300er Brevet der ARA Hamburg (Berichte)

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tailwind
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300er Brevet der ARA Hamburg (Berichte)

Beitragvon tailwind » 13.04.2014, 16:15

Ca. 70 Starter hatten sich morgens in Rothenburgsort getroffen, um ein vier Länder Brevet zu fahren: Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Niedersachsen.

Zuerst ging es nach Norden, durch Schleswig-Holstein bis kurz vor Lübeck. Ich hatte mich auf gutes Wetter eingestellt, aber das erste Highlight der Tour war eine neblige Waschküche, wie ich sie selten gesehen habe. Der Nebel hat uns von der schleswig-hosteinischen Landesgrenze in Havighorst bis nach Großensee begleitet. Mit der Sichtweite war es wirklich nicht weit her und als Brillenträger mußte ich alle drei, vier Minuten mit dem Finger das Kondenswasser von den Gläsern wischen.

Dann gab es ein sehenswertes Lichtspiel: Die Sonne hat mehrfach versucht sich durch den Nebel zu brechen, aber erst in Großensee war der Nebel plötzlich weg. Ab da hatten wir strahlenden Sonnenschein und ich habe kräftig Farbe ins Gesicht gekriegt.

An der ersten Kontrollstelle, einer Shell, wollte ich nicht lange halten, weil ich aus dem letzten Jahr noch in Erinnerung hatte, dass es am nördlichen Wendepunkt Kuchen gab.

Die letzten Kilometer zur zweiten Kontrollstellen sind eine Sackgasse, die man rein- und dann wieder rausfährt, um zurück auf die Strecke zu kommen. Mir gefällt das ziemlich gut, denn man kann auf diesen Kilometern sehen, wer vor und wer hinter einem fährt, weil man sich begegnet. Kurz vor dem Ziel kam uns die Gruppe mit Claus entgegen, was von einem jüngeren Mitfahrer mit 'Ganz schön schnell diese Alten' kommentiert wurde.

Zu meiner großen Enttäuschung gab es dort keinen Kuchen, sondern nur Benzin und Softdrinks. Da die nächste Kontrollstelle, das Dielencafe in Kittlitz, nur ein paar Kilometer entfernt war, habe ich die Pause wieder ausfallen lassen und bin gleich weiter gefahren, in der Hoffnung, dort den ersehnten Kuchen zu bekommen.

Kuchen gab es nicht, nur Torte. Aber nach 130 km ohne wirkliche Pause ist man nicht mehr besonders wählerisch. In einer Glasvitrine standen bestimmt sieben oder acht Torten, auf denen auf jeder einzelnen stand: 'Iß mich'. Die Entscheidung fiel auf ein ungelogen riesiges Stück Blaubeertorte, das von der Größe her exakt auf hungrige Radfahrer abgestimmt war. Die Betreiberin hat rekordverdächtig schnell parallel sowohl gestempelt, Kuchen zugeschnitten, als auch Kaffee ausgeschenkt. Zudem hat sie extra für uns früher geöffnet. Ein dickes Lob für Service at it's best!

Dann ging es Richtung Nordheide. Der Gegenwind war mäßig aber stetig, deswegen mußte wir etwas langsamer fahren, hatten aber dafür mehr Zeit zum Klönen. Es waren mehrere Leute dabei, die mit dem Brevetfahren eigentlich nichts am Hut hatten, aber die Tour zur Vorbereitung für längere Touren im Sommer mitgefahren sind. Der eine wollte zur Vätternrundan, ein anderer die Alpen mit einem Mountainbike queren.

Die letzten Kilometer zum südlichsten Punkt, Amelinghausen, waren wieder eine Sackgasse, auf der man sehen konnte, wer vor und hinter einem fährt. Uns kam eine Gruppe entgegen, zu der auch zwei Fixiefahrer gehörten, die erstaunlich schnell unterwegs waren. Equipment ist eben doch nicht alles. Angekommen an der Tankstelle war der Zustand bei allen gleich. Da wurde nicht viel geredet, sondern etwas zu essen aus den Taschen gekramt und dann etwas Pause gemacht.

Für die nächste Etappe bis zum Fährhaus hatte ich mir als Zwischenziel den Burger King in Winsen ausgeguckt. Beim Einbiegen auf den Parkplatz wurde ich dabei von einer Gruppe erwischt, die kurz hinter mir fuhren. Die Mißbilligung der gesamten Gruppe, ob meines Verhaltes, wurde sofort lautstark kundgetan. Jungs, laßt euch sagen: Nur Streber lassen sich so eine erstklassige Gelegenheit zur Nahrungsaufnahme während eines Brevets entgehen.

Dann ging die Sonne unter und kurz hinter Winsen konnte man schon das orange beleuchtete Sperrwerk in Geesthacht sehen. Eine Fahrt bei Nacht über die Brücke des Sperrwerkes ist jedesmal wieder ein kleines Goodie.

Das Altengammer Fährhaus war noch geöffnet und das erste, was ich gesehen habe, war ein richtig schickes, altes Koga Miyata, das vor der Tür stand. Da keine Taschen montiert waren, konnte es einem Brevetfahrer nicht gehören, der Besitzer musste drinnen im Fährhaus sitzen.

Ich war zum ersten Mal im Fährhaus und die Atmosphäre dort hat es mir sofort angetan: Es roch nach dem Rauch von Zigaretten, die kleine Schar von Gästen saß an einem Tisch, fast alle hatten ein Bier vor sich stehen und es stand eine Flasche Korn auf dem Tisch. Der Wirt war total sympathisch, weil so relaxed und wollte von mir wissen, ob ich auch Paris-Brest fahren will. Ich habe noch ein bisschen mit den Gästen geklönt und gerade als ich losfahren wollte, kamen drei weitere Fahrer an. Ich habe dann beschlossen zu warten, bis sie gestempelt haben und dann haben wir zusammen den letzten Abschnitt der Tour in Angriff genommen.

Im Ziel, im Chaplin, gab es bei unserer Ankunft Szenenapplaus von Gästen, die es sich am Tresen gemütlich gemacht hatte. Eine nette Geste zum Abschluss. Ich wäre gern noch auf ein Weizen geblieben, aber das Rad stand draussen, unabgeschlossen und das hat mich ziemlich nervös gemacht.

So, wie ich das verstanden habe, macht Hanno die Orga und Claus sucht die Strecke aus. Beides war erstklassig und deswegen ein dickes, fettes Dankeschön an die beiden für dieses Brevet!
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Guzzi
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Beitragvon Guzzi » 14.04.2014, 07:35

Schöner Bericht tailwind!

Im Liegeradforum gibt es noch 4 Berichte der liegenden Teilnehmer:

http://www.velomobilforum.de/forum/inde ... ost-550378

Auch von mir vielen Dank an Hanno und Claus für die Organisation und die tolle Streckenauswahl.

Gruß Hartmut
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Re: 300er Brevet der ARA Hamburg (Berichte)

Beitragvon Halbrenner » 14.04.2014, 09:01

Sorry, den Kuchen haben wir vorher wohl weggefuttert. Als ich im Dielen Café war, gab es noch richtig leckeren Rhabarber-Kuchen, ebenfalls in sündhaft großen Stücken serviert.
tailwind hat geschrieben:Kurz vor dem Ziel kam uns die Gruppe mit Claus entgegen, was von einem jüngeren Mitfahrer mit 'Ganz schön schnell diese Alten' kommentiert wurde.
In der Gruppe der "Alten" war auch Friedhelm Lixenfeld, der 83 oder 84 Jahre alt ist, der 2011 der älteste PBP-Fahrer war und dessen außergewöhnliche Fitness schier unbegreiflich ist. Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, in dieser Gruppe ab Kittlitz bis ins Ziel mitfahren zu dürfen und mich von "den Alten" inspirieren zu lassen. Vielen Dank für diese Stunden!
Altonaer Bicycle-Club von 1869/80.
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seevetaler
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Re: 300er Brevet der ARA Hamburg (Berichte)

Beitragvon seevetaler » 14.04.2014, 10:56

Halbrenner hat geschrieben:Sorry, den Kuchen haben wir vorher wohl weggefuttert. Als ich im Dielen Café war, gab es noch richtig leckeren Rhabarber-Kuchen, ebenfalls in sündhaft großen Stücken serviert.
tailwind hat geschrieben:Kurz vor dem Ziel kam uns die Gruppe mit Claus entgegen, was von einem jüngeren Mitfahrer mit 'Ganz schön schnell diese Alten' kommentiert wurde.
In der Gruppe der "Alten" war auch Friedhelm Lixenfeld, der 83 oder 84 Jahre alt ist, der 2011 der älteste PBP-Fahrer war und dessen außergewöhnliche Fitness schier unbegreiflich ist. Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, in dieser Gruppe ab Kittlitz bis ins Ziel mitfahren zu dürfen und mich von "den Alten" inspirieren zu lassen. Vielen Dank für diese Stunden!
Naja, alles war gottseidank nicht weg, die beiden Stückchen Butterkuchen haben für mich locker gereicht :trommel:. Die dortige Kontrolle war wirklich ne klasse :OK: Idee von Hanno !!Ok, die Ehre mit Friedhelm Lixenfeld, von dessen Anwesenheit ich bei einer Kontrolle erfahren habe, zu fahren, hatte ich leider nicht, aber die drei Fixies-Fahrer in meiner letzten Gruppe fand ich auch schon bemerkenswert.....
Unglaublicher Tag, es war mein erster 300er überhaupt. Morgens noch knapp über Null, der Nebel verflüssigte sich locker über beide Handschuhe, kein wirklich schöner Anfang. Dann nach 90 Minuten die Wende, urplötzlich nur noch blauer Himmel und herrliche Sonne, mit der auch die Motivation durch die Decke ging. Bei der zweiten Kontrolle
ließ ich meine Gruppe ziehen, da ich nicht ohne vorheriges Käffchen weiterfahren wollte. Neue Gruppe, weiter geht´s . Kittlitz, Dielenkaffee, die Sonne lacht, der Kuchen mundet, hier hätte man wirklich Stunden sitzen können . Bin dann mit Hanno weitergefahren, aber da das Tempo auf Dauer dann doch nicht passte, trennte man sich wieder und bin dann alleine weiter. Das war kein Problem, bis ich dann in Lauenburg so langsam in den Wind kam. Allein kostete das unheimlich Körner, sodaß ich heilfroh war, daß eine 7er Gruppe hinter Bardowick auf mich auffuhr
:D Zusammen absolvierte man dann die herrliche Schleife über Amelinghausen und Winsen zurück zum Start, wo es fast schon dunkel war. Das Belohnungs- Weizen :kipprein: im "Chaplins" schmeckte danach wirklich sensationell. Kann mich nicht erinnern, jemals so fertig gewesen zu sein :(
Herzlichen Dank an Hanno und Claus, es war mal wieder ne super (Tor-)Tour !! :Anbeten:
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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