Promillegrenze für das Radfahren senken?

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Helmut
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Promillegrenze für das Radfahren senken?

Beitragvon Helmut » 28.01.2015, 06:39

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Mehrere Verkehrsklubs fordern die Einführung einer 1,1-Promillegrenze (z. Z. 1,6) für Radfahrer. Der Deutsche Anwaltverein (DAV) lehnt dies ab, weil wer alkoholisiert Fahrrad fährt, gefährdet in aller Regel nur sich selbst.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/alko ... 14548.html

Zur Erläuterung: Hier geht es nicht um eine Empfehlung (wer Rad fährt, fährt am besten vollständig nüchtern), sondern um den Grenzwert, ab dem alkoholisiertes Radfahren vom Staat (und den Versicherungen) bestraft wird.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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VeloC
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Beitragvon VeloC » 29.01.2015, 22:16

Gerade lief hier im Radio die WDR 2 Arena, eine Sendung, in der die Hörer telefonisch, per Mail oder via FB zu Wort kommen und mit eingeladenen Fachleuten diskutieren können. Heute zum Thema Blau auf zwei Rädern.

Interessant, dachte ich und drehte die Lautstärke hoch. Aber nicht für lange. Da sprühte der Geifer, überschlugen sich die Stimmen vor unglaublich rechtschaffener Empörung. Das zutiefst verständnisvolle Eingehen der "Experten" auf dieses Gekeife haben meinem Magen dann den Rest gegeben. Lautstärke schnell wieder auf diffuses Hintergrundrauschen runtergedreht und es dadurch erfolgreich geschafft, mein Abendessen bei mir zu behalten.

Wohlgemerkt, eine solche Eskalation ist absolut untypisch für diese Sendung, und für WDR 2 im allgemeinen. Beim Thema Radfahrer mutieren offenbar ganze Horden braver Bürger zu Amokläufern. Es macht mir inzwischen regelrecht Angst, mir mit diesen Exemplaren täglich den Verkehrsraum teilen zu müssen. Zu den psychologischen Hintergründen findet sich einiges in diesem Artikel ein Stück weiter unten. Stichwort Eigen- und Fremdgruppe, in-group und out-group.

Was mich an der Diskussion über die Promillegrenze so stört ist, dass die mal wieder losgetreten wurde von Autolobbyisten, die eben diese Zusammenhänge sehr gut kennen, und die ganz gezielt an die überkochenden Emotionen ihrer (potentiellen) Mitglieder appellieren. Es wird systematisch der Eindruck erweckt, die Welt sei voller sturzbetrunkener Radfahrer, die ja nüchtern schon glauben, sich alles herausnehmen zu können und mit heller Freude den anständigen autofahrenden Wohlstandsbürger terrorisieren.

An einer sachlichen lösungsorientierten Diskussion scheint keinerlei Interesse zu bestehen. Dabei sind sich doch eigentlich alle einig, dass man in halb besinnungslosem Zustand überhaupt nichts im Straßenverkehr zu suchen hat. Nicht im Auto, nicht auf dem Rad und auch nicht zu Fuß. Aber um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer geht es ja gerade nicht. Die wird nur als Feigenblatt für reichlich perverse Stimmungsmache benutzt. Widerlich!
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Beitragvon Knud » 29.01.2015, 22:50

Ich habe beim ersten Lesen auch gedacht, was soll das, wo kommt das her? Natürlich spricht sachlich nichts gegen die neue Promille-Grenze. Mit mehr als einem Promille sollte man nicht mehr fahren, außer als Fahrgast im ÖPNV. Aber haben wir nichts Wichtigeres zu tun?

Klar wird mit solchen Aktionen auch davon abgelenkt, dass die Mehrzahl der tödlich verunglückten Radfahrer durch Fehler von Autofahrern umkommen, dass wir oft ziemlich schlechte Radwege haben usw.

Neue Gesetze machen ist einfach und vergleichsweise billig. Etwas bewirken kann man aber nur auch, wenn die Einhaltung kontroliert wird. Aber weder werden Radfahrer ohne Licht gestoppt, noch Radwegparker abgeschleppt...

Vielleicht mußten hier auch nur ein paar Lobbyisten beweisen, dass Sie ihr Gehalt zu Recht beziehen.

Knud
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Beitragvon VeloC » 30.01.2015, 18:03

Knud hat geschrieben:Aber haben wir nichts Wichtigeres zu tun?
Naja, zum Glück beschäftigt sich der Deutsche Verkehrsgerichtstag zusätzlich auch mit tatsächlich wichtigen Dingen, wie der Benutzung von Smartphones am Steuer. Dafür klauen sie dann allerdings dein Argument: Wozu schärfere Gesetze, wenn man deren Einhaltung gar nicht kontrollieren kann? Statt dessen fordern sie mehr Aufklärung.

Beim Alkohol am Lenker sieht das natürlich ganz anders aus. Ist ja auch viel gefährlicher als im Auto bei voller Fahrt auf dem Smartphone rumzutippen! :mad:

Weil's so schön reinpasst: quasarmins Posting aus dem Nachbarfaden
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Beitragvon VeloC » 30.01.2015, 21:55

Die Fachleute haben fertig diskutiert, und nun kehrt hoffentlich wieder Ruhe ein:

Neue "Promillegrenze" für Radfahrer: Verkehrsgerichtstag schließt sich ADFC-Vorschlag an
axiom 1
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nüchtern kaum zu ertragen

Beitragvon axiom 1 » 30.01.2015, 22:08

Ich bin ja eher dafür die Promillegrenze drastisch hochzusetzen, um den realen Bedingungen gerecht zu werden. So wie sich die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer verhält, muss man permanent auf robuste Trunkenheit tippen. Ich hab mich dem mittlerweile angepasst, um es besser mit der Mehrheit aufzunehmen zu können bzw. besser im Verkehrsfluss mithalten zu können und letztlich sogar viel mehr Spaß als früher an dem bunten und aggressiven Treiben zu haben.

Weiter habe ich den Eindruck, dass die Minderheit im Straßenverkehr, nämlich die nüchternen Idioten, gar nichts mehr auf die Reihe bekommen und den Anschluss an den Mainstream schlichtweg verpassen. Mit der Weigerung im Verkehr mit mehr als 0,0 Promille anzutreten, gelten diese Personen mittlerweile gar als Verkehrsbehinderung und Gefahr für die Mehrheit auf der Straße!

In Sachen passiver Sicherheit bietet ein gewisse Trunkenheit sogar Vorteile, denn die Fähigkeit eines Radlers bei einem Sturz geschmeidig abzurollen, steigt linear mit dem Blutalkoholgehalt.

Eine erfreuliche Initiative zur weiteren Alkoholisierung des Verkehrs finde ich die CM-HH, wo Radfahrer jeden Alters an das mittlere Promille-Levels des gemeinen Autofahrers herangeführt werden. Von solchen Verbesserungen kann es nicht genug geben.

Deshalb wünsche ich mir, dass die Betreiber der Radrennbahn endlich ihre bornierte Haltung aufgeben und einen vernünftigen Kiosk mit Bahnhofssortiment einrichten, damit auch jüngere Radsportler und Unwissende das verkehrsgerechte Pegeltrinken in ernüchternd friedlicher Umgebung lernen können.

Mittlerweile habe ich alle 2- und 4-rädrigen Fahrzeuge mit Kühleinheiten ausgerüstet, damit es unterwegs nicht zu peinlichen Logistikproblemen kommt.
In dem Sinne: Prost! prrosit
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Beitragvon Helmut » 31.01.2015, 02:02

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Dass eine niedrigere Promillegrenze für Radfahrer überfällig sei, findet Andrea Reidl, die bei der Zeit das Blog "Velophil" betreibt.

http://blog.zeit.de/fahrrad/author/areidl/
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Beitragvon Helmut » 31.01.2015, 03:07

Jörg Elsner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hat geschrieben:Wer alkoholisiert Auto führt, gefährdet massiv Leib und Leben Dritter. Wer alkoholisiert Fahrrad fährt, gefährdet in aller Regel nur sich selbst.
So gesehen sollten wir auch über eine Promillegrenze für Fussgänger und im Haushalt nachdenken. Treppen können nach meiner Erfahrung gefährlicher sein als Fahrräder.

Der Konsum von Alkohol ist ohnehin schädlich. An Langzeit-Alkoholkonsum sterben weit mehr Menschen, als Radfahrer durch ein Fahrt im Suff. Warum also sollen wir nur die Radfahrer vor sich selbst schützen?
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 31.01.2015, 08:20

Helmut hat geschrieben: Warum also sollen wir nur die Radfahrer vor sich selbst schützen?
Es geht wohl eher darum, die restlichen Verkehrsteilnehmer vor alkoholisierten anderen Teilnehmern am Straßenverkehr zu schützen. Wenn wir Radfahrer auf der einen Seite in Anspruch nehmen, mit dem Fahrrad als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer wahrgenommen zu werden müssen wir uns andererseits auch an gleich(artige) Spielregeln halten. Dazu gehört auch, nicht volltrunken auf öffentlichen Straßen unterwegs zu sein.

0,5 Promille genau wie für alle anderen :!:
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Beitragvon Indorain » 31.01.2015, 13:40

Ein vernünftiger Radfahrer fährt grundsätzlich nicht alkoholisiert, schlaftrunken oder nachts ohne Licht... und die anderen wird man auch durch Gesetze nicht davon überzeugen können - So gesehen bringt diese Diskussion wenig.
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Beitragvon Jacfm » 01.02.2015, 08:33

Indorain hat geschrieben:Ein vernünftiger Radfahrer fährt grundsätzlich nicht alkoholisiert, schlaftrunken oder nachts ohne Licht... und die anderen wird man auch durch Gesetze nicht davon überzeugen können - So gesehen bringt diese Diskussion wenig.
Kurz und knapp auf den Punkt gebracht :GrosseZustimmung:

oder auch diejenigen, die das Fahrrad als gleichberechtigtes und alternatives Verkehrsmittel zum Auto benutzen, werden eh schon alles Nötige tun, um verkehrssicher zu fahren, im Gegensatz zum Rest, der es nur als bequemes und schnelleres Fortbewegungsmittel wie zu Fuß gehen benutzt.
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Beitragvon Aero 9-3 » 02.02.2015, 11:54

Ein vernünftiger Radfahrer fährt grundsätzlich nicht alkoholisiert, schlaftrunken oder nachts ohne Licht... und die anderen wird man auch durch Gesetze nicht davon überzeugen können - So gesehen bringt diese Diskussion wenig

Besser geht´s nicht! :Wow:
Die Energie FÜR Radfahrer sollte lieber für mehr Radwegepflege eingesetzt werden! ;)
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Beitragvon Ronny » 03.02.2015, 12:40

Um ehrlich zu sein, wäre es mir egal, bin sogar dafür. Betrunken fahren geht gar nicht, egal ob im Auto oder auf dem Fahrrad.
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Beitragvon Helmut » 04.02.2015, 02:25

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Der Verkehrsgerichtstag hat sich positioniert, für eine Absenkung der Promillegrenze für Radfahrer. Auch der ADFC ist dafür, aber Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht keine Notwendigkeit für eine neue Regelung.

Gefordert wird auch Tempo 80 auf Landstraßen für PKW (z. Z. 100) und LKW (z. Z. 60), um die Anzahl tödlicher Unfälle zu reduzieren.

http://www.augsburger-allgemeine.de/pol ... 28902.html
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Beitragvon Helmut » 01.05.2015, 13:39

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Zu Wort meldet sich auch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfall-Chirurgie e.V. (DGOU).

http://www.radsport-aktiv.de/freizeit/f ... _92695.htm
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