400er Brevet Weserbergland '14, Großenwieden (Ber.+Bilder)

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400er Brevet Weserbergland '14, Großenwieden (Ber.+Bilder)

Beitragvon tabula-raser.de » 26.05.2014, 16:20

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400er Brevet Weserbergland: Nie wieder!

http://www.tabula-raser.de/400er-brevet ... ieder/2479
Eigentlich hat zum Radfahren jeder seine eigene Philosophie
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pivo
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Sauber!

Beitragvon pivo » 26.05.2014, 18:02

Danke für den appetitanregenden Bericht. Ich denke, im nächsten Jahr werde ich es auch mal im Weserbergland probieren...

Peter
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dirksen1
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Beitragvon dirksen1 » 27.05.2014, 10:57

3 von 4 finihed

Dritter Gang, dritter Spaß, dritte Erfahrung

Was für ein Tag…oder besser: was für ein Tag plus ne halbe Nacht. Danke Uwe für den dritten Gang ans Brevet-Buffet im Weserbergland. Auch bei diesem gab es alles, was das (Radler-)Herz begehrt und darüber hinaus eine ordentliche Portion Fairness, Hilfsbereitschaft, Sportsgeist, Uneigennützigkeit und (zumindest für mich) verdammt große Gefühle als Beilage.

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Die übliche Beschreibung, wann es bei welchem Wind wie und wo hoch ging, erspare ich dem treuen Leser, sondern komme direkt zur Sache.

ES WAR TOLL.

Fertig :-)

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Ok, ein bisschen dann doch noch, ich kann es mir eh nicht verkneifen. Allerdings endet es in einer ganz persönlichen Erfahrung, aber das lass ich mir nicht nehmen.

Der 400er im WB wurde von einem (von mir so getauften) Brevet-Papst mal „Spreu vom Weizen Trenner“ genannt und ich möchte diese Bezeichnung mal ganz unbescheiden so stehen lassen.

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Was da über 400km an Auf und Ab serviert wird, ist einfach unglaublich. Flache Abschnitte zum Rollen? Lange Abfahrten? Fehlanzeige, ab und zu mal ein bisschen, ok und die km 200 – 250 laden zumindest dazu ein, den Karren mal laufen zu lassen und die eine oder andere „Welle“ wegzudrücken. Das sollte man allerdings nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn „später“ wird es noch mal wieder ernst am Tresen. Solling, das Bremer-Berg-Äquivalent Graupenburg und schließlich die lange Westauffahrt zum Ith treiben die allerletzten Laktat-Reserven in Richtung Hüfte und lassen dir bis zum „Schlussberg“ (Möncheberg?) keine Zeit zum regenerieren. Aber wir wollten es so und haben es so erwartet.

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Am Ende waren wir alle satt und fielen in die Gartenstühle bei Uwes Heim, wo es (um 02:00 Uhr morgens!!!) frisch belegte Brötchen, Kaffee, Cola usw. gab. Mehr Service? Geht nicht!

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Zwischen Start und Ziel ereignet sich natürlich so einiges bei solchen Distanzen.

Da wird gelästert, geflucht. Da wird Tempo gebolzt, rausgenommen, da bilden sich Allianzen, da ist man ganz für sich. Einfach Radfahren in seiner pursten Form…Kilometer sind nur eine Frage der Zeit und ab und zu wird man vom Radsportler zum Touristen, trotzdem ;-)

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Auch Schrecksekunden gibt es, die einen mit Macht wieder auf die Erde bringen. Da rollt man eine der längeren Abfahrten mit geschätzten 60km/h runter, eine kurze (100m?) Gegenrampe lädt zum Wiegetritt ein und mit einem lauten Knall bricht das rechte Pedal an der Achse ab! Direkt oben auf der Kuppe. Irgendwie löste sich auch mein linker Fuß aus dem Pedal und ich „landete“ auf dem Oberrohr, das Rad am Schlingern wie ein betrunkener Seemann, allerdings immer noch ca. 50km/h schnell. Ich danke meinem Schutzengel und seinen/ihren Kollegen, dass sie es mir ermöglichten, mit beiden Füßen am Boden rutschend das Rad irgendwie langsam aber relativ sicher zu entschleunigen, dabei steuerte (wenn man das so nennen kann) ich Richtung Straßenrand, irgendetwas zog mich dahin, dort lockte der weiche Rasen. Aber gefühlte 10km später stand ich ... still ... demütig … voller Adrenalin…alles heile … außer das Pedal … danke!

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Auf dem Oberrohr sitzend ein Versuch, das eben Erlebte zu rekapitulieren, schnell Entwarnung an meine Mitfahrer gebend, die zitternden Beine vom Rad pulen und durchatmen. Atmen … einfach nur durchatmen …

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So etwas passiert eigentlich nicht, sagte später ein Randonneur im Ziel. Stimmt. Seit ich Rad fahre (also eigentlich schon immer) ist mir das noch nie passiert und ich war in meinem Laben mal leicht, mal schwer, mal sehr schwer, und aktuell bezeichne ich mich als mittelschwer .-) aber eine Pedalachse, die bricht, ohne jede Vorankündigung, habe ich noch nie selbst erlebt und auch noch nie gesehen. Ok, nach dem Schreck schaltet der Mensch um in ein großes „und jetzt?!?“. Meine Brevet-Serie, wir haben doch grad mal knapp über 100 von 400 Kilometern. Mist verdammter, Scheißdreck und weitere Flüche brachen aus mir heraus, denn trotz der nicht benötigten Menge an Tools, Ersatzkette, Bremsbeläge für Dauerregen usw. fast ausnahmslos im Rucksack von Fr. Eklund gepackt ließen DAFÜR keine Lösung finden. Also noch mal: „und jetzt?!?“

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Ich schrieb oben etwas von Hilfsbereitschaft und die sollte jetzt einsetzen, auf einem Niveau, wie ich selbst kaum erlebt habe. Mit einem Bein in den nächsten Ort, dort Leute auf der Straße angesprochen „haste mal n‘Pedal?“ ohne Ergebnis. Ein Herr leitete uns zu nem Autohändler. Wie bitte? Autohändler? Soll das ein Scherz sein? Egal, manchmal reicht ein Strohhalm zum Überleben.

Der freundliche Chef kannte 2 km weiter einen Fahrradladen *Halleluja*, der hat aber schon zu *kein Halleluja*, aber er würde da mal anrufen *Halleluja*. Fr. Eklund wurde flugs dorthin chauffiert, hatte sogar die Wahl zwischen einfachen Metall-Zacken-Pedalen oder dem Altherrenmodell. Letzteres besticht zwar nicht durch Look-Keo kompatiblen Einstieg, aber seine gummierten Ränder gaben den Sidis (ohne Cleats) dann wenigstens ein bisschen Halt. Dranschrauben, Kaffeekasse eines Autohauses füttern und weiter ging’s.

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Sind ja keine 400 mehr, hätte Janibal sicher gesagt, ich suchte verzweifelt eine Fußposition, bei der nicht entweder meine Schuhe gnadenlos vom Pedal rutschten oder aber die Füße nicht nach 3 Umdrehungen vollkommen taub waren. Klappte überraschend gut nach einiger Zeit. Ich denke, so nach 20km ca. Denn dann konnte ich wieder ganz gut rollen und sogar erste Wiegetrittversuche erfolgreich durchziehen, ohne von den Pedalen zu rutschen. Schmerzen bekam ich nur am linken Fußgelenk und an den Muskeln vorn am Schienbein (ich wusste gar nicht, dass da welche sind…). Später dann eine gefühlte Blase am rechten Fuß, diese stellte sich aber als eine Falte in der nassen Socke heraus, der große Zeh tut nur noch ein bisschen weh.

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So, genug gejammert…

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Ich möchte ausdrücklich meinen Mitfahrern danken. Fr. Eklund (auch für „geladenen“ Service unterwegs), Tom Mas für die eine oder andere salzige Einlage, Tino Vöckler für Windschatten, wenn man ihn nötig hat, Siggy sbacho für Ortskenntnis und Unterstützung „vorn“ sowie Martin „Ecki“ Eckernförde für ebenfalls großes Kino auf der Teamgeist-Leinwand. Immerhin hatte mein Pedalbruch uns locker 90min Zeit gekostet und Siggy zu einem „wir haben versagt“ hingerissen, als wir entsprechend spät in Großenwieden einrollten :-) Ihr ward groß!

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Man achte auf den vorschriftsmäßigen Pedalreflektor :-)

Danke euch allen, mehr kann ich nicht kundtun über dieses Medium.

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Und denkt alle dran: wir sind auf dem Rad nicht unzerstörbar, werden manchmal zum Passagier und sollten uns freuen, dass wir es erleben dürfen, uns auf den 2 Rädern, die für uns teils die Welt bedeuten, bewegen zu können.

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Bis in 4 Wochen dann, Uwe. Es war wieder klasse bei dir!

Hier gibt es noch weitere tolle Bilder von Tom Mas:
https://picasaweb.google.com/1100109047 ... directlink
ES LIEGT NIE AM RAD!
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