Weltradeltour 2007 - 2011 (Berichte + Bilder)

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Weltradeltour 2007 - 2011 (Berichte + Bilder)

Beitragvon grenzenlos » 02.10.2013, 15:27

Liebe Forumsgemeinde,

lese hier schon lange mit, deshalb kam fast zwangsweise meine Anmeldung. Da hier vom Techniker, echten Sportlern und Freizeitradlern alles vertreten ist, stelle ich hier mal meinen Bericht über unsere längere Tour ein. Hoffe, macht etwas Spaß. 8)

Weltradeltour 2007 – 2011 / 5 Kontinente / 48.000 km / Von Herzlichkeit bis Überfall

Start von Deutschland bis in den Iran


Beim Start unserer Weltradeltour waren wir zusammen schon 101 Jahre alt. Zum Glück war dies aber unseren Drahteseln egal. Wir hatten aber schon einige Radelerfahrungen aus vorher pedalten Touren. 2003 waren wir für 4 Wochen im Jemen unterwegs. Damals war radeln dort noch irgendwie möglich. 2004 besuchten wir unseren Sohn in Sri Lanka. Er war selbst 2003 von Deutschland aus in die weite Welt per Radel gestartet. Gemeinsam pedalten wir für 4 Wochen durch die herrliche Tropeninsel. Erst Jahre später reifte dann unser Entschluss, die große Radelwelttour selbst zu wagen.

Wir wollten unseren Sohn, sozusagen am Ende der Welt besuchen. 2007 war es endlich so weit. Wir hatten Martin versprochen zu kommen, allerdings würde es etwas länger dauern, denn mit den Rädern zu Besuch bis nach Neuseeland, dauert halt etwas länger. Aus diesem Versprechen wurde dann letztendlich unsere 4 jährige Tour um die Welt. Ein Fazit unserer Reise: ,,Bei all den Erlebnissen über die vier Jahre wurde uns immer bewusster, wie kurz unsere Zeit auf diesem Planeten ist und wie klein und unwichtig wir doch eigentlich sind. Zwei radelnde Sandkörner in Raum und Zeit…‘‘

Vorbereitung und Eingebung

2006 wurde uns klar: wir können noch sooft – wenn auch in der Regel so untypisch anders – Urlauben, ein schnelles Ende ist dabei leider immer in Sicht. Das wertvolle Gut Zeit war bei uns immer zu knapp bemessen. Wie viele Menschen auch, so vertrösteten wir uns gedanklich auf das noch ferne Rentenalter. Durch den frühen Tod unserer Väter wurde uns aber schnell bewusst, was mit erhofften Träumen urplötzlich geschehen kann. Eigentum verpflichtet! Wir verkauften viel von unseren geliebten Eigenheiten. Dies aber waren noch die kleinsten Hürden, denn nebenbei mussten wir noch mit unseren Arbeitgebern einiges abklären und, und und … Nach 6 Monaten war die unendlich erscheinende Liste abgearbeitet und die Reise konnte beginnen.

Einige Daten für die Technikfreunde:
- Rahmen: Fort M2 26“ CrMo4
- Gabel: CroMo4 starr mit Ösen
- Steuerlager: FSA Orbit II XL industriegelagert
- Vorbau: ITM Road
- Lenkerbügel: ITM Super Lux
- Sattelstütze: ITM Patent
- Bremsen/Bremshebel: Avid SD 7
- Felgen: Mavic A 319 36 Loch
- Reifen: Schwalbe Marathon 50-559
- Schläuche: Conti AV + DV Adapter
- Pedale: industriegelagert
- Sattel: Brooks Flyer schwarz
- Griffe: Ergon MR1
- Träger: Tubus Logo
- Lowrider: Tubus Tara

Auch wenn manches rustikal erscheint, wir waren zufrieden. Die Langzeitreiseräder sollten ja robust sein.

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Unsere geliebten Radelesel

Europa

Vom thüringischen Sonneberg aus ging es im April 2007 immer Richtung Süden. Die Donau war unser erstes Ziel. Diese begleiteten wir durch Bayern, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien bis Bulgarien. Der Donauabschied in Bulgarien viel uns recht schwer, denn meist waren die Donauwege Radel-schön, von Land zu Land lies auch der Muskelkater spürbar nach und die Ledersättel waren endlich eingeritten. Auch hatten wir endlich gelernt unseren Radelhaushalt in den Griff zu bekommen. Jedes Teil hatte nun seinen bestimmten Platz und das Auf- und Abbauen unserer Lagerplätze dauerte dann meist nur noch eine gute Stunde.

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Donauradweg

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Chaosradelhaushalt

Türkei

Fast drei Monate ließen wir uns für die Türkei Zeit. Wir lernten recht schnell, dass die Zeit für uns ein wichtiger Faktor sein wird, denn erst ab der Türkei fühlten wir uns irgendwie frei und die Zeit an sich spielte keine treibende Rolle mehr. Auch hatten wir nun das Gefühl, jetzt kann uns niemand mehr zurückholen, wir sind in Asien angekommen. Nach Istanbul ging es mitten durch die herrliche Türkei. Landschaften wie aus dem Bilderbuch, Karawansereien, Salzwüsten, Kappadokien, der Vansee und die meist netten Menschen, versüßten uns die türkischen Radelmonate.

Besonders gut war es für uns in Kappadokien. Die Landschaft dort ist einmalig schön. Wochen könnte man da verbringen. Die Visa für den Iran wurden in Erzurum besorgt. 10 Tage dauerte die Visageschichte. Diese Zeit nutzten wir aber sinnvoll zu einem Ausflug ans Schwarze Meer. Am biblischen Berg Ararat öffneten die Iranis für uns dann aber sehr unkompliziert das verschlossene Grenztor.

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Prima Rastplatz

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Iran

Auch wenn es oft schwer begreiflich erscheint, der Schurkenstaat Iran wurde für zwei Monate eines unserer angenehmsten Radelländer. Unvergessen ist dabei die eigentlich unbeschreibliche Gastfreundschaft der Perser. Da Gi (Gisela) im Iran für 4 Wochen Zahnschmerzprobleme hatte, lernten wir auch viele Zahnärzte kennen. Gi hätte sicherlich darauf verzichten können, doch letztendlich brachten uns diese Zahnprobleme auch viele weitere ungeahnte Einsichten in ein absolut interessantes Land.

Leider, vielleicht auch zum Glück, wurden uns die Visa für Pakistan verweigert. So lernten wir auf der Strecke von Tabriz, Esfahan über Bandare Bushehr nach Bandare Abbas auch noch die iranische Küste am Persischen Golf kennen. Über 1.000 km radelten wir immer am Golf entlang. In Bandare Abbas setzten wir mit einer Fähre in die Emirates über. Vorher besuchten wir noch die vorgelagerten Schmugglerinseln. Alles was es eigentlich im Iran nicht geben dürfte (Heineken-Bier, unsaubere Videos, leckeren Krimsekt, süffigen Whisky) bzw. Mangelware ist (Kühlschränke, Autoreifen, TV–Geräte, ausgefallene Klamotten und und …), findet in Nacht– und Nebelbootsschmuggeltouren von Arabien herüber seinen Weg in den Iran.

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Im schönen Esfahan

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Gis großes Wochenzahnproblem

Sollte es für manches Forumsmitglied etwas Freude bereiten, so werde ich, je nach Zeit, die weiteren Teilberichte einpflegen.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi
Grüße Wi grenzenlos
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Beitragvon Helmut » 03.10.2013, 01:53

Liest sich gut, sieht gut aus, ist interessant...

Ein fulminanter Einstieg ins HFS-Forum!

Gerne mehr davon!
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon grenzenlos » 05.10.2013, 10:38

Helmut hat geschrieben:Liest sich gut, sieht gut aus, ist interessant...

Ein fulminanter Einstieg ins HFS-Forum!

Gerne mehr davon!
Danke für die netten Sätze. Geht bald weiter! :)
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Beitragvon grenzenlos » 05.10.2013, 11:22

Weltradeltour weiter bis Indien

Vereinigte Arabische Emirate


Die Vereinigten Arabischen Emirate überraschten mit wenigen klobigen aber durchaus interessanten Betonburgen in viel Sand. Das höchste Gebäude der Welt war gerade im entstehen. Ein Reporter vom VAE–Fernseher wollte unbedingt viele Fragen von uns beantwortet haben. Die wichtigste für ihn war: Was esst und trinkt ihr denn, um diese Strapazen durchzuhalten? Unsere Antwort war: Wir essen und trinken was es in den jeweiligen Ländern gibt. Dies konnte er absolut nicht verstehen. Wir denken, noch heute würde er liebend gerne in unsere Packtaschen rumwühlen, in der Annahme, dort sind, dort müssen garantiert tausender von Wunderpillen versteckt sein.

Uns zog es aber alsbald über die Wüstenstrecke Richtung Oman. Wir lieben die Wüsten. Kamele, kleine Oasen, putzige Moscheen, leben wie die Beduinen, Sand, Sand, Sand…. waren angesagt. Es waren sehr angenehme Tage und Nächte im ewigen Sand. Somit waren die nur 200 km bis zur Grenze für uns Wüstenschön.

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Sandnachtlager

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Unser Lieblingskamel

Oman

Wir mussten zuerst nach Maskat radeln, um die Visa für den Jemen zu besorgen. Dies war nicht so einfach, denn der Botschafter wollte uns keine Visa ausstellen. Erst als Gi ihn sprachlich auf Arabisch lange umgarnte, wurde er weich.

Der Radelweg nach Maskat war einfach nur herrlich, denn die vorgelagerten Gebirgszüge garantieren absolute Abwechslung. Heiße Quellen, verträumte Oasen, überaus nette Menschen, Gebirgszüge von über 3.000 m Höhe und Wüsten soweit das Auge reicht, ließen die Tage wie im Radelflug vergehen.

Von Maskat aus starteten wir Richtung Salalah. Über 1.000 km ging es durch die Wüste Rub al Khali (Leeres Viertel). Absolut wichtig war dabei immer Trinkwasser zu bunkern. Teilweise wogen unsere Last-Radel dann bis über 80 kg. 80 km vor Salalah ist mir die Hinterradfelge eingerissen. Die geschweißte Felge bin ich dann noch 3 Jahre über 30.000 km geradelt (die wurde erst auf der Rückreise in Ägypten ausgewechselt). Noch heute könnte ich den pakistanischen Felgenschweißer (es war seine erste Felge) küssen.

Die Radelzeit in der Rub al Khali selbst werden wir nie vergessen. Die Höchsttemperatur war 47 Grad. Wir haben uns trotzdem immer wohl gefühlt. Wahrscheinlich muss man hierfür Wüsten absolut lieben und natürlich auch kopfmäßig gut vorbereitet sein.

Von Salalah aus ging es über die Mondberge zur jemenitischen Grenze. Im letzten omanischen Dorf wurde uns immer wieder erklärt, radelt ja nicht in den Jemen, dort sind alles Verbrecher, wenn ihr Glück habt, rauben die euch nur aus.

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Die Felge hat noch 3 Jahre gehalten

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Herrlicher Ausruhstrand bei Salalah

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Geht ja nicht in den Jemen!

Jemen

Nur mit viel Überzeugungskunst (Frauen schaffen halt fast alles) unsererseits hatte uns der jemenitische Botschafter in Maskat letztendlich die Visa für den Jemen ausgestellt. Wir mussten uns aber an bestimmte Abreden halten (Radeln war 2007 im Jemen nicht mehr möglich). Wir mussten an einem bestimmten Tag am Grenzübergang in den Mondbergen sein.

Ein Freund holte uns fast an der Grenze mit dem Auto ab (die Abholung war auch Absprache mit dem Botschafter). Zum Glück kam der Freund wie erwartet aber später. So konnten wir zumindest die ersten 70 km entlang der Piratenküste im Jemen radeln. Unvergessen sind dabei die unzähligen Meeresschildkröten und unsere erste Übernachtung in einem Fischerdorf. Unser Nachtlager war auf dem Flachdach der Dorfschule.
Für 3 Monate lebten wir dann in Sanaa. Dort gibt es wohl die schönste Altstadt der Welt. Wir tauchten ein in dieses faszinierende Land, erlebten dabei Hochzeiten, Landschaften, Gastfreundschaft, Beerdigungen und unzähliges mehr.

Trotz vielfältiger Bemühungen bekamen wir keine Schiffsüberfahrt nach Indien. Der Abschied vom Jemen viel uns schwer, zählt er doch schon viele Jahre zu unseren Lieblingsländern.

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Im Wadi Dohan

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Aussichtspunkt bei Sanaa

Indien

Indien wurde unser erstes Kulturschockland. Über Monate und tausende von Kilometern sogen wir all die Schockerlebnisse und Schockleckerbissen ein. Letztendlich entwickelte sich Indien für uns zur Hassliebe. Jederzeit würden wir Indien wieder bereisen, allerdings müsste dies nicht mehr unbedingt mit den Fahrrädern sein, denn der Straßenverkehr kann mörderisch sein. Nur in Südindien kehrte etwas Ruhe ein. Richtung Nepal begann die ewige Huperei und der quälende Kriegsstraßenverkehr erneut. Indien kann echt verrückt sein! Indien kann aber auch schön sein! Unvergesslich ist die Vielfältigkeit in diesem Land, leider auch die unvorstellbare Armut. Manches zermürbt die Sinne. Manches gibt Rätsel auf. Martin hatte uns gewarnt. Seinen Rat, betrachtet die Inder als große Kinder, konnten wir irgendwann beherzigen. Von da an lief vieles kopfmäßig einfacher.

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Indischer Lastentransporter

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Thai Mahal

Bis zum nächsten Teil herrliche Radeltage wünschen Wi + Gi Bild
Grüße Wi grenzenlos
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Beitragvon grenzenlos » 06.10.2013, 15:14

Weltradeltour weiter mit Nepal

Nepal war für uns eine Überraschung, denn nach Indien tat uns die Ruhe gut. Was uns neben der grandiosen Bergwelt im Anapurnagebiet auch absolut faszinierte, war das Tiefland mit seinem Dschungel. Elefanten, Rinos und Krokos hatten wir im Nepal eigentlich nicht erwartet.

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In den Bergen im Anapurnagebiet unternahmen wir eine Wanderung in Eigenregie. Erst auf über 3.000 m wurde uns aber bewusst, weiter können wir nicht rauf. Unsere Ausrüstung war leider halt radelmäßig ausgelegt. Mit Badelatschen in den Nepalbergen war ja auch irgendwie skurril.

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Im Nepal gibt es auch ein großes Völkergemisch. Stunden schaute ich mir die so unterschiedlichsten Gesichter an. Viele Geschichten verbergen sich da. Ganze Bücher würden sich ohne Langweiligkeit füllen lassen.

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Sadus

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Alte Frau

Während unserer zweimonatigen Radelkilometer im Nepal waren gerade Wahlen. Die Maoisten hatten die Wahl gewonnen. Auch wenn Ausschreitungen befürchtet wurden, alles verlief sehr ruhig. Interessant für uns, die langen Schlangen vor den oftmals provisorischen Wahllokalen. Wohl weit über 90 Prozent nehmen da noch ihr Wahlrecht an. In Deutschland wird es so um die 60 Prozent sein.

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Die Maoisten gewinnen.

Von der Hauptstadt aus wollten wir weiter in den Tibet. Leider war die Grenze in den Tibet für uns nicht machbar. Vor der Olympiade 2008 in China gab es wegen dem Aufstand im Tibet, im Vorfeld der Olympiade, keine Einreise über Land. Trotzdem sind wir bis an die tibetische Grenze geradelt. Dort stand der Wind günstig. So konnten wir wenigstens etwas Tibetluft schnuppern. Auf dem Rückweg sahen wir in weiter Ferne den Schneegipfel vom Mount Everest. Ein irgendwie erhabenes Gefühl.

Kambodscha / Thailand

Von Bangkok radelten wir recht zügig zur Grenze von Kambodscha, denn die Regenzeit lag vor uns. In Kambodscha, ca. 100 km vor Siam Rep, erwischte uns der fast Dauerregen. Wir mussten lernen, dass dann wirklich nichts mehr radelmäßig geht. Um nach Siam Rep mit seinen so berühmten Tempel zu kommen, mussten wir ein Auto für unsere Schlammradel bemühen.

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Schlammradel

In Siam Rep überlegten wir, wie wir wieder nach Thailand zurückkommen, denn Monate im Regen wollten wir uns nicht antun. Mit einem Boot ging es über einen See. Das Seegebiet war absolut interessant, denn dort gibt es noch Seenomaden. Der Junge mit der Schlange faszinierte mich. Ich hatte als Kind einen Hamster. Hatte mir die Oma geschenkt.

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Schlangenjunge

In Batambang besichtigen wir die Mörderhöhle. Über 10.000 Kambodschaner wurde dort von den Roten Khmer umgebracht. Langsam beginnt man in Kambodscha die unglaubliche Pol Pot-Zeit aufzuarbeiten.

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Mörderhöhle

Bedingt durch den vielem Regen, fiel leider unser Aufenthalt im durchaus sehenswerten Kambodscha sehr Radel-knapp aus. Neben den berühmten Tempeln, war das so andere Essen am Wegesrand eine auch manchmal leckere Erfahrung (mehr für Gi). Von Fröschen über Spinnen bis zu unzähligen kleinen Krabblern reicht da das Angebot.

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Viele Krabbler im Angebot

In Thailand erwarteten uns wieder Teerstraßen. Die Ostküste wollten wir runter pedalen. Doch davon wird es im nächsten Bericht etwas erzählt.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi
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Beitragvon grenzenlos » 07.10.2013, 10:23

Weltradeltour weiter bis Malaysia

Thailand


Vier Wochen radelten wir entlang der thailändischen Ostküste. Der Regen war weiterhin meist unser ständiger Begleiter, doch störte uns dies wenig, da Asphalt unter unseren Reifen fast die Regel war. Dabei schlafen wir die ersten 800 km immer im Zelt. Wunderschöne Plätze zwischen viel Dschungelgrün finden wir immer am Chinesischen Meer. Die Menschen sind nett und das Badewasser ist um die 30 Grad warm.

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Herrliche Plätze

Speziell in Südthailand hat es uns besonders gut gefallen. Tourismus im Neckermannstil gibt es da zum Glück noch nicht, einfach Radel-genial. Einsame Buchten, Palmen soweit das Auge reicht und köstliches Straßenessen verschönerten die 1.000 km bis zum Grenzfluss. Nur weit im Süden störten die Spannungen zwischen den Religionen etwas die kopfmäßige Radellust.

Der Übergang vom buddhistischen zum islamischen Thailand vollzieht sich langsam. Statt schöner goldener Tempel sind hübsche Minarette unverkennbar.

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Im Norden ist Thailand hauptsächlich buddhistisch

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und im Süden islamisch, aber egal, mit welcher Religionsgruppe wir ins Gespräch kamen, verstanden haben wir uns mit allen prächtig. In Amphoe Tak Bai setzten wir mit einem Boot über den Grenzfluss nach Malaysia.

Malaysia

Malaysia war ein weiteres Überraschungsland. Wir hatten nicht erwartet, dass Alt und Neu fast harmonisch im Einklang nebeneinander funktioniert. Obwohl Malaysia muslimisch geprägt ist, erlebten wir die Fahrradlandesmeisterschaften in ungeahnter Vielfalt, denn die recht vielen Frauenteams gaben den Meisterschaften so richtigen Pepp.

Neben Tagen am Meer, verbrachten wir auch Tage im Dschungel. Beim See Chini leben die malaysischen Ureinwohner. Noch heute benutzen die Orang Asli zur Jagd das Blasrohr mit vergifteten Pfeilen. Der See wird von den Ureinwohnern nur Schlangensee genannt. Es soll dort viele und auch gefährliche Schlangen geben. Auch ein Seeungeheuer mit Schlangenkopf soll in einer Höhle wohnen.

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Wir suchen einen Radelweg

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Herrlicher Dschungel

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Lagerplatz

Die Schlangen und das Seeungeheuer waren für uns kein Problem. Ein wirkliches Problem waren die vielen Feuerameisen. Nur einmal hatte ich vergessen das Zelt exakt zu verschließen. Dies wird mir im Dschungel nie mehr passieren, denn wir hatten eine echt feurige Nacht.

In Kuala Lumpur lecken wir die Dschungelwunden. Dies war recht einfach, denn Kuala ist eine sehr angenehme Hauptstadt. Der Kontrast zwischen den alten Vierteln und der Moderne ist unglaublich reizend. Die alten Viertel sind ein Feuerwerk aus Farben, Gerüchen, auch multikultureller Vielfalt und kleiner Betrügereien. Wo sonst bekommt man an jeder Ecke "echte" Rolex-Uhren schon für 100 Dollar angeboten.

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Chinesenmarkt in der Altstadt

Die Petronas Towers überblicken all die Schönheiten von Kuala Lumpur. Über 400 Meter schauen die Türme gen Himmel.

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Bis zu den nächsten Eindrücken bedanken sich

Gi + WiBild
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Beitragvon grenzenlos » 07.10.2013, 16:52

Weltradeltour weiter bis Singapur

Indonesien / Sumatra


In Dumai schieben wir die Räder vom Schiff aufs Land. Viele Tage brauchen wir bis zum Tobasee. Meist radeln wir durch bezaubernde Dschungelgebiete.

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Reisfelder am Dschungelrand

Ständig rufen uns die Bewohner zu. Mister, Mister, klingt es aus viel Grün, aus Höfen, aus Fenstern und von den Reisfeldern.

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Mister, Mister wir haben eine Fahrradeule

Die Radel-Mühen lohnen sich, denn noch immer ist der Tobasee ein Geheimtipp. Die Samosirinsel gleicht einem Tropentraum im 100 km langen See. Wir beziehen in der kleinen Ortschaft Tuk Tuk ein Holzhaus im Batak-Stil. Es sieht aus wie ein auf den Kopf gestelltes Fischerboot. Viele Tage verbringen wir hier, sozusagen ist Radelpause angesagt.

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Wir lieben unser Batakhaus

Auf der Insel gab es vor nicht allzu langer Zeit noch Kannibalen. Geisterbeschwörungen gibt es heute noch.

Wir bestaunen Schmetterlinge so groß wie unsere Handflächen, erleben eine Inselhochzeit und besteigen Vulkanberge. Viele Abende genießen wir aber einfach nur unser kleines Tropenparadies auf Zeit. Drei Palmen stehen im knietiefen Wasser vor unserem Batak-Haus. Oft spiegelt sich der Mond zwischen ihren Stämmen.

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Schöne Aussicht

Tage später, und nach vielen weiteren Radkilometern, warten wir wieder auf eine Fähre. Sie soll uns nach Singapur schippern.

Singapur

Der Stadtstaat ist ja nur 20 mal 40 km groß.

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Kulturschock-Hochhäuser

So erradeln wir zwangsweise nur sehr kurze Strecken. Zwangsweise steht auch für die vielen Verbote und unfreundlichen Radelschilder.

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Bei Nichtbeachtung so um die 500 Euronen!

Sofort wird uns auch klar, Singapur ist ein Mikrokosmos der Kulturen, ein moderner asiatischer Kulturschock, ein reiches Land. Es ist bereits Ende November und wir bestaunen, belächeln und bewundern einige dieser Konsumtempel im vollen Weihnachtsrausch. Das internationale Flugdrehkreuz bietet alles, was man so braucht, was man glaubt zu brauchen, und was man nicht braucht.

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Was man braucht? Was man nicht braucht? Was man glaubt zu brauchen?

Alle internationalen Modefirmen, Uhrenhersteller von Ruf und Elektrogerätehersteller sind vor Ort – und diese wollen nur eines: nämlich unter allen Umständen verkaufen, verkaufen und nochmals verkaufen. Sogar die Liebe im islamisch geprägten Singapur muss dafür ein Tänzchen vorführen.

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Tänzchen der besonderen Art

Der Konsumrausch nervt uns recht ordentlich. Singapur ist die reichste Region in ganz Südostasien. Singapur ist deshalb auch nicht billig. 49 Euro berappen wir für ein Zimmer. Nach nur 3 Tagen wollen wir raus. Wir sehnen uns nach nur kurzer Zeit wieder nach Einfachheit, Ruhe, Freiheit und unbebaute Landschaften. Der Kulturschock Singapur sitzt nach Indien, Kambodscha und Sumatra einfach zu tief.

Singapur mag uns verzeihen. Vielleicht schauen wir irgendwann genauer hin?

Wir freuen uns umso mehr auf Australien. Ob Australien unsere Wünsche erfüllt, beschreibe ich im nächsten Teil.

Bis dahin Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de
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Beitragvon grenzenlos » 08.10.2013, 08:23

Weltradeltour weiter mit Australien

Martin (unser Sohn) hatte uns gewarnt, Australien zur Sommerzeit, von Nord nach Süd zu beradeln. Die Alten können ja aber nicht hören, also haben wir es zumindest versucht. Von Darwin aus wollten wir bis Sydney pedalen (so um die 6.000 km). Kurz vor Alice Spring kam die Rache. Den Stuart Highway darf man einfach nicht unterschätzen. Gi hatte ein absolutes Tief (ist irgendwie noch untertrieben). Es ging für einige Tage nichts mehr.

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Stuart Highway

Besonders hat uns der dschungelartige Norden fasziniert. Ob Wasserfälle, Krokoflüsse, Heiße Quellen, alles war eigenartig schön.

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Bei Krokoflüssen immer 1 Auge aufmachen!

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Lustige Termitenbauten

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Wasserfallerfrischung

Das einzige, was uns negativ aufgefallen war, war der versteckte und unversteckte Rassismus gegenüber den Ureinwohnern. Rassismus gibt es leider weltweit. Australien ist da keine Ausnahme.

Am Ayers Rock wurde uns innig bewusst, wie schön Australien ist und wie leider auch oft auf Kosten der Aborigine diese Schönheit vermarktet wird.

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Ayers Rock

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An der Südküste

Der Stuart Highway und die Küstenverbindung von Melbourne bis Sidney war trotz vieler Radelmühen eine weitere positive Erfahrung unserer langen Tour. Neben Krokodilen, Fledermäusen, Giftfröschen, Wellensittiche, Papageien, Kängurus, Wallabys, Spinnen, Landschaften wie aus dem Bilderbuch und Millionen von Fliegen, bekamen wir auch was ganz putziges zu sehen. Viele Stunden verbrachten wir mit den überaus drolligen Koalas in unberührter Natur.

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Einfach putzig!

Erst in Sidney holt uns das normale Leben wieder ein. Wir besteigen einen Luxuskahn nach Neuseeland. 11 Tage schippern wir damit bis Auckland. In dieser Zeit versuchen wir all die schönen Australiengedanken zu verarbeiten. Nur manchmal werden diese unterbrochen, denn wir sind unheimlich aufgeregt. Nach vielen Jahren der Trennung, nach fast 24 tausend Radelkilometern in knapp zwei Jahren, erwartet uns unser Sohn in Auckland. Unser Versprechen, Martin mit den Radeln zu besuchen, rückt täglich näher. Wir können es kaum erwarten.

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Bei der Oper von Sidney ist unser Schiff nach Auckland.

Bis Neuseeland viele Grüße von Wi + Gi Bild
Grüße Wi grenzenlos
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Beitragvon grenzenlos » 10.10.2013, 15:39

Welttour weiter - sozusagen auch Halbzeit - in Neuseeland

Es nieselt leicht im ,,Land der langen weißen Wolke‘‘. Doch das stört uns nicht. Vier lange Jahre haben wir uns nicht gesehen. Jetzt soll es endlich so weit sein. Lange liegen wir uns in den Armen. Küsse fliegen hin und her. Die Sehnsüchte sind Wirklichkeit geworden. Es ist geschafft. Was vor zwei Jahren irgendwie halb im Ernst durch die Telefonmuschel kroch, ist eingehalten. Um die 2 Jahre und 24.000 Radelkilometer liegen hinter uns. Wir sind echt da!

Piha ist die neue Heimat von Martin und seiner Frau. Es liegt eine Autostunde von Auckland entfernt. Ein Tausendseelendorf vor der Westküste – wie hingezaubert in den Bergen und am langen Strand. Knapp ein Jahr wohnen Dana und Martin nun schon auf einem Grundstück am Berg. Die Hütte ist klein, aber umgeben von viel Pihagrün.

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Die Hütte ist klein

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Aber umgeben von viel Neuseelandgrün.

Erst 2 Jahre später ziehen sie in ein richtiges Holzhaus um. Dies mit berauschender Aussicht auf den Pihastrand. Die Mühen haben sich gelohnt.

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Nach 2 Jahren endlich eine Dusche und Toilette im Haus mit Aussicht.

2 Monate bleiben wir in Neuseeland. Natürlich schauen wir uns einiges gemeinsam an. Neuseeland überrascht uns mit viel Natur, einer bezaubernden Tierwelt und überaus netten Inselbewohnern.

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Unser Freund auf Zeit.

Mit Martin habe ich die Räder flott gewienert für Südamerika!

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Loch geflickt und

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gewienert

Nach zwei Monaten nehmen wir Abschied mit überholten Fahrrädern. Dabei hoffen wir, dass Martins und Danas Zukunftsträume in Erfüllung gehen. Beim Abschied will uns Martin noch unbedingt etwas sagen. Ihr werdet Oma und Opa. In etwa sieben Monaten ist es soweit. Sieben Monate später erblickt Leilani das Licht der Welt. Wir sind da schon lange in Südamerika unterwegs. Radelnd sind wir da überaus großelternstolz.

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Der Möwe gleich zieht es uns weiter Richtung Südamerika.

Noch eine kleine Bitte! Was mich nämlich selbst mal interessieren würde, kennt vielleicht jemand vom Forum (sind ja viele Weltenbummler dabei) unseren Sohn von irgendeiner Begegnung unterwegs? Es macht uns immer Freude, mit Bekannten/Freunden von Martin in Kontakt zu treten. Er ist 2003 mit dem Fahrrad bis Malaysia geradelt. Er war auch lange in Indien. Hat Indien beradelt. War auch mit einem Motorrad in Indien unterwegs und auch mit einem Segelschiff von Indien nach Thailand. Er war auch für gut 6 Monate auf der Dschunke von den Thüringer Weltumradlern/Abenteurern Brümmer und Glöckner.

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Martin auf der Dschunke.

Die Dschunkentour führte Martin von Thailand, Sri Lanka, Indien, Oman, Jemen, Ostküste Afrika (da lernte er seine Frau kennen) bis nach Ägypten. Da er nicht zurück mit nach Deutschland mit der Dschunke segeln wollte, ging es zurück nach Indien. Anschließend war er längere Zeit in Südostasien unterwegs. Danach lebte er für gut ein Jahr in Australien. Seit 2008 lebt er nun in Neuseeland. Mittlerweile hat er 2 Kinder und in Piha ein kleines Baugeschäft. Da arbeiten auch manchmal Langzeitreisende/Neuseelandentdecker für kurze Zeit bei Martin.

Sollte sich jemand erinnern, dann einfach melden. Danke! Kann natürlich auch über PN sein.

Von Südamerika berichte ich im nächsten Teil.

Gruß Wi + Gi Bild
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Beitragvon Helmut » 13.10.2013, 00:32

Weil Wilfried bisher bescheiden darauf verzichtete, tue ich es, darauf hinweisen, dass man die Erlebnisberichte der beiden auf 426 Seiten mit 70 Bildern als Buch erwerben kann - für 14,95, in Deutschland versandkostenfrei. Zudem kann man eine CD mit 102 dieser faszinieren Bilder für 7 Euro erstehen oder beides zusammen für 19,95.

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http://www.grenzenlosabenteuer.de/buch-shop/

Das Buch gibt's auch neu und gebraucht bei Amazon. Dort belegt es Verkaufsrang 2 (!) bei Weltreisen. Insgesamt belegt es momentan Rang 12.500. Nur sehr wenige Bücher aus dem Themenbereich Fahrrad werden mehr gekauft.

So - und nun kann es hier gern weitergehen mit der Rückreise. Wem das Warten zu lange dauert oder einfach nur noch mehr in aller Ruhe von diesen Reiseerlebnissen lesen möchte, gönne sich das Buch.
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Beitragvon grenzenlos » 13.10.2013, 10:39

Weltradeltour weiter mit Chile

Wir sind noch keine Stunde in Santiago de Chile, da stellt Gi fest, die Stadt ist schön. Habe ich mir anders vorgestellt. Freunde der Stadt Paris werden es mir verzeihen, denn ich muss gestehen, in Paris war ich noch nie – und somit ist mir erlaubt, Santiago in die ,,Stadt der Liebe‘‘ umzutaufen. Denn noch nie habe ich so viele Menschen beim Küssen gesehen.

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Kussengel

Ob Jung oder Alt, man scheint unheimlich gerne zu küssen, richtig verliebt zu küssen, und kein Platz scheint dafür ungeeignet. Dieser Umstand macht uns die Stadt nicht unangenehmer, denn Santiago versprüht Lebensfreude, Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Auch haben wir nicht erwartet, so viele Radelfreunde anzutreffen.

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Radelfreunde in Santiago

Nach einer Woche zieht es uns aber weiter. Wir wollen noch vor dem ersten Schnee über die Anden. Es wird höchste Zeit. Als wir schließlich Richtung Berge pedalen, rufe ich Gi zu "Wenn du eine alte Frau mit lila Haaren siehst, recke die Faust nach oben und halte unbedingt an!". Warum? Vielleicht ist es Margot Honecker (Bildungsministerin der ehemaligen DDR + Frau von E.H.)? Die ist doch mit ihren lila Haaren und dem Erich nach Santiago abgehauen.

Margot sehen wir nicht. Dafür sehen wir nur noch Berge, Berge, Berge. Mein auserwählter Pass über die Anden war schon vor langer Zeit ein Inkapfad. Tagelang sehen wir die schneebedeckten Gipfel immer im Osten.

An der Steilstraßenstrecke treffen wir Armando. Wir sind Gast auf seinem Grundstück. Beim letzten Glas Wein erzählt uns Armando von seinem Traum. Ein, zwei Jahre auf den Rücken meiner Pferde stelle ich mir gut vor. Bis Brasilien reicht sein Traum!

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Armando hat einen Traum. Mit seinen Pferden will er bis Brasilien reiten!

Drei Tage noch quälen wir uns rauf. Nur ganz selten pedalen wir wirklich. Schieben ist Tagesgeschäft. 30 Haarnadelkurven zähle ich am Stück. Es kommt der Moment, wo man sich alle hundert Meter fragt, warum tue ich mir das nur an? Gi klagt über Kopfschmerzen und nervt ständig mit der Frage, wann geht es denn endlich wieder runter?

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30 Haarnadelkurven zähle ich am Stück

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Wir werden die Hammerstraße nie vergessen.

Erst nach dem Tunnel Cristo Redentor auf 3.185 m wird der Pass im Kopf greifbar, spürbar. Die Grenze zu Argentinien kann nicht mehr weit sein. Die letzte kalte chilenische Zeltnacht verbringen wir an einem wildromantischen Gletschersee. Wir freuen uns in dieser sehr, sehr kalten Nacht auf die Abfahrt, auf wärmere Nächte und die argentinische Pampa.

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Wildromantischer Kaltsee

Bis zu den nächsten Berichtzeilen und Bildchen
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Beitragvon kocmonaut » 13.10.2013, 22:19

Hallo Wi,

Wi wunderbar.

Hab mir Buch und CD bestellt, um Eure komplette Reise nachlesen zu können.

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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 06:37

kocmonaut hat geschrieben:Hallo Wi,

Wi wunderbar.

Hab mir Buch und CD bestellt, um Eure komplette Reise nachlesen zu können.

kocmonaut
Danke! :) und wünsche schon jetzt viel Lesevergnügen + herrliche Restherbsttouren! ;)
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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 08:01

Weltradeltour weiter mit Argentinien

Die Abfahrt vom Bergpass hat es zu Beginn gewaltig in sich. Viele km fällt die Straße Angst einflößend ab. 71 km/h zeigt mein Tacho an. Neuer Rekord!

Nur wenige km weiter radeln wir in Sichtweite des Cerro Aconcagua. Er bringt es auf stolze 6.962 Höhenmeter. Über eine Stunde schauen wir Berge. Die Luft ist klar. Gi atmet wieder besser. Alles passt. Unvergessliche Bilder speichern wir.

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Viele km bergab

Vor Mendoza bleiben wir für 2 Nächte an einem See. Wir tanken Sonne, baden im herrlich klaren Wasser und schauen kindergleich immer wieder zu den Andenbergen hoch.

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2 Nächte am herrlichen See.

Über Mendoza und Tafi del Valle wollen wir bis Salta in Nordargentinien radeln. Über 1.600 km liegen vor uns. Die Route hat 3 Vorteile: Wir werden gut 1.000 km durch die Pampa pedalen, sehen linkerhand immer die Anden, dann kommen ein paar Berge und Salta ist greifbar. Und: Das Zusammenspiel zwischen Pampa und Anden macht mich happy. Die Pampastraße hat einen weiteren Vorteil. Wir sehen schon am Morgen wer uns am Abend entgegenkommt.

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Wir sehen schon am Morgen wer uns am Abend entgegenkommt.

Auf den letzten 600 km geht es wieder die Berge hoch. Auf 3.040 m überqueren wir einen der vielen Pässe. Dabei sehen wir die ersten Alpakas und können in der Ferne Tafi del Valle erblicken. Nebelfelder ziehen auf. Als wir vom Nebel flüchten, staunen wir mächtig: Kakteen, wie wir sie bisher nur von Bildern kannten, säumen hundertfach unseren Weg.

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Erstes Alpaka

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Wir staunen mächtig: Kakteen...

Die letzten km bis Salta sind ein Schluchtentraum. Alles wirkt verzaubert, still und manchmal auch ausgegraben wie aus uralter Zeit. Kein Wunder, denn in den Schluchten wurden die ältesten Dinosaurierknochen ausgebuddelt.

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Schluchtentraum!

Nach gut einem Monat treffen wir in Salta ein. Ich will unbedingt nochmal die Anden hoch. Für Gi der lange erhoffte Grund endlich mal im fernen Deutschland nach über 2 Jahren nach ihrer Mutter zu schauen. Für 10 Tage fliegt sie übers große Wasser.

Ich schraube mich dafür die Berge hoch. Es wird die Tour in die Wolken, die Tour der Leiden und die Tour der Freuden. Ich ringe nach Luft, bin kaputt und doch glücklich. 4.080 Meter Höhe zeigt mir der Schriftzug auf einem verrosteten Schild. Der Abra Blankapass ist geschafft.

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Die Luft wird knapp auf 4.080 m.

In San Antonio miete ich mich in einer kleinen Pension ein. Bei meinen Radelausflügen quäle ich mich auf 4.800 m. Viel Sonne, Salzseen, Alpakas, der schneebedeckte Nevado de Acay und die Gewissheit, dass ich meine kleine Heizquelle im kleinen Zimmer auf Dauerbetrieb geschalte habe, versüßen mir die kalten Höhentage.

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Alpakas sind wie ich. Sie vertragen die Höhe.

Sehr schnell wird mir in der Höhe bewusst, dass dies nichts für Gi wäre. Einfach zu wenig Luft für ihre Lungen, ihr Gehirn. Schon öfters hatte sie ab 3.000 m echte Kopfwehprobleme. Wir hatten uns vor der großen Tour vorgenommen, gegenseitig Rücksicht nehmen soll uns in guten und in schlechten Zeiten begleiten.

Da Bolivien und Peru nicht unbedingt Flachländer sind, mache ich Gi nach meiner Bergrückkehr in Salta den Vorschlag, die Räder in Salta zu lassen und mit Bus und per Anhalter die zwei Bergländer zu erkunden. Gi stimmt wegen der zu erwartenden Kopfschmerzen natürlich zu. Ob Bolivien nun auch für Radelfreunde per Auto OK ist, davon berichte ich etwas näher aber erst im nächsten Teil.

Bis dahin schöne Grüße,
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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 12:44

Welttour weiter mit Bolivien

Unser Schrottbus – er bringt uns in acht Stunden auf grausamster Schotterpiste bis Uyuni – ist nicht beheizt. Wie denn auch, beim Anblick vom Fahrerhaus wird mir einiges klar, fällt mir auch sofort mein TÜV–Mensch in Deutschland ein. Der hätte echt seinen Spaß, Freude und einige graue Haare mehr.

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Beim Anblick vom Fahrerhaus wird mir einiges klar!

Es ist wirklich kalt – denken wir. Doch in Uyuni bekommen wir mit: es geht noch kälter! Der Nachtfrost ist für uns fast tödlich. Und auch im Billighotel macht nicht die kleinste Heizquelle die Kälte erträglicher. Es ist Ende Juni, somit Winterzeit in diesen Breiten. Die Durchschnittstemperatur für das Nest am Rande des Altiplano auf 3.700 Metern Höhe wird mit 5 Grad angegeben. 21 Grad minus sind es am Abend. Wir halten die Eskimonächte irgendwie aus. Warum wolltest du in diesen Kühlschrank Wi? Wirst du morgen sehen Gi.

Was wir sehen, ist überwältigend. Von der ,,Fischerinsel‘‘ aus blicken wir über den größten Salzsee der Erde, den Salar de Uyuni.

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Von der Fischerinsel aus ...

Zwischen riesigen Kakteen hindurch schauen wir auf einen Vulkanberg, der weit, sehr weit entfernt am Rande dieses schneeweißen Fleckens Erde liegt. Und eines wird uns klar: Der Salzsee ist neben dem Kältehoch unser Naturhoch in Uyuni.

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Blick über viel Salz

Mit dem nächsten Schrottbus quälen wir uns nach La Paz. Auch in La Paz ist es Hundekalt.

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Hundekalt in La Paz.

Die Stadt liegt in einem gigantischen Kessel. Bei der Abfahrt wird mir schnell klar, die Stadt verdient mehrere Tage. Fast 1.000 Höhenmeter schieben sich die Kesselränder nach oben. Kreisrund kleben die backsteinroten und oft unendlich verschachtelten Häuser an den Hängen. Der Kesselrand wird von den vier mächtigen Gipfeln des Illimani (6.439 m) beherrscht, er ist nicht nur der zweithöchste Berg Boliviens, sondern auch das unübersehbare Wahrzeichen von La Paz.

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La Paz mit Hausberg

An einem Tag lassen wir uns bis zur Hütte vom Club Andino auf 5.300 Meter fahren. Stunden bin ich unterwegs, um auf ca. 6.000 Meter hochzusteigen. Das Wetter ist prima, meine Kondition auch. Ich verspüre kaum Mühen. Die Aussicht macht mich glücklich.

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Ich fühlte mich vogelfrei

In La Paz selbst gibt es täglich was Neues zu entdecken. Ganze Straßenzüge gleichen einem arabischen Basar. Wir durchstreifen auch die Gassen der Wahrsager und Wunderheiler, eine Aufreihung unzähliger Hütten. Diese sind vollgestopft mit Cocablättern, Salben, Tabletten, Cocapulver, Vogelfedern, ausgestopften Schlangen, Tierpfoten, Tigerfellen, Holzspänen, billigen Gipsfiguren, geraspelten Wurzeln, Käfern, Wässerchen in allen Farben, Lamaföten und Sachen, die wir einfach nicht enträtseln können.

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Lamaföten in Wunderheilerhütte

Aber egal, wo wir uns am Kesselrand befinden, es gibt immer einen Blick nach unten. La Paz hat viel zu bieten. Wenn die Sonne untergeht, schieben sich ihre letzten wärmenden Sonnenstrahlen nach oben und der Rand erstrahlt für kurze Zeit in herrlich gelben und rötlichen Tönen. Spätestens dann wird es Zeit, den Kesselrand zu verlassen, denn La Paz soll zur Nachtzeit nicht ungefährlich sein.

In Copacabana am Titicaca-See lassen wir die Zeit in Bolivien sehr langsam ausklingen. Die Ortschaft bereitet uns viel Freude. Viele Wanderungen, Ausflüge auf dem See und Erkundung so mancher Kirchlein in Copacabana sind angesagt.

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Aussicht auf Copacabana

Da, wo die Sonne untergeht, ist der Titicaca noch lange nicht zu Ende. Peru wartet schon auf uns. Doch davon berichte ich erst im nächsten Teil.

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Der Sonnenuntergang zeigt uns den weiteren Weg

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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 13:08

Welttour weiter mit Peru

In Pune am Titicacasee finden wir ein hervorragendes Sonnenscheinzimmer für einige Tage. Die relativ große Stadt liegt an einer weiten Bucht. Zwei hohe Berge versperren die Sicht nach Westen. Steigt man aber die Gassen hinauf, so eröffnet sich ein schöner Blick über den See. Was dabei sofort auffällt, ist der breite Schilfgürtel in der Bucht.

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Blick von Pune mit Betonkondor auf den See

Dort leben die Seenomaden. Natürlich ist schnell klar, dass wir uns die schwimmenden Inseln und die Schilfboote ansehen werden. Unser Fazit: Alles durchaus interessant, doch was die Inka nie geschafft haben, nämlich die Seenomaden zu unterwerfen, der Massentourismus hat es hinbekommen. Die Seenomaden haben sich dem globalen Geschäft unterworfen.

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Seenomadeninsel

All der Touristenrummel regt uns etwas auf. Kann natürlich auch sein, dass uns einfach nur die Radel fehlen, die angenehme Ruhe fehlt uns.
Viele Tage später kommen wir in Cabanaconde auf 3.300 Metern Höhe zu unserem Frieden mit Peru. Die Ortschaft liegt an einer wunderschönen Schlucht (Colca Canyon). Hier kann man seinem Wandertrieb nachgeben und mit etwas Glück auch Kondore sehen.

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Colca Schlucht

An einem Tag wandern wir die Schlucht hinunter.

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Schluchtengrund

So um die tausend Meter runter und so um die tausend wieder rauf. Wir sind fix und fertig an diesem speziellen Wandertag.

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Wir treffen Schluchtenaufsteiger...

...doch Kondore sehen wir nicht.

Am nächsten Tag – wir sind noch immer irgendwie fertig – hängen wir einfach nur ab. Keine hundert Meter laufen wir am Stück. Bei einem dieser kurzen Fertig-Spaziergänge sehen wir zwei von den gewaltigen Vögeln in weiter Ferne. Der Andenkondor bringt es auf unglaubliche 3,20 Meter Flügelspannweite.

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Ruhetag mit Hoffnung auf einen Kondor

Gerade als wir wieder zum Dorf zurücklaufen wollen, ruft mir Gi zu: Dreh dich schnell um! Da kommt ein ganz großer direkt auf uns zugeflogen. Ich blicke durch den Sucher meiner Kamera, drücke auf den Auslöser und höre dabei den Wind durch sein Federkleid rauschen.

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gewaltiges Gefühl

Es ist ein überaus gewaltiges Gefühl von leider nur wenigen Sekunden. Nur Momente später ist er am Rand der Schlucht gegenüber zwischen Felsvorsprüngen verschwunden.

Wir überlegen noch die Touristenhochburg Cusco zu besuchen. Wir müssen aber nicht lange nachdenken, wie unsere Reise weitergehen soll, denn die Busfahrer nehmen uns die Entscheidung ab. ,,Streik‘‘ heißt das Zauberwort. Kein Bus fährt mehr.

Bis nach La Paz schlagen wir uns per Anhalter durch. Die Sehnsucht nach unseren Stahlrössern ist dabei groß. In Bolivien besteigen wir wieder die rollenden Schrottbusse. Die Heizungswärme ersetzt oft ein wärmespendendes Tier.

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Schäfchenheizung

Nach knapp 2 Monaten Bolivien und Peru treffen wir wieder in Salta ein. Die Auto-Bustouren durch beide Länder waren eine weitere lohnenswerte Erfahrung. Besonders haben uns die Wanderungen in den Bergen gefallen. Ein Bild von diesen bitterarmen Ländern wird mir dabei nie aus dem Kopf gehen. Es ist eine wunderschöne Zeichnung. Der Junge darauf erinnert mich ständig an ein Lied aus längst vergangener Zeit. ,,Der Indiojunge von Peru, der will Leben so wie du‘‘, war, denke ich, der Titelname.

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Eine wunderschöne Zeichnung erinnert mich

In Salta bekommen wir die uns traurig erscheinenden Radel zurück. Die Entscheidung, die beiden Bergländer nicht mit den Radeln zu erkunden, war für uns richtig. Doch nun brennen wir wieder auf weitere lange, interessante Radelstrecken.

Im nächsten Teil erzähle ich davon.
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Beitragvon grenzenlos » 14.10.2013, 13:22

Weltradeltour weiter mit

zurück in Argentinien


Nach nur 2 Tagen in Salta springen wir wieder auf unsere Räder und radeln in den nächsten Tagen knapp 1.000 km durch die argentinische Pampa. Nach Wochen extremer Nachtkälte hatten wir eigentlich Pampawärme erwartet. Darauf müssen wir jedoch noch lange warten, denn am Morgen herrscht oft sogar leichter Frost.

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Am Morgen herrscht oft leichter Frost.

Meist erst gegen Mittag steigt die Temperatur auf angenehme 20 Grad. Die Pampastraße Nummer 16 werden wir nie vergessen, denn sie führt uns über viele hunderte von Kilometern immer schnurgerade durchs Land, doch Langeweile gibt es an der Strecke nicht. Da zur Pampakorn- und -Fleischkammer natürlich ja auch der Gaucho gehört, sehen wir diese berittenen Viehhirten täglich.

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Gaucho

Wir fühlen uns irgendwie seelenverwandt, denn wo es ihnen gefällt, bleiben sie eine Weile. Meist schlafen sie unter freiem Himmel und verkörpern so den alten Mythos weiter. Ungebundenheit und Freiheit sind ihnen sehr wichtig. Sie kümmern sich um das Vieh, markieren die Jungtiere, reparieren die unzähligen Weidezäune, treiben die Herden über lange Wege ins nächste Weidegebiet und fangen mit ihren Lassos ausgerissene Kühe ein. Ein tellergroße Hut, oft ein buschiger Schnauzer, ein weiter Poncho, Kalbslederstiefel, Pumphosen, lange Sporen und ein großes Messer im Gürtel gehören zu jedem ordentlichen Gaucho dazu.

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Nicht jeder ist Besitzer von Kalbslederstiefeln.

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Aber jeder hat irgendwie Spaß.

In so manchem Pampanest erleben wir eine weitere angenehme Seite der Gauchos kennen. Es wird unheimlich viel Kuh gebraten.

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Fleisch, Fleisch, Fleisch ....

Und dies macht natürlich unheimlich durstig. Auf Durst, Essen und viel Musik folgt zwangsweise Tanz. Argentinien ist gleich Tango. Und Tango bestimmt die Seele. Gibt es schöneres?

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Tango

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Tangoliebesgeflüster

Natürlich gibt es noch was. Täglich trinken wir auch Mate-Tee. Die Argentinier sind gastfreundliche Menschen.

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Mate-Teegastfreundschaft

Die Straße mit viel Essen, Mate-Tee und Tango endet vor dem Rio Parana. Die Landschaft ändert sich. Sie wird bestimmt vom großen Fluss.

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Auf der anderen Seite ist Paraguay

Immer in der Nähe des Flusses pedalen wir 200 km bis Posadas. Auf der anderen Seite befindet sich Paraguay – unser nächstes Radelziel.

Doch davon erzähle ich erst im nächsten Teil.

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Beitragvon grenzenlos » 15.10.2013, 08:57

Weltradeltour weiter mit

Paraguay


Die Grenzstadt Encarnacion ist eine vergammelte Schmugglerhochburg. Sie macht den Eindruck wie viele andere Schmuggler- und Grenzstädte dieser Welt. Sie ist schmutzig, in der Nacht mit Vorsicht zu genießen und versprüht den intensiven Geruch von Prostitution, Gaunereien, Betrug und viel Armut.

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Schmuggelkinder

Nur eine Nacht bleiben wir auf dem einsamen Camping.

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Einsamer Camping

Beim Abschied wird uns gesagt, passt auf euch auf. Das dabei vermittelte ungute Gefühl verstärkt sich auf den nächsten Kilometern, denn die vielen Dörfer entlang unserer Radelstraße wirken alle recht armseelig. Die Landschaft ist aber lieblich. Die Menschen sind freundlich. Bei Sonnenschein wirkt so manches erträglicher, sage ich zu Gi. Ja, komisch … Armut wirkt dann oft weniger arm… Es ist gut, so mit der Sonne, denn bis zum Grenzübertritt nach Brasilien, werden wir noch oft an solchen armen Dörfern vorbeiradeln.

Begeistert sind wir von der verspielten Langweiligkeit. Auch die Katzen halten dabei ihre Sonnensiesta.

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Siestalieblingskatze

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Und so mancher Schmetterling ist überraschend fleißig.

Erst viel später wird die angenehme Langweiligkeit durchbrochen. Hohenhau klingt irgendwie deutsch. Wir finden für einige Kilometer eine völlig andere Welt vor. Kleine, schmucke Häuser kämpfen dabei um den Schönheitspreis. Alle haben einen Vorgarten. Blumen neigen sich darin im Wind und grüner Rasen lacht uns dabei entgegen. Alle Straßen sind geteert. Die Hohenauer Tankstelle und Autowaschanlage könnte so auch in unserer Heimatstadt stehen. Die Schule, der Kindergarten und die Kirche wirken zeitnah frisch gestrichen. Der Bankautomat spuckt ohne Probleme den gewünschten Betrag aus. Straßen und Gassen haben einen Namen. Diese Namen sind deutsche Schriftzüge.

In der Kirche schaut uns eine Madonna irgendwie fragend an.

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Fragende Madonna

Ihr wollt doch nicht etwa ins Hotel Kuschel, scheint die Frage zu sein.

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24 Stundenhotel Kuschel

Der Name Kuschel versprüht eigentlich viel Wärme. Doch kuscheln geht auch in einer kleinen Pension für uns. Der unerwartete Vorteil, alle in der Familie sprechen deutsch. Lange reden wir noch am Abend, über Armut und Reichtum, über das oft harte Leben in ihrem Auswandererland, über Gott und die Welt.

Am Morgen bekommen wir ein Frühstück der deutschen Art. Der Radlermagen begreift es erst gar nicht so recht. Beim herzlichen Abschied zeigt uns die Oma der Familie einige Städte und Dörfer auf meiner Straßenkarte. Zu jedem Namen erschallt ein deutscher Kommentar. Dort müsst ihr unbedingt halten. Es ist die schönste deutsche Gemeinde in Paraguay. Eisbein und Sauerkraut gibt es da. In der Stadt müsst ihr auch halten. Der beste Kuchen. Das beste Bier. In dieser Gemeinde müsst ihr auch halten. Da leben nur Italiener. Guter Wein und Spaghetti-Eis.
Da radelt ihr am besten durch, denn dort leben viele Japaner und die essen ja nur diesen eingerollten Fisch.

Einige der guten Tipps beherzigen wir auf unserem Weg bis Ciudad del Este. Dabei sind wir immer wieder sprachlos, wie unterschiedlich doch die Lebensformen in Paraguay sein können. Der Kontrast ist überaus groß.
Fast an der Grenze zu Brasilien, werden wir im "Salzburger Hotel" schnell handelseinig. Man spricht deutsch. Auf der Speisekarte steht Eisbein mit Sauerkraut und "Paulaner" gibt es zum Runterspülen. Nach nur gut 300 Kilometern in Paraguay ist Brasilien greifbar nah.

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Salzburger Hotel

Am Abend beim Paulaner, rieche ich schon irgendwie die so nahen, so berühmten Iguazu-Wasserfälle. Wir können es kaum erwarten.

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Ich kann die Wasserfälle schon riechen

Von Brasilien berichte ich erst im nächsten Teil.
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Beitragvon grenzenlos » 15.10.2013, 09:15

Weltradeltour weiter mit

Brasilien 1 (bis Rio)


Die Frau des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt soll beim Anblick der Iguazu-Wasserfälle gesagt haben: Poor Niagara! (Arme Niagarafälle) Ich kann ihr nur Recht geben, denn die größten Wasserfälle der Erde sind wohl auch tatsächlich die schönsten. Auf einer Breite von 2,7 Kilometer rauschen die Wassermassen in 255 Einzelfällen bis zu 82 Meter in die Tiefe.

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Regenbogenfälle

Die stürzenden Wassermassen, deren weithin hörbares Brüllen, das Dschungelgrün, die weißen Wolken, der blaue Himmel, die Millionen von Wassertröpfchen und gigantische Regenbögen gleichen in ihrem Zusammenspiel einer einzigartigen Naturinszenierung.

Nach viel Wasserfallwasser, pedalen wir über unendlich erscheinende grüne Hügelketten immer Richtung Osten. So mancher Flusslauf muss dabei überquert werden.

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Flussdurchquerungen waren angesagt

Wir fühlen uns wohl, denn die Sonne begleitet uns mit ihrer endlich wieder heißen Strahlenwucht. Nur die vielen Moskitos nerven zeitweise arg.
Abgekämpft erreichen wir nach gut 2 Wochen den Atlantik. Um die 8.000 Kilometer Küste kann Brasilien sein eigen nennen. Bei dieser Länge ist natürlich Vielfältigkeit angesagt. Unser Radelweg führt uns der Küste entlang immer nördlich. Da an der brasilianischen Küste alles möglich ist, erleben wir sehr oft den Traum aller Radelfreunde. Es gibt nämlich viele Strände, die sehr gut zu beradeln sind. Uns überraschen auch die oftmals schönen Küstenortschaften.

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Herrliche Küstenortschaften begleiten uns

Von Ortschaft zu Ortschaft, von Strandabschnitt zu Strandabschnitt, von Flüsschen zu Flüsschen, fressen unsere Räder Kilometer für Kilometer.

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Prima Strandradeln

Immer von rechts spielen dabei die Wellen im Wind. Von links verneigen sich die Dünen und vereinzelte Palmen scheinen uns zu grüßen. Oft suchen wir uns am Abend einen Lagerplatz zwischen spielenden Wellen und grüßenden Palmen. Wochen später treffen wir in Rio ein.

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Copacabana

Da wir einige Zeit in Rio verweilen, erfüllen wir weit mehr als das übliche "Pflichtprogramm". Bild Christos der Erlöser, wirkt wie ein Leuchtturm über der Stadt.

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Christo schaut auf Rio

Was bleibt von Rio in meinem Kopf hängen? Für mich ist Rio eine Stadt unter Strom, unter Starkstrom. Sie riecht gut, sie stinkt, sie ist supermodern und doch auch vergammelt, sie ist liebenswert und betrügerisch, frisch gestrichen und angefault, sie ist verriegelt und doch 24 Stunden offen, sie ist verfressen und schreit gleichzeitig vor Hunger, sie ist versoffen und gewaltbereit, sie ist überschwänglich und gastfreundlich, sie ist naiv und raffiniert, sie ist durchaus eine Stadt zum Verlieben, doch zu verdanken hat sie dies hauptsächlich der unglaublich schönen Landschaft.

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Spaßbrasilianer

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Rio vom Zuckerhut

Da Brasilien groß ist, pedalen wir im nächsten Teil bis zum Amazonas weiter.

Bis dahin alles Gute von Wi + Gi
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Tolle Serie

Beitragvon Senior » 17.10.2013, 07:43

Tolle Bilder und passende Texte
Ich freue mich immer wieder auf den nächsten Teil ...
Vielen Dank für die Berichte
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Re: Tolle Serie

Beitragvon grenzenlos » 17.10.2013, 09:37

Senior hat geschrieben:Tolle Bilder und passende Texte
Ich freue mich immer wieder auf den nächsten Teil ...
Vielen Dank für die Berichte
Danke für die netten Worte! :)
Fortsetzung folgt in Kürze.
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Beitragvon grenzenlos » 17.10.2013, 09:57

Weltradeltour weiter mit

Brasilien (2)


Im Norden von Brasilien ist es für uns wirklich angenehmer, stellen wir gemeinsam fest. Tausend Kilometer Küste, hunderte Kilometer Strandradeln, tausend Kilometer Zuckerrohr, tausend Kilometer Dschungel, tausend Kilometer Pampa und tausend Kilometer Freundlichkeit, scherze ich. Dabei blicken wir in Belem auf den Amazonas (der hier aufs Meer trifft). Die letzten Wochen von Rio bis zum Amazonas bleiben unvergessen. Besonders prägend war wieder die Strandradelei.

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Prima Strandradeln

Unvergessen bleiben auch all die netten Küstenorte. Bilderbuchansichten machen sich da sehr breit.

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Bilderbuchansichten

Speziell in Rio hat uns der Unterschied von Arm und Reich mächtig irritiert. Im Norden ist vieles sozial verträglicher für unsere Köpfe.

Wir wollen weiter nach Manaus. Natürlich ist hier nichts mit Radeln. Wir brauchen ein Schiff. Das Amazonasgebiet sprengt alle Vorstellungen. Halb Europa passt hier spielend rein. 3.600 Flusskilometer bringt uns der Seelenverkäuferkahn stromaufwärts. Die Bewegungsfreiheit während der 6 Bootstage ist ziemlich eingeschränkt.

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Hängemattenengabteil

Die Freizeitkulisse bildet halt in diesem Fall der Fluss, der so berühmte Amazonas. Man stellt schnell fest, der Fluss an sich ist allemal so manches Übelchen wert. So verbringen wir viele, viele Stunden an Deck und schauen in die Landschaft. Neben dieser täglichen Abwechslung gibt es bis Manaus sechs Zwischenstopps. Allerdings ist es uns nur einmal möglich, für 3 Stunden von Bord zu huschen. In dieser Spring-von-Bord-Ortschaft steigen ein Großteil der Goldsucher und weitere Männer mit Adlerblick aus. Es sind meist recht zwielichtige Gestalten. Ein Teil der Särge könnte hier eigentlich mit von Bord genommen werden, denn die Sterbe- und Mordrate ist in diesem Gebiet ausgesprochen hoch, flüstere ich Gi zu.

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Särgeverladung

Zwei Drittel der Tour liegen da bereits hinter uns. Und genau in dieser Ortschaft steigen dann auch keine Damen vom horizontalen Gewerbe mehr zu. Es lohnt sich einfach nicht mehr. Die Goldjungs und Adlerblickjungs sind ja von Bord.

Von Manaus aus erforschen wir für einige Tage den Dschungel an einem Nebenarm des Amazonas. Ein Indianer ist uns dabei behilflich. Er zeigt uns die Schönheiten und Gefahren der "Grünen Hölle". Wir leben für Tage am Fluss.

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Flussgeflüster

Wir sind begeistert, denn unser Dschungelführer ist ein absoluter Glücksgriff. Wir lernen unheimlich viel. Ist die Spinne giftig?

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Ja sie ist giftig. Wo gibt es sauberes Trinkwasser? In ganz bestimmten Lianen ist reichlich sauberes und kühles Trinkwasser, ist die Antwort. Wie funktioniert das? Einfach mit der Machete einen halben Meter absäbeln und trinken.

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Trinkwasser

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Lianentrinkwasserfilter

Georg ist sein Name. Ein komischer Name für einen Indianer. Ist uns aber egal, denn Georg ist genial. So nebenbei spricht er auch 5 Sprachen. Er zeigt uns den Wasserfilter in den Lianen. Wir sind begeistert und trinken unheimlich viel Lianenwasser.

Am letzten Abend sitzen wir im Kanu. Georg will uns zeigen, wie man in der Dunkelheit Krokodile mit den Händen fangen kann. Georg schafft alles. Nach nur einer Stunde hält er das erste Kroko in den Händen.

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Handkroko

Am nächsten Morgen verzichte ich auf mein schon gewohntes Morgenbad im Fluss, denn unsere Tour soll ja weiter gehen. Doch davon berichte ich dann erst im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi grenzenlos
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Russland ??

Beitragvon Indorain » 17.10.2013, 14:44

Das größte Land habt Ihr aber ausgelassen = Russland :!:
Von Hamburg nach Vladivostok sind es ca. 11.205 Km

http://www.luftlinie.org/Wladiwostok/Hamburg

Von dort könnt Ihr nach Japan übersetzten und per Flugzeug zurück. Falls die Strecke zu lang wird, zur transsibirischen Bahnstrecke dürfte es nicht weit sein. ;)
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Beitragvon grenzenlos » 17.10.2013, 14:58

Ja stimmt, doch man kann im Leben nicht alles haben. Uns war es wichtig, immer nach Möglichkeit lange in den einzelnen Ländern zu bleiben, um sie richtig zu verstehen. Länder sammeln ist nicht unser Ding. Allerdings wollen wir im nächsten Frühjahr wieder weg. Mal sehen, was da so kommt. :)
Grüße Wi grenzenlos
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Beitragvon kocmonaut » 17.10.2013, 18:18

Grenzenlos schrieb: "Nach nur einer Stunde hält er das erste Kroko in den Händen. "

Das ist ein Fake. An Hand des Fotos (ich kriegs nicht in die Antwort kopiert) erkennt man die neue megahelle Helmlampe von Busch & Müller. Das Krokodil ist nach einstündiger Beleuchtung völlig erblindet und somit völlig harmlos. Ob das auch mit Haien funktioniert ist bislang unerforscht. Aber das lesen wir vielleicht im nächsten Teil...

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