Dein Ride – Den Profis einen Schritt voraus, trotz CV19

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Besenwagenflüchtling
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Dein Ride – Den Profis einen Schritt voraus, trotz CV19

Beitragvon Besenwagenflüchtling » 14.10.2020, 13:03

Dein Ride – Den Profis einen Schritt voraus, trotz CV19

Bevor nächstes Jahr die Weltelite bei der Deutschland Tour die Strecke von Stralsund nach Nürnberg bestreitet, durfte ein limitiertes Feld an Hobbysportlern die Strecke vergangene Woche abfahren. Und wir waren dabei.

Wir? Wir sind ein kleines Team von fünf Freunden aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands: Sachsen, Bayern, Hamburg, Brandenburg und Niedersachsen. Wir sind treue Anhänger von HFS – daher dürfen wir unseren Erfahrungsbericht auch hier kurz schreiben. Auch sind wir während des rides von einem euch bekannten Trikothersteller ausgestattet worden, der auch das Trikot für HFS herstellt. Und der besondere Dank gilt an Gazprom, die uns einen der Startplätze für die Woche zur Verfügung gestellt haben.

Dein Ride – was sollte uns erwarten?
Ein exklusives Erlebnis, welches dem Radsportfan so zuvor noch nie geboten wurden.
4 Tage. 4 Etappen. Pro Etappe zwischen 150 Kilometer bis 200 Km, teils „bretterleben“ teils schon eher anspruchsvoll, zumindest das reine Höhenprofil ohne die klimatischen Bedingungen ins Kalkül zu ziehen. Wozu auch, es ist Sommer in Deutschland – aber dazu später mehr. Das Ganze auf den original-Strecken. Also auf „normalen“ Straßen. Aber: Keine Zeitmessung. Keine Wertung. Denn es sind besondere Zeiten – und die verlangen Hygienekonzepte für alles. Und das finden wir auch richtig. Das oberste Ziel für uns war eh ohnehin der gemeinsamer Spaß. Aber um es den wenigen Teilnehmern noch etwas mehr zu versüßen, boten die Veranstalter obendrauf eine exklusive Betreuung auf Profi-Niveau an. Nicht nur das jede Etappe in kleine Gruppen eingeteilt wurden und von erfahrenen Guides wie Fabian Wegmann, Jens Voigt oder Marcel Kittel angeführt wurden, sondern hatte auch jedes Feld ein eigenes Begleitfahrzeug und einen Materialwagen. Wir dachten, was soll da schon schiefgehen? Nach gut der Hälfte jeder Etappe war eine Verpflegungspause geplant, in der die Speicher wieder gefüllt werden konnten. Unter anderem wurde den Radlern die notwendige Energie für ihren Ride in Form von einem echt guten Kaffee (gesponsert von Gazprom) angeboten.

Auf nach Stralsund.
Gastgeber zum Auftakt von Dein Ride war eine von Deutschlands beliebtesten Urlaubsregionen – Mecklenburg-Vorpommern. Von der Hansestadt Stralsund führte der Weg entlang der Ostseeküste in die Hansestadt Rostock zur Verpflegungsstelle. Der zweite Etappenteil führte von Rostock in die Landeshauptstadt Schwerin. Das Höhenprofil lag oft nur auf Meeresniveau. Schmale Straßen und eine offene Landschaft boten dem Ostseewind viel Platz, was das Erlebnis des Radfahrens gegen starkem Meereswind komplementierte. Die ideale Etappe für ein Pläuschen, denn der Schnitt war ja festgelegt. Das wollte sich unsere Agnes nicht entgehen lassen. Am Abend konnten wir uns nicht an die Kilometer erinnern, aber die Beine konnten reden. Was viel schlimmer war, war der trockene Mund. Denn nicht nur wir dachten uns es wäre eine gute Etappe die Menschen näher kennen zu lernen – auch alle anderen dachten sich das. Also wurde vom ersten bis zum letzten Kilometer fleißig geplaudert und sich vorgestellt. Da war der Vater mit dem Sohn, die endlich gemeinsam mal etwas machen wollten. Die zwei waren unsere ersten Gesprächspartner – und der Einstig war ihr Trikot mit der Aufschrift „Look Mum no Hands.“ Ein genialer Auftakt, entspannt und nicht anstrengend. Schönes Wetter – keine Wünsche blieben offen.
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Transfer in die Mitte
Der zweite Tag sollte etwas anstrengender werden: In Mitteldeutschland konnten wir Teilnehmer bereits am Vormittag unsere Kletterbeine nutzen. Von Sangerhausen ging es über den Kyffhäuser Richtung Süden nach Weimar. Der Ort der Verpflegungsstelle brachte uns in ein Zentrum des kulturellen Erbes Deutschlands. Von dort sorgte ein ständiges Auf und Ab bis zum Etappenziel für ein anspruchsvolles, aber sehr abwechslungsreiches Rennrad-Erlebnis. Wobei die größte Herausforderung nicht die Höhenmeter, sondern die Hitze mit bis zu 37 Grad darstellte.
Da war es am Anfang noch einfach und gemütlich. Klar, jeder hatte sich den Wetterbericht angesehen. Aber irgendwie dachte keiner, dass es dadurch echt hart werden würde. Und es wurde hart. Das Ende der ersten Hälfte bis nach Weimar erlebten einige Teilnehmer nur mit einem Sonnenstich. Unerbittlich brannte der Planet – und die Gedanken waren bei allen Teilnehmer/innen immer wieder die selben. Trinken. Durchhalten. Das schaffe ich. Das muss. Egal wie. Die Rettungssanitäter und der Besenwagen waren an diesem Tag genauso gerne gesehen, wie das Begleitfahrzeug mit den unzähligen Wasserflaschen. Keiner wußte mehr wie viele Liter er / sie bis zur Verpflegungsstation getrunken hatten – im Schnitt aber sicher jeder 5 Liter. Irgendwie waren alle froh sich bei der Verpflegungsstaion in den Schatten legen zu können. Auch unser Lukas hatte zu kämpfen. Ich glaube, er kann sich heute an die ersten 20min der Pause nicht mehr so richtig erinnern.

Das Frankenwochenende
War der Freitag noch mit Hitze „gesegnet“ fiel die erste Hälfte am Samstag buchstäblich ins Wasser. Ein echter Tag für harte Kerle und Kämpferinnen. Selbst eine bekannte Radfahrerin, die in ihrer Karriere sicher einige nasse Tage mit Schlamm gesehen hatte, wollte da nichts riskieren. Von oben Nass. Richtig viel Nass. Und die Strecke? Die startete gleich bergauf zum Dach der Deutschland Tour 2021. Im strömenden Regen kämpften sich die Radfahrer von Ilmenau bis zur Verpflegungsstelle nach Ebensfeld. Die mystische Stimmung im Thüringer Wald hinterließ ein beeindruckendes Naturerlebnis, welches vom historischen Flair der Dörfer abgerundet wurde. Nach der Verpflegungsstation, an der an diesem Tag verdächtig Viele sich über einen heißen Kaffee bei Gazprom freuten, ging es hhne große Herausforderungen nach Erlangen.
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Fränkische Schweiz – der Namen hat einen Grund
Kurz, aber gespickt mit Höhenmetern hatte der Schlusstag Klassikercharakter. Und nachdem wir alle Wetterlagen durch hatten, war der letzte Tag wieder freundlich und für Fotos bestens geeignet. Die Fotographen hatten leichtes Spiel, denn bei Anstiegen mit bis zu 25% fuhr keiner zu schnell vorbei. Allerdings war es mit viel Plauderei auch nicht. Aber die Fränkische Landschaft hat alle beeindruckt – aber auch noch einmal alles abverlangt. Getreu dem Motto „Ausruhen kannst du dich morgen wieder“ ging es von Erlangen über Gößweinstein nach Nürnberg. Auch an diesem Tag kamen einige „Promis“ um das Treiben live mitzuerleben, wie z.B. Eric Guthglück, Redakteur der roadbike.



Wir Hobbyradfahrer haben Erfahrungen gesammelt, die sonst nur Profis erleben. Sicher wird der ein oder andere das „langsame Gruppenfahren“ kritisieren. Aber wer will den schon hier antreten und um den Gesamtsieg fahren? Natürlich gibt es diese Sportler – aber irgendwann werden auch sie erkennen, dass es beim Radfahren viele Facetten gibt. Der Profisport ist eine eigene Liga. Aber der Freizeitsport ist auch eine schöne Erfahrung, vor allem mit den vielen Geschichten drum herum. Dem guten Essen und dem erfrischenden Trinken mit Freunden nach einer langen tour. Und nach diesen vier Tagen steht eins fest: Dieses Konzept ist aufgegangen – und hat allen gefallen. Wie es 2021 sein wird, wissen wir nicht. Vielleicht wird es wieder ein Jedermann Rennen. Das wird sicher auch wieder einige freuen. Aber sich im Rennen locker mit Fabian, Hanka, Vogte und Co zu unterhalten, wird sicher nicht leicht sein. Den die haben zwischendurch alle kurz mal ihre Klasse aufblitzen lassen. Aber immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

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Wer langsam fährt hat mehr von der Strecke.

2. Vorsitzender HFS - Helmuts-Fahrrad-Seiten e.V.

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