RTF´ler im allgemeinen - Wie Achim Achilles uns sieht...

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superham68
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RTF´ler im allgemeinen - Wie Achim Achilles uns sieht...

Beitragvon superham68 » 26.05.2009, 21:12

Hier ein schöner Text aus der Sicht eines Läufers...

Dinosaurier auf zwei Rädern: Bei seinem Ausflug in den Radsportkosmos
entdeckt Achim Achilles vergessene Welten. Rüstige Rentner erzählen vom
Krieg, schwanken zwischen Wampentritt und Lotussitz - und schocken unseren
Wunderläufer mit geradezu preußischer Hackordnung.

Am Wochenende hab ich zur Abwechslung mal bei den Herrschaften vom Radsport
reingeschaut. Kann ja nicht sein, dass alle Rennradler so muffelköpfig sind
wie die Hornissenschwärme, die sich einen Spaß
daraus machen, Läufer in den Graben zu drängeln, nicht ohne im Vorbeifahren
noch ein paar herzhafte Schnäuzer abzusondern. Eigentlich sollten wir
Ausdauerhelden uns doch gegenseitig wertschätzen. Radler machen dem Neuling
die Nächstenliebe allerdings nicht ganz leicht.

Was bei den Läufern der Lauftreff, heißt bei der Konkurrenz
"Radtouristikfahrt". Jedes Wochenende bietet ein anderer Club eine Tour an,
immer im Rudel. Da kann der Hobbysportler je nach Streckenlänge Punkte
sammeln wie mit der Payback-Karte. Die Routen sind seit Jahrzehnten die
gleichen; jede neue Baustelle sorgt für irritiertes Gemurre.

Während der Läufer bevorzugt allein mit sich und ein paar frei laufenden
Hunden den Forst durchstreift, neigt der Velomane zum Kollektivsport. Dann
hat man jedenfalls immer einen Verrückten, der freiwillig vorn das Tempo
macht, während sich die Meute im Windschatten Geschichten vom
Dreißigjährigen Krieg erzählt. Man kennt sich seit dem ersten Geburtstag der
Bundesrepublik; der rüstige Mittsiebziger ist nicht Ausnahme-, sondern der
Normalathlet im Feld. Weil Radfahren die Gelenke schont und der Kreislauf im
niedrigtourigen Dieselbetrieb läuft, macht mancher Routinier im Sattel eine
weitaus bessere Figur als am Boden.
Freunden bizarrer Bewegungsabläufe wird der Wampentritt geboten. Wenn der
Bauch auf dem oberen Rahmenrohr aufliegt, spreizen sich die Beine fast bis
zum Lotussitz: Schwerstarbeit für Knie, Hüften und das Rad. Damit die
wackeren Kämpfer nicht vor Entkräftung vom Kurs abkommen, umkreisen bei
größeren Touren Hütehunde das Feld, verdiente Helden des Sattels, die eigens
eine Prüfung ablegen mussten und dafür nun ein leuchtend gelbes Leibchen mit
der Aufschrift "Kontrollfahrer" tragen dürfen. Manchmal bellen sie.

Bei den Hobbyradlern drehen sich die Reifen, aber nicht die Erde - alles wie
in den fünfziger Jahren hier. Die Muttis schmieren Schmalzstullen und rollen
die Augen, wenn Vati wieder mal von seinen Heldentaten berichtet:
Ausreißversuche, mörderische Sprints und wie er gleich nach dem Krieg auf
Holzfelgen von Königsberg nach Königswusterhausen geflohen ist. Gegen
Radlerlatein sind die Flunkereien des Läufers verdammt dicht an der
Wahrheit.

Der organisierte Läufer an sich ist ja schon ein seltsames Wesen. Aber der
Club-Radler schlägt alles in der Disziplin verschärfter Vereinsmeierei.
Gegen die Speichen-Spießer ist jeder deutsche Kleingärtner ein lockerer
Freak. Ist auch kein Wunder, wenn Deutschlands Radelsführer Rudolf Scharping
heißt. Wer etwa wagt, gemusterte Socken zu tragen, riskiert ein
Ausschlussverfahren. Felgen, die nicht schon Rudi Altig im Einsatz hatte,
werden mit Argwohn beäugt. Hier fahren Oldtimer auf Oldtimern.
Liebstes Thema der Gruppenradler: der Nachwuchsmangel. Wie in den
Volksparteien sind es fast überall rüstige Rentner, die das Vereinsleben
diktieren. Sie sortieren Startnummern, führen die Trainingsfahrten an und
besonders gern das große Wort. Sie können alle Tour-Sieger freihändig
aufsagen. Die Hackordnung ist klar: Der Senior ist Chef, alles unter 60 darf
gehorchen. Wer nicht militärisch in ordentlicher Dreierreihe fährt, wird
umgehend zusammengepfiffen.
Die Kurbelei würde ja durchaus Freude machen, wenn es den Wortführenden um
den Spaß an der Bewegung ginge. Leider treffen sich die meisten vor allem
deswegen, um möglichst viele ungeschriebene Regeln einzuhalten und sich
dabei gegenseitig zu kontrollieren.
Wirklich merkwürdig, dass diese sympathischen und weltoffenen Herrschaften
keinen Nachwuchs in ihre Traditionspflegeeinrichtungen locken können.
An alle Radfreunde: Achim Achilles verlost seinen Startplatz beim Velothon
in Berlin. Bist du würdig genug, ihn zu vertreten?

Helmuts Anmerkung: Der Text stammt aus der Reihe "Achilles' Verse" auf Spiegel-Online.
"Ein gutes Fahrrad ist ein großartiger Kamerad,
ein Freund, und es besitzt großen Zauber".
(Flann o`Brien)
"Ich liebe meine Mudder, aber mein Rad lieb ich noch mehr"
(Fischmob)
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Beitragvon duerckheimer » 26.05.2009, 21:31

Fehlt irgendwo das Ironiezeichen???
Oder auf welcher Veranstaltung warst du???
Oder verstehe ich als Neuling deine Art des Humors nicht???
War das dein Humor oder doch Ernst gemein???

Gruß
Björn
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Beitragvon harald_legner » 26.05.2009, 21:47

Da hat jemand vergessen, die Quelle anzugeben. Das erklärt dann vielleicht etwas, wie man den Text interpretieren sollte.
http://www.spiegel.de/sport/achilles/0, ... 83,00.html
[hl]
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Beitragvon Helmut » 26.05.2009, 23:41

Alles halb so wild. Schön ist, dass Jedermann-Lauf-Pabst Achim Achilles nun auch den Breiten-Radsport entdeckt hat. Das bringt unserem Sport mehr Aufmerksamkeit und nutzt uns allen. Über uns selbst lachen können wir doch schon lange, oder?

Achilles auf'm Rad... Geil! Hat jemand n Foto davon?

Helmut
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon duerckheimer » 27.05.2009, 05:58

OK... Dann verstehe ich das auch. Der Name kam mir zwar bekannt vor, aber manchmal fehlt dann die Verbindung...

Danke für die Aufklärung.

Gruß
Björn
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Beitragvon Thali » 27.05.2009, 12:30

Um mit Mao Sezung zu sprechen: "Viel Wahlheit in wenigen Wolten"

In diesem Sinne - schöne Pfingsten

Bild
Bundesvorstand von links nach rechts: Rudolf Sch. ....
Foto: Wiki P.
Bild
Altona skal være Dansk
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Beitragvon radfreunde » 27.05.2009, 13:20

duerckheimer hat geschrieben:Oder auf welcher Veranstaltung warst du???
Ich nehme an, er (Berliner) war bei "Berlin total". Ist ne RTF "im geschlossenen Verband", wo ich tatsächlich erlebt habe, wie RTF-Kontrollfahrer die Dreierreihe moniert haben, was ich auch verstehen konnte, da wir durch Berlin Mitte gefahren sind (Schnitt lag so bei 27 km/h). Hatte mit einer "normalen" RTF wie wir sie (meist) kennen nicht viel zu tun. War aber von der Strecke und von der Atmosphäre toll.

Gruß aus dem Westen

wilf

http://www.rissen.de/radfreunde
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Re: RTF´ler im allgemeinen - Wie Achim Achilles uns sieht...

Beitragvon Tom » 27.05.2009, 21:35

Hallo Freunde,
Ein herrlicher Beitrag, ich kann vieles zum Inhalt nur bestätigen. In der Welt der Satire gibt es nichts worüber man nicht lachen darf. Wir nehmen uns doch auch selbst auf die Schippe (zB. Thalis Onkel Ho)(':)')
Man kann jeder Sportart einen Spiegel entgegenhalten und kommt immer zum gleiche Ergebnis: Die haben doch was genommen oder spinnen denn alle?

Ich hab meine Freude daran
Tom
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Die spinnen doch alle.....

Beitragvon Con-Rad » 03.06.2009, 13:22

Richtig Spaß hat mir die Lektüre bereitet und geschmunzelt und leise gelacht hab ich auch. Über die Dicken, deren Knie beim Treten dem Bauch seitlich ausweichen und die disziplinierten Gruppen, die mir als Einzeltäter unheimlich sind und die alten Geschichten aus dem Krieg... Dann unsere Kommentare, klar wir können doch über uns lachen, wir schmettern den bissigen Spott mit einem wohlwollenden Grinsen ab (In der Welt der Satire gibt es nichts worüber man nicht lachen darf. Wir nehmen uns doch auch selbst auf die Schippe) Wir uns selbst? Wir lachen doch wieder nur über die Anderen, die anderen Radler! Wir selbst sind in Wirklichkeit noch viel komischer. Gut, das Archilles nicht mich beobachtet hat! Wer hat bei uns denn zuletzt den Wampentritt mit Lotussitz gesehen? Ich habe, sensibilisiert Ausschau gehalten: Fehlanzeige!

Sicher, meine Zeit als Läufer ist seit 16 Jahren vorbei (Meniskus, vom Surfen) aber die Rudelbildung und Anführermentalität und die alten Heldentaten sind nach meiner Erfahrung genauso bei den Läufern zuhause. Wie oft sehne ich mich nach ein wenig Autorität und Disziplin bei unseren Trainingsfahrten, die einige der Testosteronvergifteten dazu bringen könnte, sich wenigstens nach der Steigung zu mäßigen und nicht bergab Revanche zu fordern. Oder die verhindern, dass diese sich gleich auf den ersten Kilometern von dem Neuen herausfordern lassen, der dann nach 20 Minuten genug hat und nie wiederkommt?

Oft beneide ich die Gruppen anderer Vereine, die bei RTF’s so diszipliniert vorbeirollen. Bis ich dann mal als Einzelfahrer so einen gemütlichen Club überhole. Das löst bei einigen Alpha-Männchen eine Vernunft- Sperre und es wird dann solange Gummi gegeben, bis sie mich wieder aufgesogen haben. Wenn dann weiter gebummelt wird und ich das Spielchen wiederhole, geht’s natürlich wieder auf die Verfolgung, untermalt von Protest- und Verzweiflungsrufen der hinteren Ränge des sich auflösenden Konvois. (In Wesseln hat es neulich ein Grüppchen überholender Nortorfer geschafft, meine vorher ganz vernünftige Gruppe so zu zerfleddern, dass es an der nächsten Kontrolle zu Diskussionen kam: “Wir hatten doch verabredet.....“.

Lauftreffs entsprechen eigentlich unseren Trainingstreffs und RTF’s eher den Volksläufen und die Stullen schmieren wir auch meist selbst, wenn wir eine RTF veranstalten. RTF’s bieten meist jedem die angemessenen Partner. Im übertragenen Sinne vom Porsche bis zur Ente. Wer sich dann in einem Verband aus Lanz- Traktoren wiederfindet, darf sich nicht wundern, wenn es etwas dieselt.

Worüber schwatzen Laufgruppen eigentlich so unterwegs? Aus eigener Erfahrung kenne ich die Erzählungen von Windsurfern und Ski-Fahrern. Ehrenwort, da können wir absolut nicht mithalten! Fachsimpeln ist Teil jeden Sports. Ist doch normal, wenn ich z. B. Briefmarkensammler oder Ahnenforscher beehre, kann ich mit Laktatwerten auch nicht begeistern.

Bei Spiegel -Online ist die Satire mit einem Nacktfahrer geschmackvoll illustriert. Ein typischer Anblick bei Trainingsfahrt oder RTF? Erkennen wir uns wieder? Mir scheint es eher, als wenn es im Gruppenverhalten zwischen Radlern und Läufern verblüffende Übereinstimmungen gibt. Auch einzelne Radler wurden schon gesichtet. Individualismus ist keine besondere Eigenschaft der Läufer!

Radsport gehört neben Schwimmen zu den Sportarten, mit denen ich mich trotz Übergewicht und Alter fitt halten kann. Diese Sportler sind ausdrücklich zu unterstützen. Soll sich der Nachwuchs doch mit Achilles austoben. Wenn die Gelenke erst hin sind, landen sie so oder so bei uns. Und während wir dann von der Schlacht im Teutoburger Wald schwärmen, schmiert Achilles die Schmalzstullen…..
Die ganze Warheit mit Bildern unter:
www.radsport-buchholz.de
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Beitragvon Astrid » 03.06.2009, 17:02

aber die eine oder andere " Wampe" habe ich zuletzt schon gesehen ;)
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Con-Rad
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Was meinst Du mit Wampe?

Beitragvon Con-Rad » 03.06.2009, 18:05

Ist hier Kugelbauch oder Schlabberbalg gemeint? Apfel oder Birne, spitz oder ringförmig, stramm oder ausladend, hüpfend oder wiegend, hart oder weich, faltig oder gebläht?

"Wenn der Bauch auf dem oberen Rahmenrohr aufliegt, spreizen sich die Beine fast bis zum Lotussitz: Schwerstarbeit für Knie, Hüften und das Rad."

Bauch auf Oberrohr? Nie gesehen und wenn die Beine nach außen stehen ist meistens die Sitzposition zu tief! Trotzdem ist es immer Gelenkschonender zu radeln als zu laufen.

Und überhaupt: Wer von uns wogenden Erscheinungen will den schon (ausser am Berg) son'n Strichmännchen sein?
Die ganze Warheit mit Bildern unter:
www.radsport-buchholz.de

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