff von Afrika. Da unten unter den verspielten Schatten und den goldenen Savannenflecken müssen sich die wilden Tiere befinden. Sie ruhen, ziehen, spielen und jagen. Anders kann es gar nicht sein.

Die Tage und Nächte im Savannengebiet sind abwechslungsreich. Meist schlafen wir im Zelt an verwunschenen Plätzen. Oft leuchten uns dabei Hunderte von Glühwürmchen in den Schlaf.

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Verwunschener Lagerplatz

Viele Tage Tage sind wir bis zum Kilimandscharo unterwegs. Leider ist der schöne Berg immer in Wolken.

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Kili leider immer in Wolken

Doch Abwechslung gibt es an unserer Radelstrecke genug. Wir erleben "Jenseits von Afrika" fast täglich. So manch herrliche Landschaft zieht vorbei. Auch viele Tiere kreuzen unseren Radelweg.

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So manche Tiere….

Doch "Jenseits von Afrika" zeigt uns auch täglich die Schattenseiten der Region. Wir reden mit den Massai am Wegesrand. Ein Hirtenjunge zeigt uns seine Waffen. Er geht in keine Schule. Die Kühe sind wichtiger. Mit den Waffen verteidigt er die große Herde.

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Massaijunge

Ein anderer Junge will uns ein Kaninchen verkaufen. Natürlich würde es prima schmecken, doch der putzigen Kreatur das Fell über die Ohren ziehen, das würden wir einfach nicht fertig bringen. Er hat es im Busch gefangen.

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Er hat es im Busch gefangen

Wir laden den Jungen am Wegesrand zum Essen ein. Uns trennen Welten, doch beim Verspeisen der dicken Marmeladenbrote und dem Genuss des süffigen Tees verschmelzen diese für kurze Augenblicke. Wir fühlen uns dabei alle wohl. Augen leuchten beim Abschied.

Ein anderer Junge zeigt uns seinen ganzen Stolz. Es ist ein Fußball der besonderen Art. Ein Lumpenfußball ist es. Was mir dabei sofort einfällt? Es ist gerade Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Die Fußballmillionäre spielen dort gerade um zweifelhafte Ehre und viel Geld. Die Kinder von Afrika spielen mit ihren Lumpenfußball um Anerkennung und eine zweifelhafte Zukunft.

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Fußballjunge

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Sein ganzer Stolz

In unserer Unterkunft in Arusha erzählt uns eine Engländerin, dass gestern drei Kanadier überfallen wurden. Die Räuber hatten Macheten. Tage vorher trafen wir zwei europäische Fernradler an der Strecke. Sie warnten uns vor der Radelstrecke. Beide wurden überfallen. Bei unserem Afrikastart in Kairo vor vielen Monaten war uns bereits bewusst, Afrika wird nicht leicht. Bereits damals war uns klar, wir werden von Land zu Land neu entscheiden, wie es weiter gehen wird. Ostafrika ist schön. Ostafrika ist aber auch schwierig. Der schwierige Part liegt sicherlich auch an unserer Reiseform. Pauschal wird man meist nur gute Erlebnisse sammeln. Ich kann dazu auch nur ermuntern, denn Afrika kann wirklich unglaublich schön sein.

Da die Zeit ein unheimlich kostbarer Faktor für uns ist, wurde uns in den letzten Wochen aber stückchenweise immer bewusster: Warum sollen wir weiter Länder beradeln, in denen es mit der Sicherheit bei unserer Reiseart ziemlich riskant ist? Für die Entscheidung, Afrika nach knapp 10 Tausend Radelkilometern zu verlassen, sind letztendlich viele kleine Bausteine verantwortlich.

Wochen später verlassen wir von Nairobi aus Afrika. Wir werden die schönen, doch oft auch anstrengenden Monate, nie vergessen. Was wir Afrika für die Zukunft wünschen? Wir wünschen

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allen Kindern ein glückliches Leben.

Wie unsere Tour weiter geht, erzähle ich erst im nächsten Teil.

Schöne Zeit bis dahin wünschen,
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Beitragvon grenzenlos » 28.10.2013, 14:17

Welttour weiter mit

Sokotra / Jemen


Den Namen der Inselgruppe Sokotra mit ihrer Hauptinsel gleichen Namens kennen wir zwar schon lange, doch eine richtige Vorstellung, was uns da wirklich erwartet, haben wir nicht. Wer würde auch vermuten, dass sie, so nahe an Ostafrika gelegen, zum Jemen gehört? Sie befindet sich nur gut 100 Kilometer vor der somalischen Piratenküste und ist vom eigentlichen Mutterland fast 300 Kilometer entfernt. Auf 100 mal 50 Kilometern Inselfläche leben keine 50 000 Menschen. Die Einwohner versuchen irgendwie zu überleben, den Monsunen zu trotzen und sie ernähren sich hauptsächlich vom Fischfang.

Da die Insel recht klein ist, erkunden wir sie zu Fuß. Wir schultern unsere Rucksäcke und sind nur noch gespannt was uns erwartet.

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Wir schultern unsere Rucksäcke

Im Schutz von Bergen liegt der Hauptort Hadibu. Kleine Häuser ziehen sich entlang der Hauptstraße oder ducken sich versteckt in Palmenhainen am weiten Strand.

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Kleine Häuser ziehen sich…

Wir verbringen viele Tage in den Bergen. Oft brennt unser verräterisches Feuer noch bis weit in die Nacht zwischen den Felsbrocken. Die Orte zu finden, war schwierig, denn Stein streitet sich hier mit Stein um genügend Platz. Wir sind aber nicht böse mit dem Berg, mit den Steinen, denn einen Schlafplatz finden wir immer.

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Hängemattenschlafplatz

Jeden Morgen ereilt uns dichter Nebel. Er zieht geschwind den Berg herauf. Nur Stunden später strahlen die benetzten Drachenblutbäume in voller Sonnenpracht.

Hunger treibt uns immer wieder runter ans Meer, denn Fisch gibt es hier im ewigen Meeresblau noch reichlich. Mit etwas Glück kann man Fische noch mit den Händen greifen.

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Handfangfisch

Wir sind begeistert von den Stränden auf unseren Entdeckungstouren entlang der wildromantischen Küste. So manchen Paradiesstrand finden wir.

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Paradiesstrand

Wo es uns besonders gefällt, bauen wir unser Zelt auf. An einem Strand, wir nennen ihn den "Muschelstrand", umbaut Gi unsere Zeltfestung mit tellergroßen Muscheln. Zwei Stunden schleppt sie diese dafür heran, platziert sie als Hauseingang, als Kochbereich, als unsere Grundstücksgrenze und als gewünschten Vorgarten.

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Zeltfestung

Die kleinen Brüder und Schwestern der großen Muscheln sind viel farbenfroher und dienen zum Verzieren der Zwischenräume unserer Muschelvilla im Sand.

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Die Brüder und Schwestern

Die Ruhe, die Friedfertigkeit, die angenehme Sorglosigkeit, das Brot, das gute Wasser und viele wohlschmeckende Fische produzieren neue Kraft, geben Energie und sorgen so für die Auffrischung der in Ostafrika völlig verbrauchten Reserven (wog da nur noch 64 kg).

So vergehen die Tage in absoluter Friedfertigkeit – mit der erfolgreichen Suche nach neuen Sand-Wasser-Übernachtungsplätzen, dem Erkunden der Inselschönheiten und den Überlegungen zu den armen und doch so freundlichen und hilfsbereiten Inselbewohnern. Alle sind irgendwie gleich: gleich arm, gleich lieb und warmherzig.

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Gleich arm, gleich lieb und warmherzig

Unsere Herzen freuen sich unendlich über die Menschen. Nach Ostafrika ist Sokotra wie eine Erholungskur für unsere Seele. Lange überlegen wir, lange reden wir darüber warum hier alles so anders ist? "Es liegt sicherlich ein wenig an der Religion, aber auch an der Abgeschiedenheit der Insel und sicher ein wenig an der touristischen Unberührtheit. Doch es muss noch etwas anderes geben, Gi?! Gi findet recht schnell eine plausible Antwort. "Wi, ich glaube, ich weiß woran es liegt! Hier auf Sokotra fehlt der Gegenspieler der Armut - der Reichtum."

Wir müssen leider weiter. Doch Sokotra werden wir nie vergessen, es war einfach nur schön. Wie so oft zeigt uns die Sonne die Richtung. Im Norden liegt der Oman.

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Im Norden liegt der Oman

Wir wollen auf unserer Rücktour nochmals das "Leere Viertel" durchradeln. Wir lieben die Wüsten, deshalb fällt uns der Abschied letztendlich etwas leichter.

Ob wir die tausend Wüstenkilometer nochmals ohne große Probleme schaffen, verrate ich aber erst im nächsten Teil.

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Beitragvon grenzenlos » 29.10.2013, 08:26

Weltradeltour weiter mit

Oman


Einen großen Teil der omanischen 1.143 Wüstenradelkilometer pedalen wir durch das uns bereits gut bekannte "Leere Viertel". Diesmal nur halt in die entgegengesetzte Richtung bis an die Grenze der Vereinigten Arabischen Emirate. Dem Oman mögen wir sehr gut leiden. Wüsten lieben wir und der uns bestens bekannte Wüstenabschnitt ist wegen unserer Vorkenntnisse geradezu ein Vergnügen, denn uns sind ideale Lagerplätze und auch die so wichtigen Versorgungsstellen noch in bester Erinnerung. Somit können wir beim zweiten Radelversuch durch das "Leere Viertel" vieles weit besser eintakten.

An den langen verwunschenen Stränden von Salalah finden wir viel Muße und können uns kopfmäßig vorbereiten.

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Puderzuckerstrand Salalah

Ab Salalah müssen wir diesmal leider bis zum Beginn der eigentlichen Wüstenstrecke fast 1.000 Höhenmeter erradeln und erschieben.

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1000 Meter hoch Richtung Muskat

Kurz hinter Salalah bekomme ich die letzte Abkühlung. Das Wasserauto ist wie bestellt. Die Wasserautobesatzung (es sind alles Inder) und natürlich wir, haben unendlich Spaß.

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Kommt wie gerufen!

Auf der Höhe beginnt dann die pure Leere der gleichnamigen Wüstenlandschaft. Bis diese sich wieder mit etwas leben füllt, brauchen wir elf Tagesradeletappen. Die elf Tage im "Leeren Viertel" sind auch diesmal für uns nicht leer. Die Zeit ist angefüllt mit Wüstenschönheit, Wüstenstille, Wüstennächten, Wüstenromantik, auch Wüstenanstrengungen, verschwitzten Tagen, Essen mit Feinsandeinlage, manchmal auch mit durstigen Kehlen.

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Die Zeit ist angefüllt mit Wüstenstille…

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…Wüstenschönheit

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…Wüstenromantik

In der Oase Adam erblicken unsere freudigen Augen das Hinweisschild nach Nizwa. Auf diesem Weg erblicken wir nach vielen Tagen wieder die ersten Ruhe-Lagerplatz-Schatten-Bäume.

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Ruhelagerplatzschattenbaum

Hier sage ich zu Gi: "Zum zweiten Mal haben wir diese lange, schöne, anstrengende und unvergessliche Wüstenstrecke durchradelt, bezwungen, erlebt und genießen können. Wahrscheinlich sind wir die ersten Fernradler, die diesen Weg jetzt sogar zum zweiten Mal erfolgreich geradelt sind."
Wir sind uns schnell einig. Wir sind nicht stolz, wir sind nur unendlich glücklich, es erlebt haben zu dürfen.

So vergehen die Tage und Nächte leider viel zu schnell in wildromantischen Oasen entlang der omanischen Berge Richtung VAE.

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Herrliche Sonnenuntergänge verwöhnen uns

Dass wir den Oman so mögen, liegt im Besonderen auch an seinen Bewohnern. Sie sind nett, hilfsbereit und warmherzig. Fast täglich werden wir eingeladen. Ab Adam haben wir kein Trinkwasserproblem mehr. Das Wasser reicht kurz vor der Grenze sogar für ein Gesichtsbad als grandiose Wüstenerfrischung. Wir wollen ja auch irgendwie sauber in den Vereinigten Arabischen Emiraten einradeln.

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Gesichtdusche

Von den VAE berichte ich im nächsten Teil.

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Beitragvon grenzenlos » 30.10.2013, 11:04

Weltradeltour weiter mit

Vereinigte Arabische Emirate


An der Grenze dauert es etwas länger. Die Wüstensöhne nehmen es genau. Gegenüber den Omanis sind sie ein etwas anderer Menschenschlag. Die Emirate tragen ihren durch Öl- und Gasvorkommen erworbenen unvorstellbaren Reichtum offen zu Markte. Rampenlicht- und Mittelpunktbestrebungen gehören da zum täglichen Geschäft. Drei Tage lassen wir uns Zeit, um die 160 km bis nach Abu Dhabi zu radeln. Bei nur 35 Grad, wir haben Mitte Oktober, fühlen wir uns wieder wüstenwohl.

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Wieder Wegpistensuche in der so geliebten Wüste

Wir genießen die Tage und Nächte im vielen Sand. Täglich treffen wir auf unsere Freunde. Manchmal fühlen wir uns schon selbst wie Kamele.

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Unsere Freunde

Fasziniert sind wir von den Landschaftsformen. Die Wüste lebt durch Farben, Tiere, Wind und die Beduinen.

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Die Wüste lebt durch Farben…

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…Tiere und die Bedus

Erst in Abu Dhabi holt uns die Moderne ein. Hier wechseln die Elemente. Sand gibt es nur noch am langen Sandstrand. Beton, Glas, Aluminium und viel Marmor streiten im Verbund um einen Platz in Himmelsnähe. Wir radeln zum weltweit berühmten Segeltuchhotel. Fast jeder kennt es, zumindest von Hochglanzproschüren.

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Das teure Traumsegelsandstrandhotel

Ich muss aber gleich gestehen, die Nacht verbrachten wir am Strand. Dies war auch gut so, denn die vielen, vielen Dollars wollten wir garantiert nicht ausgeben. Unser kleines geliebtes Zelthotel hatte in dieser Nacht Tausende von Sternen. Ständig schauen wir nach oben zum Sternenhimmel. Es ist ein Traum. Das Traumhotel nebenan hat nur sechs Sternchen. Wir sind echt zufrieden. Was wollen wir auch mehr?

Tage später schauen wir wieder nach oben. Wir sind am Himmelstor angekommen, ruft Gi. Schon aus knapp 100 km Entfernung sehen wir die Wunderrakete von Dubai. Das höchste Gebäude der Welt gibt sich die Ehre.

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Der Turm des Kalifen

Die unendlich erscheinende Höhe lässt den Burj Khalifa aus der Ferne nicht wie ein bewohnbares Hochhaus erscheinen. 828 Meter ragt die Rakete vor uns in die Höhe. Neben der architektonischen Meisterleistung an momentan machbarer Höhe ist auch das Umfeld des Turmes eine Meisterleistung an momentan machbarer Eleganz, Sinnestäuschung und verspielter Schönheit. Das überraschende dabei, alles harmoniert, scheint sich zu ergänzen und gibt somit dem Turm die unglaublich wichtigen Standbeine. Ob nun das Armani-Hotel, der große künstliche See, die weiten Grünflächen, die Einkaufscenter oder auch das Karussell aus Großmutters Zeiten, alles scheint nur eine Aufgabe zu haben: dem langen Ding notwendiges Bodenleben einzuhauchen. Der aus der Ferne irgendwie tollpatschig, fehlplatziert oder von Außerirdischen einfach in die Erde gerammt erscheinende Turm beginnt erst im nahen Umfeld zu atmen, zu leben. "Glückwunsch!" murmele ich.

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Verspielte Feinheiten

"Gigant-City" hat aber leider auch eine weitere Wahrheit, weitere Feinheit. Nur durch die fleißigen Arbeitsameisen aus Asien konnten letztendlich all die Wunder im Wüstensand geschaffen werden. 70 % der Bewohner im Wüstenland sind sehr, sehr billige Arbeitsameisen aus Indien, China, Thailand und, und, und… Wir treffen sie täglich. Da wir ihre Heimatländer oft kennen, gibt es viel zu erzählen. Bei den Ameisen fühlen wir uns wohl.

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Freude mit indischen Arbeitern

Wie unsere Tour weiter geht, erzähle ich im nächsten kleinen Bericht.

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Beitragvon Johanna » 30.10.2013, 11:25

grenzenlos hat geschrieben:Wie unsere Tour weiter geht, erzähle ich im nächsten kleinen Bericht. Bis dahin Grüße von Wi + Gi
An dieser Stelle ein längst fälliges Dankeschön für die bisherigen kleinen Berichten und beeindruckenden Foto's. Immer wieder eine willkommene kurze Unterbrechung im Büroalltag.

Dankeschön.
Zuletzt geändert von Johanna am 30.10.2013, 11:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon grenzenlos » 30.10.2013, 11:31

Johanna hat geschrieben:
grenzenlos hat geschrieben:Wie unsere Tour weiter geht, erzähle ich im nächsten kleinen Bericht. Bis dahin Grüße von Wi + Gi
An dieser Stelle ein längst fälliges Dankeschön für die bisherigen kleinen Berichten und beeindruckenden Foto's. Immer wieder eine willkommene kurze Unterbrechung im Büroalltag.

Dankeschön.
Danke Johanna für die netten Worte.
Wünsche für immer prima Unterbrechungen im Büroalltag! :D
Kenne dies ja selbst und schaue immer in anderen Beiträgen. Natürlich auch in Deinen! Dafür auch Dankeschön! :wink:
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Beitragvon grenzenlos » 04.11.2013, 09:08

Weltradeltour weiter mit

Jordanien


Jordanien ist kein leichtes Radelland, denn Hügel folgt hier auf Hügel. So angenehm manche Abfahrt ist, so unangenehm ist dann der folgende Aufstieg. 12 Prozent Steigung, manchmal auch mehr, sind keine Seltenheit. Höhe und Hügel bedeuten aber auch mehr Frische. Die richtig heißen Wüstenländer liegen hinter uns. In Amman versuchen wir die Visa für Syrien zu erhalten. Doch leider köchelt der arabische Diplomatenkochtopf. Die Kochtopf-Diplomatenkrake hat unsere Visa aufgefressen. Wir sind absolut enttäuscht. Doch nur Stunden später steht fest: Wir radeln einfach Richtung Süden weiter und wenn dort kein Diplomatenkrieg herrscht, können wir auf die Sinai-Halbinsel kommen.

Das Tote Meer liegt bekanntlich sehr weit unten. Das Ufer des Sees ist mit 442 Metern unter dem Meeresspiegel der am tiefsten gelegene nicht von Seewasser oder Eis bedeckte Bereich der Erde. Da dies so ist, müssen wir vorerst nicht ewig über Hügel radeln.

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Zum Toten Meer

Vom letzten Hügel aus sind es um die 2.000 Höhenmeter, die wir runterflitzen. Am Wegesrand sehen wir Trinkwasser. Etwas ganz wichtiges in dieser Region, denn Trinkwasser wird in Jordanien seit vielen Jahren eingeführt. Manchmal denke ich, Wasserrechte werden die Konflikte der Zukunft sein.

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Konflikte der Zukunft?

Kahle Berge umschließen das Tote Meer. Die Landschaft ist sehr reizvoll, bizarr und meist von viel Einsamkeit geprägt.

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Sonnenuntergang am Toten Meer

Mit der Einsamkeit ist es an den heißen Quellen vorbei. Die Jordanier sind absolute Picknick-Fans. Wir meiden diese Orte. Auch wenn jede Familie über irgendeinen fahrbaren Untersatz verfügt, so finden die lieben Picknicker keinen Platz im Auto für den Müll. Das Endergebnis sind unzählige Fliegen.

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Unzählige Fliegen

Doch Frauen sind immer irgendwie gerüstet. Auch wenn Gi nicht raucht, so tut sie zumindest so. Mit ihrer Antifliegenrüstung hat sie zweifellos Erfolg.

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Antifliegenrüstung

Tage später geht es wieder rauf, rauf ins Gebirge. Der verschwitzte Lohn ist der Königsweg. Wir genießen die Radelzeit in den Bergen.

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Königsweg

Wir genießen dabei auch die Ruhe, die Einsamkeit und so manch herrlichen Sonnenuntergang.

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Wir genießen einfach

Am Rande vom weiten Wadi Rum kommen wir Akaba täglich etwas näher.

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Schlafplatzsuche im Wadi Rum

In der Touristenstadt finden wir neben einer Dusche, einem Bett mit weißen Laken, arabischer Küche, vielen netten Menschen auch viele gelbe Strandenten.

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Strandenten in Akaba

Auch finden wir nach langer Radelei, irgendwann in der Nacht, noch pünktlich die Fähre nach Nuwaiba.

Was uns auf dem Sinai erwartet, erzähle ich im nächsten Teil.

Bis dahin, lieb Grüße
Wi und Gi
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Beitragvon Helmut » 09.11.2013, 23:45

Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon grenzenlos » 13.11.2013, 11:56

Lieb Helmut,

danke für deine Ordnungsliebe und somit Hilfestellungen. ;)

Gruß Wi grenzenlos
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Beitragvon Pitt » 14.11.2013, 18:34

Das macht doch richtig Lust auf Radurlaub...
jederzeit brachiale Leistung aus dem Drehzahlkeller...
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Beitragvon grenzenlos » 02.12.2013, 10:45

Pitt hat geschrieben:Das macht doch richtig Lust auf Radurlaub...
...auch unsere Gedanken sind schon wieder ständig weit fort! : Kreisel :
Gruß Wi grenzenlos
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