ERZtaler Radmarathon '12, Tharandter Wald (Berichte+Bilder)

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ERZtaler Radmarathon '12, Tharandter Wald (Berichte+Bilder)

Beitragvon dirksen1 » 03.06.2012, 14:52

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ERZtaler Radmarathon im Tharandter Wald am 02.06.2012

Eine Woche nach Bimbach stellt sich die Frage, ob dies noch zu toppen ist in vielerlei Hinsicht. Höhenmeter, Spaß, Landschaft, Anti-Langeweile auf immer gleichen Strecken, Anspruch, Orga, … Aber unbedingt, viele der vorgenannten Punkte wurden erfüllt und wenn man den „gefühlten Werten“ glauben mag, dann wirklich alle einschl. der Höhenmeter, auch wenn es knapp 1.000 weniger waren, als in Bimbach.

Der ERZtaler sollte es sein, 238 km mehrfach über den Kamm des Osterzgebirges. So sollte es sein. Am Freitag bereits begab ich mich in mir vollkommen unbekanntes Terrain tief im Osten. „Dort, wo ich noch nie war, Rad fahren“, heißt eines meiner Mottos dieses Jahr und auch wenn manche das nicht verstehen können, ich tue es. Was kann schöner sein, als immer neue Gegenden und Landschaften zu „erfahren“, auch wenn es mal mit etwas BAB-km verbunden ist.

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Am Vorabend noch ein Steak zu moderaten Preisen verdrückt, ab in mein Übernachtungsdomizil, welches dieses Mal eine kleine Ferienwohnung mit super-netter und herzlicher Betreuung sein sollte. Das Rad durfte mit hinein und so konnten „wir“ eine ruhige Nacht in einem richtigen Bett verbringen und bei dem sich in den letzten 10 Jahren offenbar zu null Prozent weiterentwickelten Fernsehprogramms nach 5 min Langeweile einschlafen.

Früh um 5 ging der Wecker, anziehen, aufs Rad und los, schließlich war ich nur 500 m vom Start untergebracht. HFS-Trikot, Armlinge, 3/4-Hose, leichte Überschuhe. Ab ging’s. Frühstücksbuffett für 3 (!) Euro, danach hieß es nur noch frieren, 6°C waren eindeutig zu kalt für den zusätzlich bereits jetzt scharfen Nord-West-Wind, der aus 6 Grad gefühlte Null Grad werden ließ…was tun, sprach Zeus?

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Noch 10 min bis zum Massenstart, ich wollte unbedingt zumindest zu Beginn in einer Gruppe fahren. Also mit Volldampf die 500 m zur Ferienwohnung, langes Trikot und Buff-Tuch drüberstülpen, Kram von einer in die andere Trikottasche stopfen, wieder raus hecheln und direkt in den vorbeiradelnden Pulk williger Marathonis einreihen, in dem ich mit Racing Ralf einen weiteren weitgereisten Fori traf, sein mir zumindest optisch bekannter Kumpel fuhr ebenfalls in der großen Startgruppe sowie einige bekannte Gesichter aus Bimbach und so.

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Es ging recht gemütlich los, ich dachte an meine „große“ Marathonerfahrung und ließ mich mittreiben, knapp unter 30 für bevorstehende 238 km sollten als Reisetempo genügen.

Die Landschaft? Super. Die Straßen? Na ja, von sehr gutem Asphalt wechselte es schnell zu einem körnerzehrenden „Rubbelzeug“, das wie Honig an den Reifen zerrte. Meine Beine merkten schnell, dass es heute wohl nicht mit 40 km/h in den wenigen ebenen Abschnitten zur Sache gehen würde. Ein Wechselspiel aus richtigen und längeren Anstiegen mit Wellen á la Heide (jedoch selten flacher als 8 % und nicht enden wollend) zeigte, was die nächsten 8 Stunden auf dem Zettel stand: nämlich genau das: Steigung 10 % -> Abfahrt -> zig Wellen -> Steigung 10 % -> Abfahrt. Also eine Traumstrecke, herrlich.

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Viele Ortschaften hier scheinen in der Zeit stehen geblieben zu sein. Ein wahrer Kulturschock der angenehmen Art ist es, hier zu radeln. Die Zeitreise begann so richtig, als eines der Highlights neben allen Highlights der Strecke begann: Der Trip in die Tschechische Republik. Über die verwaiste Grenze,

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an der man kaum noch erahnen kann, welche menschenunwürdigen Dinge hier jahrzehntelang passierten, führte es uns auf der 238er-Extraschleife durch Moldava nach Krupka, wo es den dort „Mückentürmchen“ genannten Graupener Pass zu überklettern galt. Von ca. einer Höhe ü.NN von 320 m geht es in knapp über 5 km Strecke auf fast 800 m ü.NN (inkl. dem Stich zum Aussichtsturm).

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Eine schöne Kraxelei: http://www.quaeldich.de/paesse/graupener-pass/

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Im Anstieg Krupka -> Horni Krupka

Nun folgte Welle auf Anstieg, Anstieg auf Abfahrt, bis zu nächsten Welle, einzig der starke Wind ist hier die Wiederholung der „Streckenbeschreibung“ wert. Wen es interessiert, der findet hier die gesamte Tour zum Nachfahren:
http://connect.garmin.com/activity/184918781

Endlich wieder mit dem Wind im Rücken ein bisschen Entspannung...?Pustekuchen, „So leicht machen wir es euch nicht“ lautet ein Zitat des Veranstalters und er hatte ja so recht…wann fährt Flachländer schon mal 46 (!!) km bergan mit insgesamt zwar „nur fast“ 700 Hm, diese aber in dem parabelförmigen Höhenprofil des Ganzen auf den letzten km gebündelt, denn die 6 Schluss-km der unendlichen Auffahrt, die mit sanften 2 % beginnt und mit stoischer Konstanz immer mehr anzieht, bieten allein über 300 Hm auf, was mir den Wind scheißegal werden ließ. Wer ist Wind?!?

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Ok, ein zweites Mal an der toten Grenze zum Kapitalismus (oder auch zum Kommunismus…, wie ihr wollt) und ein zweites Mal die lange tendenziell bergab führende Passage Rtg. Nordwesten, in der Wind mir die Freude (oder besser: die Möglichkeit) an Geschwindigkeiten jenseits der 50 km/h vermasselte, aber auch dies war ja nur eine Frage der Zeit.

Von der letzten Labung (an der es keine Cola mehr gab. Die war schon alle. Der einzige Kritikpunkt an dem perfekten Marathon. Hatte ich erwähnt, dass Nutella-Bananen-Brot gab? Geil!) noch 30 km wieder gegen den Wind, ein kurzer, knackiger Schlussanstieg zu Bier und Bratwurst.

Ein rundum perfekter Radtag endete bei strahlendem Sonnenschein. Glücklich, ausgepowert und irgendwie innerlich mit mir im Reinen, ob des Gefühls, viele Entscheidungen in letzter Zeit richtig getroffen zu haben, rollte ich zur FeWo, duschen und ab nach Hause. Von den Karpatenausläufern zum Karpatenbaby, das Leben kann so schön sein.

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Fotos gibt es viele, manche sind verwackelt, so ist das eben, wenn man um Schlaglöcher kurvt, die man mit einem Hinkelstein flicken könnte :-)
Hier zu den Bildern, bei einigen konnte ich grad noch erinnern, wo ich sie geschossen habe. Das habe ich dann artig druntergetippt:

https://picasaweb.google.com/1100109047 ... directlink

Danke dem Radteam Tharandter Wald für eine durchaus grenzüberschreitenden Erfahrung und heute dürft ihr mir die Frage ruhig stellen, ob ich nächstes Jahr wiederkomme. Zumindest sage ich nicht sofort „nein“, sondern lasse den Terminkalender 2013 auf uns zukommen.
Zuletzt geändert von dirksen1 am 06.06.2012, 16:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Racing Ralf » 04.06.2012, 23:27

Moin,

ich bin auch schon in Begleitung meiner Frau am Freitag Abend angereist, gleich zur Anmeldung, das spart am nächsten Morgen unheimlich viel Zeit. Bleibe ich doch auch lieber noch ein wenig liegen und frühstücke gemütlich.

Der Startort lag ziemlich versteckt, die Anfahrt ließ schon auf eine abenteuerliche Streckenführung hoffen, die Straßen kaum breiter als das Auto, viel Wald und viele Prozente. Später im Hotel noch schön zu Abend gegessen, die Sachen für morgen zusammen gepackt und früh zu Bett. Frühstück wollte man mir im Hotel so früh nicht bereiten, dafür gab es aber am Start die Möglichkeit sich für 3 Euro am gut gedeckten Buffet zu bedienen.

Start war pünktlich um 7:00 Uhr. Man, war das kaalt nur 6°C. Zum Glück hatte ich doch noch Jacke und Knielinge eingepackt. Es ging dann los, gemütlich wäre wohl nicht ganz der richtige Ausdruck, schon zügig 25 km bis zur ersten Kontrolle, recht wellig mit einigen kurzen, knackigen Anstiegen.

Jetzt ging es eigentlich stetig bergauf. Bis kurz hinter die Tschechische Grenze, hier scheint auch die Zivilisation aufzuhören. Es ging auf über 870 Meter, Temperatur nur noch 3 (drei)Grad, jetzt bergab. Mir wären ja fast die Finger abgefroren.

Aber nicht jede serpentinenreiche Abfahrt macht auch Spaß, nicht etwa wegen der Temperaturen, nein, die Straße war mit Splitt abgestreut, nicht nur ein bisschen, sondern großräumig. Das ist schlimmer als eine nasse Fahrbahn, nach ca. der Hälfte wurde es besser, allerdings waren dann auch die Serpentinen nur noch Kurven.

Kaum unten angekommen, konnte man nur kurz verschnaufen, es ging gleich wieder bergauf, nicht drei, vier Prozent, nein, nein, gleich richtig, 10, 12, 14 %, alles was das Herz begehrt. Oben, schon wieder über 800 m, war nur eine kleine Verpflegungsstelle eingerichtet, es ging gleich weiter bergab und schnell wieder in heimische Gefilde.

Nach der nächsten Kontrolle (mit Warmverpflegung) war es nicht mehr wellig, es ging die nächsten 45 km bergauf. Erst gemütlich mit 1,5 bis 4 % - hab ich eigentlich schon erwähnt, dass es zu alledem auch noch sehr windig war? - dann, wenn schon alle Kraft den Körper verlassen hat, 6, 8, 9 %. Eine Verpflegung kommt noch, dann wieder diese fiesen Wellen und die Schule war oben auf dem Berg, ausruhen kann man woanders.

Hat riesen Spaß gemacht, nach einer Rekom-Woche fühlten sich meine Beine echt gut an (das gab sich dann später), es war A....kalt und windig aber trocken. Orga und Verpflegung lassen keine Wünsche übrig. Bin sicherlich mal wieder mit dabei.

Ein paar Bilder gibt es hier: https://picasaweb.google.com/rawes202/E ... n2Juni2012

Gruß

Ralf
Man muß schon ein wenig Spaß daran haben sich zu quälen
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Beitragvon dirksen1 » 08.06.2012, 09:08

Bilder des Veranstalters sind online:

Auf der Strecke: https://www.dropbox.com/sh/yolajg54hwxk ... der%202012

Ankunft Graupener Pass (Mückentürmchen): https://www.dropbox.com/sh/yolajg54hwxk ... mchen%20CZ
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Re: ERZtaler Radmarathon '12, Tharandter Wald (Berichte+Bild

Beitragvon Janibal » 08.06.2012, 10:36

dirksen1 hat geschrieben:Von der letzten Labung (an der es keine Cola mehr gab. Die war schon alle. Der einzige Kritikpunkt an dem perfekten Marathon. Hatte ich erwähnt, dass Nutella-Bananen-Brot gab? Geil!) noch 30 km wieder gegen den Wind, ein kurzer, knackiger Schlussanstieg zu Bier und Bratwurst.
Aus "Ballast der Republik"

Die einen Saufen Coca Cola
Die anderen fressen Mauerstein

Beides ist nicht gesund, Coca Cola töted schmerzfreier und schneller... Ein Bescheidener Mittelweg wird gesucht. Vor der Findung kannst du uns ja noch von weiteren Touren schön berichten unter dem Motto: ich fah da wo ich noch nie wah.
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