1. Schweriner Seen Radrennen, Schwerin (Ber.,Bilder+Videos)

Deichfahrer
Danish Dynamite
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1. Schweriner Seen Radrennen, Schwerin (Ber.,Bilder+Videos)

Beitragvon Deichfahrer » 28.09.2015, 18:48

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Wie soll ich das erklären, dieses Radrennen in Schwerin? Erstmal musste ich meine Gedanken nach dem Rennen ordnen bzw. realisieren, was dort abgegangen ist. Diese Veranstaltung fand zum 1. Mal statt in Schwerin und da Helmut zeitlich verhindert war, besorgte er mir zwei kostenlose Startplätze. Dafür nochmals herzlichen Dank.

Mit Don Vito Campagnolo ging es Sonntag morgens nach Schwerin, Startort war am Schweriner Schloss, also optimale Bedingungen aus weiter Ferne die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Auf dem Platz Alter Garten wurde eine kleine Messe aufgebaut und dort konnten auch die Startunterlagen abgeholt werden.

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Da der Start erst um 10 Uhr angesetzt war, konnten wir noch in Ruhe Kaffee trinken. Diese Veranstaltung ist absolut nicht mit Hamburg oder Göttingen zu vergleichen, alles überschaubar und relaxt.

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Pünktlich ging es im Massenstart auf die Strecke, schätzungsweise 300 Teilnehmer gingen auf die 100 km Strecke, alternativ konnte auch 47 km Strecke gewählt werden. Hier im Forum wurde schon im Vorwege was von nur 82 statt 100 km Strecke erwähnt, somit ging ich mit der Einstellung "dann schauen wir mal" auf die Strecke. Allerdings ging es erstmal fast 8 km neutralisiert aus Schwerin raus. Ständig kam Gegenverkehr entgegen was manchmal zu Verbremsungen oder gefährliche Situationen geführt hat.

Nach 8 km wurde der Start frei gegeben und schnell stellte ich fest, die unruhige Fahrweise in der sehr großen Gruppe, Don Vito hatte ich immer im Blick. Nach 20 km änderte ich wegen der sehr unsicheren Fahrweise in der Gruppe meine Strategie, dies war mein Glück. Nach 31 km schwerer Sturz vor mir und so konnte ich schnell auf den Grünstreifen ausweichen, weiter ging es haarscharf an der Böschung entlang, sonst wäre ich einem liegenden Fahrer übers Bein gefahren. Neu sortiert ging es erstmal alleine weiter, am geschlossenen Bahnübergang holte ich die Spitzengruppe wieder ein. Leider nach 45 km wieder Sturz in der Gruppe, entnervt verließ ich die Gruppe und fuhr alleine weiter, dafür konnte ich die Landschaft genießen.

Von Don Vito keine Spur, wahrscheinlich war er in der Spitzengruppe, dachte ich. Zum Glück traf ich auf eine kleine Gruppe, diese harmonierte wesentlich besser, dafür fuhren wir zusammen zurück nach Schwerin zum Ziel. Leider kamen nur 82 km zusammen, was mich nicht zufrieden stellte, es fehlte einfach dieses besondere Etwas beim Radrennen.

Im Ziel traf ich wieder Don Vito, leider war er schon frisch geduscht und ich dachte erstmal, was los ist. Er zeigte mir seinen Arm und sagte mir was vom Sturz bei km 31. Da musste ich erstmal schlucken nach der Aussage von Don Vito, wobei es noch weitere Fahrer schlimmer erwischt hat. Insofern bin ich recht froh während der Fahrt eine andere Entscheidung getroffen zu haben und besonders wichtig, heil im Ziel angekommen zu sein.

Diese Veranstaltung in Schwerin ist absolut ausbaufähig und organisatorisch viel Luft nach oben. Mir persönlich fehlte an jeder Gefahrenstelle Hinweisschilder und Streckenverlauf gefiel mir nicht, da teilweise in engen Straßen mit Gegenverkehr zu rechnen war, dies führte oft zu Engpässe in der Gruppe oder gefährlichen Bremsungen. Leider wird hier in Deutschland dieser Vorgang nicht so richtig praktiziert wie in Dänemark. Die Strecke um den Schweriner See sollte beibehalten werden, dafür bitte mehr km.

Noch eine Anmerkung zum Rennverlauf, die Strecke komplett absperren oder kleine Blöcke auf die Strecke schicken, wie bei den RTFs. Ich hoffe, meine Anregungen finden beim Veranstalter Gehör. Trotzdem möchte ich dem Veranstalter Mut zusprechen die 2. Auflage in Schwerin zu organisieren und wenn es terminlich passt, bin ich wieder dabei.

Hier kommen von Don Vito Campagnolo

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Beitragvon Fran Ky » 29.09.2015, 10:57

Don Vito Campagnolo hat geschrieben:
Fran Ky hat geschrieben:Der Punkt der Feldertrennung ... erscheint mir als eine nicht zu unterschätzende Gefahrenstelle, ...
ist die Auslaufzone nach dem Ziel mit 60 m reichlich kurz.
Wobei die Gesamtzahl der Teilnehmer in etwa der eines einzigen (kleinen) Cyclassics-Startblocks entspricht - sehe ich persönlich insofern eher entspannt.

Und die Verkürzung ist zwar an sich schade, kommt mir aber eher entgegen, da ich die vergangenen Wochen ohnehin entweder krank war oder nur kurze Trainingseinheiten abgerissen habe.
Nach dem Bericht von Deichfahrer zu urteilen, hat es Don Vito Campagnolo leider genau in der oben beschriebenen Stelle erwischt.. Ich finde das wirklich doppelt sehr ärgerlich, zumal ich die Stelle als Gefahrenstelle dem Veranstalter vorher mitgeteilt habe.. Ich hatte leider Pech mit zwei Platten und nur einem Ersatzreifen, mein Rennen war nach 30 km am Ortsausgangsschild von Rampe mit Blick auf die Schweriner Seen zu Ende. Nächstes Jahr bin ich sicher wieder mit dabei, wenn einiges verbessert wird. Ich empfand den neutralisierten Start als zu langsam, das Feld war unruhig, es wurde ständig aufgefahren und wild gebremst, der Gegenverkehr war anstrengend, wobei sich die meisten PKW-Fahrer wirklich sehr gut verhalten und rechts gewartet haben, bis alle vorbei waren. Es gab eine Gruppe der langen Strecke, die wurde falsch auf die kurze Strecke geleitet und kam nach 37 km in Schwerin an, versuchte dann nochmal auf die Strecke zu kommen und hat es dann nach ca. 63 km aufgegeben.

Einen Besenwagen habe ich eine halbe Stunde lang nicht gesehen, mich hat dann freundlicherweise ein Fahrer von einem Teamfahrzeug mit zurück nach Schwerin genommen. Nochmals vielen Dank an den netten Kollegen!

Ich denke auch, dass einiges verbesserungswürdig ist. Ich würde jedoch nächstes Jahr wieder mitfahren, in der Hoffnung, dass die Strecke länger ist und die Reifen durchhalten.
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Beitragvon Don Vito Campagnolo » 29.09.2015, 14:33

Fran Ky hat geschrieben:Nach dem Bericht von Deichfahrer zu urteilen, hat es Don Vito Campagnolo leider genau in der oben beschriebenen Stelle erwischt...
Nein, der Sturz war ein paar Hundert Meter vor der Feldertrennung.

Langversion folgt, kann nur zzt. nicht gut und schon gar nicht lang genug vorm PC sitzen.

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Kleine Asphalt-Flechte innen am rechten Ellenbogen.
Zuletzt geändert von Don Vito Campagnolo am 30.09.2015, 11:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Bericht von der 1. Schweriner Seenrunde

Beitragvon Don Vito Campagnolo » 29.09.2015, 20:08

Frisch und dunkel war es Zuhause beim Start in den nahen Osten und einen traumhaften Sonnenaufgang gab es später auf der A24 zu bewundern. Die Fahrt via Elmenhorst (Aufsammeln vom Deichfahrer) weiter nach Schwerin ging flott und die Straßen waren in etwa so menschenleer wie beim „last man on earth“.

Wie Hauke schon schrieb, war der Ort des Geschehens von Start/Ziel und Eventbereich direkt am Schweriner Schloss – imho also so ziemlich die beste Adresse. Flott und freundlich bekamen wir als „Pressevertreter“ auch unsere VIP-Startunterlagen. Da dies nur eine pure Teilnahme (Startplatz, Nummer, Transponder) war, kann ich zum Inhalt des Starterbeutels nicht aus 1. Hand berichten. Beim Warten vor dem Toilettenwagen habe ich aber zwei ein wenig enttäuschte Stimmen hierzu vernommen – woran es nach deren Empfinden aber eventuell haperte, kann ich nicht sagen.

Apropos Toilettenwagen: Blitzsauber war der und bot auch deutlich mehr Ellenbogenfreiheit als die sonst üblichen Dixi-Häuschen, von der Kapazität her war er aber doch spürbar unterdimensioniert – ein weiterer Wagen hätte nicht geschadet.

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Die Startaufstellung war etwas ungewöhnlich: Anhand der Nummer vermochte ich nicht zu erkennen, wer welche Strecke fährt und es waren auch keine festen Startblöcke auf dem Platz für den Start der langen Runde (10 Uhr) und der kurzen Runde (10:10 Uhr) vorhanden. Nur per Lautsprecherdurchsage wurde das Prozedere verkündet und augenscheinlich klappte das dann auch reibungslos – insofern geht es also bei einer eher überschaubaren Teilnehmeranzahl auch ohne großen Aufriss.

Im Massenstart ging es zunächst etwa 8 km lang neutralisiert aus Schwerin heraus auf die Strecke – meiner Meinung nach eine ganz gute Entscheidung, denn so wurde die Gefahren durch Straßenbahnschienen, Verkehrsinseln und Baustellen/Fahrbahnverengungen wirkungsvoll entschärft. Einzig das Tempo hätte hierbei gern schneller sein sollen, denn das Feld war sehr unruhig, einige wuselten sich am linken Rand schon nach vorn, um „Positionen gut zu machen“, was noch mehr Unruhe und erste Bremsmanöver inklusive Ziehharmonikaeffekt ins Feld brachte.

Diese Unruhe wurde auch nach dem „scharfen Start“ nicht viel besser, zumal es teilweise über wirklich sehr enge Straßen ging, bei denen ich persönlich schon Bedenken hätte, ein RTF-Feld fahren zu lassen. Die Vorausfahrzeuge sorgten zwar an sich für freie Fahrt, aber jedes angehaltene Fahrzeug des Gegenverkehrs brachte wieder Wellen und Bremsmanöver ins Feld.

Nach etwa 31 km, kurz vor der Feldertrennung passierte es dann: Ich war noch vorn in der ersten Gruppe und plötzlich kam von vorn Quietschen und Schreien – also musste ich selbst in die Eisen greifen, aber brachte schon nichts mehr: Vor mir waren die ersten Fahrer gestürzt und selbst schlug ich auch schon hart mit Kopf und Steiß auf dem Boden auf, es folgten noch 2, 3 oder mehr Einschläge nachfolgend stürzender Fahrer, dann war erst mal Ruhe.

Einen derart schweren Sturz hatte ich in 26 Jahren noch nie am eigenen Leib erlebt: Die Onboard-Diagnose meldete mir dann, dass Beine, Arme und Kopf sich zwar bewegen ließen, aber zum Aufstehen war ich eine guten Minute lang nicht in der Lage - die Einschlagsschmerzen echt heftig und die musste ich erst mal ein klein wenig abklingen lassen.

Neben mir lag ein Fahrer mit seinem Kopf in der eigenen Blutlache und regte sich kein bisschen – nicht schön anzusehen und regungslos wie ich noch da lag, konnte ich auch nicht helfen. Kurz darauf kamen allerdings die ersten offiziellen Begleiter per Motorrad und Quad und boten Hilfe an. Während ich mich selbst langsam aufrappelte, verwies ich den Helfer auf den Nebenmann und dass dieser die Hilfe viel nötiger hätte als ich. Und nachdem ich mich an den Straßenrand gesetzt hatte, waren auch von dem heftig auf seine Schläfe gefallenen Fahrer die ersten Lebenszeichen zu hören – offenbar hatte der arme Kerl noch weitaus heftigere Schmerzen als alle anderen zusammen, die ringsherum noch ihre Knochen sortierten. Etwas irritieren fand ich nun, dass kein Ersthelfer/Sanitäter als Feldbegleiter dabei war und es relativ lange dauerte, bis ein Rettungswagen zur Stelle war.

Nach einigen Minuten des Berappelns sah ich nach meinem Rad, das andere Fahrer schon zum Fahrbahnrand gestellt hatten: Ich wäre überhaupt nicht verwundert gewesen, hätte ich nur noch einen Trümmerhaufen vorgefunden. Aber das Rad stand praktisch unversehrt da: Kleine Klarlackabplatzer an den Bremshebeln, etwas Kettenschmiere am Lenkerband und die Kette war vorn halb abgefallen, halb zwischen Umwerfer und Kettenblatt eingeklemmt. Dadurch war nach dem Wiederauflegen der Umwerfer minimalst verstellt – das war`s dann aber auch schon.

Auf die Frage nach einem direkten Weg zurück nach Schwerin, bekam ich von einem Helfer die Auskunft, dass wir kurz vor der Feldertrennung seien und ich nur ~8 km direkt geradeaus fahren brauche, um zurück zu Start/Ziel zu kommen.

So rappelte ich mich auf und rollte weiter. An der Feldertrennung stand zwar ein Posten, aber ein deutliches Schild habe ich dort nicht wahrnehmen können. Das kann zwar auch an meiner nun vielleicht nicht mehr ganz klaren Wahrnehmung gelegen haben, aber einige Langstreckler haben hier auch den scharfen Rechtsknick verpasst und sich zunächst fälschlich auf die Kurzstrecke geraten. An diesem Punkt scheint also für die kommenden Jahre ein bisschen Nachbesserungsbedarf zu bestehen.

Nach nicht einmal 70 Minuten war ich dann also zurück in Schwerin. Nach Transponderabgabe und dem Verstauen des Rades nutze ich die zeitige Ankunft, um den neben den Toiletten aufgestellten Duschwagen auszuprobieren: Da ich zusammen mit den ersten Kurzstrecklern im Ziel war, herrschte hier noch kein Andrang und so hatte ich freie Wahl der noch unbenutzten Kabinen und freute mich sehr über das herrlich heiße Wasser.

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Nach dieser Erfrischung gab es dann zur Grillwurst das alkoholfreie Ziel-Bier und auf den Zieleinlauf der ersten Langstreckler brauchte ich auch nicht mehr lange warten.

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Gar nicht weit hinter der Spitzengruppe kam auch Deichfahrer Hauke ins Ziel – er hatte also das Glück des Tüchtigen und konnte alle Klippen umschiffen.

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Auf dem Heimweg tauschten wir uns dann noch über unsere Erlebnisse und die Veranstaltung selbst aus. Für eine Erstauflage gewiss nicht schlecht, aber in einigen Punkten ist organisatorisch noch ein bisschen was nachzubessern. So sorgt der Mix aus nicht wirklich abgesperrter, aber durch Vorausfahrzeuge „freigeräumter“ Strecke für eine eher trügerische Sicherheit, die letztlich zu Situationen wie dem von mir erlebten Massensturz führen kann. Hier sollte das Konzept noch mal reflektiert und ggf. überarbeitet werden.

Nach einer unruhigen Nacht und Fotoaufnahmen beim Röntgen und MRT habe ich nun immerhin Gewissheit, dass alle Knochen heil sind und ich eigentlich nur darauf warten muss, dass die rot-grün-blau-violett-schwarzen Körperteile wieder Normalfarbe annehmen und das Schmerzen sein lassen. Bis dahin muss ich aber wohl noch einige Zeit den Schmerzmittelpegel „voll bis unter die Hutschnur“ beibehalten und geduldig sein.

Letztlich also nix Schlimmes passiert, so dass mich nun am meisten ärgert, dass ich voraussichtlich die erste Hälfte der Cross-Saison komplett abschreiben muss. Insofern war der vergangenen Sonntag also ein missglückter Abschluss der diesjährigen Straßensaison – shit happens.
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 30.09.2015, 07:00

Über eine gelungene Premiere mit ein, zwei kleinen Macken und dass die Sportstadt Schwerin um eine Attraktion reicher ist, freut sich die SVZ. Siehe

http://www.svz.de/sport/lokaler-sport/l ... 18771.html

Hier kommen von Don Vito Campagnolo

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@ Don Vito: Gute Besserung! Bis Sonntag, auch wenn wir da evtl. beide nur zuschauen werden.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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schöne Veranstaltung, mit viel Potential

Beitragvon sulzephi » 30.09.2015, 20:52

Guten Tag,

hier kommt nun mein kleiner Review von der 1. Schweriner Seenrunde.

Vorab die Anmeldung klappte hervorragend. Die Internetseite mit GPS-Strecke und Startliste ließ auf ein schönes Radrennen schließen. Am 27.09 fuhren wir von Berlin morgens gen Schwerin. Dort angekommen, bewunderten wir die Lage von Start und Ziel und die kleine Ausstellung. Auf den ersten Blick war alles den 50 Euro Startgeld angemessen.

Nun also noch flott zur Anmeldung. Dort schön nach Nachnamen geordnete Tische um den Andrang zu bewältigen. Vor mir in der Schlange gab es dann immer wieder Aufregung, weil die Transponderanzahl nicht ausreichend war. Herr Herzog erklärte mir im Nachhinein, dass Sie bei Leuten, welche nicht bis letzten Sonntag überwiesen hätten, keine Transponder verteilen würden. Einerseits fair, andererseits hatte man eine Woche Zeit, sich um eine höhere Transponderzahl zu kümmern, aber so kam es, dass die Leute mit „Wir haben eine Zielkamera und Sie werden im Nachhinein eingefügt“ abgespeist wurden. Jeder, der auch nur ansatzweise Nachdenken kann, wird wissen, dass es bei keinem Zeitnehmer der Welt jemanden geben wird, der von sich aus Transponderdaten mit der Videokamera zu überprüfen und die fehlenden Leute manuell nachtragen wird.

Punkt 2 ist, dass Nachmeldungen ab 9:10 Uhr nicht mehr möglich waren, obwohl eine Nachmeldung bis 9:30 ausgeschrieben war. Natürlich gab es für Nachmelder keine Transponder und auch keinen Startbeutel. Mir erschließt sich also der Grund nicht, dass nun sogar nochmal 5 Euro Nachmeldegebühr verlangt wurden. Ich kann es nur aus Gerüchten berichten, aber angeblich sollen wohl auch die Startnummern ausgegangen sein für die Nachmelder. Zudem wurde dann vor dem offiziellen Nachmeldeschluss Leute wieder weggeschickt. Ich bekam keinen Transponder ausgehändigt – besitze ja auch einen eigenen – aber wurde mit der gleichen Ausrede wie alle anderen abgefertigt, dass die Zielankunft manuell eingegeben wird.

Die Startaufstellung verlief recht reibungslos und der Start verlief pünktlich. Aber auch hier fehlte die Ankündigung der Streckenkürzung, genauso wie bei der Startnummernausgabe. Also ging das an 107 km Fahren glaubende Feld pünktlich auf die Strecke. Zuerst 8 km neutralisiert bei einem langsamen Tempo, welches zu mehr Unruhe und gefährlichen Situationen führte, als es notwendig war. In Schwerin werden neutrale Kilometer übrigens in die Fahrstrecke inkludiert – habe ich so auch noch nicht wirklich erlebt und auch bei den Profis wird ab dem richtigen Start gemessen. Der scharfe Start ließ uns gleich auf eine kleine Straße links abbiegen und führte gleich zu unnötigen Stress, da das Feld durch die langsame Neutralisation sehr kompakt dort einbog.

Am Anfang fuhren wir vermehrt über kleine Straßen, welche zudem sehr rau und uneben waren. In mancher Abfahrt auf den engen Sträßchen konnte man viele überforderte Jedermänner beobachten, welche immer wieder scharf abbremsten. Die ersten 15 km waren nicht für die Menge an Startern ausgelegt und ein Vorarbeiten war fast aussichtslos. Nach der ersten Windkante war das Feld nun schon dezimiert. Highlight war der geschlossene Bahnübergang für zwei durchfahrende Züge. Ein Motorradfahrer kündigte aber an, dass Sie hochgerechnet haben, dass es der letzte geschlossene Bahnübergang war – hatten Sie uns im Ernst kalkuliert in den geschlossenen Bahnübergang geschickt, anstatt 5 Minuten später zu starten oder die Neutralisierung schneller verlaufen zu lassen?

Kurz nach dem Warten bildete sich die Gruppe des Tages. Ich war dabei und wir konnten uns gut absetzen. Auf der Flucht waren Zeitabstände oder Kommunikationsversuche mit den Begleitfahrzeugen unmöglich. Apropos, dieses fuhr manchmal Meter voraus, ohne dass wir den Streckenverlauf weiter wussten, um dann unvermittelt kurz hinter 90 Grad Kurven stehen zu bleiben – natürlich konnte man diese nicht so gut einsehen – und der Fahrer plauschte mit der Polizei. Danke für drei Fast-Kollisionen bei Tempo 40! Die Quadfahrer waren auch nicht besser und fuhren oft unvermittelt, viel zu dicht und schnell an uns vorbei.

Wir harmonierten sehr gut und fuhren bei km 70 (exkl. Neutralisation) nach Schwerin ein. Ich dachte, dass wir wohl noch eine Runde woanders fahren würden, sah mich allerdings nach 73 km mit dem 1.000 Meter-Schild konfrontiert. Natürlich ohne vorher auch nur einen Meter „rausgenommen“ zu haben.

Die Zielankunft vor dem Schloss war aus Zuschauersicht wunderbar, allerdings hätte man ruhig vor der langgezogenen Zielkurve ankommen können, weil diese durch leichte Bodenwellen drei von vier Hinterräder abheben ließ. Die Auslaufzone war dafür natürlich wieder recht kurz, ehe es auf Kopfsteinpflaster ging.

Die Zielverpflegung war unteres RTF Niveau. Wasser und Äpfelstückchen mit Kernen sind doch bei 50 Euro Startgeld etwas unangemessen. Die Messe bot zudem kaum ansprechende Verpflegungsstände – ja ein Burger vor Fett triefend ist nicht so optimal nach einem Rennen. Zudem fand ich die Toiletten etwas unterdimensioniert für die Teilnehmerzahl.

Auf der Ergebnisliste kam dann die Überraschung für die Leute ohne Transponder. Natürlich wurden diese nicht inkludiert und man wurde dann mit „wir können nicht jeden nachtragen“ vertröstet. Warum fahre ich dann ein Rennen? Keine Zeit, keine Platzierung und für die normalen Jedermänner im hinteren Teil, wurde auf Streckensperrung verzichtet und sie durften für 55 € RTF fahren, welche von der Länge her falsch ausgeschrieben war.

Auch wenn mein Beitrag sehr negativ klingt, gab es natürlich auch positive Seiten. Wenn die Veranstalter nun an sich arbeitet, dann ist dieses Rennen ansich einen Besuch wert, aber für 50 € Startgeld war es sicher für viele Starter ohne Transponder eine Enttäuschung. Die Kulisse bietet hervorragendes Potential, allerdings waren die Veranstalter mit der hervorgerufenen Resonanz sichtlich überfordert.

Nochmals zur Streckenkürzung. Eine Ankündigung bei der Nummernausgabe hätte vollkommen gereicht. Auch bei der kleineres 47 km Runde gab es viele enttäuschte Gesichter, als das Ziel nach 36 km inkl. 8 km Neutralisierung erreicht wurden. Das macht ungefähr die Hälfte an Renndistanz, welche den Teilnehmern fehlte.

Ich hoffe sehr, dass die Veranstaltung verbessert wird und nächstes Jahr ausgerichtet wird. Die Ausrichtung hat eine schöne Stadt à la Schwerin allemal verdient.

Grüße
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Beitragvon Reisender » 01.10.2015, 20:44

Einen Bekannten hatte es bei diesem Sturz Km30 auch erwischt, er ist relativ glimpflich davon gekommen.

Nächstes Mal werde ich auch nicht dabei sein, aber beim 3. könnte ich mich schon einschreiben. 8)
Aber eben auch nicht für knapp 80 Km. :HaHa:
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Don Vito Campagnolo
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Beitragvon Don Vito Campagnolo » 03.10.2015, 13:23

Hier gibt es noch ein paar bewegte Bilder zu sehen:

https://youtu.be/ImB2up_aaFo

https://youtu.be/0jUhZIQfKlY
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Beitragvon Deichfahrer » 03.10.2015, 18:55

@ Don Vito,

gute Besserung auch von mir nochmals und komm schnell wieder auf die Beine.

:sieg:
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Beitragvon Don Vito Campagnolo » 04.10.2015, 10:42

Vielen Dank an alle hier und an anderer Stelle für die Genesungswünsche.

"Auf den Beinen" ist gar nicht mal so sehr das Problem, "auf dem Popo" ist nach wie vor recht schwierig ... aber Unkraut vergeht nicht. ;)

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